Frau Schletterer singt nicht mehr

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Strickliesel
30.12.2015 07:28

In meiner angeheirateten Verwandtschaft gibt es eine Dame, die hauptsächlich auf der Welt zu sein scheint, um zu stricken. Schaut man sich all die fertigen Strickstücke an, die sie auf ihrem Blog postet, fragt man sich unwillkürlich, wann die Gute schläft, ißt, liest (das tut sie auch sehr gern und viel) und schreibt. Auch möchte ich mir nicht vorstellen, wie dick die Hornhaut an meinen Händen wäre, wenn ich auch nur annähernd so viel stricken würde wie sie! (Nicht, daß ich das so gut könnte wie sie, aber nur mal angenommen…)

Ich brachte es diese Weihnachten nur zu einem Schal für meine Mutter. Schal stricken gehört ja zu den denkbar einfachsten Strickstücken überhaupt. Man strickt einfach eineinhalb Meter geradeaus. Man nimmt nicht ab, nicht zu, muß sich weder mit Knopflöchern noch mit Armkugeln rumschlagen – ganz einfach also. „Trotzdem“ war die Freude meiner Mutter offenbar groß. So groß gar, daß sie ganz tapfer am nächsten Tag diesen Schal auch trug, obwohl die Temperaturen im zweistelligen Plusbereich lagen, so hoch also, daß ich Schnappatem bekäme, wenn ich da etwas um den Hals tragen müßte.

Diesen Schal zu stricken hat großen Spaß gemacht! Und ich würde jetzt am liebsten einen Schal nach dem anderen stricken, weil man dabei so schön vor sich hin träumen kann, und weil es hübsch aussieht (nicht das Stricken an sich, sondern das Ergebnis).

Aber wohin dann mit all den Schals? Schlagartig sehe ich mich auf den Weihnachtsmärkten dieser Welt stehen zwischen all den anderen Frauen mit ihren Socken in allen Größen und (scheußlichen) Farben, Schals mit Lochmustern in Hornhautumbra, Eierwärmern mit orangefarbenen Blütchen am Saum und Handyhüllen in kraus rechts. Und genau wie die anderen sehe ich mich meine Schals abends alle wieder in die Kisten packen, Jahr ein, Jahr aus, bis sie dermaßen aus der Mode gekommen sind, daß sie fast schon wieder hip werden, und die zwischenzeitlich entstandenen Mottenlöcher als besonderes Gestaltungselement angepriesen werden können.

Ich glaube, ich zähle einfach mal durch, wieviele Mitglieder meine Familie hat, und dann kriegen die alle, einer nach der anderen, je einen Schal von mir! Ohne vorher zu fragen, ob sie überhaupt an den Hals frieren. Denn wie sagt man so schön: Wer lång fråågt, geht lång irr!

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