Frau Schletterer singt nicht mehr

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Nein, meine Suppe issyk nicht!
10.03.2020 08:27

Die Issyk-Baktrien-Schrift gilt bis heute als unentziffert. 
Sie findet sich u. a. auf einer Silberschale, die bei Ausgrabungen in einem Grabhügel gefunden wurde.
Ich gebe zu, daß mich der Umstand, daß bis heute niemand diese Schrift lesen kann, ziemlich wenig erschüttert. Mir ist das tatsächlich reichlich wurscht, was da auf der Schale geschrieben steht.
Und wenn ich mir diese Schriftzeichen so betrachte, frage ich mich: kann es sein, daß die „Schrift“ nur deshalb noch nicht entziffert ist, weil es sich gar nicht um Schriftzeichen handelt? Fast muten die nämlich an wie Spuren, die ein zorniges Kind, das seinen Brei aus dieser Schale nicht essen wollte, mit einem spitzen Gegenstand in die Schale gerammt hat, um seiner Empörung über das übelschmeckende Rezept seinen Lauf zu lassen.
Überhaupt frage ich mich, wie Schriften im Allgemeinen entziffert werden. Denn es handelt sich ja immer nicht nur um fremde Schriftzeichen, die es zu interpretieren gilt, sondern auch um fremde Sprachen, die keiner versteht. Wie also kann jemand Schriftzeichen entschlüsseln, wenn die dahinterliegende Sprache ebenso unbekannt ist? Es ist ja nicht so, als sei da immer lediglich z. B. ein französischer Text in kyrillischen Buchstaben geschrieben. Aber nur in einem solchen Fall ist doch eine Entzifferung überhaupt möglich, oder irre ich da?
Ich stelle mir die Problematik folgendermaßen vor:
Nach einigem Suchen und Forschen kommt jemand zu dem Schluß, daß die z. B. auf einer Tonscherbe gefundenen Schriftzeichen „Kawumba mitogam gedatun“ ergeben. Tja, und dann? Was bedeutet nun „Kawumba mitogam gedatun“ in einer heutzutage und hierzulande gängigen Sprache? Sie sehen: so kann das ja wohl kaum laufen.
Was also tun? Am besten nix, und die Toten und ihre Schriften und Sprachen ruhen lassen. Denn ob alte ägyptische Schriftzeichen je richtig gelesen worden sind, wird keiner, der damals dabei war, jemals einem Wissenschaftler von heute bestätigen.
 

Heteropoda venatoria
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