Frau Schletterer singt nicht mehr



Ich bin ein so sturer Mensch, daß ich mich in meinem Privatleben der Neuen Deutschen Rechtschreibung verweigere und deswegen nach wie vor nach der alten Rechtschreibung schreibe - so gut, wie ich das in der Schule Gelernte halt noch drauf habe. Hieraus resultierende "Fehler" sind also durchaus beabsichtigt und in keiner Weise Zufall.

 

Ich habe in den letzten Wochen die Stricknadeln geschwungen, um meiner Nichte, die bald ein Kind bekommt, zu diesem Anlaß etwas Selbstgemachtes zu schenken.
Die Wolle dafür habe ich im Internet bestellt, da momentan ja eh keine Handarbeitsgeschäfte geöffnet haben.
Und wie das halt so ist: seither werde ich mit Werbung für Wolle und Garne quasi zugeschüttet. Bei Facebook, auf jeder x-beliebigen Website, auf die ich gehe, wird irgendwo eine Wolle-Werbung reingequetscht, damit ich auch ja auf die Idee komme: das eine genügt nicht – ich muß unbedingt noch was anderes machen.
Auf einer dieser Seiten wird nicht nur Wolle angeboten, sondern auch gleich die Anfertigungsanleitungen für diverse hübsche Sachen: Pullover, Socken, Mützen, Kuscheltiere und und und…
Der Hammer ist allerdings die Anleitung zum Häkeln von… tadaaaa… Buntstiften!
Gehäkelte Buntstifte! Das ist in etwa so sinnstiftend wie aufblasbare Rollatoren oder eine gestrickte Kaffeemaschine!
Was, bitte schön, soll man mit gehäkelten Buntstiften anfangen? Zeichnen kann man damit ja wohl nicht.
Zum Kuscheln taugen sie auch nicht, da sie zylindrisch und recht dünn und klein sind.
Und als Deko? ... Nein, glaub‘ ich nicht. Wer möchte denn wohl seine Wohnung mit gehäkelten Buntstiften dekorieren?!
Ich kann mir keinen anderen Anwendungsfall vorstellen, als daß man die gehäkelten Malstifte in einem Puppentheater einsetzt. „Kasperle und die wilden Buntstifte“. „Krach im Malkasten“. „Wo ist das Karmin?“. „Es geschah, als die Buntstifte schliefen“. „Die Geschichte von Lucky Blue und Sweet Rose“. "Der Rotstift und der Kampf um das Budget". Alles überaus spannende Geschichten. 
Ich sehe: das hat der Welt gerade noch gefehlt.

 

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Gestern vormittag haben wir angefangen, unseren neuen Gasgrill aufzubauen. Denn der kommt ja in einer „Bastelpackung“, nur Teile davon sind vormontiert.
Wie immer bei solchen Gelegenheiten kam mir dabei die Aufgabe zu, die reichlich (und quasi ausschließlich) bebilderte Aufbauanleitung zu „lesen“ und richtig zu deuten, das jeweils zu montierende Teil richtig zu erkennen, die benötigte Schraubenart und -anzahl zu benennen und ansonsten Handlangerarbeiten zu verrichten, weil ich körperlich zu mehr nicht in der Lage bin.
Gleich zu Anfang, beim allerersten Arbeitsschritt, versagte ich bei der Deutung der bildlichen Darstellung. Den Boden des Grillunterbaus hatte ich falsch herum, also das Unten nach oben gedreht, an die Seitenwände schrauben lassen. Gottlob prüfte ich danach sofort, ob von allen Bauteilen alle Bohrlöcher da sitzen, wo sie laut Skizzierung des nächsten Arbeitsschrittes sitzen sollen. Und – hurra! – der richtige Sitz der Bohrlöcher war für den zweiten Schritt derart wichtig, daß ich meinen Fehler sofort bemerkte. Nicht auszudenken, was mit unseren Nerven losgewesen wäre, wenn ich das erst eine Stunde später bemerkt hätte!
Mit einigem Zerren, Ziehen und Drücken, mit leisem Fluchen und gemeinsamem Willen gelang uns der Aufbau dann so weit, daß wir heute nur noch das Innenleben des eigentlichen Grillteils einbauen müssen. Und ich hoffe sehr, daß sich das „nur noch“ auch bestätigen wird, denn man kann bei solchen Selbstmontagesets ja nie wissen, wo vielleicht noch ein unsauber gebohrtes Schraubloch lauert, das die Aufnahme einer ordentlich dafür vorgesehenen Schraube verweigert.
Fast fertig steht der Grill zur Zeit auf unserem Flur und sieht echt beeindruckend aus. Man darf sich aber nicht darüber hinwegtäuschen lassen, daß es nur die schmucke Hülle ist, die da steht. Noch ist er völlig funktionsbefreit, denn es fehlen ja noch die Brenner.
Dennoch habe ich schon jetzt den Duft der ersten Würste in der Nase, die wir darauf grillen werden.

 

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Ich habe Gewichtsprobleme, seit ich denken kann.
Als junge Frau gelang es mir hin und wieder, zeitweise auf Normalgewicht zu kommen, indem ich mir sozusagen alles versagte, was gut schmeckte (und dick machte). Ich lebte dann lange in Dauerdiätzustand. Wenn ich dann zwischendurch doch wieder ein paar Kilo zunahm, kriegte ich die durch strengen Verzicht aber relativ schnell wieder weg.
Je älter ich werde, umso weniger Lust habe ich, auf all das Gute zu verzichten, nur weil ich lediglich „Leberwurstbrot“ sagen muß, und – zack! – hab‘ ich schon ein Kilo mehr auf den Hüften. Ich bin es leid, immer wieder Diät zu halten, nur um am nächsten Morgen nicht wieder ein Kilo mehr und auch eine Woche später noch kein einziges Gramm verloren zu haben. Ich habe mich irgendwann in mein Schicksal ergeben, daß ich offenbar geboren bin, um dick zu sein.
Hin und wieder befasse ich mich dann aber doch mit den Möglichkeiten, ein paar von den -zig Kilo zuviel wieder loszuwerden. Und da lese ich von diversen Diäten, Ernährungsplänen, Wunderpillen und dergleichen mehr.
Am meisten von diesen allen erzürnen mich die Artikel über das Intervallfasten – das soll unglaublich gut die Pfunde purzeln lassen und überhaupt ja ganz super gesund sein.
Wenn man das alles aber mal genau liest, dann sollte einen die Anzahl der Stunden stutzig machen, in denen man nichts essen sollte. Das ist nämlich in der Regel nix anderes als die Zeit, die ohnehin zwischen Abendessen und Frühstück vergeht. Und wenn ich dann noch lese, selbstverständlich dürfe die Menge an Kalorien, die man in den dem Essen zugewiesenen Stunden zu sich nehme, nicht höher, sondern solle besser deutlich niedriger sein als die, die der Körper (ver)braucht, und man solle unbedingt auch ein wenig Sport treiben, viel Flüssigkeit zu sich nehmen und auf Alkohol, Süßigkeiten und zu viel Fettiges verzichten, dann frage ich Sie: wo ist da der Unterschied zu einer hundsgewöhnlichen, traditionellen Diät? Weniger essen, als man verbraucht – das ist doch auch hier die Quintessenz dessen, was da geschrieben wird. Da blendet man die Leute mit einer angeblich völlig neuen wissenschaftlichen Erkenntnis, es gibt einen Medien-Hype, und am Ende ist es doch nichts anderes als FDH.
Es gibt, das möchte ich nun doch auch erwähnen, tatsächlich etwas, was mir hilft. Ich nenne den Namen des Produkts jetzt nicht, da ich hier keine Werbung machen möchte. Ich bin nur froh, es gefunden zu haben und hin und wieder darauf zurückgreifen zu können. So viele Pfunde, wie ich tatsächlich verlieren müßte, um richtig schlank zu sein, kann ich damit aber nicht loswerden, denn es gibt da eine nicht zu vernachlässigende obstipierende Nebenwirkung…

 

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30
Apr
Hypoallergen

Gestern recherchierte ich hypoallergenes Dosenfutter für unseren Hund, da er mittlerweile das immer selbe anallergene Trockenfutter verschmäht.
Gefunden habe ich das Futter, das ich im Sinne hatte, auch bei Amazon. Im Abschnitt „Produktdetails“ erhoffte ich mir, nähere Angaben zu den Inhaltsstoffen zu finden. Dabei hatte ich allerdings nicht bedacht, daß Amazon nicht auf Spezialhundefutter spezialisiert ist, und dort unter „Produktdetails“ etwas anders verstanden wird.
So erfuhr ich, daß im Lieferumfang Batterien nicht enthalten seien, Batterien jedoch auch gar nicht benötigt würden. Ganz genau wurde ich auch darüber informiert, welche Außenmaße die 12 zum Gebinde gehörenden Dosen haben, wenn man sie dicht an dicht stellt. (Ich räume ein, daß das für den Versand nicht unwichtig ist, aber das ist ja nicht das Problem des Käufers, sondern des Verkäufers.)
Zu den Inhaltsstoffen erfuhr ich nichts, außer der Tatsache, daß das Futter die Geschmacksrichtung „Mix“ hat.
Da frage ich Sie (und mich): wer, um Himmels Willen, kauft solches Spezialfutter bei Amazon, wenn von dort keinerlei sinnvolle Informationen kommen, und das Futter auch noch deutlich teurer ist als bei Spezialhändlern für solche Dinge? Vermutlich nicht sehr viele; es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis Amazon das wieder aus dem Sortiment nimmt, denke ich.

 

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Vorhin war ich bei der Physiotherapie. Und wie das in vielen Physio-Praxen der Fall ist, ist auch in dieser ein großer Raum in Behandlungskabinen unterteilt, die nur mit ganz leichten Wänden und Vorhängen voneinander abgetrennt sind. Man hört also gut, was in der Nachbarkabine gesprochen wird.
Eben war offenbar eine ältere Dame nebenan, und auf einmal sagte sie zu ihrer Therapeutin: „Geschdern hawwisch zum Benny gesaat, isch ging jo so gern emol widder in ä Wärdschafd!“ Kurz drauf: „Isch mach mer heit owend dann halt ä ‚Schnitzel Parmigiana‘, des schmeckt mer aa.“ Da wurde die Therapeutin hellhörig und fragte: „Und hasse du Parmesan su Hause?“ Die Dame verstand nicht gleich, also wiederholte sie: „Hasse du Parmesan su Hause?“. Sagt die Kundin: „Nää, des wärd jo iwwerback.“ Therapeutin entgegnet: „Ja, abber brauchsdu Parmesan.“ Kundin: „Nää, isch mach immer ä Scheib Gouda driwwer.“
Hach, das war so schön! Fast so schön wie Loriots Birne Helene, die ein Pfirsich war. 

 

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Heute lese ich, daß Nicholas Cheong Jin-suk gestorben ist.
Ich kenne den Herrn natürlich nicht, der Name sagte mir gar nichts; ich habe dem Artikel aber entnommen, daß er Kardinal in Südkorea war.
Ich natürlich, in meinem glänzenden Unwissen, dachte sofort: Naja, das wird so ziemlich der einzige Christ dort gewesen sein, also ist es nicht verwunderlich, daß er es in höchste Ränge geschafft hat.
Aber damit lag ich völlig falsch, wie eine kurze Recherche ergab.
Wußten Sie, daß ein Drittel der Bevölkerung Südkoreas Christen sind? Das sind ja fast mehr als in Deutschland (haha), und wir tun uns immer so hervor als das „christliche Abendland“!
Ich stelle immer wieder fest, mit wieviel vermeintlichem Wissen (oder als Fakten unterstellten Vermutungen) ich durchs Leben gehe, das sich schnell in Nichts auflöst, wenn ich anfange zu recherchieren.
Gut, es mag sein, daß etliche der Dinge, die ich nicht weiß, meine Lebensqualität nicht weiter beeinträchtigen. Denn ich werde z. B. ja nicht dafür bezahlt, zu wissen, wieviele Christen es in Südkorea gibt. Und für mein rein körperliches Überleben ist dieser Fakt auch eher unwichtig.
Aber es erschüttert mich doch oft, wenn ich feststelle, wieviele Lücken mein Allgemeinwissen insgesamt hat.
Bei „Wer wird Millionär?“ komme ich virtuell oft bis zu 16.000-Euro-Frage. Wieviele Joker ich bis dahin aber bemühen müßte, wenn ich wirklich auf diesem Stuhl da säße, weiß der Himmel. Denn gerade in den vermeintlich einfachen Fragestufen wird oft in Themengebieten geweidet, die mir völlig am Gesäß vorbeigehen. Mir sind die Namen der Leadsänger von Popgruppen total schnuppe; wie der Regisseur von irgendeinem erfolgreichen Film heißt, weiß ich grundsätzlich nicht; und welche Fußballmannschaft 1996 Deutscher Meister wurde, ist völlig an mir vorbeigerauscht.
Ich muß also unbedingt dafür Sorge tragen, daß dereinst, wenn ich dort tatsächlich mal Kandidatin bin, nach dem Anteil Christen an der südkoreanischen Bevölkerung gefragt wird. Hoffentlich weiß ich das dann noch…

 

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Gerade las ich eine Schlagzeile, die verkündete, daß Justin Bieber für seine Frisur Kritik einstecken mußte. Er trägt seit neuestem Dread Locks, diese bewußt verfilzten, dicken Haarsträhnen, die man bei uns direkt mit einem Gedanken an Jamaica verbindet.
Der Vorwurf lautet: kulturelle Aneignung.
Mit diesem Vorwurf, ja mit dem ganzen Begriff, kann ich ehrlichgesagt eher wenig anfangen.
Zumindest dann tu ich mich schwer damit, wenn es lediglich darum geht, daß sich jemand – wie hier in diesem Beispiel – eine Frisur zulegt, die ursprünglich aus anderen Kulturen stammt.
Ich habe mal nachgelesen, wie man genau diesen Begriff der kulturellen Aneignung verstehen muß, und was daran so verurteilenswert ist. Und ich sehe es natürlich genauso, daß es völlig deplaziert ist, sich z. B. dadurch, daß man sich einen Bastrock anzieht und damit zu einer Party geht, über eine andere Ethnie lustig zu machen.
Allerdings kann ich nicht nachvollziehen, wieso ein Europäer sich bei der Frisur, die er trägt, nicht inspirieren lassen darf durch Haarmoden anderer Völker, Ethnien, Kulturen. Wenn das nicht tolerierbar ist, hätten Asiaten ja auch nicht den westlichen Kleidungsstil für sich adaptieren dürfen. Bei meinem Beispiel trifft nämlich sogar das zu, was kulturelle Aneignung auch noch ausmacht: ein Angehöriger einer Mehrheit macht sich ein Merkmal einer sich in der Minderheit befindlichen Ethnie zu eigen, bzw. er verwendet es in seinem persönlichen Styling. Und da es weit mehr Asiaten auf der Erde gibt als jede andere Ethnie, dürfte mein Argument durchaus greifen.
Daß sehr viele afrikanische, afroamerikanische und afroeuropäische Frauen sich die Haare glätten, orientiert sich ja auch am Erscheinungsbild der Ethnien, bei denen glattes Haar häufig vorkommt – geht aber wohl in Ordnung, weil die Damen das vor allem in Gegenden tun, wo sie in der Minderheit sind?
Mich stört weder das eine noch das andere. So lange die Person, die sich von Merkmalen einer anderen Kultur inspirieren läßt, das nicht tut, um sich über andere zu erheben oder gar lustig zu machen, mangelnden Respekt zu demonstrieren oder dergleichen, nehme ich das als Gestaltungselement wahr. Damit sage ich nichts darüber aus, ob mir alles bei jedem gefällt. Das müßte ich im Einzelfall für mich bewerten.
Ich möchte abschließend noch zu bedenken geben, wie sehr Deutsche oft dafür kritisiert werden, weil sie den rheinischen Sauerbraten und die Schwarzwälder Kirschtorte auch im Urlaub in Italien erwarten, und weil sie, wo sie gehen und stehen, in diesen Gesundheitssandalen zu sehen sind, in denen sie auf die Welt gekommen zu sein scheinen. Wenn sie sich aber die Haare frisieren wie ein Jamaicaner, ist es auch wieder nicht recht.

 

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Manche Leute, die sich für besonders intelligent, aufgeklärt und streitbar halten, erleben mit ihrem Tun plötzlich eine böse Überraschung.
So jetzt z. B. einige bekannte Schauspieler/-innen, die sich in Videoclips über die aktuelle Corona-Politik lustig gemacht haben. Und dabei fanden sie sich total knorke, überaus lustig, geistvoll und spiegelvorhaltend – bis sie Applaus von der AfD bekamen.
Das hatten sie natürlich nicht gewollt! Das ganze Jahr über verteufeln sie die AfD, kämpfen gegen sie an, und auf einmal – schwupps! – ein Mal nicht recht nachgedacht, und schon geben sie dem Denken und Argumentieren dieser Partei einen Brandbeschleuniger an die Hand, indem sie genau so dämlich dahersalbadern.
Wenn man Ironie und Überzeichnung als Stilelement der Kritik nicht beherrscht, sollte man besser die Finger davon lassen. Und überhaupt – wenn man keine Alternativen zum Kritisierten anbieten kann oder will, sollte man eh die Klappe halten.
Die Typen sitzen da und ziehen die Corona-Maßnahmen in den Dreck, ohne zu sagen, wie man es besser hätte machen sollen oder können. Ohne zu sagen, was genau sie stört an dem, was sie da lächerlich machen.
Klar, Kunst und Kultur sind eine der Branchen, die besonders leiden. Aber nur hinsitzen und dumm daherreden, das bringt niemanden weiter.
Welchen Nutzen soll es haben, wenn man behauptet, alles genau so zu machen, wie es gefordert ist – nur natürlich viel, viel intensiver und gewissenhafter? Wem nützt es, wenn man satirisch(?) behauptet, jetzt gar keine Kontakte mehr zu pflegen, selbst dem Postboten die Tür nicht mehr zu öffnen und die Kontaktdaten auf seinem Handy zu löschen? Was soll der geneigte Hörer/die Hörerin dem entnehmen? Welche Lehre? Welche Konsequenz sollen wir daraus ziehen? Was besser machen? Und nochmal: welche Alternativen gibt solch eine Aktion den Politikern zum Drübernachdenken mit? Keine!
Also, was soll der Scheiß??
Schön, daß die Damen und Herren jetzt das erreicht haben, was ja laut eigener Aussage nicht Ziel der Aktion war, nämlich den Quer“denkern“ und der AfD Auftrieb zu verschaffen. Super gemacht, Leute! Echt „super“!

 

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Seit einiger Zeit folge ich einer Podcast-Reihe, in der zwei Comic-Zeichner/Illustratoren sich über die unterschiedlichsten Themen unterhalten. Das ist immer so unterhaltsam, daß ich diesen Podcast auch monatlich mit einem kleinen Betrag unterstütze.
Die Seite, auf der man die einzelnen Podcast-Folgen aufrufen kann, ist recht ansprechend gemacht.
Rechts auf der Seite findet sich ein kleiner Abschnitt mit einem Text „Über diesen Podcast“. Und da erklären die Herren, welchen Zweck der Podcast erfüllen soll, und in welchen zeitlichen Abständen die Folgen erscheinen.
Und da sind wir nun an dem einzigen Punkt angekommen, der mich stört. Und zwar schon von Anfang an. Da steht nämlich, daß der geneigte Hörer/die Hörerin alle 14 Tage den Herren beim Unterhalten zuhören dürfe. Alle 14 Tage.
Nur leider erscheinen die Folgen in der Regel nicht in einem 2-wöchentlichen Rhythmus, sondern im besten Falle alle drei Wochen. Ich weiß das. Ich weiß das wirklich. Insofern sollte mich dieser Text nicht so irritieren, wie er es tut. Ich weiß, daß er nicht stimmt, und daß die nächste Folge nicht in 14 Tagen schon verfügbar sein wird.
Und trotzdem ist mir diese Aussage so präsent, und ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß ich wirklich nach 2 Wochen schon auf die Seite gehe, um mir die nächste Folge anzuhören. Und jedes Mal bin ich baß erstaunt, daß da noch keine ist.
Mich juckt es dermaßen in den Fingen, die Herren anzuschreiben mit der Bitte, die Behauptung auf ihrer Seite zu berichtigen. Das würde zwar überhaupt nichts an den Fakten ändern, aber es ginge mir damit so viel besser! Aber dann denke ich wieder: laß es! Sei nicht die Meckertante, sondern freu dich an dem, was dann irgendwann doch noch kommt. Das tu ich ja auch! Wirklich! Und ich weiß, wie aufwendig die Produktion einer Folge für den Podcast ist. Es ist wirklich nur diese Aussage auf der Website, über die ich einfach nicht hinwegschauen kann.
Ich bin sicher, wenn da stünde „alle drei Wochen oder so“, wäre ich tiefenentspannt und würde tatsächlich nicht schon früher ungeduldig da sitzen. Obwohl es – wie gesagt – an den mir bereits bekannten Fakten Nullkommagarnichts ändern würde.
Ich bin doch echt bekloppt, oder ?!

 

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20
Apr
Dickes Ding

Ein Tag bringt immer einen Anlaß zum Schmunzeln. Man muß nur genau hinsehen. Oder hinhören. Wie auch immer.
Ich hatte meinen Schmunzelmoment heute morgen schon um kurz nach halb acht.
Ich bin nämlich gerade über einen Text gestolpert, der mich darüber in Kenntnis setzt, daß es eine „Liste der Eichen Europas mit einem Stammumfang ab zehn Metern“ gibt.
Klar, Bäume, die so dick sind, sind sehr alt. Insofern sind die Kerle natürlich bemerkens- und registrierenswert.
Aber ich versuche gerade, mir vorzustellen, wie diese Liste zustande kommt. Wer streift da durch Wald und Feld, mit einem Maßband bewaffnet (das ja auch noch länger als 10 Meter sein muß!), und vermißt Bäume? Und zwar ex-akt auf einer Stammhöhe von 1,30 m, wie es Vorgabe ist?
Und was mache ich, wenn zufällig ich mal diejenige sein sollte, die einen solchen Baum findet? An wen wende ich mich dann mit meinem Fundstück? Und glauben die mir das dann einfach so?
Nicht auszudenken außerdem, was passiert, wenn jemand aus Versehen nicht auf einer Höhe von einsdreißig den Stammumfang vermißt, sondern bei einsvierunddreißig! Oder einsachtundzwanzig! Was passiert dann? Ist der dicke Baum dann weniger des Auflistens wert? Das kann ja wohl nicht sein.
Gibt es außer Mammutbäumen eigentlich auch andere Bäume, die – wie die Eichen – einen solchen Stammumfang erreichen können? Und was passiert mit denen? Listet die auch jemand auf? Sie sehen, die Sache wirft bei mir eine Menge Fragen auf.
Was ich ja äußerst bemerkenswert finde an der Liste dieser dicken Eichen: die wenigen Exemplare, die man auf deutschem Boden registriert hat, stehen mit nur einer Ausnahme alle in den östlichen Bundesländern.
Schaut man sich die Bilder an, wird natürlich klar, daß die alle in ländlichen Gegenden stehen. So gesehen müßte ein solch stolzes Alter auch in Westdeutschland erreichbar sein. Aber ich überlege dennoch, ob diese altehrwürdigen Eichen vor allem dem Umstand zu verdanken sind, daß zu DDR-Zeiten kein Geld für umfangreiche Baumaßnahmen verfügbar war, und deswegen kein Anlaß bestand, die Bäume zu fällen. Waren, so gesehen, die Spaltung Deutschlands und das im Grunde nicht funktionierende politische System der DDR doch zu irgendwas nutze?

 

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Wie viele andere in Deutschland sitze ich nach wie vor im heimischen Büro.
Diese Woche rief meine Vorgesetzte mich an, um mal zu hören, wie es mir geht so allein in meinem Stübchen. Ob ich denn wohl genug, aber nicht zu viel zu tun habe, ob ich mich nach wie vor wohlfühle ohne meine Kolleginnen, und ob ich gesund sei.
Jedes Mal, wenn sie mich fragt, ob ich mich einsam fühle (sie formuliert es anders, aber sie meint genau das), wundere ich mich, weil sie mir offenbar nicht glaubt, daß die Arbeit von zu Hause aus meinem Naturell sehr entgegen kommt.
Ich bin ja gottlob nicht einsam! Ja, meine Arbeit verrichte ich zur Zeit in einem Einzelbüro, was ich in der Firma nicht tue. Aber ich liebe das, und mittags und abends habe ich ja meine Frau und meinen Hund direkt bei mir; ich habe immer jemanden, mit dem ich reden, lachen und leben und meine Freizeit verbringen kann. Von Einsamkeit kann bei mir also keine Rede sein. Weil ich ja gar nicht alleine bin.
Natürlich ist es gut, daß meine Teamleiterin danach fragt und sich über sowas Gedanken macht. Denn eine unserer Kolleginnen lebt tatsächlich allein, ist aber ein sehr geselliger Mensch. Ich denke, daß sie unter dem Arbeiten zu Hause wirklich leidet. Neulich war sie mal für einen Tag im Bürogebäude, weil sie dort was zu erledigen hatte. An diesem Tag war sie richtig fröhlich, und sie hat mich (und sicher auch noch andere) direkt angerufen und gefragt, ob sie hier oder dort was für mich richten kann, vielleicht die Blumen gießen? Oder das Papier wegräumen, das sich in meiner monatelangen Abwesenheit auf meinem Schreibtisch angesammelt hat? Es war deutlich zu hören, wie froh sie war, die Firma mal wieder aufsuchen und auf dem Flur und dem Pausenbalkon das ein oder andere Schwätzchen halten zu können.
Aber was für sie der Plausch auf dem Balkon ist, ist für mich die Pause in meiner eigenen Küche und in meinem Eßzimmer, das Gespräch mit meiner Frau und der Blick auf die Straße, in der ich wohne. Dabei entspanne ich für ein paar Minuten und kann die Arbeit in den Hinterkopf schieben.
Ich weiß, daß die Maßgabe, am besten zu Hause zu bleiben, für viele zu psychischen Problemen führt, vor allem wegen der Vereinsamung. Und ich bin froh, daß ich nicht mehr so jung bin, daß ich das Gefühl haben muß, eine entscheidende Phase meines Lebens nicht so erleben zu können, wie das für andere normal ist bzw. war. Phasen, die teils ja wirklich prägend sind für den weiteren Lebensverlauf.
Ich bin froh und dankbar, daß auch meine Nichten und Neffen schon alt genug sind, um die fehlenden Jugenderlebnisse nicht betrauern zu müssen, und daß die nachfolgende Generation noch zu jung ist, von Corona überhaupt etwas zu ahnen.

 

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Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
Erinnern sie sich an diesen Satz? Er war Teil einer Werbung für Damenbinden, die vor ein paar Jahrzehnten im Fernsehen lief.
Mir scheint, die Menstruation ist immer noch in vielen Köpfen ein Thema, dem man sich nur mit einer gehörigen Portion Überwindung, auf jeden Fall aber nicht völlig entspannt nähern kann.
Lese ich doch heute, daß jüngst zwei junge Männer(!) auf die Idee gekommen sind, für die Entsorgung von Tampons eigens dafür entworfene und produzierte Einmalhandschuhe auf den Markt bringen zu wollen, mit denen frau ihren Tampon entfernen und ihn anschließend darin verpackt dem Müll zuführen soll.
Da frage ich Sie: geht’s noch? Mal abgesehen davon, daß ein Tampon, der ohne jede Verpackung in den Müll geworfen wird, sicherlich umweltfreundlicher ist, als wenn da noch jede Menge Plastik drumrumgewickelt wird, scheint es den Herren ja offenbar doch erstaunlich, wie die Frauen dieser Welt jahrtausendelang ohne diesen Mist auskommen konnten. Beim Blick in den Mülleimer (warum auch immer jemand in einen Mülleimer glotzen sollte…), in dem bereits ein gebrauchter Tampon ruhte, wurde den Kerlen offenbar derart flau, daß sie das nicht für erträglich hielten und die „Erfindung“ ihres pinkfarbenen(!) Einmalhandschuhs für unverzichtbar hielten.
Ich überlege mal kurz: selbst wenn man den Gedanken, einen gebrauchten Tampon im Mülleimer nicht prominent präsentieren zu wollen, gar nicht so abwegig findet – war die Erfindung eines Einmalhandschuhs (extra zum Zwecke der Entsorgung von Hygieneprodukten) wirklich vonnöten? Gab es tatsächlich bisher nirgends auf der Welt Einmalhandschuhe zu kaufen? Nicht für Chirurgen, nicht für Hausfrauen resp. -männer? Nicht für Bastler, nicht für Tierarzthelferinnen? Und gab es die wirklich noch nicht in Pink? Und müssen die wirklich pink sein??
In der Erlebniswelt dieser beiden „Erfinder“ offenbar nicht.
Wir gehen mal davon aus, daß die beiden jungen Männer sich weder im Haushalt betätigen müssen, noch einem medizinischen Beruf nachgehen. Und auch sonst keinem, bei dem es darauf ankommt, sauber zu arbeiten. Denn sonst hätten sie gewußt, daß es ihre „super“ Erfindung bereits gibt.
Davon abgesehen ist es ja aber eh sinnvoller, die guten Stücke, um die es hier geht, einfach in ein bißchen Klopapier einzuwickeln – dann klappt es auch mit dem Blick in den Mülleimer.

 

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12
Apr
Instagram

Seit einiger Zeit habe ich ja auch einen Account bei Instagram. Dort zeige ich ausschließlich meine Cartoons. Oder Birtoons, um genau zu sein.
Ich bekomme nur wenige Likes, denn ich bin ja nicht sonderlich bekannt. In der Regel bewegt sich Anzahl der Likes zwischen 10 und 20 pro Zeichnung. Wenn die 20 erreiche, freue ich mich wie Bolle!
Die meisten, die meinen Feed verfolgen, sind ebenfalls Cartoonzeichner/-innen. Und von denen machen das die meisten, so wie ich, als Hobby.
Allerdings, und da bin ich saustolz drauf, sind darunter auch Profizeichner. Peter Gaymann z. B., dessen Cartoons (oft sind Hühner die Hauptfiguren), die wie mit der Feder gezeichnet wirken (vermutlich, weil sie tatsächlich mit der Feder gezeichnet werden), ich sehr liebe. Er zeichnet sehr schön und detailreich, und sein Humor ist von der feinen Sorte. Und dieser Herr ist einer meiner Follower! Ich könnte stolzer nicht sein!  :-)
Auch der Lappan-Verlag hat einen Account auf Instagram. Der Verlag ist spezialisiert auf Cartoons und Comics, und der Account des Lappan-Verlags folgt mir ebenfalls! Da denke ich manchmal im Stillen: werde ich am Ende noch entdeckt??
Nun, eine entsprechende Nachricht steht noch aus, aber leider haben mich stattdessen in der letzten Zeit ganz andere Accounts entdeckt. Junge Frauen, dem Profilbild nach zu urteilen alle rank und schlank und blutjung, fachkundig im Stylen und in diversen Sportarten, die alle – trotz ihres makellosen Aussehens - einsam dahinvegetieren auf der Suche nach dem Pferdeschwanz fürs Leben. Oder auch nur für eine schnelle Viertelstunde. Wahrscheinlich eher das Letztere. - - Finde den Fehler!...
Eine besondere Lachnummer für mich war der Kommentar, den ich neulich unter einem Birtoon vorfand, auf dem Birte einen Kopfstand macht. Da stand dem Wortsinne nach: „Ich habe gerade deinen Feed durchgesehen. Sieht ja toll aus! Seit wann machst du schon Sport?“ Und Absenderin dieses Kommentars war irgendsoeine Fitness-Tussi, die zudem noch auf oben erwähnter Suche nach einem Fick ist.
Mal abgesehen davon, daß man doch eigentlich erkennen müßte, daß es sich bei meinem Account um den einer Frau handelt, sieht man doch auf den ersten Blick, daß es bei mir um etwas völlig anderes geht als Sport... oder Partnersuche.
Man fragt sich schon das ein oder andere Mal, ob es wirklich Leute gibt, die auf solche Kommentare und/oder Follower Wert legen oder gar stolz sind. Den besagten Kommentar habe ich gelöscht, und die Follower dieser Couleur nehme ich halt als gegeben so hin…

 

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Ich höre sie kommen. Die Geräusche, die ihr Kommen begleiten, verheißen nichts Gutes.
Ich halte den Atem an, hoffe, dass sie mich nicht hören kann in meinem Sessel, auf dem ich verbotenerweise sitze. Und doch ist es mein Sessel. Schon immer gewesen.
Mein linker Fuß ist eingeschlafen, aber so lange sie sich in der Nähe aufhält, muss ich das aushalten. Denn bewegen darf ich mich jetzt nicht, damit sie mich nicht findet.
Da, sie hat die Richtung geändert, in die sie geht. Ihre Schritte verhallen allmählich, und ich wage es, meinen Fuß zu strecken und zu dehnen, damit wieder Leben hineinkommt.
Hat sie mich bemerkt? Nein, offenbar nicht, denn ich höre sie aus einiger Entfernung meinen Namen rufen. Es klingt viel Liebe aus ihrer Stimme. Aber ich durchschaue sie. Sie will mir nichts Gutes, sie liebt mich nicht. Sie hasst mich.

Als wir uns kennenlernten, zogen ihre dunklen Augen, die tief und verschlossen zugleich wirken, mich sofort in ihren Bann. Ihre Blicke streichelten mich, und ihre Stimme lullte mich ein.
Im Zusammenleben mit ihr habe ich allerdings gelernt, einer hübschen Schale eine gute Portion Skepsis entgegenzubringen, was den nicht sichtbaren Kern angeht.

Still! Ich höre wieder ihre Schritte. Ich senke mich tiefer ins Sesselpolster, hoffe, dass weder Hände noch Füße über die Armlehnen oder das Sitzpolster hinausragen. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mich zusammenzurollen, die Gliedmaßen einzuklappen wie die Teile eines Schweizer Taschenmessers. Winzig bin ich, da in meinem Versteck. Sie darf mich nicht finden!
Sie ist böse, böse ist sie! Böse und verschlagen!
Ihr Rufen hat aufgehört. Ich kenne das. Damit will sie mich glauben machen, sie habe die Suche nach mir aufgegeben. Aber ich weiß, was kommen wird. Sobald ich mich aus dem Sessel erhebe, wird sie mich erwischen. Doch ich habe dazugelernt, ich werde mich nicht von der Stelle rühren.
Das angestrengte Lauschen ermüdet mich. Sie ist kaum noch zu hören, wie sie durch die Wohnung streicht. Doch ihr Schritt verrät sie. Sie sucht mich, sucht mich immer noch. Ich muss auf der Hut bleiben.
Einschlafen darf ich jetzt nicht. Mein Schnarchen (eine Schwäche von mir) würde mich sofort verraten. Überaus langsam wische ich mir über die Nase, die ausgerechnet jetzt zu jucken beginnt.
Die Uhr schlägt sechs Mal zur vollen Stunde. Viel zu laut für meinen Geschmack. Hoffentlich wendet sie sich der Uhr nicht zu, sonst bin ich verloren.
Hör! Jetzt ist sie wütend. Sie stampft auf und geht in Richtung Haustür.
Ich höre den Schlüssel. Er kommt nach Hause. Wird sie ihm verraten, was sie mit mir vorhat?
„Hallo Schatz!" Küsschen.
"Ich wollte mit dem Kater zum Tierarzt, aber ich finde ihn nicht. Jetzt isses zu spät. Naja, muss ich halt nächste Woche mal schauen. -  Ich mach dann jetzt mal Essen.“
Endlich! Ich richte mich auf, schüttele meine Beine aus, springe vom Sessel und widme mich meinem Napf.

 

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08
Apr
Hm...

„Dank der neuen gymnastischen Übung schmerzte Birtes Kopf so stark, daß ihre Rückenbeschwerden wie weggeblasen schienen.“
Diesen schlichten Satz habe ich gerade über meinen neuesten Birtoon gesetzt, und beim Drüberlesen, ob sich denn wohl ein Tippfehler eingeschlichen hat, klang dieser Satz in meinen geistigen Ohren geradezu verheißungsvoll. Wie der erste Satz eines Romans, von dem man noch nicht ahnen kann, welchen Verlauf er nehmen wird.
Und je öfter ich ihn anschaue, diesen Satz, umso dringender wird mein Bedürfnis, aus ihm mehr zu machen als nur die Beschriftung eines Cartoons.
Ich lege den Stift zur Seite und denke nach. Schaue auf die kopfstehende Figur, die ich gerade fertig getuscht habe, und frage mich, wie mich jetzt das Verlangen überkommen konnte, ein Buch zu schreiben.
Gut, neu ist dieser Traum für mich nicht. Geändert hat sich aber auch nicht meine Überzeugung, daß ich über eine Kurzgeschichte sicher nie hinauskommen würde. Und auch das ist gar nicht so einfach, will mir scheinen. Denn „kurz“ heißt auch, alles, was eine gute Erzählung ausmacht, auf wenigen Seiten unterzubringen, rüberzubringen, in den Kopf des Lesers zu pflanzen.
Manche Romane verwenden fast 50 Seiten darauf, die Atmosphäre aufzubauen, die Figuren vorzustellen und überhaupt erst mal loszulaufen. So viel Zeit hat eine Kurzgeschichte nicht. Da muß man – bäng! – sich sofort in medias res wiederfinden, schon auf Seite zwei eingetaucht sein in die Handlung, den Protagonisten die Hand geschüttelt haben, um gemeinsam zügig durch den weiteren Verlauf zu pflügen, weil sich das Ende vom Horizont her bereits nähert.
Oder aber die Kurzgeschichte hat weder Anfang noch Ende. Ginge das?

 

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Gerade las ich in einem der Blogs, die ich verfolge, den aktuellen Beitrag.
Er enthält, wie er das an einem 5. des Monats immer tut, eine Zusammenfassung des Tagesablaufs der Autorin. Und im Zuge dessen spricht sie irgendwann auch von ihrem Vati.
Das Wort „Vati“ löst bei mir stets und zuverlässig ein Grinsen aus. Zumal, wenn es von einer erwachsenen Frau verwendet wird. Ich wäre in meinem Leben nie auf die Idee gekommen, meinen Vater „Vati“ zu nennen, selbst als ich ein kleines Kind war. Und noch viel weniger als erwachsene Frau.
Aber: das ist was Regionales, das weiß ich.
Es gibt halt Gegenden, da heißt der Vater „Vati“, die Mutter „Mutti“, und niemand findet das sonderbar. Aber Leute aus anderen Regionen schütteln über diese Angewohnheit eben den Kopf.
Vati-und-Mutti-Sager würden allerdings andersherum auch den Kopf schütteln, wenn Sie nämlich von „Mamme“ und „Babbe“ hörten, oder von „Mudder“ und „Vadder“.
Ich komme aus einer „Mama-Babba-Region“ (wobei unser Vater immer „de Vadder“ war), und ich lebe auch in einer solchen. Allerdings kenne ich doch einige Erwachsene hier, die „Muddi“ und „Vaddi“ sagen, auch wenn sie über die Eltern anderer Leute sprechen. Wenn jemand von denen mich seinerzeit, als meine Mutter noch lebte, fragten, wie es meiner Muddi gehe, wußte ich oft zunächst gar nicht, von wem die sprachen. So wenig war meine Mutter eine „Muddi“. Meine Mutter war „Mama“ - und das auch nur, wenn ich sie direkt ansprach. Wenn ich über sie rede, oder jemand mich auf sie anspricht, ist sie (und soll sie sein) selbstverständlich "meine Mutter". Ich würde nämlich auch nie eine erwachsene Person nach dem Befinden ihrer Mama fragen. Das wäre für mich, als würde ich diesen Menschen auf das Niveau eines Kindergartenkindes zurückstufen.
Ich finde das sehr faszinierend, welche Gefühle so einfache Wörter auslösen, die eigentlich doch jeder versteht, und von denen jeder weiß, daß sie regional so oder anders gebraucht werden.
Ich denke, daß gerade Eltern insofern sprachprägend sind, als daraus, wie man sie nennt, sich einiges in der Folge entwickelt. Welche Wörter/Ausdrücke/Formulierungen man für kitschig, angebracht, kindisch oder reif hält, ist – denke ich – untrennbar mit der Zugehörigkeit zur Muddi- oder Mama-Fraktion verbunden.

 

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Der Flieder ist weg!
Gestern haben wir uns von unserem Fliederbusch verabschiedet. Vor fast 20 Jahren wurde er in unserem Garten gepflanzt. Damals war er etwas höher als kniehoch, und weil er direkt neben das Haus gesetzt werden sollte, hatte meine Frau eine Fliederart gewählt, die laut Etikett nur 1,50 m hoch wachsen würde.
Nun, er gedieh recht gut, und er interessierte sich überhaupt nicht für das, was auf dem Etikett gestanden hatte, denn bis gestern war er so groß geworden, daß wir die verwelkten Blüten, die an der Baumspitze zu entfernen waren, vom Zimmerfenster im 1. OG aus erreichen konnten. Seine Hauptstämme waren so dick wie meine Oberarme. Daran, ihn selbst zu entfernen, war überhaupt nicht zu denken. Also hatten wir 2 Herren engagiert, die die schwere Arbeit für uns verrichteten.
Es stellte sich nun heraus, daß die Wurzeln des Flieders gar nicht so gefährlich für das Mauerwerk des Hauses gewesen waren, wie wir befürchtet hatten, denn sie hatten sich an der Wand entlanggeschlängelt und nicht etwa versucht, sie zu durchbrechen. Nun ist der Baum aber weg, und die Vöglein, die immer darin saßen und warteten, daß die Futterstelle, die direkt davor stand, frei werden würde, müssen sich jetzt ein anderes Versteck suchen.
Wir werden an die freie Stelle, die sich jetzt ergeben hat, natürlich neue Pflanzen setzen, denn wir wollen ja weiterhin eine gewisse Blütenpracht in unserem Garten haben. Nur ein Flieder wird es sehr sicher nicht sein.

 

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Meine Güte, das wird jetzt aber Zeit!
Grad, als ich hier wieder mal was schreiben wollte, brach in dem Rechenzentrum, in dem mein Hosting-Anbieter seine Server „gemietet“ hat, ein Großbrand aus und hat alles in Schutt und Asche gelegt.
Normalerweise erschüttern mich solche Nachrichten eher wenig, denn es ist ja eine allgemein bekannte Tatsache, daß ein Rechenzentrum, das was auf sich hält, irgendwo anders auf der Welt ein Backup stehen hat, das man – schwups! – mit einem Handgriff aktivieren kann.
So ein Backup hat natürlich auch dieses Rechenzentrum. Aber: die Backup-Server standen dummerweise in demselben Gebäude wie die produktiv genutzten, in Flammen aufgegangenen Server, und man mußte erst mal prüfen, ob diese Server verschont geblieben und die Sicherungskopien 1) da und 2) intakt sind.
Bis die Herrschaften sich durch die Trümmer und den Rauch bis zu den Backup-Servern durchgewühlt hatten, vergingen ein paar Tage.
Nun betreibe ich mit dieser Seite hier ja nichts, was ich zum Überleben brauche. Aber es gibt ja durchaus auch Leute, die ihre geschäftliche Website beim selben Anbieter hosten wie ich diese hier. Und für die war der Ausfall natürlich eine nicht so kleine Nebensächlichkeit.
Schon allein die Website des Vereins, die ich betreue, hat so manchem gefehlt in diesen 14 Tagen. Ich mußte ein paar Leuten erklären, wieso unsere Seite nicht erreichbar ist.
Aber nun ist ja alles wieder da. Allerdings sind einige Schriftarten offenbar hops gegangen, denn ich mußte hier die meine umstellen, damit im Browser nicht die Standardschrift angezeigt wird.
Und jetzt raten Sie mal, was mein Anbieter für einen Titelschriftzug als Standard vorgesehen hat? Comic Sans!
Sie entschuldigen mich - ich geh‘ kurz k….en!

 

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26
Feb
Neues Bett

Dieser Tage haben wir das Bett unseres Hundes gewaschen, weil er sich dort hinein erbrochen hatte, und die Flüssigkeit durch die Decke, die wir ihm immer hineinlegen, bis ins eigentliche Bett gesickert war.
Also haben wir das Randpolster herausgenommen und den Bett“bezug“ in die Waschmaschine gestopft. Als meine Frau ihn aus der Maschine herausnahm, stellte sie fest, dass man auch das dünne Polster, das in die eigentliche Liegefläche eingebracht ist, hätte aus dem Bezug nehmen können. Damit alles schneller trocknete, hat sie das Polster dann halt nach der Wäsche rausgeholt.
Als wir es aber wieder hineintun wollten, stellten wir fest, daß der Bezug beim Waschen (bei 30°C!) derart eingegangen war, daß das Polster mittlerweile viel zu groß ist und nicht mehr reinpaßt. Und da alles schon mehr als 4 Jahre alt ist, haben wir beschlossen, unserem Schatz ein neues Bett zu kaufen.
Da selbiger schon 7 Jahre zählt, wollte ich unbedingt ein Bettchen mit einer orthopädischen Matratze haben, auf dem er auch dann noch bequem liegt, wenn er mal  Gelenkprobleme haben sollte.
Als wir es ihm nun gestern hinlegten, schnupperte unser Rocky erst mal skeptisch an dem neuen Einrichtungsgegenstand, ließ sich am Ende aber dann doch darauf nieder. Den ganzen Abend lag er dann auf seinem neuen Lager, und wir hatten das Gefühl, daß ihm der neue Liegekomfort durchaus gefällt.
Normalerweise eilt Rocky nach dem letzten Abendpipi, das er immer im Garten verrichtet, stets schnurstracks zurück zu seinem Bettchen, das im Wohnzimmer liegt – wohl, weil meine Frau und ich im Schlafzimmer immer so schnarchen, und es dort auch reichlich kühl ist über Nacht.
Gestern abend wechselte er dann aber doch lieber in das Zweitbett, das wir im Schlafzimmer für ihn bereithalten. Das ist er gewohnt, das neue Luxusbett aber muß sich offenbar doch erst noch beliebt machen, seinen Geruch annehmen und gut eingekuschelt werden, bis er bereit ist, sich richtig damit anzufreunden.
Ich hoffe, daß das nicht zu lange dauert bzw. daß das Komfortbett von ihm auch wirklich ins Herz geschlossen wird, denn wir haben es mit Liebe ausgesucht und mit Kreditkarte bezahlt.

 

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23
Feb
Rückblick

Fast jedes Kind hat ja so seine Vorstellung davon, was es später mal werden will.
Ich erinnere mich nicht mehr daran, was mein erster Berufswunsch war, aber ich weiß noch ganz genau, daß ich damals sagte: „Zur Not geh ich halt uff d‘Sparkass‘.“
Die Sparkasse kam mir deswegen in den Sinn, weil mein Vater dort arbeitete; und weil mir das ein solider, aber eher langweiliger Job zu sein schien, kam ich gar nicht auf die Idee, dass „d‘Sparkass“ mich vielleicht gar nicht würde haben wollen. Für mich war klar: die suchen bestimmt händeringend Leute, die „sowas“ überhaupt machen wollen.
Im Lauf meiner Schuljahre merkte ich dann natürlich schon, welche Begabungen ich hatte, und was mir überhaupt nicht lag. So wußte ich z. B. sehr bald, daß ich sicher nicht zu denen gehören würde, die Medizin studieren wollen. Meine „Leistungen“ in Mathematik, Physik und Chemie sprachen generell gegen ein naturwissenschaftliches Studium.
Obwohl ich in Deutsch ab einer gewissen Klassenstufe keine sonderlich guten Noten mehr hatte, war ich aber in Fremdsprachen so begabt, daß ich bald davon träumte, Übersetzerin zu werden – zumal meine Übersetzungen von den Lehrern allgemein sehr gelobt wurden.
Es war für mich also ausgemachte Sache, nach dem Abitur ein entsprechendes Studium aufzunehmen. Allerdings war das, wie sich herausstellte, gar nicht so einfach mit einer nicht gerade prickelnden Deutschnote und einem Numerus clausus von 1,9 – einer Durchschnittsnote, die ich natürlich nicht vorweisen konnte.
Ich landete bei meiner Bewerbung auf Wartelistenplatz 352 (Abb. ähnlich), nicht wissend, daß ich mich jedes Semester neu hätte bewerben müssen, um irgendwie in der Liste nach vorn zu rücken. Aber da in jedem Semester ohnehin nur ca. 30 Leute aufgenommen wurden, war die anzustellende Rechnung sogar für mich eine einfache, und mir war klar, daß das nix wird mit meinem Traum. Da machte es auch nichts, daß ich mich nicht ein weiteres Mal bewarb.
Ich überlegte also, welchen Lehrberuf ich ergreifen könnte, und siehe da: ich hatte in Grundschulzeiten offenbar prophetische Fähigkeiten gehabt, denn in meiner Not ging ich halt zur Sparkasse. 
Aber auch das war nicht so einfach, wie ich mir das damals so vorgestellt hatte, denn die örtliche Sparkasse wollte mich nicht nehmen, weil mein Vater noch dort arbeitete; und die benachbarte Sparkasse wollte mich auch nur ungern nehmen, obwohl mein Vater den dortigen Vorstandsvorsitzenden kannte, der von "Vitamin B" aber nicht sonderlich viel hielt. Dennoch rang er sich schließlich dazu durch, mir eine Chance zu geben. (Sein Kollege ließ mich das übrigens die ganzen acht Jahre, die ich dort arbeitete, spüren. Er ließ keine Gelegenheit ungenutzt, mir zu zeigen, wie unfähig er mich fand (was ich natürlich nicht war), und wie ungerechtfertigt meine Einstellung damals gewesen war.)
Mich belastete die Meinung dieses Herrn eher wenig, da ich vorhatte, nach der Lehre doch noch ins Studium zu gehen. Aber da mir kein Studiengang attraktiv erschien, wenn es nicht der zur Übersetzerin war, blieb ich nach meiner Ausbildung halt, wo ich war, und ging einem Beruf nach, für den ich morgens nur äußerst ungern aufstand. Sehr viel weniger Gefallen als ich kann man an diesem Beruf eigentlich nicht finden.
Rückblickend wundere ich mich sehr, daß ich, nachdem ich an der Aufnahmeprüfung für eine Weiterbildung gescheitert war und dies als Zeichen von oben gedeutet hatte, dass es nun wirklich Zeit ist, der Sparkasse den Rücken zu kehren, im weitesten Sinne doch im Bankgewerbe geblieben bin. Der Schwerpunkt liegt jetzt nur mehr auf dem IT-Bereich des Ganzen, was aber offenbar die ausschlaggebende und eigentlich wichtige Veränderung ist, mit der ich beruflich jetzt sogar einigermaßen glücklich geworden bin.
Aber ich gebe zu: wenn ich sehe, daß ich mein Wunschstudium heutzutage einfach so aufnehmen könnte, weil mittlerweile keine Zugangsbeschränkung mehr besteht, könnte ich kotzen.

 

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Nach Joe Bidens Wahl zum US-Präsidenten hat sich die journalistische Lage um Donald Trump schneller beruhigt, als ich es erwartet hätte. Es ging in den letzten Wochen sogar so weit mit der Ruhe, daß ich zwischenzeitlich glaubte, die Medien dieser Welt hätten sich darauf geeinigt, diesem Herrn keine weitere Zeile mehr zu gönnen.
Doch leider hab ich mich zu früh gefreut. Immer mal wieder – besonders in den letzten Tagen – taucht ein Bild von ihm auf. Kleiner als zur Zeit seines „Wirkens“, aber immer noch deutlich wahrnehmbar. Nichts, was man so einfach übersieht. Wie so ein kleiner, roter Pickel auf dem Kinn kurz vor dem nächsten Date, und man weiß sofort, bis man den/die Angebetete trifft, leuchtet die ganze untere Gesichtshälfte in wunderbarem Entzündungsrot. Genau so drängt sich der Orangegesichtige immer wieder ins Bewußtsein der Leute, es zieht und brennt, und jedes Mal seufzt man in dem Wissen, daß seine Präsenz doch so schnell nicht auszumerzen sein wird.
Mir wäre als nächste Nachricht, die ich über ihn zu lesen kriege, die am liebsten, daß man ihn für irgendeines seiner zweifellos begangenen Vergehen eingebuchtet hat. Und danach wäre es sehr wohltuend, wenn aus dem Knast, in dem er einsitzt, nicht berichtet werden darf.
Ah, wenn wir schon bei (ehemaligen) Politikern sind, die seltsame Frisuren tragen: es wird Zeit, daß meine Friseurin wieder aufmacht, denn mittlerweile sehe ich schon aus wie Boris Johnson!
Bei dem habe ich ja übrigens fast den Verdacht, daß er am sog. „uncombable hair syndrome“ leidet. Auch wenn sich das im Erwachsenenalter meist gelegt hat. Aber wenn seine Haare sich in Kindertagen nie haben kämmen lassen, dann hat er sich vielleicht den Versuch, es zu tun, ja deswegen einfach abgewöhnt.

 

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Letzte Woche, es lag noch richtig dick herrlich knirschender Schnee in unserem Garten, auf den Straßen und im Wald, sagte ich zu meiner Frau: „Es wird Frühling.“ Sie schaute mich an, als ob ich an irgendeiner schlimmen Verwirrung litte, aber ich fuhr fort: „Es riecht nach Frühling, und außerdem singen die Vögel Frühlingslieder.“ Sie schüttelte lachend den Kopf und ließ mich stehen.
Gut, ich kann sie irgendwie verstehen, denn an jenem Tag war es klirrend kalt, der Himmel sah sehr nach neuem Schneefall aus, und nur ab und zu sah man auch mal ein klitzekleines Stückchen blauen Himmel.
Aber nur ein paar Tage später kam die Botschaft der Wettervorhersage: die Temperaturen steigen.
Und bevor sie das taten, kam auch kein weiterer Schnee, sondern es setzte nach und nach Tauwetter bei uns ein – sprich: ich lag richtig mit meiner Prognose.
Innerhalb eines Tages war der ganze Schnee verschwunden, und obwohl jetzt die Sonne noch nicht über alle Hügel strahlt, riecht die Luft ganz anders, und wenn man hinausgeht, fühlt sie sich auch ganz anders an. Weich, lau, umarmend. Wie wenn sie sagen wollte: sieh her, ich bin’s, der Frühling.
Und die Vöglein im Garten zwinkern mir heimlich zu und zeigen mir ein Thumbs-up, weil ich ihnen letzte Woche so gut zugehört habe.

 

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16
Feb
Weites Land

Catherine Meurisse ist eine französische Zeichnerin, die seinerzeit dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ nur deswegen nicht zum Opfer fiel, weil sie an dem Tag spät dran war und es nicht zur üblichen Zeit ins Büro bzw. ins Atelier der Zeitschrift geschafft hatte.
Das Trauma dieses Attentats, bei dem sie so viele gute Freunde verlor, hat sie in ihrem Buch „Die Leichtigkeit“ zu verarbeiten versucht.
„Weites Land“, ein weiteres Buch von ihr, liegt ebenfalls auf meinem Nachttisch. In diesem Buch erzählt sie von ihrer Kindheit, die sie auf dem Land verbrachte.
Dieses Werk gehört mit zum Ergreifendsten, was ich bisher gelesen habe. Das liegt vor allem an den Bildern, die Catherine Meurisse zeichnet. Die Bilder erzählen nicht nur irgendwie von einer Familie, sondern sie fokussieren stark und fast ausschließlich auf die Kinder, um die es geht. Sie erzählen aus ihrer Sicht. Sie geben Einblick in die Gefühle und das Erleben der Kinder, die Erwachsenen sind nur Randfiguren, deren Gefühle und Gedanken nicht näher beleuchtet werden. Wie man das als Kind eben so erlebt hat, und wie die Zeichnerin sich jetzt an das erinnert, was sie erlebt und gefühlt hat.
Und die Erinnerungen sind offensichtlich sehr intensiv. Als Betrachter schaut man sich dieses Buch an in der Gewißheit, daß kein einziger wichtiger Augenblick in Vergessenheit geraten ist. Vielmehr wird diese Kindheit von der Autorin vollständig nochmal durchlebt.
Sich in das Empfinden und Erleben wieder einzufühlen, wie man es als Kind gefühlt und erlebt hat, ist keine leichte Übung. Nicht jeder Erwachsene ist in der Lage, das, was er oder sie als Kind als wichtig wahrgenommen hat, Jahrzehnte später nochmal neu genau so zu empfinden und genau so zu Papier zu bringen.
Das „Zu Papier bringen“ ist dabei ganz klar die schwierigste Aufgabe, und Catherine Meurisse beeindruckt mich auch mit ihrer dafür erforderlichen Kunstfertigkeit sehr. So ist da z. B. dieses Bild, auf dem ihre Mutter gerade einen Setzling pflanzt, und sie mit der Gießkanne daneben steht und wartet, bis sie gebraucht wird. Die Gießkanne ist halb so groß wie sie, und sie muß die Ärmchen nach oben ziehen und den Oberkörper ein wenig nach hinten biegen, um sie überhaupt halten zu können. Solche zauberhaften Details machen diese Graphik Novel aus.
Wer Bildsprache mag, sollte „Weites Land“ unbedingt lesen.

 

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11
Feb
WMDEDGT

Heute habe ich in einem Blog einen Eintrag gesehen, der ein Beitrag zu der Aktion WMDEDGT ist.
Die ist quasi der Aufruf, an jedem 5. eines Monats zu erzählen: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“
Ganz klar wird hierbei erwartet, daß die Teilnehmer einen Tagebuchbeitrag schreiben.
Aufgeschrieben bekommen, mehr oder weniger detailliert, was andere den ganzen Tag gemacht haben, mag auf den ersten Blick befremdlich und langweilig wirken, denn mal ehrlich: wen interessiert es denn, was ich gefrühstückt habe, und wann ich den PC für meinen Arbeitstag in Betrieb genommen habe?
Ich habe deswegen testweise mal in ein paar Beiträge hineingelesen, mir also zu Gemüte geführt, was für mich wildfremde Menschen am 5. Februar den lieben langen Tag gemacht haben.
Und siehe da: obwohl es genau solche Dinge waren (wie Frühstück, Arbeitsbeginn, Mittagspausenbeschäftigung usw.), die ich erwartet hatte, fand ich es tatsächlich ziemlich unterhaltsam. Denn jeder hat ja seinen eigenen Erzählstil, seinen ganz eigenen Alltag – und obwohl ich mir nie hätte vorstellen können, daß mich so ganz alltägliche, kleine Episoden wildfremder Menschen unterhalten könnten, erlebte ich die Lektüre nicht viel anders, als wenn ich in einem Roman gelesen hätte. Da wird ja auch nix anderes gemacht, als aus dem Leben anderer Personen zu erzählen – wenn auch fiktiver.
So lernte ich z. B., daß Verkaufshänger (in diesem Falle für Crêpes) durchaus auch mal ins Rollen kommen können, wenn sie es gerade nicht sollen, und daß für solche Fälle eigentlich eine automatisch greifende Bremse schwerere Schäden auch an Personen und anderen Gegenständen verhindern soll. Soll…!
Oder aber, was mir ebenfalls neu war, obgleich nicht überraschend: Berlin hat mehr als nur ein Stadtzentrum, sondern eher ein Dutzend.
So mag es vielleicht für andere gar nicht so uninteressant sein, womit ich mich den ganzen Tag beschäftige… Vielleicht mach‘ ich nächsten Monat mal mit? Mal schauen…

 

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Können Sie sich selbst leiden?
Und: Können Sie das tatsächlich beurteilen?
Ich habe schon so oft darüber nachgedacht, ob ich, wenn ich mir selbst begegnete, mich mögen würde.
Gemeinhin geht wohl jeder davon aus, selbst die Person zu sein, die den tiefsten Einblick in die eigene Persönlichkeit hat.
Klar, so dachte auch ich lange Zeit. Denn wer, wenn nicht ich, kennt meine Stärken und Schwächen, meine geheimen Gedanken und Wünsche, meine Vorlieben und Abneigungen ohne jede Einschränkung?
Was ich aber nicht kenne, sind meine Wirkung auf andere, das, was andere empfinden, wenn ich in ihrer Nähe bin, wenn ich etwas sage, lache oder wüte. Mögen die meine Stimme? Und sind sie mit mir inhaltlich einig, wenn ich meine Meinung äußere?
Lachen sie über meine Witze nur aus Höflichkeit? Sind sie froh, wenn ich die Zimmertür von außen zumache? Sind das, was ich als meine Stärken empfinde, für andere vielleicht nicht eher meine Schwächen und umgekehrt? Erkennen die anderen, was für ein toller Mensch ich sein kann, und warum ich es trotzdem so oft nicht bin?
Ich weiß wirklich nicht, wie es mir erginge, wenn ich mir selbst begegnete, mir als einem anderen Menschen ins Gesicht schauen und zusehen und -hören würde, wie ich mich bewege, gestikuliere, lache und rede.
Würde ich mich überhaupt wiedererkennen? Daß die eigene Stimme im eigenen Kopf anders klingt, als wenn man sie z. B. von einer Tonaufnahme hört, weiß ja jeder. Und die eigenen Bewegungen, die eigene Mimik, die kriegt man ja nie mit. Also: würde ich mich selbst wiedererkennen?
Könnte ich mich leiden? Würde ich mich mögen? Wäre ich mir wenigstens sympathisch?
Wenn ich mir vor Augen halte, was andere an mir schon kritisiert haben, vermute ich, daß auch ich mich gar nicht so toll fände, wie ich gern wäre.
Meinen Humor fände ich vermutlich lustig, denn es ist ja meiner. Aber sonst…?

 

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Es gibt eine Sache, die mich schon lange beschäftigt, und die ich nie verstehen werde, weil ich niemanden persönlich kenne, der/die es mir erklären könnte.
Und zwar habe ich ja, wenn ich in den Facharzt-Wartezimmern dieser Welt sitze, recht häufig die Möglichkeit, Telefonate mitzuhören, die die Empfangsdamen mit Patienten führen.
Gaaaanz oft geht es dabei um die Vereinbarung eines Termins, weil der/die Anrufer/in Schmerzen oder andere Beschwerden hat. (Ohne Beschwerden macht ja wohl kaum einer einen Termin.)
Und dann höre ich fast ebenso oft: „Aaalso, da hätte ich noch einen am 34. Trillember um 9:45 Uhr. Paßt der für Sie?“ Nicht selten folgt diesem Angebot offenbar ein bestürztes Schweigen, denn es kommt dann oft die Nachfrage : „Hallo? Sind Sie noch da?“
Mit fester Stimme wird danach versichert, daß dies wirklich(!) der allerfrüheste(!) Termin ist, der im Angebot ist. Und meistens wird das zähneknirschend akzeptiert und der Termin eingetragen.
Kurz drauf kommt dann aus dem Sprechzimmer jemand an den Empfang, der gerade beim Herrn Doktor war, und sagt: „Ich soll nächste Woche wiederkommen.“ Und zack!, ist doch da sage und schreibe am kommenden Mittwoch um 9:30 Uhr ein Termin frei. „Geht das bei Ihnen? Wunderbar!“ Und schon verläßt ein zufriedener Patient für heute die Praxis.
Jetzt frage ich Sie? Wieso wurde dieser Termin nicht dem Anrufer angeboten?
Klar ist mir schon, daß ein gewisser Puffer für die Patienten freigehalten werden muß, die sich derzeit schon in Behandlung befinden. Die dürfen natürlich nicht weitere 4 Monate auf ihren nächsten Termin warten müssen.
Aber das Problem hat man doch jeden Tag! Morgen kommt wieder einer mit einem Ersttermin, und der muß dann ggf. auch „nächste Woche wiederkommen“.
Und übermorgen wieder, und in drei Tagen auch.
Wer entscheidet denn da, wo wann wieviel Puffer vorgehalten wird? Denn wir dürfen ja dabei die Privatpatienten nicht vergessen, die selbstredend nicht bis in den Trillember warten müssen.
Und dann ist da ja noch die nicht ganz unwichtige Frage, wer entscheidet, wie dringend ein Anrufer einen Termin braucht…

 

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Gerade lernte ich, daß die Paarungszeit der Gemeinen Schlammfliege im Frühling liegt. Die Männchen laufen dann zu Fuß den Weibchen hinterher, und diese signalisieren ihre Paarungsbereitschaft dadurch, daß sie stehenbleiben und dem Männchen eben nicht davonlaufen oder -fliegen.
Man stelle sich das mal vor, daß es bei uns Menschen ähnlich liefe! Das wäre ein Gerenne, und wir Frauen wüßten zunächst nie, ob ein Mann einfach nur das Gespräch mit uns sucht oder vielleicht doch lieber Kinder zeugen will. Paarungsunwillige Frauen würden die tatsächlichen Absichten nie herausfinden, denn sie liefen ja vorsichtshalber den Männern immer davon.
Eine Zusammenarbeit im Beruf oder grundsätzlich ein Zusammenleben und -wirken wäre dann nur möglich, wenn alle Beteiligten vorab geklärt hätten, welche Absichten die Männer (nicht) verfolgen, sollte zufällig einer von ihnen dieselbe Gehrichtung einschlagen wie eine ihrer Kolleginnen bzw. weiblichen Bekannten.
Ich vermute, daß die Signale da bei den Schlammfliegen eindeutiger sind, denn die könnten ja auch fliegen. Und wenn sie es nicht tun, dann bedeutet es halt, daß die Stunde der Liebe gekommen ist.
Was täten aber wir Menschen, um das oben skizzierte Kommunikationsproblem zu lösen? Wir müßten uns wahrscheinlich unterschiedliche Gangarten zulegen, die jeweils das eine oder das andere signalisieren.
Aber würde wirklich jeder Mann jeden anderen wissen lassen wollen, mit welcher Absicht er gerade durchs Leben geht bzw. hüpft oder springt? Ich denke nicht, denn es wäre - im Gegensatz zum Empfinden des Schlammfliegerich, der Schamgefühle offenbar nicht kennt - ja nicht nur dem Herrn Müller peinlich, wenn ich sehen könnte, daß er gerade Lust auf Sex mit Frau Meier hat. 
Es hat also offensichtlich einen guten Grund, warum wir Menschen das anders angehen müssen. Wir werden uns wohl weiterhin auf die uns eigene, umständliche Weise dem begehrten Gegenüber verständlich machen müssen. 

 

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Am Freitag kamen, kaum war der Bodenleger weg, die neuen Möbel für das Wohnzimmer.
Sie sind aus Holz, und nie und nimmer hätte ich vermutet, daß die Schränke fertig montiert geliefert werden und in voller Größe die Treppe hinauf geschafft werden müssen!
Aufgrund des Materials (massive Eiche!) wiegen die gefühlt je eine Tonne, und die Herren, die die Dinger auslieferten, waren nur zu zweit. (Allerdings wäre für mehr als zwei auch gar kein Platz gewesen.)
Als sie ankamen, kratzten sie sich gewichtig am Kopf und meinten nur: „Das wird knapp!“ Und tatsächlich, die Treppenöffnung war so eng, daß der Transport äußerst schwierig war und von Stufe zu Stufe in mühsamem, millimetergenauem Hieven vonstatten ging. Es rumpelte erschreckend, und ich saß im Erdgeschoß in meinem Büro, hielt die Luft an und zog den Kopf zwischen die Schultern.
Daß die Schränke wegen ihres Gewichts durch die Küche nicht getragen werden konnten, sondern geschoben werden mußten, hat jetzt zur Folge, daß – trotz Absicherung mit einer Decke, die unter die Schränke gelegt war – auf dem nagelneuen Bodenbelag ein tiefer Kratzer zurückgeblieben ist, der behoben werden muß. Nun ja, sowas kann passieren, und der Bodenleger ist bereits informiert.
Als ich allerdings abends von meiner Frau erfuhr, daß der Couch- und der kleine Ecktisch von den Herren montiert werden mußten, biß ich fast in die Couch! Vergleichsweise lächerlich kleine und leichte Tische werden in Einzelteilen geliefert und müssen zusammengebaut werden, aber Schränke, die über 2 m hoch und fast ebenso breit sind, kommen im Ganzen! Wie widersinnig ist das denn??!!
Wenn es nicht Männer wären, die damit jetzt zu kämpfen hatten, würde ich steif und fest behaupten: auf so eine Idee können nur Männer kommen!

 

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So, der Bodenleger ist seit gestern wieder fort.
Drei Tage haben die Herren gebraucht, und das waren im Grunde nicht wirklich drei Tage, denn sie haben jeweils nur bis kurz nach Mittag gearbeitet. Das heißt, sie haben gut eineinhalb Tage benötigt, um in drei Räumen einen neuen Boden zu verlegen.
Wenn man sich damit nicht auskennt, dann ist es einem zunächst fast nicht vorstellbar, daß so eine Arbeit so zügig erledigt werden kann. Wenn man aber dabei zusieht und dann weiß, welche Schritte zu tun sind, dann wird es einem wieder plausibel. (Das in drei Tagen zu erledigen statt in den veranschlagten vier, war ja, das darf man nicht vergessen, aber auch nur deswegen möglich, weil es den beiden Handwerkern gelungen war, auch unser Sofa auf den Flur zu schieben. Es stand dann da zwei Tage lang senkrecht, d. h. auf die rechte Armlehne gestellt, vor der Garderobe, und ich zitterte die ganze Zeit und bangte, daß es ja nicht umfällt.)
Daß der Konkurrent sage und schreibe 10 Tage für die Arbeiten veranschlagt hatte, will mir nach wie vor nicht einleuchten. Ich frage mich, was der die ganze Zeit getrieben hätte.
Ich bin auf jeden Fall froh mit unserer Wahl – besser hätte es nicht laufen können, und so sauber, wie die beiden gearbeitet haben, hätte man hinterher fast aufs Putzen verzichten können.
Morgen kommen dann auch die neuen Wohnzimmerschränke, und ich hoffe, daß die Spedition, die sie liefert, genauso gewissenhaft arbeitet wie die Bodenleger.
Das Wochenende werden wir dann wohl hoffentlich darauf verwenden können, die Zimmer wieder komplett einzurichten und auch den ganzen schmückenden Tand wieder hinzustellen. Den lassen wir jetzt noch draußen – nicht daß die Möbellieferanten mit ihren Kartonagen noch Glas zerdeppern!
Und wenn dann die Vorhänge auch wieder hängen, dann wird sicher auch unser lieber Hund wieder zur Ruhe kommen und selig in seinem Bettchen schlafen.
Ich freu mich auf die neue Normalität. Gottlob gibt es die auch außerhalb des Corona-Kontextes.

 

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Wir haben für diese Woche den Bodenleger bestellt. Er soll uns im Wohn- und Eßzimmer und auch in der Küche neuen Boden verlegen.
Ausgemacht war, daß er heute morgen gegen 8:15 Uhr bei uns ankommt. Um 8:16 Uhr fuhr der Laster vor. Das hat mich schonmal beeindruckt; solch eine Pünktlichkeit sprach in meinen Augen nämlich für eine Firma, die in der Lage ist, präzise zu planen.
Unser Wohn- und Eßzimmer und die Küche gehen ohne Türen ineinander über, weswegen in die drei Räume auch derselbe Bodenbelag gelegt werden soll. Da unser Sofa so groß und sperrig, unser Treppenhaus aber eng und unwegsam ist, war abgesprochen, daß wir zwar eigentlich alles rausräumen, aber das Sofa nur bis in die Küche schieben. Die Bodenleger wollten dann zuerst den alten Boden im Wohn- und Eßbereich rausreißen, dort den Untergrund spachteln und am nächsten Tag den neuen Boden verlegen.
Danach sollte das Sofa aus der Küche zurück ins Wohnzimmer verfrachtet werden, um dann diese zweitägige Prozedur in der Küche zu wiederholen bzw. fortzuführen.
Als die Herren aber sahen, daß wir von all den Möbeln wirklich nur das eine Sofa in die Küche hatten schieben müssen, alles andere aber komplett ausgeräumt hatten, staunten sie nicht schlecht (obwohl wir ihnen das ja so zugesagt hatten) und machten kurzen Prozeß, d. h. sie stellten das Sofa hochkant und schoben es – wie auch immer die das gemacht haben – in den Flur.
Danach haben sie gleich in allen drei Räumen den alten Boden rausgerissen und den Untergrund für den neuen Belag gespachtelt. Um halb eins waren sie damit fertig.
Nun kommen sie morgen wieder und verlegen das Vinyl.
So, wie die beiden Herren heute die Finger haben rumgehen lassen, vermute ich fast, daß sie morgen abend schon komplett fertig sein werden. Das heißt, daß sie dann nur die Hälfte der veranschlagten vier Tage benötigt haben werden.
Wenn ich bösartig wäre, würde ich jetzt sagen, daß die Planung halt doch nicht so präzise war, wie ich heute morgen noch angenommen hatte. Aber ich bin natürlich gar nicht böse, sondern sehr happy darüber, daß die Herren unser Sofa hinausschaffen konnten und so diesen schnellen Fortschritt ermöglichten.
Und wenn man dann noch bedenkt, daß die andere Firma, von der wir auch ein Angebot erhielten, für die Arbeiten 10(!) Werktage eingeplant hätte, dann fragt man sich echt, wie die sich überhaupt halten kann bei dieser so rührigen und zügig arbeitenden Konkurrenz.

 

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06
Jan
Entenbrust

Vor ein paar Tagen hatten wir zum Abendessen eine Entenbrust.
Sie wog 457 g. Das war für zwei Personen zwar recht viel, aber am meisten beschäftigte mich die Tatsache, daß diese Brust so ein „krummes“ Gewicht hatte.
Ganz oft stehen wir nämlich vor den Gefriertruhen hiesiger Supermärkte und finden lauter Entenbrüste vor, die ex-akt 400 g wiegen. So besagt es jedenfalls der Aufdruck auf jedem einzelnen dieser Päckchen.
Angesichts des Umstandes, daß diese Brüste wirklich immer an einem Stück verpackt sind, frage ich mich da jedes Mal, wo sie denn alle herumfliegen, diese 400g-brüstigen Enten. Ich überlege dann, ob es sich dabei wohl um eine ganz bestimmte Rasse handelt, der in die Gene gemeißelt ist, daß ihre Brüste bittschön jeweils ganz genau 400 g zu wiegen haben.
Nun, bei 350 g Hühnergeschnetzeltem ist klar, wie es zu genau 350 g kommt. Da wird dann halt noch ein kleiner Fetzen dazugepackt oder durch einen größeren ausgetauscht.
Wie die Entenbrüste zu ihren 400 g kommen, ist allerdings tatsächlich auch keine Zauberei. Es ist ja ein offenes Geheimnis, daß die Fleischstücke Wasserinjektionen erhalten, bis das gewünschte Gewicht erreicht ist. Meine Überlegungen zum Genom der Gefrierenten sind also nur ein kleiner Spaß, den ich mir beim Einkauf immer mache und mir dabei vorstelle, wie ich eine entsprechende Anfrage beim „Hersteller“ formuliere. Würde der darauf eingehen? Wie ehrlich wäre seine Antwort wohl (wenn ich denn tatsächlich eine bekäme)?
Ich glaube, ich muß das wirklich mal ausprobieren.

 

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Ich habe gerade ein Online-Quiz zur neuen Rechtschreibung gemacht. Ich hatte erwartet, hier mächtig zu scheitern, da ich außer der neuen Regel zu ss und ß keine wirklich kenne bzw. begründen kann.
Mir war nur bewußt, daß in Sachen Groß- und Kleinschreibung so einiges eingeführt worden ist, was mir die Haare zu Berge stehen läßt, und daß ich in diesem Bereich auch die alten Regeln schon nicht gut beherrscht habe.
Also habe ich die Fragen zur Großschreibung mit den Antworten versehen, die mir besonders hanebüchen erschienen, und lag damit richtig. Nur die Frage, bei der ich diesen Vorsatz reflexartig nicht befolgte, beantwortete ich falsch. Sagt ja auch schon einiges aus zur Sinnhaftigkeit so mancher Regeländerung…
Insgesamt fiel mein Test aber recht ordentlich aus.
Die einzige Neuerung, die ich gut finde, und die mir auch logisch erscheint, ist die oben erwähnte Regel zur Schreibung mit ss oder ß. Dennoch wende ich sie, wenn ich sie denn überhaupt befolge, nur dann an, wenn ich auf der Tastatur schreibe. Handgeschriebenes weist bei mir immer noch das einmal Gelernte auf, das ich aus meinem Bewegungsablauf auch nicht mehr rauskriege. Meine Hand macht das einfach nicht mit, „dass“ mit ss zu schreiben. Und wenn ich handschriftlich davon erzähle, etwas gewußt zu haben, dann kann ich auch das nicht mit ss schreiben, weil meine Hand diese Bewegung einfach nicht ausführen kann.
Das ist in etwa so, wie wenn jemand wunderbar Blockflöte spielen kann, aber von heute auf morgen das Chalumeau blasen will. Das geht auch nicht, denn dafür muß der kleine Finger der linken Hand zum Einsatz gebracht werden, was einem Blockflötisten niemals in den Sinn käme, weil für diesen Finger einfach kein Loch vorhanden ist, das er bedecken könnte. Und wegen dieses einen Lochs ist es so, daß was auf dem Chalumeau ein A ist, auf der Blockflöte ein G wäre. Wie soll man das so einfach verinnerlichen? Das bringt Knoten ins Gehirn – genau wie wenn ich von Hand schreiben sollte „… [von hier kommt die Erzählung] ich hatte schon immer gewusst, dass er [und hier geht die Erzählung weiter]…“.

 

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Gerade las ich, daß tatsächlich ziemlich wenige Menschen an den Bissen giftiger Spinnen sterben.
Obwohl ich in Deutschland lebe, wo es so gut wie keine giftigen Spinnen in freier Wildbahn geben dürfte, und ich auch nicht vorhabe, irgendwann mal irgendwo Urlaub zu machen, wo Giftspinnen an der Tagesordnung sind, hat mich diese Nachricht beruhigt.
Beim Weiterlesen erfuhr ich dann, daß eine Spinne, so giftig sie auch sein mag, eine gewisse Größe braucht, damit ihre Beißwerkzeuge überhaupt in der Lage sind, die menschliche Haut zu durchdringen.
Ich entspannte mich immer mehr. Und las weiter.
Die meisten Bisse, wenn eine Spinne denn überhaupt zubeißt, rufen ausschließlich Schmerzen hervor, teilweise begleitet von Schweißausbrüchen, Schwellungen und Fieber. All das klingt nach wenigen Tagen wieder ab.
Hach, meine Angst vor giftigen Spinnen verschwand zusehends. Das schien ja nicht viel schlimmer zu sein, als von einer Wespe gestochen zu werden. Und viel seltener vorzukommen.
Als Fazit verlautete der Artikel, dem ich all dies entnahm, daß weltweit wirklich nur gaaaanz wenige Todesfälle im Zusammenhang mit Spinnenbissen je bekannt geworden seien, und daß es i. d. R. nicht mehr als 200 pro Jahr sind.
Zweihundert! Das sind mal locker 6 Schulklassen, die da jedes Jahr ausgelöscht werden! Sechs! Schulklassen!
Wie kann man da denn behaupten, es käme so gut wie nie zu tödlichen Spinnenbissen?
Der Tenor, in dem der Bericht geschrieben war, war der einer Plauderei über möglicherweise tödliche Attacken von Goldhamstern – also eigentlich etwas, was man sich nur schwerlich vorstellen kann.
Aber dann? Bännng! Zweihundert Tote pro Jahr!
Was sagen Sie jetzt?

 

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Hier, innerhalb meines Webauftritts, gibt es ja auch diese Unterseite, auf der ich meine Cartoons (genauer: Birtoons) zeige. Diese Zeichnungen veröffentliche ich aber auch z. B. auf Facebook. Und zwar in meinem persönlichen Profil - und auch in einer Gruppe, die sich aus CartoonzeichnerInnen und Lieberhabern von Cartoons zusammensetzt.
Manchmal sitze ich beim Zeichnen an meinem Tisch und kichere vor mich hin, weil ich finde, daß ich da gerade wieder eine total dufte Idee umsetze! Und ich freue mich dann immer wie ein kleines Kind auf den Moment, in dem ich die Zeichnung hochlade und die ersten Reaktionen der Betrachter hereinkommen. 
Manchmal fertige ich einen Cartoon aber auch eher halbherzig an; immer dann, wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob der Witz gelingt oder überhaupt einer ist.
Dann staune ich hinterher allerdings ganz oft, wie sehr sich die Reaktionen der anderen von dem unterscheiden, was ich erwartet hatte.
Cartoons, die ich überaus gelungen finde, ernten nämlich nicht selten so gut wie keine Likes oder Kommentare. Andere dagegen, solche, an denen ich selbst überhaupt nicht hänge, kommen bei den Betrachtern so gut an, daß ich mich zwar über die Reaktionen freue, sie aber oft gar nicht nachvollziehen kann.
Ich tröste mich dann bei ausbleibenden Reaktionen damit, daß ich selbst mit meiner Zeichnung zufrieden bin, weitere Fortschritte erkennen und hoffnungsfroh sein kann, daß die nächste Idee wieder zünden wird.
Heute habe ich glücklicherweise wieder die Erfahrung gemacht, daß andere diese Fortschritte, die ich selbst zu erkennen meine, auch tatsächlich bestätigen. Meine Schwester hat nämlich das in der heutigen Zeichnung enthaltene Kamel sehr gelobt. Und das hat mich außerordentlich gefreut!
Schade nur, daß meine Mutter die Zeichnung nicht mehr erleben darf, denn Kamele waren ihre Lieblingstiere.

 

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Daß ich jetzt wieder im heimischen Büro sitze, sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Natürlich, durch mein Arbeiten zu Hause ist vieles bequemer für mich: ich muß morgens nicht erst eine Stunde mit dem Auto fahren, sondern gehe einfach nur eine Treppe tiefer. Das bedeutet auch, daß ich morgens eine Stunde länger liegen bleiben kann. Ich erwähnte es bereits.
Auch das Geld, das ich für Sprit in dieser Zeit nicht ausgeben muß, ist mir natürlich auf meinem Konto sehr willkommen.
Frühstück und Mittagessen nehme ich in gemütlicherer Umgebung ein, als wenn ich das im Bürogebäude tun müßte.
Und – ich gebe es zu – ein Einzelbüro zu haben, genieße ich sehr! Ich habe meine Kolleginnen wirklich gern, aber die Geräuschkulisse reißt bei so vielen Damen im gleichen Zimmer einfach nie ab. Und ich bin ein Mensch, der Stille sehr genießen kann. Ich könnte es z. B. nie ertragen, wenn den ganzen Tag lang das Radio liefe.
Wenn ich aber über den Grund nachdenke, warum ich hier sitze, dann kann ich mich eigentlich gar nicht mehr freuen. Ich gehe zwar davon aus, daß der Lockdown auch diesmal keine objektiven Nachteile für mich haben wird (außer den Verzicht auf Dinge und Aktivitäten, die ich, wenn sie mir erlaubt sind, auch nur selten mache), aber ich erwarte schon, daß die Stimmung auch in meinem direkteren Umfeld bald kippen wird – hin zu Frustration, zu beständig schlechter Laune und Pessimismus und zu Sorge um die, die unter dem neuen Lockdown ganz direkt zu leiden haben werden.
Jemand aus meinem Umfeld z. B. hätte eigentlich jetzt im Dezember operiert werden sollen. Und das wäre kein Kinkerlitzchen gewesen, sondern der Eingriff hätte das Leben dieser Person wieder deutlich besser machen können. Nun muß sie aber bis mindestens in den Januar darauf warten, und das tut mir so schrecklich leid für sie, daß ich auch kein Verständnis mehr für die habe, die bisher zwar nichts Unerlaubtes getan, aber auf bestimmte unnötige Kontakte, Feiern oder Reisen auch nicht verzichtet haben. Damit haben sie dem Virus doch noch ein paar Gelegenheiten zur Verbreitung gegeben, die nicht hätten sein müssen.
Wenn dann noch Leute bei Demonstrationen in dichtem Gedränge und ohne Masken auf ihre Rechte pochen, auf ihre Freiheit, und dabei aber übersehen, daß sie mit ein bißchen Selbsteinschränkung für so manchen etwas möglich machen könnten, was dessen Leben deutlich mehr verbessert, als es die einschränkt, die verzichten, dann frage ich mich, wie wir miteinander umgehen würden, wenn jetzt z. B. ein Krieg ausbräche.
Ich fürchte, daß der Zusammenhalt unter den Menschen nicht gegeben wäre, und daß Egoismus und Verrat alles nur noch schlimmer machen würde, als es eh schon ist.
So wie jetzt halt auch.

 

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Heute kam jetzt doch die Weisung meines Arbeitgebers, bis auf weiteres wieder ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten. Das heißt, ab morgen sitze ich wieder zu Hause. Darüber freue ich mich, denn mir ist es recht, wenn ich so wenig andere Leute treffe wie möglich.
Daß ich heute im Büro bin, hat aber auch einen Vorteil. Das große Bild, das ich vor Wochen hier aufgehängt hatte, war nämlich, weil ich mich für eine äußerst labile Aufhängung entschieden hatte, von der Wand gefallen. Und weil ich heute da bin, konnte ich es mit ein paar gezielten Hammerhieben wieder an der Wand befestigen.
Es ist ein Foto, eines, das ich in meinem Urlaub in der Bretagne gemacht habe. Aufgedruckt ist es auf eine Hartschaumplatte. Dadurch ist das Bild relativ leicht und trotz kostengünstiger Herstellung von der Druckqualität sehr gut.
Mein erster Aufhängversuch war übrigens gescheitert, weil ich kleine Aufhängösen mit einem viel zu kleinen Stück Klebeband am Bild befestigt hatte, das sich wegen des zu hohen Bildgewichts ziemlich schnell wieder gelöst hat.
Also kam mir die Idee, Löcher in das Bild zu stanzen, um dann einen Faden o. ä. dort hindurchzufädeln und dies als Aufhänger zu verwenden. Meine Frau konstatierte aber sofort völlig zurecht, daß ich dann ja auch gleich die Nägel durch ebendiese Löcher treiben könnte. Und wenn ich schon Nägel verwende, könnte ich - noch besser! - die doch auch direkt durch das Bild hämmern, ohne vorher noch Löcher gebohrt zu haben. Das leuchtete mir sofort ein.
Nun – gesagt, getan! Vier Nägel halten das Bild jetzt an seinem Platz, und ich bin guter Dinge, daß es nun nicht wieder von der Wand fallen wird.
Ich bin sehr gespannt, wie lange es vor dem Hintergrund, daß alle jetzt ja wieder nach Hause entschwinden, dauern wird, bis überhaupt jemand das Bild sieht.

 

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14
Dec
Locked down

Jetzt ist der da, der große Lock-down - den wir zwar meiner Meinung nach vor etlichen Wochen schon gebraucht hätten, aber man mag gar nicht drüber nachdenken, wie viele Päckchen jetzt unter deutschen Christbäumen fehlen werden, wo doch allgemein bekannt ist, daß so viele Leute ihre Geschenke immer erst auf den letzten Drücker kaufen. Und jetzt schließen die Läden.
Wir waren gottlob wie jedes Jahr wieder recht früh dran, so daß dieses Problem für uns keines ist. Auch hatten wir letzte Woche unseren Friseurtermin und brauchen daher so schnell keinen weiteren.
Aber wieder trifft es natürlich dieselben Menschen, die auch schon vom Lock-down im Frühling betroffen waren. Und es werden wieder viel zu viele hinzukommen, die Depressionen entwickeln und gegen materielle Nöte zu kämpfen haben werden.
Das alles ändert allerdings nichts daran, daß ich die Maßnahme für richtig halte.
Wenn man sieht, wie sprunghaft die Zahlen in die Höhe schnellen – auch die Todesrate steigt an, prozentual sterben mittlerweile viel mehr an COVID-19 als noch in den ersten Monaten der Pandemie. Da kriege ich Angst; und es will mir nicht einleuchten, wieso mein Chef uns nicht wieder dauerhaft ins Homeoffice beordert, wo er doch im März so schnell damit bei der Hand war.
Jetzt ist alles viel schlimmer, und dennoch erwartet er, daß wir uns vor Ort zeigen. Ich verstehe das nicht.
Wenn ich ab morgen wieder für drei Tage im Bürogebäude meines Arbeitgebers sitzen werde, wird mich in meinem Büro wahrscheinlich so gut wie niemand aufsuchen. Und die Hilfe, die ich selbst Kollegen geben kann, ist von der Art, die ich ebenso gut von meinem heimischen Büro aus leisten kann. Dafür werde ich aber etlichen KollegInnen auf dem Flur begegnen, wenn ich zur Toilette gehe oder mir einen Kaffee hole. Völlig unnötig, diese Aufeinandertreffen! Sie bringen keinerlei Mehrwert, sondern erhöhen nur die Gefahr für jede/n Einzelne/n, sich mit Corona anzustecken.
Wir agieren also völlig entgegen dem, was die Regierung eigentlich erreichen will: Reduzierung von persönlichen Kontakten auf ein Minimum.
Ich zweifle daran, daß das Ziel, das mein Chef damit anstrebt, nämlich Solidarität mit denen zu zeigen, die ihre Arbeit nicht von zu Hause aus erledigen können, tatsächlich erreicht wird. Wahrscheinlich ist es denen wurscht, wo sie mich erreichen, wenn sie mich brauchen. Aber ob es ihnen egal ist, wenn sie mir unter der Kaffeeküchentür begegnen, das weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist es doch eher jedem von uns lieb, wenn wir kaum jemanden treffen auf dem Flur, der keine eineinhalb Meter breit ist.
Muß erst jemand von uns KollegInnen auf der Intensivstation landen?

 

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08
Dec
Düsternis

Am vergangenen Wochenende hatte ich zum ersten Mal das, was die Leute meinen, wenn sie von Corona-Depressionen reden.
Mein Stimmungsloch besserte sich zwar im Lauf des Tages gottlob wieder, aber meine Frau führte mir bei dieser Gelegenheit mal vor Augen, wie mein Leben gerade verläuft: den ganzen Tag am Rechner sitzen und abends noch nicht mal mit dem Hund raus (weil sie das mittlerweile übernimmt, seit sie im Ruhestand ist).
Deswegen verordnete sie mir einen Aufenthalt im Wald. Eigentlich sollte das am Wochenende selbstverständlich sein, daß ich beim nachmittäglichen Gassi-Gang mitkomme, aber die letzten Wochenenden ging es mir so schlecht, daß ich auch da nicht mitgekonnt hatte.
An diesem Wochenende war das aber gottlob kein Thema, so daß ich wirklich bei herrlich herbstfeuchtem Wetter mit meinen beiden Lieben durch den Wald gestapft bin.  (Herrlich herbstfeuchtes Wetter = kein akuter Niederschlag, aber feuchter Boden, bedeckter Himmel und kühle Luft. Ein Wetter eben, bei dem man nicht naß wird, aber auch kaum jemandem im Wald begegnet, weil die meisten Leute ohne Hund da nicht vor die Tür gehen)
Dieser Spaziergang durch die Natur half mir dann auch aus meinem Stimmungstief wieder heraus, aber nachgeklungen hat es noch bis in die späten Abendstunden.
Und so kommt es, daß ich, obwohl ich von mir immer sage, mit den Corona-Einschränkungen recht gut zurechtzukommen (weil es mir materiell deswegen halt glücklicherweise an nichts fehlt), jetzt eine klitzekleine Vorstellung habe von der Not derjenigen Menschen, die diese Zeit in Einsamkeit und ohne Abwechslung verbringen und am Ende wirklich in eine Depression rutschen.
So beweist COVID-19 einmal mehr, daß es wirklich nicht nur eine Lungenkrankheit ist.

 

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29
Nov
Farinelli

Ich habe gerade im Internet nach CDs Ausschau gehalten und bin dabei über ein Album von und mit Cecilia Bartoli gestolpert.
Das Album trägt den Titel „Farinelli“ und bezieht sich auf den bekanntesten Kastratensänger des 18. Jahrhunderts.
Ich gehe davon aus, daß Bartoli auf dieser CD vor allem Arien singt, mit denen Farinelli einst zu seinem Ruhm kam.
Das Cover-Foto ist aber an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Man sieht Cecilia Bartoli mit nacktem Oberkörper, die Arme vor den Brüsten verschränkt, die Fingernägel dunkel lackiert. Die Haare trägt sie offen, und man hat ihr einen Vollbart ins Gesicht geklebt.
Da frage ich Sie: wußten die Macher dieses Fotos, was ein Kastrat ist? Und daß es zum Aussehen eines Kastraten aus der „Natur“ der Sache dazugehört, eben keinen Bartwuchs zu haben? Und daß Kastraten auch keine Brüste hatten? Und und und…???
Neben all dem ist es ohnehin eine Lachnummer, ein Plattencover mit einem Oben-ohne-Foto der Sängerin zu gestalten, „nur“ weil die CD an einen Menschen erinnert, der nicht Mann sein durfte. Da merkt man doch sofort, worauf es den Vermarktern da ankam. Sex sells, das gilt halt offenbar immer noch. Auch wenn in diesem Fall der Sex eher gar keine Rolle spielt (und für Farinelli sicher auch nie sehr befriedigend war).
Ich bin eh kein großer Fan von der Bartoli, aber dieses Cover ist auf jeden Fall ein Grund, die CD nicht zu kaufen.

 

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Gerade stolperte ich über eine Website, die mich sprachlos zurückließ. Noch nie habe ich einen Webauftritt gesehen, der so schrecklich schlecht war wie dieser.
Die Seite wirbt für einen Gewerbebetrieb, der ein Ladengeschäft, aber auch einen Hundesalon umfaßt, wenn ich das richtig erkannt habe.
Es ist wirklich erschütternd, wenn jemand seinen Betrieb in derart (ja, ich muß es wirklich so deutlich sagen) verstörend schlechter Weise präsentiert, und man fragt sich, ob die Ladeninhaberin tatsächlich Kundschaft hat.
Und doch erwärmt die Seite auf ihre Art auch mein Herz. Denn der Name des Geschäfts folgt dem Trend, daß er den Namen der Besitzerin kombiniert mit der Art der angebotenen Ware/Dienstleistung – nach dem beliebten Prinzip „Uwe’s Getränkemarkt“ oder „Tina’s Frisierstübchen“ oder gar „Andrea’s Kaffeekranz“.
ABER: jetzt kommt das große ABER!
Der Name der Inhaberin ist eben nicht mit dem oben zu sehenden Deppenapostroph versehen, sondern stellt grammatikalisch völlig korrekt „Brunhildes Hundeshop“ (Name sinngemäß v. d. Redaktion geändert, Abb. ähnlich) vor!
Das hat mich milde gestimmt und alle kleinen Schaltflächen anklicken lassen, die die Website zu bieten hatte. Für jede Kleinstinformation ein Button, wo ein Fließtext mit mehr als 10 Sätzen die Inhalte ebenso ausreichend hätte vermitteln können.
Auch habe ich über die bestimmt 20 verschiedenen Schriftarten und –größen hinweggesehen und mir die Abbildung des Flachdachgebäudes von „Brunhildes Hundeshop“ interessiert angesehen, nur weil ich nach einer Bestätigung gesucht habe, daß Brundhilde die Zeichensetzung beherrscht und sich halt nur mit der Gestaltung eines Webauftritts ein wenig schwer tut.
Und ja: Brunhilde hat fast keine Kommafehler auf ihrer Seite, und Rechtschreibfehler habe ich bisher gar keine gefunden.
Da möchte ich die Dame doch ganz fest in meine Arme schließen und ihr für ihren Betrieb trotz lausiger Vermarktung richtig guten Erfolg wünschen!

 

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Heute bietet die Wikipedia einen Fachartikel über das Mineral Carlosbarbosait an.
Lustig und interessant finde ich, daß das Mineral seinen wohlklingenden Namen von einem Chemieingenieur namens Carlos do Prado Barbosa hat, nach dem es benannt ist. Da ist es doch ein Glück für das Mineral, daß dieser Ingenieur nicht Ludwig Gscheitlhuber geheißen hatte. Sonst hieße es womöglich heute Gscheitlhuberit.
So, damit bin ich aber auch schon am Ende dessen angelangt, was mich an diesem Artikel interessierte. Denn – wie ich schon mal in einem Text erwähnte – die Mineralogie gehört zu den drögen Themen, die mich keinen Deut interessieren – vermutlich auch, weil ich ihnen z. T.  nicht gewachsen bin.
Es erleichterte mich sehr, als ich las, daß Carlosbarbosait ein sehr selten vorkommendes Mineral ist und daher erst sehr spät überhaupt entdeckt wurde. Das legitimierte es in meinen Augen, die weitere Lektüre zu unterlassen.
Eines habe ich aber doch noch aufgeschnappt:
die chemische Formel ist nicht etwa so schlicht wie H2O oder CO2. Auch nicht wie C12H22O11.
Die Formel nimmt auf meinem Bildschirm eine Länge von sage und schreibe 21 cm ein – ich hab es nachgemessen.
(Zum Vergleich: C12H22O11 ist bei meiner Bildschirmeinstellung gerade mal 3 cm lang.)
Da fallen mir umgehend die Augen zu, und es überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, die man als Symptom einer Überforderung deuten könnte, die aber auch Zeichen der Erleichterung ist, daß nicht ich es bin, die sich mit diesem Gscheitlhuberit herumschlagen muß.

 

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27
Oct
Erinnerungen

Gestern abend dachte ich auf einmal – ich weiß nicht, aus welchem Grund – an mein Schlummerle, also an die Babypuppe, die ich als Kind besaß.
Weil ich nicht sicher war, ob „Schlummerle“ der offizielle Begriff für diese Art Puppen ist, fragte ich meine Frau, ob sie denn auch ein Schlummerle besessen habe. Aber die wußte gar nicht, was das ist. Erklärte mir aber sofort, daß das wohl daran liegt, daß sie nie gern mit Puppen gespielt hat.
Also googelte ich. Und siehe da: „Schlummerle“ ist eine allgemein bekannte Bezeichnung.
Heutzutage sehen Schlummerle natürlich ganz anders aus als zu meinen Kindertagen. Aber Google wäre nicht Google, wenn es nicht auch Bilder von 70er-Jahre-Schlummerlen verfügbar hätte. Und so stieß ich auf ein Foto genau des Puppenmodells, das einst auch in meinen Armen ruhte.
Tatsächlich fand ich Puppen damals wenig einladend, ich nahm keine wirklich gern in den Arm. Denn sie waren alle so hart, besonders die Köpfe, in denen die Augendeckel laut klapperten, wenn man die Puppe bewegte. Und die Haare! Ach, mein Schlummerle hatte dieselbe Frisur wie Frau A. aus dem Chor, in dem ich vor Jahren mal sang. Einen „flotten“, fülligen Älteredamenhaarschnitt, auftoupiert und schön gefestigt, damit auch ja nach dem Spiel jedes Härchen noch so saß, wie es sollte. Kein einziges Baby dieser Welt hat jemals so einen Haarschopf besessen!
Mittlerweile machen die Spielzeugfabrikanten das ja besser. Da sehen Babypuppen wirklich wie Babys aus, und sie tragen auch fast keine Haare.
Ich erinnere mich, daß ich zusätzlich zu dem blonden Schlummerle, das ich schon besaß, ein kleineres, braunhaariges Schlummerle von meinen Eltern geschenkt bekam, als ich mit damals 5 Jahren wegen einer Mandeloperation im Krankenhaus lag. Dieses Schlummerle mochte ich nie, auch nach dem Krankenhausaufenthalt nicht, da es mich immer an diese schlimme Woche erinnerte, in der ich mit dem Weinen eigentlich nie aufgehört hatte, so groß war mein Heimweh. Es gibt ein Foto von mir, auf dem ich in unserer Wohnung auf dem Flur stehe und eben jene Puppe im Arm halte. Und man sieht es mir an, daß ich gar nicht fröhlich war! Und das, obwohl ich gerade aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen war. Irgendwie meine ich mich zu erinnern, daß ich die Puppe am liebsten weit weg geworfen hätte und mit ihr all die Erinnerungen an die Tage im Krankenhaus.
Schon seltsam, an was man sich plötzlich so lebhaft erinnert…

 

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Also, so langsam fangen sie zu spinnen an!
Lese ich doch heute in den Medien, daß die Weihnachtskrippe des Ulmer Münsters dieses Jahr erstmals ohne die Heiligen Drei Könige aufgestellt wird.
Grund dafür ist die Figur des Melchior, denn (wie Dekan Gohl heute wörtlich in der „Zeit“ zitiert wird) „…die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen“.
Bevor ich mich echauffiert habe, habe ich natürlich erst mal gegoogelt, wie der Ulmer Melchior denn tatsächlich aussieht.
Und was sah ich? Die drei Figuren der Weisen aus dem Morgenlande sehen so aus, als seien sie sehr alte Anfertigungen; alle drei stehen da in eher seltsamer Körperhaltung, und ich kann bei Melchior nicht mehr „unförmige Statur“ erkennen als bei den beiden anderen.
Die Figur zeigt eindeutig, daß Melchior einer afrikanischen Ethnie angehört. Tja, nun unterscheidet sich das typische Erscheinungsbild eines Afrikaners ja aber auch durchaus von dem eines Israeli. Wieso soll man das nicht auch so in Figuren darstellen?
Ich verstehe diesen Aufriß gerade nicht, denn einer der beiden anderen Weisen trägt einen Seppelhut, was offenbar niemanden stört. Das sieht tatsächlich etwas witzig aus, und hier kommt niemand auf die Idee, daß dies als rassistisch oder despektierlich angesehen werden könnte.
Wenn man die Weisen nun wegläßt und dann auch noch vorhat, beim Vortrag der Weihnachtsgeschichte die Heiligen Drei Könige einfach zu streichen, indem man sie aus einem Evangelium liest, in dem die Weisen gar nicht vorkommen (man stelle sich das mal vor – was für ein Blödsinn!), dann heißt das, daß die Weihnachtsgeschichte so dargestellt wird, als sei es seinerzeit nur Einheimischen erlaubt gewesen, dem Christkinde zu huldigen. „Aus dem Morgenland“ war dann niemand dabei – ist dieser kategorische Ausschluß von Menschen anderer Länder aus der Heilsgeschichte etwa nicht viel rassistischer, als einen Afrikaner wie einen Afrikaner aussehen zu lassen? Wir können doch nicht der Darstellung eines Afrikaners aus dem Weg gehen, bloß in der Angst, dabei etwas falsch zu machen, und damit ja sehr direkt Menschen aus Afrika komplett aus unserer Wahrnehmung verdrängen! Es hat doch sicher einen guten Grund, wieso immer und überall die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium gelesen wird, in dem die Heiligen Drei Könige eine wichtige Rolle spielen. 
Die Streichung dreier wichtiger Figuren einzig aus dem Grund, weil man einen Afrikaner, der deutlich als solcher erkennbar ist, nicht beibehalten will, ist m. E. schlimmste Diskriminierung und ist un-er-hört!!
Aber wetten: trotz all diesem Schwachsinn wird in Ulm der Dreikönigstag ein Feiertag bleiben. 


 

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Ich bin leidenschaftliche Veeh-Harfen-Spielerin, also Spielerin eines Instrumentes, das besonders bekannt dafür ist, daß man es auch ohne die Kenntnis herkömmlicher Noten spielen kann.
Es wird sehr oft (und wurde auch vorrangig dafür konzipiert) in der musikalischen Arbeit mit Menschen mit Handicap und in der Geragogik eingesetzt. Hier ist der Umstand, daß nicht mit herkömmlichen Noten gearbeitet wird, sehr hilfreich.
Denn statt nach herkömmlichen Noten spielen zu müssen, wird bei der Veeh-Harfe, die im Grunde ein Zither-Instrument ist, unter die Saiten eine Schablone geschoben (also auf den Resonanzkörper gelegt), auf der mit Punkten und Ovalen direkt unter den Saiten angezeigt wird, in welcher Reihenfolge welche Saiten anzuzupfen sind. In der Regel werden hierfür die beiden Zeigefinger benutzt.
Das klingt in der Tat kinderleicht. Ist es auch.
Allerdings nur so lange, wie man Stücke spielt, die man kennt. Denn dann weiß man ja, wie das Stück zu klingen hat, und die Information z. B. zu den Notenwerten, die durch die Punkte und Ovale ebenfalls ausgedrückt werden, kann in den Hintergrund treten.
Wenn nun aber ein Stück gespielt werden soll, das dem Spieler unbekannt ist, dann ist es wichtig, sich bewußt zu machen, daß lediglich herkömmliche(!) Notenkenntnisse nicht erforderlich sind. Tatsächlich muß man nämlich schon in der Lage sein bzw. es lernen, diese speziellen Noten zu lesen, die mehr angeben als nur die Tonhöhe. Angaben zum Notenwert (also zur Dauer des Tones), zu Pausen, dem Rhythmus usw. müssen schon auch gelesen werden. Insofern gibt es hier eine große Gemeinsamkeit mit den herkömmlichen Noten, nämlich daß es ohne Lesen und Denken nicht geht.
Mit der Veeh-Harfe kann man durchaus komplexere Stücke spielen, die ein recht kompliziertes Notenbild erfordern, das u. U. gar nicht so einfach optisch zu erfassen ist. Denn es muß ja, genau wie bei herkömmlichen Noten, dargestellt werden, wie die Töne der linken und der rechten Hand zeitlich zueinander liegen. Zusammenklang, zeitversetztes Anzupfen, paralleles Spiel von z. B. Achteln und Triolen oder auch nur punktierten Vierteln, das alles will eindeutig abgebildet, mit dem Auge erfaßt und richtig interpretiert sein.
Und wenn man dann auf einer Solo-Harfe spielt, die noch eine Oktave (also 12 Saiten) mehr umfaßt als die Standard-Harfe, dann kann es schon sein, daß man fast schielen muß, um sehr hohe und sehr tiefe Töne gleichzeitig auch richtig mit den Fingern zu erwischen.
Die Veeh-Harfe ist also ein durchaus spannendes und forderndes Instrument, wenn man größere Fortschritte und höhere Komplexität der Musikstücke anstrebt. Daß es aber auch mit ganz einfachen und schlichten Stücken ohne tiefere harmonische Strukturen so wunderbar klingt und Freude macht, ist der wahre Schatz, den dieses Instrument für uns bereithält.

 

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Trump ist CORONA-positiv.
Als ich das erstmals las, wußte ich nicht, was ich denken soll.
Mir gingen dabei so viele Gedanken im Kopf herum. Und nichts davon war wirklich freundlich.
Erst dachte ich: dem wünsche ich einen schweren Verlauf, damit er am eigenen Leib erfährt, wie schlimm diese Krankheit, die er so chronisch unterschätzt, wirklich werden kann.
Dann hörte ich von anderen die Vermutung, daß diese Nachricht auch nur eine Fake-Nachricht sein könnte, er also gar nicht infiziert ist. Daß das Ganze also nur der Befeuerung seines Wahlkampfes dienen soll, weil er auf diese Weise ja „beweisen“ könnte, wie harmlos Corona ist, und wie schnell man davon wieder genest.
Eine angebliche Infektion würde ihn aber, genau wie eine tatsächliche, auch davor bewahren, noch weitere TV-Duelle gegen Biden durchfechten zu müssen. Er selbst fand sich im ersten Duell zwar wie immer ganz großartig, aber ein bißchen mulmig ist seinen Beratern damit sicher geworden. Daß die auf eine Fortführung großen Wert legen, zweifle ich an.
Jetzt fährt er ja schon wieder in seiner Limousine durch die Stadt und tut genau das, was ich schon erwähnt habe: er demonstriert, wie gut alles verlaufen kann, weil die USA („…unter der Trump-Regierung…“) ja beste Behandlungsmöglichkeiten etablieren konnten.
Was ich aber ganz sicher denke: ich wünsche der Welt, daß seine Präsidentschaft ab Januar 2021 ein Ende haben wird! Egal, auf welchem Wege das passiert. Am liebsten wäre mir ja ein eindeutiges Wahlergebnis, damit die Unruhen im Lande möglichst gering gehalten werden können.
Aber ich fürchte, da sind die Amerikaner im Gesamten zu zerrissen; das wird wohl nix werden mit der vernichtenden Wahlniederlage. Mit dem Herrn wird die Welt noch viel zu lange ihren „Spaß“ haben.

 

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Gerade stieß ich auf einen Text über das Haushaltswerkzeug „Champagner- bzw. Sektflaschenöffner“. 
Da ich sowas noch nie gesehen hatte, las ich ein wenig in den Text hinein und betrachtete mir auch die Abbildungen. Das erste Bild zeigte ein solches Gerät, und ich dachte mir: „Hm, sieht aus wie ein Nußknacker.“
Darunter stand: „Sekt- bzw. Champagneröffner (zugleich als Nußknacker verwendbar)“.
Ha! Mein Reden!
Etwas weiter unten dann die Abbildung eines weiteren Gegenstandes, der unterschrieben war mit den Worten: „Nußknacker, zugleich als Champagnerzange verwendbar.“
Was fragt man sich da? Oder besser: was sagt uns das?
Glasklar: die Existenz eines Champagneröffners ist offenbar an Entbehrlichkeit nicht zu überbieten!
Ich selbst öffne Sektflaschen stets mit der Hand, und ich kenne auch niemanden, der dafür je ein Werkzeug benötigt hätte.
Ich vermute ja stark, daß die Ursprünge des Sektöffners in einer Situation begründet liegen, in der irgendwann mal jemand am allzu festsitzenden Korken gescheitert war, sich rasch im Haushalt umgesehen und dabei seinen Nußknacker entdeckt hatte, mit dem er den Korken dann etwas kräftiger zu fassen bekam und lösen konnte. Ein Notbehelf also.
Daraus dann ein eigenes Werkzeug zu kreieren, das „der gehobenen Tischkultur“ zugerechnet wird, ist in meinen Augen reichlich belustigend.
Offenbar muß man sich nur ein wenig kreativ zeigen – weniger, was die Wahl eines Behelfswerkzeuges angeht, sondern vielmehr bezüglich der Weiterentwicklung einer daraus entstehenden Schnapsidee zum Verkaufserfolg. Denn in besagtem Artikel wird außerdem erwähnt, daß der Chamapgneröffner, besonders wenn er ein wenig höherpreisiger ist, ein beliebter Geschenkartikel sei.
Einer der Sorte wahrscheinlich, die originalverpackt in der hintersten Ecke des Wohnzimmerschrankes ihr Dasein fristen und schnell in Vergessenheit geraten, weil nie jemand sie braucht.

 

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Daß die Fähigkeit, sich auszudrücken und fehlerfrei zu schreiben, bei Deutschen immer mehr nachläßt, ist ja allgemein anerkannt. Grund dafür ist allerdings, das stelle ich immer wieder fest, nicht nur der Umstand, daß Rechtschreibung und Zeichensetzung in der Schule nicht mehr den Stellenwert genießen wie noch vor 30-40 Jahren. Es kommen heute verschärfend auch noch diese unsäglichen Texte hinzu, die man zu Hauf im Internet findet; Texte, die z. B. die Verwandlung einer reizlosen, unscheinbaren Frau zu einer atemberaubenden Dame beschreiben, die nichts weiter getan hat, als sich eine neue Frisur zu gönnen und ein wenig Makeup aufzutragen. Sie kennen diese „Berichte“, meist tauchen sie bei Facebook oder Instagram auf und werden über eine Verlinkung zur eigentlichen Seite, auf der sie veröffentlicht wurden, aufgerufen.
Und dann landet man in einer Ansammlung von Sätzen, die ganz offensichtlich ursprünglich in einer anderen Sprache geschrieben und anschließend grottenmäßig schlecht ins Deutsche übersetzt worden sind. Die Übersetzung hat jeweils offenbar eine Software übernommen oder jemand, der entweder die Ausgangssprache oder Deutsch nicht sonderlich gut beherrscht – oder keine von beiden.
Wenn solche Texte dann immer wieder zu lesen sind, muß sich ja irgendwann die Überzeugung durchsetzen, daß die einfach davon zeugen, daß Sprache sich stetig wandelt, und daß man heutzutage halt eben so spricht. Die Idee, daß es sich bei diesem Geschreibsel schlicht um grottenschlechtes Deutsch handelt, kommt dann vielen gar nicht mehr in den Sinn. Schließlich wurden diese Texte ja veröffentlicht, nicht wahr?!
In den meisten Fällen scheint es mir offensichtlich, daß die Ursprungsversion des Textes auf Englisch geschrieben wurde, denn ganz oft erkennt man die typische englische Satzstellung, die allzu wörtliche Übersetzung der (englischen) Vokabeln ins Deutsche und diese Wendungen, die man oft auch hört in synchronisierten amerikanischen Sitcoms.
Aber gerade Englisch sollte doch eine Sprache sein, für die man eine qualifizierte Übersetzungskraft finden können sollte. Da muss es doch nicht der Lehrling machen, oder?

 

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Wußten Sie, daß der Rotachsel-Kuhstärling oft verwechselt wird mit dem Seidenkuhstärling?
Ich zweifle das an, denn ich kenne niemanden, der einen der beiden oder gar beide Vögel überhaupt kennt.
Die Verwechslungen müssen sich also dort zutragen, wo der Rotachsel-Kuhstärling lebt, nämlich in Ländern Lateinamerikas. Und, diese Bemerkung erlaube man mir bitte, dort wird er sicherlich anders genannt.
Für mich sieht der Vogel mit dem melodiösen Namen ja aus wie eine Mischung aus Rabe und Amsel. Mir würde also gar nicht auffallen, wenn hier plötzlich einer rumflöge. Vielleicht würde ich stutzig, wenn ich den namensgebenden braunroten Fleck in seiner Achsel sehen würde, während er über meinen Kopf hinwegfliegt. Aber möglicherweise dächte ich einfach nur, daß die Amsel da sich heute nicht richtig gewaschen hat.
Der Rotachsel-Kuhstärling ist ein nicht ganz einfacher Geselle. Denn er legt seine Eier in fremden Nestern ab und überläßt die Aufzucht den eigentlichen Nestbewohnern, i. d. R. einem Paar Braunkuhstärlingen, die ja „nebenbei“ auch noch die eigenen Küken großziehen müssen.
Nun, nicht immer gelingt der Coup, denn wenn die Eier zu früh in den Nestern deponiert werden, wird das nichts mit der Irreführung des „Gastelternpaares“. Denn dann merkt der Nestinhaber, daß da was nicht stimmen kann. (Oh, ein Ei in meinem Nest? Wo ich selbst doch gar keines gelegt habe? Das muß ein Betrügerei sein, das schmeiß ich raus!)
Und wenn der Brutparasit zu spät dran ist, die Eier des Wirts also schon länger gelegt sind, dann reicht die verbleibende Brütezeit für eine Reifung nicht mehr aus.
Da fragt man sich schon, wieso der Rotachsel-Kuhstärling das Brüten nicht selbst übernimmt. Es wird doch sicher einen Fachmann in der Vogelwelt geben, der ihm ein Nest baut. Das ist – wie mit guten Handwerkern ja so üblich – sicher alles nur eine Frage des Preises.
Und alternativ könnte er sich ja auch auf dem Gebrauchtnestermarkt umsehen.

 

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Bis heute morgen saß ich mit drei Kolleginnen in einem winzigen 4-Personen-Büro. Schon lange hatten wir mit dem kleinen Raum gehadert, und als jetzt mein Umzug anstand und ich erfuhr, in welches neue Büro ich ziehen sollte, freute ich mich. Denn dieses neue Büro ist deutlich größer, und wir werden auch nur zu dritt darin sitzen. Nur ab und zu wird eine vierte Person hier sein, ein externer Mitarbeiter, der eher selten da ist.
Heute morgen war es nun so weit. Die Hausmeister kamen und schafften meinen ganzen Krempel in das andere Zimmer.
Als alles stand, ich mein Frühstück ausgepackt hatte und erste Emails beantwortete, fühlte ich mich spontan sehr wohl, denn ich sitze am Fenster, der Abstand zum nächsten Schreibtisch ist reichlich, und die Sonne scheint heute auch.
Ja, die Sonne scheint heute auch. Und wenn ich aus dem Fenster sehe, schaue ich auf eine hellgelb gestrichene Hauswand, die etwa 2 Meter von mir entfernt ist. Und auf diese Wand scheint die Sonne eben auch.
Haben Sie schon mal 2 Meter vor einer hellgelben Mauer gesessen oder gestanden, auf die die Sonne scheint? Ich kann Ihnen sagen: das blendet ganz schön.
Und was macht man da? Genau: man läßt die Rolläden runter und schaltet damit die Blendung ab. Aber so sitzt man dann halt in einem recht düsteren Raum, in dem man vom schönen Wetter nicht viel hat.
Und während ich mir die Augen das erste Mal rieb, fing im Gebäude nebenan, das gerade komplett umgebaut wird, ein Ghetto-Blaster an, mir dumpfe Basslaute in den Rücken zu umpfen. Umpf, umpf, umpf…
Die haben die Mucke so laut, damit sie auch ja in jedem Raum, in dem sie arbeiten, was davon hören.
Und damit sie auch was davon hören, wenn sie mit dem Schlagbohrer die Wände maltraitieren.
Nun, et is, wie et is, und meine Begeisterung über das neue Zuhause ist merklich gesunken. Am allerersten Tag. Ich kann nur hoffen, daß die Bauarbeiter freitagmittags früh Feierabend haben.
Für die anderen Wochentage muß ich mir was einfallen lassen.

 

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09
Sep
Braver Hund!

Gerade erfuhr ich, daß in Bremerhaven ein Rottweiler durch die Diensthundeprüfung der Polizei gefallen ist.
Nun, was denkt man, wenn man sowas liest? Ich dachte, daß er halt irgendeine Übung nicht korrekt ausgeführt oder nicht schnell genug gehorcht hat.
Der Grund für sein Durchfallen ist aber… tadaaa…: er ist zu lieb für den Polizeidienst.
Ausnahmsweise hatte die Polizei ihn schon als Welpe gekauft, um ihn zum Polizeihund auszubilden, wo man normalerweise wartet, bis ein Hund ausgewachsen ist und man genau weiß, wie sich sein Charakter so darstellt. Und nun stellt sich raus, daß dieser Hund zu harmlos geblieben ist, um ein anständiger Polizeihund zu werden.
Ich gehe davon aus, daß Polizeihunde während ihrer Ausbildung beigebracht bekommen, in bestimmten Situationen Herr der Lage zu sein und eine gewisse… ich will es nicht Aggressivität nennen… eher Durchsetzungskraft und Selbstbewußtsein zu zeigen und auch mal zuzupacken, wenn eine Person sich als gefährlich und bedrohlich herausstellt.
Wenn sich ein Hund dann aber z. B. auf den Rücken wirft, um eine Runde Bauchkraulen einzuläuten, dann ist klar, daß er sich einen anderen Job suchen muß.
In diesem Fall wurde für das brave Tier ein neues Zuhause gefunden, in dem es einfach nur Familienhund sein darf. Welch ein Glück für diese Familie: einen besser erzogenen Hund kann man wohl kaum kriegen!

 

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