Frau Schletterer singt nicht mehr

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Wie alt darf ein Opfer sein?
05.09.2017 14:33

Dieser Tage ist wohl in Leipzig eine Joggerin überfallen und so brutal vergewaltigt worden, daß sie schwerverletzt und heute noch nicht aussagefähig ist.
Der Artikel, den ich gerade darüber las, zeigt sich angemessen erschüttert und erbost. Gleichzeitig macht er mich aber auch wütend. Denn er berichtet von dem Vorfall, indem er den Leser wissen läßt, daß „eine über 50 Jahre alte Joggerin“ Opfer dieser Vergewaltigung geworden ist.
Über 50 Jahre alt war die? Wie pervers ist das denn, daß einer eine so alte Frau vergewaltigt?! Das ist die Botschaft, die ich aus dieser Formulierung herauslese.
Wieso steht da nicht, die Frau sei 53 gewesen (oder wie alt auch immer)? Wieso ist eine so suggestive Formulierung mit einem derartigen „Gschmäckle“ nötig?
Im weiteren Verlauf berichtet der Artikel, in Leipzig sei es in den letzten Tagen zu weiteren Gewalttaten gekommen, so sei z. B. eine weitere Joggerin angegriffen und eine 82-Jährige zu Fall gebracht worden. Aha! Eine 82-Jährige! Wieso nicht eine „über 80 Jahre Alte“? Vermutlich, weil man da ohnehin ausschließt, daß eine Vergewaltigung versucht werden sollte, oder wie?
Vergewaltigungen sind so abscheuliche Verbrechen, da darf sich ein seriöses Blatt (haha) nicht die Blöße geben und eine Wertung vornehmen – auch nicht unterschwellig –, bei welcher Vergewaltigung die Motive irgendwie nachvollziehbar und bei welcher besonders unverständlich sind! Daß es dabei nie um echtes Begehren geht, sollte wohl auch dem letzten Schreiberling mittlerweile bekannt sein. Egal, wie hübsch, jung oder alt ein Opfer ist.
 

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