Frau Schletterer singt nicht mehr

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Physik für Dummies
30.12.2016 08:05

Vor einiger Zeit fuhr ich mit dem Auto in den örtlichen Supermarkt.
Und wie ich so vor mich hin fuhr, hörte ich von irgendwo so ein komisches Knacken, Ploppen, ich weiß nicht, wie ich’s nennen soll.
Ein paar Sekunden später vernahm ich wieder eines, und dann wieder und wieder.
Ich wurde schon ganz unruhig und war kurz davor, rechts ran zu fahren, um mal einen Blick unter die Motorhaube zu werfen. Gottseidank fiel mir noch rechtzeitig ein, daß das auch nichts geholfen hätte, denn was hätte ich denn da erkannt? Selbst wenn da etwas nicht in Ordnung gewesen wäre? Wie es da drin auszusehen hat, weiß ich ja überhaupt nicht.
Also fuhr ich weiter und hoffte einfach, daß nicht irgendeine überlebenswichtige Komponente meines Autos in Auflösung begriffen war.

Ich erledigte im Supermarkt meine Einkäufe und gab noch mein PET-Leergut im Leergutautomaten ab. Ich wunderte mich zwar, daß die Wasserflaschen alle ziemlich deformiert waren, so als hätten wir sie kräftig zusammengedrückt, bevor wir den Deckel draufschraubten, aber ich dachte nicht weiter drüber nach, denn der Automat nahm sie gottlob trotzdem gut an.

Ein paar Tage später öffnete ich, wie ich das immer tue, morgens im Büro als erstes das Fenster, denn bei vier Personen in einem Raum steht die Luft schnell ab.
Kaum saß ich auf meinem Hintern und las meine ersten E-Mails, machte auf einmal mit einem lauten PLOPP die leere Wasserflasche vor mir einen Hüpfer und kippte einfach so um. Da glotzte ich nicht schlecht. Und die Flasche daneben tat kurz darauf das selbe, also umkippen.

Als ich sah, wie zerbeult die beiden Flaschen auf einmal waren, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: durch die Kälte, die von draußen hereingekommen war, hatte sich die Luft in den Flaschen zusammengezogen, die Wände krumpelten sich irgendwo in der Mitte der zylindrischen Gefäße zusammen und beraubten diese damit ihrer Stabilität.

Und auf einmal war auch das Rätsel um die ploppenden Geräusche in meinem Auto gelöst! Waren nicht auch die Flaschen, die ich kürzlich im Leergutautomaten entsorgt hatte, völlig verformt gewesen? Und hatten die Geräusche, die mich so beunruhigt hatten, nicht ganz ähnlich geklungen wie das jetzt gerade?

Fasziniert von diesem einfachen physikalischen Normalverhalten (das hatte sogar ich in Erinnerung behalten, daß Luft sich zusammenzieht, wenn sie kälter wird) ließ ich die umgekippten Flaschen einfach mal so liegen und beobachtete, was geschah, nachdem ich das Fenster wieder zugemacht hatte.
Wenig überraschend nahmen sie ihre ursprüngliche Form wieder an, nicht ohne auch hierbei wieder jede Menge Plopps und Knacks und Krumpels von sich zu geben. Nur aufrichten konnten sie sich nicht wieder von allein.

Erstaunlich war für mich aber doch, wie schnell das alles vonstatten ging. Die Experimente, die unsere Lehrer früher im Physikunterricht durchgeführt hatten, hatten nie geklappt – oder wenn, dann hatte es eine Ewigkeit gedauert, bis ein Effekt zu erkennen war.
Doch ich muß meine Lehrer auch ein wenig in Schutz nehmen: sie hätten das mit der kalten Luft seinerzeit so nicht vorführen können, denn damals kaufte man Sprudel ausschließlich in Glasflaschen, und wenn die sich mal zusammenziehen, weil sie kalt werden, dann haben wir ein großes Problem, denn dann ist seeeehr kalt geworden in unserer Welt…

 

Oma

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