Frau Schletterer singt nicht mehr

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Augen auf beim "Wünsch dir was"!
23.11.2015 06:44

Vor einiger Zeit saß ich gemütlich vor dem Fernseher und schaute die Nachrichten, als mir plötzlich alles zu viel wurde. Entnervt entfuhr es mir: „Ich möchte mal wieder nur EINEN Tag erleben, an dem das Wort „Flüchtling“ nicht in den Nachrichten kommt!“ Nicht, daß ich die Menschen nicht verstünde, die vor Krieg, Gewalt und Elend fliehen! Nein, ich wollte nur einfach mal eine kurze Pause in meinem Kopf, einen Tag lang nicht (mehr) darüber nachdenken, was die Ankunft so vieler Menschen in einem für sie fremden Land für uns alle bedeutet. Bedeuten kann. Oder gar nicht bedeuten muß.

Und was passiert? In Paris ermorden Terroristen massenweise und wahllos Leute, die ihnen nie was getan haben und einfach nur zufällig gerade in der Schußlinie waren.

Da hatte ich es: mein Wunsch war erfüllt, von Flüchtlingen sprach an dem Tag niemand mehr.

Und ich saß da, und mir war elend. Natürlich ist das alles nicht passiert, weil mir jemand das geben wollte, was ich „erbeten“ hatte. Aber doch hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, weil mir, als ich händeringend nach anderen Themen im Fernsehen gerufen hatte, nicht bewußt gewesen war, daß, wenn man solche Wünsche äußert, oftmals nichts Besseres als „Ersatz“ kommt. Nein, in diesem Fall war es ein so entsetzlicher Ersatz, daß mir die Worte buchstäblich im Halse stecken blieben.

In weit weniger dramatischer Weise habe ich schon so häufig die Erfahrung gemacht, daß unerfüllte Wünsche oftmals die bessere Alternative waren, oder daß enttäuschte Hoffnungen zumindest irgendwann doch noch zu etwas Gutem geführt haben.

Den erhofften Job nicht bekommen? Wahrscheinlich hätte ich mich in der Firma eh nicht wohlgefühlt. Das Solo durfte ein anderer singen? Sicherlich wäre ich am Konzerttag ohnehin erkältet gewesen. Die große Liebe hat sich für jemand anderen entschieden? Gut so, denn wir hätten sowieso nicht zusammengepaßt, und so war Platz für jemand anderen.

Und wie oft ist es so, daß man sich über etwas oder auf etwas unglaublich freut oder es herbeisehnt, und daß man, wenn es dann tatsächlich so weit ist bzw. eintritt, vollkommen enttäuscht wird?!

Gottseidank passiert dann nicht jedes Mal etwas so Grauenhaftes wie der Terror in Paris, aber es ist schon was Wahres an dem klugen Satz: „Man sollte sehr vorsichtig sein bei dem, was man sich wünscht – es könnte in Erfüllung gehen!“

Keine dynamischen Exzesse
O Tannenbaum!

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