Frau Schletterer singt nicht mehr

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Von Messern und Schüsseln
02.02.2017 11:56

Kürzlich habe ich in einem Blog, den ich regelmäßig verfolge, einen Artikel über den Inhalt von Küchenschubladen gelesen, der sich in nicht unerheblichen Teilen aus Küchenwerkzeugen unterschiedlichen Zwecks zusammensetzte. Erst dachte ich „och, wat spannend!“ und wollte schon zu gähnen anheben, aber dann wurde es doch interessant.
Der Artikel erzählte nämlich von der Geschichte der einzelnen Werkzeuge und davon, wie gehegt und gepflegt sie die letzten Jahrzehnte überlebten, denn sie fanden sich in der Küchenschublade einer alten Dame, die beide Weltkriege und damit lange Zeiten der Entbehrung kennen- und die Dinge als solche daher wertschätzen gelernt hat.
Der Artikel sprach aber auch davon, daß jeder Mensch eine andere Vorstellung von einer sinnvollen Ordnung im Haushalt hat und daher gerade diese Küchenwerkzeuge an sehr individuellen Orten greifbar hält – je nachdem, wo sie gefühlt thematisch eben am ehesten hingehören. Denn so kam es auch, daß in besagter Küchenschublade ein Sammelsurium von mehreren Kartoffelschälern zusammengekommen war, weil immer mal wieder jemand einen nachgekauft hatte, nachdem er den im Haushalt schon vorhandenen Schäler nicht an der Stelle gefunden hatte, wo er ihn gesucht hatte.
Als ich so über all das nachdachte, erinnerte ich mich dann auch schlagartig wieder an meinen Einzug in den damals schon bestehenden Haushalt, in dem ich jetzt wohne. Meine Freundin und ich haben seinerzeit alle Geschirr- und Küchenschränke leergeräumt und dann ihre und meine Habseligkeiten gemeinsam wieder eingeräumt, damit nicht in diesem Schrank ihre Sachen und in jenem Schrank meine Sachen lagerten. Und bei dieser Einräumaktion diskutierten wir durchaus hin und wieder darüber, wie wir uns eine sinnvolle Einordnung vorstellten. Ist es sinnvoller, Schüsseln ganz oben ins Regal zu stellen, weil man sie nur ganz selten braucht? Oder wäre es nicht besser, sie ganz unten hinzustellen, weil man recht schwer daran hebt? Das waren Überlegungen, die uns einige Zeit in Anspruch nahmen.
Und auch gerade im Bereich der Schubladen gingen unsere Vorstellungen von praktisch und unpraktisch weit auseinander. Ich kann mit einigem Stolz verkünden, daß meine Freundin sich doch an dem ein oder anderen Punkt durch meine guten Argumente zu einem Umgewöhnen überreden ließ und z. B. meine Sortierung von besonderen Messern oder die Richtung, in die die quer liegenden Löffelstiele ragen, für sich adaptiert hat. Und wir sind uns auch einig, daß nicht eine von uns klammheimlich durch stetes Widersetzen gegen die vereinbarte Ordnung den ‚Wohnraum‘ unseres Bestecks sukzessive umgestaltet.
Eine einzige Sache war bisher temporär umgezogen von der Küche ins Eßzimmer: E. hatte zeitweise den Kapselheber aus dem Schubladenfach mit den Eierlöffeln in die Eßtischschublade mit dem Korkenzieher gelegt. Und wenn ich auch eingestehen muß, daß er dort thematisch viel besser hinpaßt, haben wir ihn doch wieder zurück zu den Eierlöffeln gesellt. Einfach weil ich in diesen Dingen flexibel wie ein Amboß bin und mich einfach nicht umgewöhnen will.

 

Krimi-Poesie
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