Frau Schletterer singt nicht mehr

08
Ok
Heilige Drei Könige - wer war das nochmal?
08.10.2020 08:18

Also, so langsam fangen sie zu spinnen an!
Lese ich doch heute in den Medien, daß die Weihnachtskrippe des Ulmer Münsters dieses Jahr erstmals ohne die Heiligen Drei Könige aufgestellt wird.
Grund dafür ist die Figur des Melchior, denn (wie Dekan Gohl heute wörtlich in der „Zeit“ zitiert wird) „…die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen“.
Bevor ich mich echauffiert habe, habe ich natürlich erst mal gegoogelt, wie der Ulmer Melchior denn tatsächlich aussieht.
Und was sah ich? Die drei Figuren der Weisen aus dem Morgenlande sehen so aus, als seien sie sehr alte Anfertigungen; alle drei stehen da in eher seltsamer Körperhaltung, und ich kann bei Melchior nicht mehr „unförmige Statur“ erkennen als bei den beiden anderen.
Die Figur zeigt eindeutig, daß Melchior einer afrikanischen Ethnie angehört. Tja, nun unterscheidet sich das typische Erscheinungsbild eines Afrikaners ja aber auch durchaus von dem eines Israeli. Wieso soll man das nicht auch so in Figuren darstellen?
Ich verstehe diesen Aufriß gerade nicht, denn einer der beiden anderen Weisen trägt einen Seppelhut, was offenbar niemanden stört. Das sieht tatsächlich etwas witzig aus, und hier kommt niemand auf die Idee, daß dies als rassistisch oder despektierlich angesehen werden könnte.
Wenn man die Weisen nun wegläßt und dann auch noch vorhat, beim Vortrag der Weihnachtsgeschichte die Heiligen Drei Könige einfach zu streichen, indem man sie aus einem Evangelium liest, in dem die Weisen gar nicht vorkommen, dann heißt das, daß die Weihnachtsgeschichte so dargestellt wird, als sei es seinerzeit nur Einheimischen erlaubt gewesen, dem Christkinde zu huldigen. „Aus dem Morgenland“ war dann niemand dabei – ist dieser kategorische Ausschluß von Menschen anderer Länder aus der Heilsgeschichte etwa nicht viel rassistischer, als einen Afrikaner wie einen Afrikaner aussehen zu lassen? Wir können doch nicht der Darstellung eines Afrikaners aus dem Weg gehen, bloß in der Angst, dabei etwas falsch zu machen, und damit ja sehr direkt Menschen aus Afrika komplett aus unserer Wahrnehmung verdrängen! Es hat doch sicher einen guten Grund, wieso immer und überall die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium gelesen wird, in dem die Heiligen Drei Könige eine wichtige Rolle spielen. 
Die Streichung dreier wichtiger Figuren einzig aus dem Grund, weil man einen Afrikaner, der deutlich als solcher erkennbar ist, nicht beibehalten will, ist m. E. schlimmste Diskriminierung und ist un-er-hört!!
Aber wetten: trotz all dieses Schwachsinns wird in Ulm der Dreikönigstag ein Feiertag bleiben. 


 

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