Frau Schletterer singt nicht mehr

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Einsam wacht...
14.12.2015 06:33

Ich bin ja außer Chorsängerin auch noch Vorsitzende eines Vereins. Nicht des Chors, sondern eines anderen Vereins, dessen Name hier aber nicht genannt werden soll.

Dieser andere Verein feiert jedes Jahr den Advent. Das heißt konkret: am dritten Advent sitzen wir immer in einer Gaststube zusammen, singen zunächst Weihnachtslieder, die ich auf meinem Zupfinstrument begleite, tragen Gedichte und Geschichten vor und stürzen uns anschließend laut schnabbelnd auf Kaffee und Kuchen. Wobei einige unter uns das mit dem lauten Schnabbeln schon während des Programms beginnen… *hmpf*

Die Lieder, die wir singen, sind immer eine kleine Auswahl der Weihnachtsliederklassiker, die jeder kennt, und die jeder auch mitsingen kann. Tatsächlich singen immer aber auch die mit, die nicht singen können – ja, die sind sogar in der Überzahl! Und das führt dazu, daß „Leise rieselt der Schnee“ immer so klingt, als sei der Schnee volltrunken und komme mit lautem Gegröle aus dem Himmel herabgestürzt, nicht ohne im Vorüberfliegen noch die Ziegel des Nachbarhauses zu zertrümmern. Und wenn die Menge behauptet, daß in der „Stillen Nacht…“ „alles schläft…“, dann kommen mir da immer große Zweifel, denn bei solch einem Lärm kriegt sicher niemand ein Auge zu! Jedes Jahr überlege ich, ob wir das Absingen weihnachtlichen Liedgutes nicht besser von der Jahresagenda streichen sollten, weil es von Jahr zu Jahr mehr wie das zornige Geheul einer allzu sehr zu weihnachtlicher Kulturpflege gezwungenen Horde klingt. Andererseits finden sich jedes Jahr auch Ver-einskameraden ein, die sonst bei keiner anderen Vereinsveranstaltung teilnehmen, also sich offensichtlich eigens für diese eine Feier ihrer Vereinszugehörigkeit erinnern. Und das sollte man wertschätzen. Denke ich.

Und so kommt es, daß wir sicher auch im nächsten Jahr wieder lautstark und selbstbewußt den Schnee herunterpoltern lassen und in der Stille der Nacht alle wachhalten werden.

Es werde Licht!

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