Frau Schletterer singt nicht mehr

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Guten Tag!
23.11.2016 03:28

Vor einiger Zeit habe ich ein Experiment begonnen, das zu einer grundlegenden Änderung meines Umgangs mit meinen Mitmenschen, insbesondere meinen Kollegen geführt hat.

Im Lauf der Jahre fiel mir nämlich auf, daß gar nicht mal so wenige Leute mich auf dem Flur immer nur zurückgrüßten, ich sie also immer zuerst grüßte. Wiederum gar nicht so wenige Leute taten nicht einmal das.

Also begann ich mit einer kleinen Selektion. Ich hörte zunächst auf, diejenigen zu grüßen, die nie zurückgrüßten, wenn ich sie irgendwo traf. Damit spare ich mir bis heute jede Menge Atem und Ärger, denn niemand von denen bemerkte das bzw. vermißt offensichtlich meinen Gruß.

Als ich merkte, wie gut mir dieser Verzicht tat, machte ich die Probe aufs Exempel und grüßte diejenigen, die mich immer nur zurückgrüßten, ebenfalls einfach erst mal nicht, wenn sie mir begegneten. Grüßten sie mich dann trotzdem, nahm ich sie in die Liste der zu Grüßenden wieder auf. Anderenfalls stellte ich das Grüßen auch ihnen gegenüber dauerhaft ein.

Ich kann Ihnen sagen: auf diese Weise erfährt man ziemlich schnell, wer von den lieben Mitmenschen Wert darauf legt, die einfachsten Anstandsregeln des Miteinanders anzuwenden. Mein Grüßaufwand hat sich erheblich reduziert; man geht eben nun stumm aneinander vorbei. Nur ein paar wenige schauen mich  jetzt entgeistert an, wenn sie mich treffen, weil sie offenbar nicht fassen können, warum ich nicht mehr „Guten Tag“ sage. Aber da stehe ich ganz stur auf dem Standpunkt „Quod licet bovi, etiam licet Jovi.“

 

Und nun: das Wetter!
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