Frau Schletterer singt nicht mehr

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Chiko Roll
03.03.2020 09:17

Kennen Sie die Chiko Roll? Ich kannte sie auch nicht, bis ich eben über eine Art Schlagzeile davon erfuhr, daß die Werbung, die für die Chiko Roll in den 70ern gefahren wurde, als sexistisch empfunden wurde.
Das überraschte mich nun wenig. Denn sexistische Werbung war in den 70ern ja gang und gäbe. Wer von uns erinnerte sich denn wohl nicht an all diese Wasch- und Spülmittelwerbungen, an die Werbung für Bügeleisen und Waschmaschinen, für Lufterfrischer, Staubsauger und Bügelstärke und die damit einhergehenden euphorisierten Hausfrauen, weil sie dank der beworbenen Produkte nun ganz gewiß die Bedürfnisse ihrer Gatten nach einem perfekt strahlenden Zuhause befriedigen und sich selbst damit für ihn begehrenswert halten konnten? Das war sexistisch in Reinkultur, und damals fand jede/r das erschreckenderweise normal. Mutti als schmückendes und dienendes Anhängsel von Vati – das war damals in den Augen vieler die Lebensaufgabe einer Frau.
Sowas in der Art erwartete ich nun auch für die Chiko Rolls, als ich eben googelte, was es mit dem Sexismus in den Werbekampagnen für diese Speise auf sich hatte.
Kurz zur einführenden Erläuterung: Chiko Rolls sind ein in ganz Australien bekannter Snack, eine Art Frühlingsrolle mit einem etwas dickeren Teig, ein Fertiggericht, das gefroren in Frittierfett geworfen und alsbald verzehrt wird. Sie haben in etwa die Form und Größe eines Staffelstabes aus der Leichtathletik, und um es deutlich zu sagen: die Assoziation mit einem Penis ist tatsächlich allzu naheliegend. Kein Wunder also, daß den Werbetreibenden eine Kampagne in den Sinn kam, in der leichtbekleidete Damen anzügliche Worte gebrauchten, um Kunden für die Vorzüge einer Chiko Roll „heiß“ zu machen.
Da frage ich mich allerdings, wieso – außer vielleicht wegen der leichten Bekleidung der Werbedamen – sich darüber nun die Damenwelt aufgeregt hat. Denn in diesem Fall werden ja nicht die Frauen in die schwache Position gerückt, sondern die Männer müssen sich den Vergleich ihres besten Stücks mit einer Chiko Roll gefallen lassen, den sie selbstredend verlieren.
Vielleicht bin ich einfach zu unkritisch oder habe zu viel Humor. Auf jeden Fall bin ich wohl nicht frauenbewegt genug, um mich darüber aufzuregen.
Die Zeiten, in denen auf diese Weise für diese Speise geworben wurde, sind ja offenbar vorbei. Und auch heute scheint sich der Snack nach wie vor gut zu verkaufen.
Insofern lassen wir’s gut sein und warten auf die nächst IAA, auf der sich wieder schlanke Schönheiten auf den Motorhauben der Neuerscheinungen in der Automobilwelt räkeln werden. Dann können wir gern wieder über das Thema Sexismus in der Werbung reden.
 

Heteropoda venatoria

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