Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ja
Krimi-Poesie
31.01.2017 03:07

Seit einiger Zeit bin ich im Besitz eines E-Books, das ich leidenschaftlich ins Herz geschlossen habe!
Die Möglichkeit, innerhalb von Sekunden oder Minuten ein neues Buch in Händen halten zu können, ohne das Haus verlassen oder Ladenöffnungszeiten beachten zu müssen, bereitet mir immer wieder große Freude.
Natürlich passiert es einem dabei aber doch das ein oder andere Mal, daß man ein Buch erwirbt, das sich bei näherem Hineinlesen dann doch als Fehlgriff entpuppt. So ein Fehlgriff ist, wenn man in einem Laden Gelegenheit hat, ins Buch hineinzuschauen, leichter zu vermeiden.
Solange solche Fehlkäufe nur sporadisch passieren, kann ich mit diesem Nachteil allerdings recht gut leben. In der letzten Zeit unterliefen sie mir aber leider zahlreicher, als mir lieb ist.
Dankbar habe ich daher alle Angebote von Freundinnen angenommen, mir von ihren Büchern etwas auzuleihen. Dazu kam, daß ich von einer weiteren Freundin auch das ein oder andere Buch in Papierform geschenkt bekam, und mit dieser großen Auswahl an Lesestoff wollte ich es mir in den nächsten Wochen auf meinem Lesesessel hübsch bequem machen.
Nun, ich erkannte aber leider nicht zum ersten Mal, daß Bücher sehr stark Geschmackssache sind, und daß sich mein Geschmack mit dem meiner Freundinnen nur sehr bedingt deckt.
Ich las alle geliehenen und geschenkten Bücher durchaus an, mußte aber relativ schnell feststellen, daß sie mich entweder irgendwann langweilten oder mir von vornherein aufgrund ihres Schreibstils oder Themas nicht gefielen. Familiensagas, historische Romane (schlimmstenfalls welche, die im Mittelalter spielen) und allzu romantisierende Schmachtfetzen, in denen die Protagonisten immer arm, krank, von Mächtigeren gepeinigt, aber doch stets von überaus edlem Geist sind, ertrage ich einfach nur schwer! Und die kann ich auch einer Freundin zuliebe nicht zu Ende lesen, zumal genau diese Bücher sich meist durch mehrere hundert Seiten auszeichnen, an denen man naturgemäß eine ganze Weile liest.
Wie glücklich war ich da, als ich den Krimi in Angriff nahm, den ich von einer Freundin, die mich im Grunde gar nicht so gut kennt, zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte! Es war Balsam auf meine geschundene Leserseele! Es war ein Buch, in dem ich förmlich versinken konnte, dessen Schreibstil mich gefangen nahm, und dessen Plot mich fesselte! Ich las und las und las und ärgerte mich maßlos, wenn meine Mittagspause allzu schnell vorbei war und ich zurück an die Arbeit mußte.
Nun habe ich mir von derselben Schriftstellerin einen weiteren Krimi als Ebook heruntergeladen und schwelge in der Erkenntnis, daß ich da offenbar eine Entdeckung für mich gemacht habe: von dieser Dame werde ich sicher noch weitere Bücher lesen und dabei sehr wahrscheinlich (hoffentlich?!) von weiteren Fehlgriffen bis auf weiteres verschont sein.
Wen’s interessiert: Tana French, so heißt die Gute, und sie verbindet guten Krimistoff mit poetischer Sprache, wie man sie in diesem Genre normalerweise nicht antrifft.

 

Hauptsache befreundet
Von Messern und Schüsseln

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