Frau Schletterer singt nicht mehr

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Und nun: das Wetter!
22.11.2016 01:55

Wenn ich gesellschaftskritisch-intellektuell was taugen würde, würde ich endlich mal an dieser Stelle MEINEN Senf zu der Tatsache abgeben, daß Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt wurde.

Da meine Fassungslosigkeit jedoch Ausmaße hat, die einen sprachlos machen, und ich mich im Internet eh noch nie politisch geäußert habe, fällt an dieser Stelle mein Mangel an gesellschaftskritischer Intellektualität nicht weiter ins Gewicht.

Ein tatsächlich ergiebiges Thema wäre zur Zeit das Wetter. Als Standard-Smalltalk-Thema, das sofort, wenn es aufkommt, den Plaudernden die Schamesröte ins Gesicht treibt, weil es in der Hierarchie der anspruchsvollen Sujets derart tief angesiedelt ist, daß kaum einer es wagen mag, sein Gegenüber über die gestrige Niederschlagsmenge in seinem Heimatort zu informieren, steht es ja in Verruf. Aber was sich in den letzten Wochen vor meinen Fenstern (ich sitze im Laufe eines Tages hinter mehreren: zu Hause und im Büro) abspielt, verdient fast schon eine Rezension.

Ganz unaufdringlich, quasi in einschleichendem Pianissimo pirschte sich eine Dauer-Schlechtwetterfront heran, die zunächst mit nur gelegentlichem Herbstregen für sich warb. Allmählich sollte offenbar der Mensch an neue Umstände gewöhnt werden. Solange hin und wieder die Sonne durchkam, nahmen alle das gar nicht so zur Kenntnis, daß der Himmel immer mehr und öfter in Grautönen daher kam, die, aufgewirbelt von unterschiedlich starken Winden, das Blau in der Höhe immer mehr verdrängten. Und mittlerweile ist die Front in ein deutliches Mezzoforte übergegangen, im Baß begleitet vom dauerhaften Trommeln des Regens in den schwimmbeckengroßen Pfützen. Die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen weiß das Wetter auch durch die vergleichsweise hohen Temperaturen, die aus dem rein optischen Erleben eine Mélange aus optischem und haptisch-seelischem machen, indem die Menschen hin und hergerissen werden zwischen der Verzweiflung über Farb- bzw. Lichtmangel und dauerdurchnässte Kleidung und der körperlich-seelischen Übelkeit wegen beständiger Kreislaufbeschwerden und depressiver Verstimmungen.

Zeit für ein Finale, finde ich! Aber bitte ohne Kadenz oder turbulente Fuge! Meinetwegen kann diese Sache einfach still und leise in den Schlußakkord dümpeln und dem nächsten Satz, einem sonnigen und freundlichen Andante Platz machen! Aber attacca bitte schön!

 

Der Advent kommt
Guten Tag!

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