Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ap
Erdbeeren im November?
16.04.2020 08:35

Sind Sie auch schon zu dem Bewußtsein gekommen, daß unsere Ernährungsgewohnheiten in den 70ern besser, gesünder und bekömmlicher für uns waren als die von heute?
Dafür sprechen ja die heute sehr viel zahlreicher vorkommenden Übergewichtigen. Wer heute irgendwie noch normal wirkt, wäre damals als „fette Sau“ beschimpft worden. Ehrenwort!
Naja, es ist ja allgemein bekannt, woran das liegt – der viele versteckte Zucker in den Fertiggerichten und -produkten, das viele ungesunde Fett in den Schnäkereien, die Konservierungsstoffe auf den Äpfeln, die wir aus mir unerklärlichen Gründen aus Spanien importieren, die wenige Bewegung – wir kennen das alles.
Tatsache ist aber: ich fand es damals sehr schön, daß es sowas wie eine Erdbeersaison gab. Daß man Erdbeeren also nur zu der Jahreszeit bekam, in der sie bei uns auch wuchsen. Oder Spargel und andere Obstsorten (außer den Erdbeeren). Auch die reifen bei uns ja nicht ganzjährig. Und da haben wir uns immer drauf gefreut – „Juhuuu! Bald gibt es wieder Zwetschgenkuchen!“ (Wobei Zwetschgen tatsächlich das einzige mir Bewußte sind, das nach wie  vor nur in der passenden Saison zu kriegen ist.)
Meine Mutter hat Blumenkohl noch auf dem Markt gekauft und von Hand, d. h. vom Beet an selbst zerlegt, gegart und zubereitet. Auch Bohnen nahm sie erst recht spät aus der Dose; vorher hat sie die rohen noch selbst geputzt und gekocht usw.
Und alles, was auf den Tisch kam, war aus regionaler Erzeugung. Aus dem eigenen Garten oder doch zumindest vom benachbarten Bauern, der seine Ware auf dem Markt feilbot. Was ja auch erklärt, wieso Obst und Gemüse nur in entsprechender Saison serviert wurden.
Wir sollten, finde ich, wieder zurück zu dieser Ernährung, die auf regionaler Kost fußt.
Da hätten es die Schweizer allerdings recht gut damit, denn die können sich aus regionaler Erzeugung morgens durchaus einen Obstsalat aus Bananen, Ananas, Papaya, Mango, Physalis und Kumquat gönnen. Kein Witz! Das alles wächst in der Schweiz! Und dann auch noch in einem Ort mit dem schönen, passenden Namen Frutigen!
Dort gibt es ein Tropenhaus, in dem genau diese Gewächse angebaut werden. Man bedient sich dafür der für die Alpen ungewöhnlichen Wärme eines Wasserstroms, der durch einen Tunnel aus dem Gebirge daherfließt. Alles sehr mysteriös für mich, aber es funktioniert offenbar.
In unserem Garten wachsen nur Blumen und Stauden. Wenn ich mich also nur von dem ernähren würde, was ich selbst anbaue, wäre ich tatsächlich deutlich schlanker…

 

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