Frau Schletterer singt nicht mehr

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Deppen Leerzeichen und...
16.03.2017 15:48

Heute habe ich in einer Kolumne einen leidenschaftlichen Artikel gelesen, der sich dem immer mehr um sich greifenden Deppen Leerzeichen (sic!) widmete.
Der Artikel war unterhaltsam geschrieben, und natürlich bin ich inhaltlich vollkommen einig mit dem Autor, der die immer weiter fortschreitende Verbreitung dieses Phänomens und auch anderer Rechtschreibauswüschse energisch beklagt.
Im Grunde sind wir ja schon so weit, daß es auffällt, wenn man mal einen fehlerfreien Text vor die Nase bekommt. Früher war das Umgekehrte der Fall: Rechtschreibfaule oder -ignoranten waren die Ausnahme.
Mich über diese Entwicklung aufzuregen, habe ich mir aber mittlerweile abgewöhnt.
Ich bin bescheiden in meinen Erwartungen geworden: so lange ich verstehe, was jemand zum Ausdruck bringen will, jammere ich nur noch ganz wenig. Denn alles Klagen registrieren ohnehin nur die, die klagen – nie diejenigen, über die gejammert wird.

Ob sich das Problem verschärft hat seit der Rechtschreibreform, hab ich nicht weiter analysiert. Sicher gehen die Schreibweisen der Einzelnen aber seither noch weiter auseinander als bisher: die einen, die nach wie vor nach alter Rechtschreibung schreiben (zu denen gehöre ich); die anderen, die die neue Rechtschreibung anwenden; die dritten, die nach alter Schreibung zu schreiben versuchen; und die vierten, die sich mit der neuen Schreibung vergeblich abmühen. Und dann noch die fünften, die eine korrekte Rechtschreibung für völlig überbewertet halten und sich keinerlei Mühe geben.
Ich für meinen Teil ärgere mich nicht über die, denen Rechtschreibung einfach nicht liegt, die das trotz aller Bemühungen schlicht nicht hinkriegen. Das wäre auch reichlich ungerecht, denn ich selbst habe z. B. keinerlei Sinn für Mathematik und Naturwissenschaften, und ich möchte auch nicht, daß jemand deswegen auf mich herabsieht.
Bedauern empfinde ich allerdings wegen denen, denen das alles wurscht ist. Eine fein verwendete oder doch zumindest mit Bedacht gewählte Sprache macht Kommunikation im Allgemeinen doch viel einfacher und unmißverständlicher. Sollte man nicht jedem unterstellen können, daß er bzw. sie sich wünscht, mit Interesse wahrgenommen und richtig verstanden zu werden? Da wäre es doch hilfreich, wenn jede/r sich bemühen würde, so zu schreiben, daß man nicht drei Mal drüberlesen muß, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. 

 

Herr Pawlow läßt grüßen
Alles Wurst, oder?

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