Frau Schletterer singt nicht mehr

07
Ma
Machense sich ma locker!
07.05.2020 08:11

„Deutschland nicht mehr ganz dicht“ – so liest sich heute die erste Schlagzeile auf taz.de.
Klar, diese Doppeldeutigkeit ist Absicht. Tatsächlich geht es in dem Bericht darum, daß weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen ausgerufen werden, und daß es in den Händen der Länder liegt, diese individuell für die eigene Region zu definieren.
Kanzlerin Merkel ist damit nicht glücklich; sie hat Angst, daß allzu frühe Lockerungen einen Rückfall in dem bisher Erreichten bedeuten. Und ich bin mir ziemlich sicher, daß die Überschrift beidem Rechnung tragen will: dem Umstand, daß Einreiseverbote mancher Bundesländer in absehbarer Zeit aufgehoben werden, aber auch der Überzeugung des Artikelautors, daß Deutschland damit ziemlich unvernünftig handelt (um es anders und ein wenig freundlicher als die Überschrift zu formulieren).
Ich selbst bin ja in der glücklichen Lage, daß die Corona-Krise mir keine persönliche Existenzkrise beschert. Denn ich arbeite im Home-Office und erhalte weiter meine vollen Bezüge. Da ist es für mich natürlich leicht zu sagen, daß mir die momentanen Vorgaben und Einschränkungen nur wenig Kummer bereiten. Einzig die Urlaubsreise, die nächste Woche ausfallen muß, tut tatsächlich weh. Aber was hätten wir davon, wenn wir zwar anreisen dürften, am Reiseziel dann aber nirgendwo Einlaß erhielten? Keine Restaurants und Cafés offen, keine Erlaubnis, Kontakte mit anderen zu knüpfen oder ihnen auch nur näher als 2 Meter zu kommen, womöglich in den Supermärkten nur ein sehr eingeschränktes Sortiment vorfinden und unsere verdrossenen Mienen stets hinter BNMS verborgen?
Ich teile die Sorge von Frau Merkel. Ich habe auch Angst, daß Deutschland mit umfangreicheren Lockerungen übereilt handelt, auch wenn ich die Gründe dafür sehr gut verstehe. Daß die Wirtschaft völlig zu Boden geht, will ja keiner. Und Kleinunternehmen sind in dieser schweren Zeit sicher schon zahlreich in den Ruin gegangen.
Insofern stellt sich die Frage wirklich, was denn unvernünftiger ist: die Beibehaltung der schweren Einschränkungen oder die „Wiedereröffnung“ des öffentlichen Lebens. Menschenleben können beide Entscheidungen fordern. Die Todesursache muß ja nicht zwingend COVID-19 sein.

 

Hut ab vor Ilka Bessin!
Back to the roots

Kommentare


Datenschutzerklärung