Frau Schletterer singt nicht mehr

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Des Deutschen Deutsch
09.12.2016 05:12

Der Deutsche per se schaut ja gern auf die Bürger unserer beiden deutschsprachigen Nachbarländer ein wenig herunter. Besonders was die Sprache anbelangt.

Nicht selten müssen ein Österreicher oder ein Schweizer den bundesdeutschen Deutschsprecher darauf hinweisen, dass es nicht DIE korrekte deutsche Sprache gibt, die natürlich einzig und allein in Deutschland angewendet wird, sondern dass nebeneinander in gleichwertiger Existenz drei Standardsprachen des Deutschen leben, die jede für sich – wie der Name schon sagt – einen Standard (vulgo Hochsprache) darstellen.

Besonders arm dran ist hier der Schweizer, über dessen angebliche Vorliebe für die Endsilbe –li sich der Deutsche gern lustig macht. Denkt ein Deutscher an die Schweiz, legt sich sofort in seinem Schädel ein Schalter um, er geht in den Imitiermodus, spricht ab sofort nur noch mit im Rachen kratzendem "Ch" und hängt völlig kopflos an jedes Wort ein –li hinten an, wobei er sich dabei gar nicht des Umstandes bewusst ist, dass auch der Schweizer das nur für die Bildung des Diminutivs tut. Das „Fränkli“, das der Deutsche überaus gern strapaziert, ist also ein Dorn im Ohr eines jeden Schweizers; was einleuchtet, vor allem, wenn man bedenkt, wie potent des Schweizers Währung immer schon war.
Auch geht man in der Schweiz nicht durch Türli, sondern hat dort genau wie in Deutschland normal große Türen, durch die man Haus oder Zimmer betritt.

Ich selbst achte immer peinlichst genau darauf, in Anwesenheit von Schweizern meinen ureigenen Dialekt oder bewusst bundesdeutsches Deutsch zu sprechen, um mich von jedem Verdacht der Lustigmacherei freizuhalten. Ja, es fällt mir sogar schwer, Passanten ein „Grüezi“ zuzurufen, wenn ich in der Schweiz eben so gegrüßt werde, obwohl das allgemein Usus ist, vor lauter Angst, ich spreche es nicht korrekt aus und mache mich lächerlich und gebe meinem Gegenüber das Gefühl, mich zu mokieren.

Und nun steht uns in der Firma, bei der ich arbeite, ein Besuch von Geschäftspartnern bevor – von einem Schweizer Unternehmen, das seinen Sitz in Zürich hat.  Wir arbeiten schon ein paar Jahre mit den Leuten zusammen, und in der Kommunikation klappt auch alles vorzüglich.
Aber was werden die Damen und Herren wohl denken, wenn sie sehen, dass zufällig (tatsächlich zufällig!) an jenem Tag auf der Speisekarte unserer Kantine ausgerechnet „Zürcher Geschnetzeltes“ steht? Damit kann man sich doch nur blamieren! Ich mag noch gar nicht dran denken!

 

Im stillen Kämmerlein
Wahre Feministen

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