Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ja
Lakefleisch mit Gebroodne
23.01.2020 13:58

Gerade las ich Erhellendes über das sog. Lakefleischessen, eine Tradition aus dem Spessart.
Waldarbeiter im Spessart haben das Lakefleischessen im Grunde eingeführt, indem sie nämlich ihr zur Arbeit mitgebrachtes Lakefleisch (vorher in Salzlake eingelegt) in die Glut des Feuers legten, das nach Fällen eines Baumes immer zum Verbrennen der Baumkrone entzündet wurde.
Eingewickelt in Papier und zugedeckt durch die Glut garte das Fleisch dann behaglich vor sich hin und schmeckte hinterher sicher wunderbar zart.
Lakefleisch wird heutzutage im Spessart besonders an Dorffesten usw. noch traditionell angeboten – mittlerweile allerdings eingewickelt in Alufolie; als Mittagessen für Waldarbeiter wird es wohl nicht mehr zubereitet.
Vergleichbares zum Lakefleisch gibt es auch in der Pfalz. Nur daß dort kein Fleisch in die Glut gelegt wird, sondern Kartoffeln. Große, dicke Kartoffeln werden in die Glut eingegraben und nach ca. 1 Stunde wieder herausgeholt. Man verzehrt die dicken Dinger dann mitsamt der angekokelten Schale, die, wenn sie nicht ganz verbrannt ist, besonders begehrt ist.
Es bedarf einiger Tapferkeit für das Zubereiten, Servieren und Verzehren der „Gebroodne“, denn im Gegensatz zum Lakefleisch im Spessart werden die Kartoffeln weder eingepackt noch in einem Metallkorb in die Glut gelegt. Wenn die Garzeit um ist, muß man vielmehr in der Glut herumwühlen, um die Grumbeere wiederzufinden, weil man sie lose irgendwie und irgendwo hineingelegt hat. In der Regel wird dafür eine Heugabel verwendet, aber es wurden schon so manche alten Damen dabei beobachtet, wie sie mit bloßer Hand nach den Kartoffeln griffen, weil sie immer erst prüfen wollen, ob das Ding wirklich schon gar ist. Und selbst wenn man die Erdäpfel mit der Heugabel aus der Glut holt, kann man sie mit dem Riesending ja nicht auf den Teller bugsieren. Also kommen spätestens hier die Finger zum Einsatz. Unvorstellbar, aber wahr!
Ich habe schon oft beim Grumbeerebroode heimlich auf die Hände der Leute geschielt, aber eine deutlich wahrnehmbare Hornhaut ist mir noch bei keinem aufgefallen. Insofern liegt die Vermutung nahe, daß ein gewisser Teflongehalt in den Fingerspitzen eingeborener Pfälzer/innen in den Genen verankert ist.
 

OY-HAI
It is Party-Time!

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