Frau Schletterer singt nicht mehr

02
Ju
Genug verpackt
02.06.2020 07:40

Christo ist gestorben.
Das ist nicht sonderlich überraschend, wenn man bedenkt, wie alt er geworden ist.
Das Aufsehen, das dieser Tod erregt, hält sich nach dem, was ich wahrnehme, auch in Grenzen.
Christo war ja dieser Verpackungskünstler, der Bauwerke, Brücken und was weiß ich alles verhüllt hat.
Ich habe mich immer gefragt, was das soll. Ich verstehe von Kunst nicht viel, um nicht zu sagen, eigentlich gar nichts (außer vielleicht ein bißchen was von Musik). Aber es gibt Kunst, die mich tatsächlich beeindrucken kann. Und dann auch welche, bei der ich mich frage: wieso macht einer sowas?
Ich hielt diese ganzen Einwicklungen immer nur für eine riesige Ressourcenverschwendung und konnte denen nichts Faszinierendes abgewinnen.
Etwas einzupacken, nur um es nach einigen Tagen wieder auszupacken, das ergab für mich keinen Sinn. Klar, ich bin ja schon mit dem Geschenkverpacken eines Taschenbuches überfordert, da mag es nicht verwundern, daß ich nicht nachvollziehen kann, wie jemand Spaß daran haben kann, das Brandenburger Tor einzuwickeln. Und schön ausgesehen haben diese Pakete ja in der Regel auch nicht.
Und wenn ich dann lese, daß er in den 70ern versucht hat, einen Vorhang quer über ein Tal in Colorado zu hängen, was kläglich scheiterte, weil da – Überraschung! – der Wind durchpfiff, und was 700.000 $ verschlang, dann fasse ich mir heftig an den Kopf. Von dem Geld könnte eine ganze Familie locker 10 Jahre leben.
Nun ja, nun ist der Herr ja gestorben, und ich vermute ganz ehrlich, daß der Welt seine Kunstwerke, die ja nie lange Bestand hatten, nicht sonderlich fehlen werden.
Er als Mensch fehlt da vielleicht mehr, aber dafür hätte er nicht die halbe Welt einpacken brauchen.

 

Rasen ist Gras

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