Frau Schletterer singt nicht mehr

08
Ja
Überraschende Möglichkeiten
08.01.2020 15:28

Neulich öffnete ein Satz, den ich auf Facebook gelesen habe, mein Herz:
„Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik können einen, wenn man sich darauf, was man ruhig, wenn man möchte, sollte, einlässt, überraschen.“
Gefunden wurde dieser schöne Satz offenbar ursprünglich bei Twitter, und nun hege und pflege ich ihn auf meinem Smartphone, lese ihn mehrfach am Tag und freue mich an ihm.
In der Tat kann man, wenn man sich Mühe gibt, mit der deutschen - sicher aber auch anderen - Sprache so manches, wenn auch nicht immer Spektakuläre, doch aber Interessante in, ich nenne es gern so, blumige Worte kleiden, wobei sich Mühe, die diesen Namen verdiente, nur die wenigsten, und dann auch nur sporadisch, geben.
Ich ertappe mich dann und wann dabei, daß ich so denke; aber nicht, weil ich, wenn ich denke, sofort ins Reine denke, sondern weil mein Denken von einem Haupt- gern in einen Nebengedanken abdriftet, diesen dann eine Weile verfolgt, um dann zurück zur eigentlichen Ausgangsüberlegung zu gehen, am Ende vielleicht aber doch zu keinem Ergebnis gekommen zu sein.
Oft genug aber fange ich während solch eines bunten Denkens auch schon zu reden an, breche mitten im Satz ab, weil ich merke, daß ich noch nicht zu Ende gedacht habe, oder weil irgendetwas mich beim Denken, das dem Reden ja idealerweise vorausgehen sollte, unterbricht. Das sind dann die Momente, in denen meine Kollegin anfängt zu lachen, weil sie das schon viel zu oft mit mir erlebt hat. Oder aber man macht es wie eine andere meiner Kolleginnen, die mir schon gar nicht mehr zuhört, weil sie eben weiß, daß ich meistens nicht zu Ende spreche, und es oft nicht lohnt, auf eine echte Aussage zu hoffen.
Wieviel Energie ich verbrauche, um Gedanken zu verfolgen, die nie irgendeinen objektiv meßbaren Nutzen hervorbringen, wäre vielleicht sogar mal eine Studie wert. Nur wäre diese, wenn ich mal rasch drüber nachdenke, dann ergebnislos, denn dann hätten ja alle meine Gedanken zwangsläufig einen Nutzen, nämlich den, dieser Studie zu dienen, und schlußendlich führte dies die Studie ad absurdum. Herrje, wie wirr!
Und das alles nur, weil da mal jemand einen grammatisch und interpunktorisch korrekten Satz bei Facebook gepostet hat!...
 

Fisch des Jahres
Fanfarenklang

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