Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ein Hoch auf die Mittelmäßigkeit
11.12.2015 06:25

Hand aufs Herz: wer gibt von sich gerne zu, mittelmäßig zu sein? Und nochmal Hand aufs Herz: sind nicht die meisten von uns tatsächlich genau das: mittelmäßig?

Sollte ich je gefragt werden, wie ich mich selbst beschreiben würde, dann würde ich wohl, wenn ich ehrlich sein wollte, damit anfangen, mich als ziemlich glücklich zu bezeichnen. Außerdem, wenn mich jemand danach fragen würde, würde ich erklären, daß es nicht das Berufliche ist, das mich glücklich macht. Es ist mein Privatleben. Damit habe ich echt einen guten Wurf gemacht! Mein Beruf, der ist tatsächlich „nur“ dazu da, mich zu ernähren. Natürlich möchte ich meinen Job ordentlich machen, auch ab und an gelobt werden können und stolz auf das sein, was ich kann und weiß.  Ehrgeiz, wie er nötig ist, um Karriere zu machen, um in dem, was ich mache, die beste zu sein, nur für dieses Gefühl, eben die beste zu sein, geht mir allerdings völlig ab. Dafür fehlt mir einfach die Leidenschaft für das, was ich beruflich mache. Ich brenne dafür nicht. Und ich finde das total in Ordnung, für den Beruf nicht zu brennen, sondern ihn „nur“ als Ernährer zu betrachten. Es muß ja schließlich auch Indianer geben und nicht nur lauter Häuptlinge.

So habe ich Kopf und Herz frei für das, was mich – Überraschung! – glücklich macht! Aber auch in dem, was ich in meiner Freizeit tue und genieße, bin ich – ehrlich gesagt – nur mittelmäßig.

Immer wenn ich denke, dies oder das kann ich aber richtig gut, taucht bestimmt einer auf, der es deutlich besser kann. Singen? Kann ich gut. Aber es ist immer eine andere da, die das Solo kriegt. Immer ist einer da, der vom Singen sogar leben kann. Zeichnen? Bin ich nicht schlecht drin. Aber da ist immer jemand, der meine Probleme mit den Perspektiven nicht hat, die Arme nie zu lang zeichnet und den Kopf zu klein. Schreiben? Tja, hab ich gelernt. Aber ganze Geschichten oder gar Romane? Das müssen andere übernehmen.

Und macht mich das unglücklich? Nicht wirklich, denn hie und da kann ich etwas eben doch besser als mein Nachbar, meine Kollegin, Freundin und wer weiß noch alles. Anderes wiederum bestaune ich bei anderen, bewundere die dafür und freue mich für sie.
Zumindest in der Regel.
Meistens.
Oft.
Manchmal.
Naja, ab und zu ;-).

Alt werden ist auch nix!
Einsam wacht...

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