Frau Schletterer singt nicht mehr

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M
Shaking the head
31.03.2020 14:50

Social Distancing – das ist das, was von uns gerade erwartet wird.
Zu Hause bleiben, den direkten Kontakt zu Freunden und Bekannten meiden, nicht in Konzerte, nicht ins Kino, nicht auf Partys gehen.
Und bei allem, was man dazu liest, ist immer die Rede von einer Herausforderung und davon, wie gut oder schlecht die Menschen das wohl überstehen können.
Und ich sitze da und frage mich: geht normalerweise wirklich dreiviertel Deutschland jeden Abend aus, ins Kino, Konzert oder auf eine Party? Bleibt wirklich kaum einer zu Hause?
Ja, ich würde auch gern mal wieder unsere beiden besten Freundinnen sehen und einen gemütlichen Abend mit ihnen verbringen. Aber ich sehne mich danach momentan nicht mehr als sonst, da wir uns auch in normalen Zeiten nur sporadisch treffen und das Warten auf den nächsten gemeinsamen Abend sich jetzt nicht anders anfühlt als sonst.
Und ja, ich würde saugern mal wieder im Supermarkt diese nervigen Leute zur Seite schieben, die mitten im Gang zu dritt stehenbleiben, um gemeinsam den Einkaufszettel zu entziffern.
Aber wenn ich diese Videos und Artikel sehe von all diesen jungen, dynamischen Leuten, die nach dem Homeoffice wer weiß was zu Hause anstellen, was sie normalerweise dort nie tun würden, nur um nicht durchzudrehen (oder – noch schlimmer – fett zu werden), dann frage ich mich schon, wie gut die gelernt haben, mal mit sich allein klarzukommen und auch mal Langeweile auszuhalten.
Möglicherweise haben sie es ja besser gelernt, als sie zugeben, und sie nutzen diese Zeit im Grunde vor allem, um sich in dieser besonderen Zeit mit Corona in Szene zu setzen und hochdramatisch der Welt kundzutun, welche Helden der Alltagsbewältigung sie doch geworden sind.
Zu Alltagshelden werden zur Zeit meiner Meinung nach vor allem die Eltern, die ihre eigentlich schulpflichtigen oder normalerweise in Kitas untergebrachten Kinder betreuen, obwohl sie auch noch ihren Job erledigen müssen, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Auf keinen Fall aber die, die mir zeigen wollen, wie ich auch in Zeiten des Homeoffice meine Figur in Schuß halte. Wer mir das zeigen will, ist ohnehin nie ein Held für mich; das ist ein Wichtigtuer, neben dem ich mir gern noch ein Rippchen Schokolade mehr in den Mund schiebe.

 

Die Billigen
Herr, laß Fleisch regnen!

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