Frau Schletterer singt nicht mehr

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End"spurt"
10.11.2015 06:30

Vollmundig steht auf der Website unseres Chores folgendes zu lesen: „Proben für den „Paulus“ auf der Zielgerade!“ Wenn ich mich recht an meinen Matheunterricht erinnere, dann ist eine Gerade die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Direktemang von Punkt A nach Punkt B – zack!

Allerdings streben wir nicht etwa beherzt geradlinig einem erfolgreichen, souveränen Auftritt entgegen, sondern wir eiern wie die Kicker einer F-Jugend-Mannschaft auf das Tor zu, verlieren zwischendurch den Ball, stolpern drüber, stehen auf, richten unsere Stulpen und eiern weiter, um dann gerade so noch das vollkommen leere Tor zu treffen. Eigentlich befinden wir uns also in einem Zustand, der einem Sorge bereiten müßte.

Das alles berührt mich jedoch seltsam wenig, denn ich schwebe noch im Freudentaumel darüber, daß gestern abend meine Stimme wieder da war! Ich konnte fast die ganze Probe hindurch mitsingen, die Stimme klang klar und frisch und kratzte sozusagen nicht! Wenn das kein Grund zum Jubeln ist! Auch Frau Wassermann ist voll der Freude, und wir hoffen nun beide, daß meine gute Verfassung bis nach dem Konzert anhält!

Vor der Singstunde hatte Frau Wassermann noch zu mir gesagt: „Mach mir keinen Kummer! Du mußt da mitsingen! – Was sagt eigentlich deine Freundin dazu?“ „Ja“, sage ich da, „sie sagt: Ey, mach kein‘ Scheiß, ich hab‘ ’ne Konzertkarte bestellt!“ Frau Was-sermann waren das Argumente genug für eine sofortige Genesung, und sie legte sie mir sehr ans Herz. Das war ja dann im Laufe des Abends auch von Erfolg gekrönt.

Der „Paulus“ ist so ein schönes Werk, und deswegen freue ich mich im Grunde sehr auf dieses Konzert. Die Unsicherheit, mit der der Chor aber noch kämpft, dämpft diese Freude allerdings nicht gerade wenig. Wir müssen einfach hoffen, daß die komplette Truppe sich so zusammenreißt, daß doch noch alles gut geht!

Mir ist bang!
Verhaltener Optimismus

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