Frau Schletterer singt nicht mehr

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Fe
Einzelbüro? Nein danke!
03.02.2017 13:07

Bei der Arbeit in einem Vierer-Büro zu sitzen, hat Vor- und Nachteile.
Wenn es sich – wie bei uns – so verhält, daß alle sich gut vertragen, wiegen m. E. die Vorteile schwerer: man bekommt mit, was die anderen fachlich gerade bewegt, womit sich alle beschäftigen, kann sich bei Problemen mit den anderen austauschen, woraus man nicht selten auch was lernt, man lacht miteinander, z. B. wenn man sich dem gemeinsamen Lästern widmet (meine Kollegin sagt ja immer: „Wir lästern nicht, wir tauschen Fakten aus!“) und man bleibt in Übung, was die Teamfähigkeit anbelangt.
Es gibt, wenn man sich gut versteht, allerdings auch Nachteile. Manches Mal artet das Miteinander-Lachen auch derart in Albernheit aus, daß es schwierig wird, am Ende wieder die Kurve zur Ernsthaftigkeit zu kriegen. In meinem Fall ist es so, daß meine drei Zimmerkolleginnen alle deutlich jünger sind als ich. Und da bleibt bei Albereien auch gern mal der Respekt voreinander auf der Strecke. Auch bei uns gilt nämlich „Lieber einen Freund verlieren als einen guten Gag verpassen!“. Und wenn aufgrund dieser Haltung ein Stein der (anfangs lustig gemeinten) Unverschämtheit mal ins Rollen gekommen ist, gibt es in der Regel kein Halten mehr. Dann muß man schon hart im Nehmen sein!
Zu Diskussionen kann auch die Raumtemperatur führen. Gut, wir sind nur Frauen im Büro, da fällt eine Einigung etwas leichter. Aber auch wir haben unterschiedliche Vorstellungen von „angenehm warm“. Ich z. B. bekomme Schnappatem, wenn die Temperatur 23°C übersteigt. Meine Kolleginnen dagegen leben ab da erst richtig auf. Sie sind aber so lieb, auf mich Rücksicht zu nehmen, und da ich zudem einen Fensterplatz habe, habe ich auch die Frischluftzufuhr unmittelbar in meiner Hand.
Glücklicherweise gibt es auch keine Spannungen zwischen uns, weil ich es nicht ertragen kann, wenn permanent ein Radio läuft – vor allem in einem Mehrpersonenbüro finde ich das sehr störend. Und meine Kolleginnen üben da wirklich Verzicht, denn immer, wenn ich nicht da bin, stürzen sie sich freudig und eifrig auf das kleine Radio, das im Regal steht.
Gerade in den letzten Wochen ist mir nun noch ein weiterer Nachteil eines Mehrpersonenbüros aufgefallen:
Unser Bestand an Sitzungszimmern hat sich jüngst sehr dezimiert, so daß die meisten den ganzen Tag über belegt sind – auch während klassischer Mittagspausenzeiten, da in diesen 1 – 1,5 Stunden in der Regel keine Telefonkonferenzen mit Externen stattfinden. Da nutzt man also gern diese Zeiten, um interne Besprechungen durchzuführen. Und wenn diese Besprechungen wie gesagt in den Sitzungszimmern stattfinden, kann ich nirgendwo mein Mittagsnickerchen machen, denn im eigenen Büro ist immer jemand da, der einen fragt „Naaaa, biste müüde?“ und mit weiteren Neckereien vom Pausenschlaf abhält.
Und wenn ich jetzt so über diesen Artikel drüberlese, merke ich, daß ich eigentlich für ein „Mehrbettzimmer“ bei der Arbeit gar nicht geeignet bin. Denn wo ich zu Beginn behauptete, die Vorteile wögen schwerer, bringe ich anschließend eine ganze Latte von Nachteilen, die vor allem für meine Kolleginnen welche sind. Schließlich nehmen die ganz ordentlich Rücksicht auf mich. Da muß ich eingestehen, daß es nur recht und billig ist, wenn ich mir die ein oder andere neckende Respektlosigkeit gefallen lassen muß.

 

Von Messern und Schüsseln

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