Frau Schletterer singt nicht mehr

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Fe
Wie war das mit dem Telekolleg?
07.02.2017 14:32

Ich gebe zu, ich bin ein bißchen genervt. Und wenn es so weitergeht wie bisher, bin ich bald sehr genervt.
Seit Ewigkeiten werde ich zugeschüttet mit Videos oder Bildbeiträgen über mißhandelte, verwahrloste Hunde und kriege all die Berichte über skandalöse Zustände in Schlachtereien nur deshalb nicht mehr zum Frühstück serviert, weil ich mich bei Facebook von allen getrennt habe, die solche Beiträge liken oder teilen.
Und jetzt kommt seit November auch noch dieser unsägliche Präsident dazu, der im Minutentakt für einen neuen Artikel gut ist, und dessen Gesicht, dem jede echt empfundene Mimik fremd ist, ich nun wirklich nicht mehr ertrage.
Fast widert mich mittlerweile der Gedanke daran, ins Internet zu gehen, schon an, weil ich genau weiß, daß ich nach Texten, die mich wirklich interessieren bzw. mir neues mitteilen, sehr genau werde suchen müssen. Gequälte Tiere, durchgeknallte Politiker und dann auch noch diese ganzen Meldungen über das Liebes-Aus von Promi X und Sternchen Y und den gerissenen Träger am Abendkleid von Fürstin Z – diese drei Dinge spiegeln im Grunde das komplette Themenspektrum wieder, auf das die Welt von heute es abgesehen hat.
Und selbst aus meiner Tageszeitung glotzt mich jeden Tag dieser organgefarbene Kopf mit dem Blondschopf an, so daß ich, selbst wenn ich mir Internet-Abstinenz verordnen würde, diesbezüglich nicht zur Ruhe käme.
Wieso kann das Internet nicht ein bißchen so sein wie die dritten öffentlich-rechtlichen Programme? Ein bißchen Allgemeinbildung hier, ein wenig unterhaltsame Sachreportage dort? Und alles mit Niveau und der angenehmen Stimme dieses einen Herrn, der offenbar allen Naturreportagen dieser Welt den Ton aus dem Off spendiert hat?
Ich will ja gar nicht so weit gehen und mir diese lustigen Sprachkurse und das Telekolleg zurückwünschen, die es in meiner Kindheit im Dritten gab. Aber dieser Zwang, immer das Beklemmendste, Hippeste und Durchgeknallteste der ganzen Welt in sekündlichem Rhythmus aktualisieren und dabei natürlich das Problem meistern zu müssen, daß einem irgendwann die echten Neuigkeiten ausgehen, macht mich krank. Wenn man mal nichts zu verkünden hat, wieso hält man dann nicht einfach mal einen halben Tag die Klappe (resp. die Finger von der Tastatur)? Nein, da erfindet man lieber irgendwas, und – bitteschön – skandalös und grauenerregend muß es sein und einfach gestrickt, damit auch der Blödeste es versteht.
Kopf ==> Tischplatte

 

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