Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ma
Worüber schreiben?
11.05.2017 09:10

Es gibt Tage, da hätte man zum Schreiben Zeit ohne Ende, und dann sitzt man da und weiß nicht, worüber man schreiben soll.
Die Themen, zu denen einem etwas einfällt, kommen einem immer dann in den Sinn, wenn gerade ü-ber-haupt kein Freiraum da ist, um etwas niederzuschreiben. Und bis dann wieder Gelegenheit wäre, hat man schon vergessen, welche genialen Gedanken man da gehabt hatte.
Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich mir Zeit für einen neuen Artikel nehmen kann. Und es fallen mir natürlich nur die üblichen, langweiligen Themen ein, zu denen entweder niemand etwas lesen möchte oder jede Menge anderer Leute schon genug geschrieben haben.
Der diesjährige Frühling ist z. B. sowas, das in die Kategorie „jeder hat schon was dazu gesagt“ fällt. Er wird sicherlich in die Annalen eingehen als der kälteste, trockenste, langweiligste, enttäuschendste und zeitvergeudendste Frühling seit – sagen wir mal – dem Jahr 2010. Womit bereits alles gesagt wäre. Mehr Worte als diese ist der aktuelle Frühling nicht wert.
Daß der äthiopische Flüchtling, der minderjährig und allein in unser Land gekommen ist und bei meiner Schwester im Haus zur Miete wohnt, nun schon mehr als ein Jahr da ist, gestern seinen zweiten Geburtstag in Deutschland erlebt hat und ein sehr netter Kerl ist, ist durchaus erwähnenswert und sicherlich ein Grund zur Freude. Allerdings muß man bei diesem Satz ja auch schon aufpassen, nicht eine dieser unsäglichen „politischen“ Diskussionen loszutreten, bei denen ich das Wort „politisch“ deswegen in Anführungszeichen setze, weil diese Diskussion meistens alles Mögliche sind, nur nicht politisch. Meist ranken sie sich um zutiefst privat empfundene Ausländerfeindlichkeit und die Beschimpfung der sog. Gutmenschen – auch so ein Wort, zu dem mir noch nie jemand eine befriedigende Definition geliefert hat, geschweige denn eine Deutungshilfe, ob ich als entspannter Bürger diesen Begriff nun als Beleidigung oder als Huldigung empfinden bzw. verwenden soll.
Ich werde nun weiter abwarten, ob mich heute vielleicht doch noch die Muse küßt und mir ein wahrhaft fesselndes Sujet servieren wird. Ich räume dem allerdings nur wenig Chancen ein.
 

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