Frau Schletterer singt nicht mehr



Ich bin ein so sturer Mensch, daß ich mich in meinem Privatleben der Neuen Deutschen Rechtschreibung verweigere und deswegen nach wie vor nach der alten Rechtschreibung schreibe - so gut, wie ich das in der Schule Gelernte halt noch drauf habe. Hieraus resultierende "Fehler" sind also durchaus beabsichtigt und in keiner Weise Zufall.

 

Wie viele andere in Deutschland sitze ich nach wie vor im heimischen Büro.
Diese Woche rief meine Vorgesetzte mich an, um mal zu hören, wie es mir geht so allein in meinem Stübchen. Ob ich denn wohl genug, aber nicht zu viel zu tun habe, ob ich mich nach wie vor wohlfühle ohne meine Kolleginnen, und ob ich gesund sei.
Jedes Mal, wenn sie mich fragt, ob ich mich einsam fühle (sie formuliert es anders, aber sie meint genau das), wundere ich mich, weil sie mir offenbar nicht glaubt, daß die Arbeit von zu Hause aus meinem Naturell sehr entgegen kommt.
Ich bin ja gottlob nicht einsam! Ja, meine Arbeit verrichte ich zur Zeit in einem Einzelbüro, was ich in der Firma nicht tue. Aber ich liebe das, und mittags und abends habe ich ja meine Frau und meinen Hund direkt bei mir; ich habe immer jemanden, mit dem ich reden, lachen und leben und meine Freizeit verbringen kann. Von Einsamkeit kann bei mir also keine Rede sein. Weil ich ja gar nicht alleine bin.
Natürlich ist es gut, daß meine Teamleiterin danach fragt und sich über sowas Gedanken macht. Denn eine unserer Kolleginnen lebt tatsächlich allein, ist aber ein sehr geselliger Mensch. Ich denke, daß sie unter dem Arbeiten zu Hause wirklich leidet. Neulich war sie mal für einen Tag im Bürogebäude, weil sie dort was zu erledigen hatte. An diesem Tag war sie richtig fröhlich, und sie hat mich (und sicher auch noch andere) direkt angerufen und gefragt, ob sie hier oder dort was für mich richten kann, vielleicht die Blumen gießen? Oder das Papier wegräumen, das sich in meiner monatelangen Abwesenheit auf meinem Schreibtisch angesammelt hat? Es war deutlich zu hören, wie froh sie war, die Firma mal wieder aufsuchen und auf dem Flur und dem Pausenbalkon das ein oder andere Schwätzchen halten zu können.
Aber was für sie der Plausch auf dem Balkon ist, ist für mich die Pause in meiner eigenen Küche und in meinem Eßzimmer, das Gespräch mit meiner Frau und der Blick auf die Straße, in der ich wohne. Dabei entspanne ich für ein paar Minuten und kann die Arbeit in den Hinterkopf schieben.
Ich weiß, daß die Maßgabe, am besten zu Hause zu bleiben, für viele zu psychischen Problemen führt, vor allem wegen der Vereinsamung. Und ich bin froh, daß ich nicht mehr so jung bin, daß ich das Gefühl haben muß, eine entscheidende Phase meines Lebens nicht so erleben zu können, wie das für andere normal ist bzw. war. Phasen, die teils ja wirklich prägend sind für den weiteren Lebensverlauf.
Ich bin froh und dankbar, daß auch meine Nichten und Neffen schon alt genug sind, um die fehlenden Jugenderlebnisse nicht betrauern zu müssen, und daß die nachfolgende Generation noch zu jung ist, von Corona überhaupt etwas zu ahnen.

 

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Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
Erinnern sie sich an diesen Satz? Er war Teil einer Werbung für Damenbinden, die vor ein paar Jahrzehnten im Fernsehen lief.
Mir scheint, die Menstruation ist immer noch in vielen Köpfen ein Thema, dem man sich nur mit einer gehörigen Portion Überwindung, auf jeden Fall aber nicht völlig entspannt nähern kann.
Lese ich doch heute, daß jüngst zwei junge Männer(!) auf die Idee gekommen sind, für die Entsorgung von Tampons eigens dafür entworfene und produzierte Einmalhandschuhe auf den Markt bringen zu wollen, mit denen frau ihren Tampon entfernen und ihn anschließend darin verpackt dem Müll zuführen soll.
Da frage ich Sie: geht’s noch? Mal abgesehen davon, daß ein Tampon, der ohne jede Verpackung in den Müll geworfen wird, sicherlich umweltfreundlicher ist, als wenn da noch jede Menge Plastik drumrumgewickelt wird, scheint es den Herren ja offenbar doch erstaunlich, wie die Frauen dieser Welt jahrtausendelang ohne diesen Mist auskommen konnten. Beim Blick in den Mülleimer (warum auch immer jemand in einen Mülleimer glotzen sollte…), in dem bereits ein gebrauchter Tampon ruhte, wurde den Kerlen offenbar derart flau, daß sie das nicht für erträglich hielten und die „Erfindung“ ihres pinkfarbenen(!) Einmalhandschuhs für unverzichtbar hielten.
Ich überlege mal kurz: selbst wenn man den Gedanken, einen gebrauchten Tampon im Mülleimer nicht prominent präsentieren zu wollen, gar nicht so abwegig findet – war die Erfindung eines Einmalhandschuhs (extra zum Zwecke der Entsorgung von Hygieneprodukten) wirklich vonnöten? Gab es tatsächlich bisher nirgends auf der Welt Einmalhandschuhe zu kaufen? Nicht für Chirurgen, nicht für Hausfrauen resp. -männer? Nicht für Bastler, nicht für Tierarzthelferinnen? Und gab es die wirklich noch nicht in Pink? Und müssen die wirklich pink sein??
In der Erlebniswelt dieser beiden „Erfinder“ offenbar nicht.
Wir gehen mal davon aus, daß die beiden jungen Männer sich weder im Haushalt betätigen müssen, noch einem medizinischen Beruf nachgehen. Und auch sonst keinem, bei dem es darauf ankommt, sauber zu arbeiten. Denn sonst hätten sie gewußt, daß es ihre „super“ Erfindung bereits gibt.
Davon abgesehen ist es ja aber eh sinnvoller, die guten Stücke, um die es hier geht, einfach in ein bißchen Klopapier einzuwickeln – dann klappt es auch mit dem Blick in den Mülleimer.

 

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12
Apr
Instagram

Seit einiger Zeit habe ich ja auch einen Account bei Instagram. Dort zeige ich ausschließlich meine Cartoons. Oder Birtoons, um genau zu sein.
Ich bekomme nur wenige Likes, denn ich bin ja nicht sonderlich bekannt. In der Regel bewegt sich Anzahl der Likes zwischen 10 und 20 pro Zeichnung. Wenn die 20 erreiche, freue ich mich wie Bolle!
Die meisten, die meinen Feed verfolgen, sind ebenfalls Cartoonzeichner/-innen. Und von denen machen das die meisten, so wie ich, als Hobby.
Allerdings, und da bin ich saustolz drauf, sind darunter auch Profizeichner. Peter Gaymann z. B., dessen Cartoons (oft sind Hühner die Hauptfiguren), die wie mit der Feder gezeichnet wirken (vermutlich, weil sie tatsächlich mit der Feder gezeichnet werden), ich sehr liebe. Er zeichnet sehr schön und detailreich, und sein Humor ist von der feinen Sorte. Und dieser Herr ist einer meiner Follower! Ich könnte stolzer nicht sein!  :-)
Auch der Lappan-Verlag hat einen Account auf Instagram. Der Verlag ist spezialisiert auf Cartoons und Comics, und der Account des Lappan-Verlags folgt mir ebenfalls! Da denke ich manchmal im Stillen: werde ich am Ende noch entdeckt??
Nun, eine entsprechende Nachricht steht noch aus, aber leider haben mich stattdessen in der letzten Zeit ganz andere Accounts entdeckt. Junge Frauen, dem Profilbild nach zu urteilen alle rank und schlank und blutjung, fachkundig im Stylen und in diversen Sportarten, die alle – trotz ihres makellosen Aussehens - einsam dahinvegetieren auf der Suche nach dem Pferdeschwanz fürs Leben. Oder auch nur für eine schnelle Viertelstunde. Wahrscheinlich eher das Letztere. - - Finde den Fehler!...
Eine besondere Lachnummer für mich war der Kommentar, den ich neulich unter einem Birtoon vorfand, auf dem Birte einen Kopfstand macht. Da stand dem Wortsinne nach: „Ich habe gerade deinen Feed durchgesehen. Sieht ja toll aus! Seit wann machst du schon Sport?“ Und Absenderin dieses Kommentars war irgendsoeine Fitness-Tussi, die zudem noch auf oben erwähnter Suche nach einem Fick ist.
Mal abgesehen davon, daß man doch eigentlich erkennen müßte, daß es sich bei meinem Account um den einer Frau handelt, sieht man doch auf den ersten Blick, daß es bei mir um etwas völlig anderes geht als Sport... oder Partnersuche.
Man fragt sich schon das ein oder andere Mal, ob es wirklich Leute gibt, die auf solche Kommentare und/oder Follower Wert legen oder gar stolz sind. Den besagten Kommentar habe ich gelöscht, und die Follower dieser Couleur nehme ich halt als gegeben so hin…

 

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Ich höre sie kommen. Die Geräusche, die ihr Kommen begleiten, verheißen nichts Gutes.
Ich halte den Atem an, hoffe, dass sie mich nicht hören kann in meinem Sessel, auf dem ich verbotenerweise sitze. Und doch ist es mein Sessel. Schon immer gewesen.
Mein linker Fuß ist eingeschlafen, aber so lange sie sich in der Nähe aufhält, muss ich das aushalten. Denn bewegen darf ich mich jetzt nicht, damit sie mich nicht findet.
Da, sie hat die Richtung geändert, in die sie geht. Ihre Schritte verhallen allmählich, und ich wage es, meinen Fuß zu strecken und zu dehnen, damit wieder Leben hineinkommt.
Hat sie mich bemerkt? Nein, offenbar nicht, denn ich höre sie aus einiger Entfernung meinen Namen rufen. Es klingt viel Liebe aus ihrer Stimme. Aber ich durchschaue sie. Sie will mir nichts Gutes, sie liebt mich nicht. Sie hasst mich.

Als wir uns kennenlernten, zogen ihre dunklen Augen, die tief und verschlossen zugleich wirken, mich sofort in ihren Bann. Ihre Blicke streichelten mich, und ihre Stimme lullte mich ein.
Im Zusammenleben mit ihr habe ich allerdings gelernt, einer hübschen Schale eine gute Portion Skepsis entgegenzubringen, was den nicht sichtbaren Kern angeht.

Still! Ich höre wieder ihre Schritte. Ich senke mich tiefer ins Sesselpolster, hoffe, dass weder Hände noch Füße über die Armlehnen oder das Sitzpolster hinausragen. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mich zusammenzurollen, die Gliedmaßen einzuklappen wie die Teile eines Schweizer Taschenmessers. Winzig bin ich, da in meinem Versteck. Sie darf mich nicht finden!
Sie ist böse, böse ist sie! Böse und verschlagen!
Ihr Rufen hat aufgehört. Ich kenne das. Damit will sie mich glauben machen, sie habe die Suche nach mir aufgegeben. Aber ich weiß, was kommen wird. Sobald ich mich aus dem Sessel erhebe, wird sie mich erwischen. Doch ich habe dazugelernt, ich werde mich nicht von der Stelle rühren.
Das angestrengte Lauschen ermüdet mich. Sie ist kaum noch zu hören, wie sie durch die Wohnung streicht. Doch ihr Schritt verrät sie. Sie sucht mich, sucht mich immer noch. Ich muss auf der Hut bleiben.
Einschlafen darf ich jetzt nicht. Mein Schnarchen (eine Schwäche von mir) würde mich sofort verraten. Überaus langsam wische ich mir über die Nase, die ausgerechnet jetzt zu jucken beginnt.
Die Uhr schlägt sechs Mal zur vollen Stunde. Viel zu laut für meinen Geschmack. Hoffentlich wendet sie sich der Uhr nicht zu, sonst bin ich verloren.
Hör! Jetzt ist sie wütend. Sie stampft auf und geht in Richtung Haustür.
Ich höre den Schlüssel. Er kommt nach Hause. Wird sie ihm verraten, was sie mit mir vorhat?
„Hallo Schatz!" Küsschen.
"Ich wollte mit dem Kater zum Tierarzt, aber ich finde ihn nicht. Jetzt isses zu spät. Naja, muss ich halt nächste Woche mal schauen. -  Ich mach dann jetzt mal Essen.“
Endlich! Ich richte mich auf, schüttele meine Beine aus, springe vom Sessel und widme mich meinem Napf.

 

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08
Apr
Hm...

„Dank der neuen gymnastischen Übung schmerzte Birtes Kopf so stark, daß ihre Rückenbeschwerden wie weggeblasen schienen.“
Diesen schlichten Satz habe ich gerade über meinen neuesten Birtoon gesetzt, und beim Drüberlesen, ob sich denn wohl ein Tippfehler eingeschlichen hat, klang dieser Satz in meinen geistigen Ohren geradezu verheißungsvoll. Wie der erste Satz eines Romans, von dem man noch nicht ahnen kann, welchen Verlauf er nehmen wird.
Und je öfter ich ihn anschaue, diesen Satz, umso dringender wird mein Bedürfnis, aus ihm mehr zu machen als nur die Beschriftung eines Cartoons.
Ich lege den Stift zur Seite und denke nach. Schaue auf die kopfstehende Figur, die ich gerade fertig getuscht habe, und frage mich, wie mich jetzt das Verlangen überkommen konnte, ein Buch zu schreiben.
Gut, neu ist dieser Traum für mich nicht. Geändert hat sich aber auch nicht meine Überzeugung, daß ich über eine Kurzgeschichte sicher nie hinauskommen würde. Und auch das ist gar nicht so einfach, will mir scheinen. Denn „kurz“ heißt auch, alles, was eine gute Erzählung ausmacht, auf wenigen Seiten unterzubringen, rüberzubringen, in den Kopf des Lesers zu pflanzen.
Manche Romane verwenden fast 50 Seiten darauf, die Atmosphäre aufzubauen, die Figuren vorzustellen und überhaupt erst mal loszulaufen. So viel Zeit hat eine Kurzgeschichte nicht. Da muß man – bäng! – sich sofort in medias res wiederfinden, schon auf Seite zwei eingetaucht sein in die Handlung, den Protagonisten die Hand geschüttelt haben, um gemeinsam zügig durch den weiteren Verlauf zu pflügen, weil sich das Ende vom Horizont her bereits nähert.
Oder aber die Kurzgeschichte hat weder Anfang noch Ende. Ginge das?

 

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Gerade las ich in einem der Blogs, die ich verfolge, den aktuellen Beitrag.
Er enthält, wie er das an einem 5. des Monats immer tut, eine Zusammenfassung des Tagesablaufs der Autorin. Und im Zuge dessen spricht sie irgendwann auch von ihrem Vati.
Das Wort „Vati“ löst bei mir stets und zuverlässig ein Grinsen aus. Zumal, wenn es von einer erwachsenen Frau verwendet wird. Ich wäre in meinem Leben nie auf die Idee gekommen, meinen Vater „Vati“ zu nennen, selbst als ich ein kleines Kind war. Und noch viel weniger als erwachsene Frau.
Aber: das ist was Regionales, das weiß ich.
Es gibt halt Gegenden, da heißt der Vater „Vati“, die Mutter „Mutti“, und niemand findet das sonderbar. Aber Leute aus anderen Regionen schütteln über diese Angewohnheit eben den Kopf.
Vati-und-Mutti-Sager würden allerdings andersherum auch den Kopf schütteln, wenn Sie nämlich von „Mamme“ und „Babbe“ hörten, oder von „Mudder“ und „Vadder“.
Ich komme aus einer „Mama-Babba-Region“ (wobei unser Vater immer „de Vadder“ war), und ich lebe auch in einer solchen. Allerdings kenne ich doch einige Erwachsene hier, die „Muddi“ und „Vaddi“ sagen, auch wenn sie über die Eltern anderer Leute sprechen. Wenn jemand von denen mich seinerzeit, als meine Mutter noch lebte, fragten, wie es meiner Muddi gehe, wußte ich oft zunächst gar nicht, von wem die sprachen. So wenig war meine Mutter eine „Muddi“. Meine Mutter war „Mama“ - und das auch nur, wenn ich sie direkt ansprach. Wenn ich über sie rede, oder jemand mich auf sie anspricht, ist sie (und soll sie sein) selbstverständlich "meine Mutter". Ich würde nämlich auch nie eine erwachsene Person nach dem Befinden ihrer Mama fragen. Das wäre für mich, als würde ich diesen Menschen auf das Niveau eines Kindergartenkindes zurückstufen.
Ich finde das sehr faszinierend, welche Gefühle so einfache Wörter auslösen, die eigentlich doch jeder versteht, und von denen jeder weiß, daß sie regional so oder anders gebraucht werden.
Ich denke, daß gerade Eltern insofern sprachprägend sind, als daraus, wie man sie nennt, sich einiges in der Folge entwickelt. Welche Wörter/Ausdrücke/Formulierungen man für kitschig, angebracht, kindisch oder reif hält, ist – denke ich – untrennbar mit der Zugehörigkeit zur Muddi- oder Mama-Fraktion verbunden.

 

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Der Flieder ist weg!
Gestern haben wir uns von unserem Fliederbusch verabschiedet. Vor fast 20 Jahren wurde er in unserem Garten gepflanzt. Damals war er etwas höher als kniehoch, und weil er direkt neben das Haus gesetzt werden sollte, hatte meine Frau eine Fliederart gewählt, die laut Etikett nur 1,50 m hoch wachsen würde.
Nun, er gedieh recht gut, und er interessierte sich überhaupt nicht für das, was auf dem Etikett gestanden hatte, denn bis gestern war er so groß geworden, daß wir die verwelkten Blüten, die an der Baumspitze zu entfernen waren, vom Zimmerfenster im 1. OG aus erreichen konnten. Seine Hauptstämme waren so dick wie meine Oberarme. Daran, ihn selbst zu entfernen, war überhaupt nicht zu denken. Also hatten wir 2 Herren engagiert, die die schwere Arbeit für uns verrichteten.
Es stellte sich nun heraus, daß die Wurzeln des Flieders gar nicht so gefährlich für das Mauerwerk des Hauses gewesen waren, wie wir befürchtet hatten, denn sie hatten sich an der Wand entlanggeschlängelt und nicht etwa versucht, sie zu durchbrechen. Nun ist der Baum aber weg, und die Vöglein, die immer darin saßen und warteten, daß die Futterstelle, die direkt davor stand, frei werden würde, müssen sich jetzt ein anderes Versteck suchen.
Wir werden an die freie Stelle, die sich jetzt ergeben hat, natürlich neue Pflanzen setzen, denn wir wollen ja weiterhin eine gewisse Blütenpracht in unserem Garten haben. Nur ein Flieder wird es sehr sicher nicht sein.

 

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Meine Güte, das wird jetzt aber Zeit!
Grad, als ich hier wieder mal was schreiben wollte, brach in dem Rechenzentrum, in dem mein Hosting-Anbieter seine Server „gemietet“ hat, ein Großbrand aus und hat alles in Schutt und Asche gelegt.
Normalerweise erschüttern mich solche Nachrichten eher wenig, denn es ist ja eine allgemein bekannte Tatsache, daß ein Rechenzentrum, das was auf sich hält, irgendwo anders auf der Welt ein Backup stehen hat, das man – schwups! – mit einem Handgriff aktivieren kann.
So ein Backup hat natürlich auch dieses Rechenzentrum. Aber: die Backup-Server standen dummerweise in demselben Gebäude wie die produktiv genutzten, in Flammen aufgegangenen Server, und man mußte erst mal prüfen, ob diese Server verschont geblieben und die Sicherungskopien 1) da und 2) intakt sind.
Bis die Herrschaften sich durch die Trümmer und den Rauch bis zu den Backup-Servern durchgewühlt hatten, vergingen ein paar Tage.
Nun betreibe ich mit dieser Seite hier ja nichts, was ich zum Überleben brauche. Aber es gibt ja durchaus auch Leute, die ihre geschäftliche Website beim selben Anbieter hosten wie ich diese hier. Und für die war der Ausfall natürlich eine nicht so kleine Nebensächlichkeit.
Schon allein die Website des Vereins, die ich betreue, hat so manchem gefehlt in diesen 14 Tagen. Ich mußte ein paar Leuten erklären, wieso unsere Seite nicht erreichbar ist.
Aber nun ist ja alles wieder da. Allerdings sind einige Schriftarten offenbar hops gegangen, denn ich mußte hier die meine umstellen, damit im Browser nicht die Standardschrift angezeigt wird.
Und jetzt raten Sie mal, was mein Anbieter für einen Titelschriftzug als Standard vorgesehen hat? Comic Sans!
Sie entschuldigen mich - ich geh‘ kurz k….en!

 

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26
Feb
Neues Bett

Dieser Tage haben wir das Bett unseres Hundes gewaschen, weil er sich dort hinein erbrochen hatte, und die Flüssigkeit durch die Decke, die wir ihm immer hineinlegen, bis ins eigentliche Bett gesickert war.
Also haben wir das Randpolster herausgenommen und den Bett“bezug“ in die Waschmaschine gestopft. Als meine Frau ihn aus der Maschine herausnahm, stellte sie fest, dass man auch das dünne Polster, das in die eigentliche Liegefläche eingebracht ist, hätte aus dem Bezug nehmen können. Damit alles schneller trocknete, hat sie das Polster dann halt nach der Wäsche rausgeholt.
Als wir es aber wieder hineintun wollten, stellten wir fest, daß der Bezug beim Waschen (bei 30°C!) derart eingegangen war, daß das Polster mittlerweile viel zu groß ist und nicht mehr reinpaßt. Und da alles schon mehr als 4 Jahre alt ist, haben wir beschlossen, unserem Schatz ein neues Bett zu kaufen.
Da selbiger schon 7 Jahre zählt, wollte ich unbedingt ein Bettchen mit einer orthopädischen Matratze haben, auf dem er auch dann noch bequem liegt, wenn er mal  Gelenkprobleme haben sollte.
Als wir es ihm nun gestern hinlegten, schnupperte unser Rocky erst mal skeptisch an dem neuen Einrichtungsgegenstand, ließ sich am Ende aber dann doch darauf nieder. Den ganzen Abend lag er dann auf seinem neuen Lager, und wir hatten das Gefühl, daß ihm der neue Liegekomfort durchaus gefällt.
Normalerweise eilt Rocky nach dem letzten Abendpipi, das er immer im Garten verrichtet, stets schnurstracks zurück zu seinem Bettchen, das im Wohnzimmer liegt – wohl, weil meine Frau und ich im Schlafzimmer immer so schnarchen, und es dort auch reichlich kühl ist über Nacht.
Gestern abend wechselte er dann aber doch lieber in das Zweitbett, das wir im Schlafzimmer für ihn bereithalten. Das ist er gewohnt, das neue Luxusbett aber muß sich offenbar doch erst noch beliebt machen, seinen Geruch annehmen und gut eingekuschelt werden, bis er bereit ist, sich richtig damit anzufreunden.
Ich hoffe, daß das nicht zu lange dauert bzw. daß das Komfortbett von ihm auch wirklich ins Herz geschlossen wird, denn wir haben es mit Liebe ausgesucht und mit Kreditkarte bezahlt.

 

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23
Feb
Rückblick

Fast jedes Kind hat ja so seine Vorstellung davon, was es später mal werden will.
Ich erinnere mich nicht mehr daran, was mein erster Berufswunsch war, aber ich weiß noch ganz genau, daß ich damals sagte: „Zur Not geh ich halt uff d‘Sparkass‘.“
Die Sparkasse kam mir deswegen in den Sinn, weil mein Vater dort arbeitete; und weil mir das ein solider, aber eher langweiliger Job zu sein schien, kam ich gar nicht auf die Idee, dass „d‘Sparkass“ mich vielleicht gar nicht würde haben wollen. Für mich war klar: die suchen bestimmt händeringend Leute, die „sowas“ überhaupt machen wollen.
Im Lauf meiner Schuljahre merkte ich dann natürlich schon, welche Begabungen ich hatte, und was mir überhaupt nicht lag. So wußte ich z. B. sehr bald, daß ich sicher nicht zu denen gehören würde, die Medizin studieren wollen. Meine „Leistungen“ in Mathematik, Physik und Chemie sprachen generell gegen ein naturwissenschaftliches Studium.
Obwohl ich in Deutsch ab einer gewissen Klassenstufe keine sonderlich guten Noten mehr hatte, war ich aber in Fremdsprachen so begabt, daß ich bald davon träumte, Übersetzerin zu werden – zumal meine Übersetzungen von den Lehrern allgemein sehr gelobt wurden.
Es war für mich also ausgemachte Sache, nach dem Abitur ein entsprechendes Studium aufzunehmen. Allerdings war das, wie sich herausstellte, gar nicht so einfach mit einer nicht gerade prickelnden Deutschnote und einem Numerus clausus von 1,9 – einer Durchschnittsnote, die ich natürlich nicht vorweisen konnte.
Ich landete bei meiner Bewerbung auf Wartelistenplatz 352 (Abb. ähnlich), nicht wissend, daß ich mich jedes Semester neu hätte bewerben müssen, um irgendwie in der Liste nach vorn zu rücken. Aber da in jedem Semester ohnehin nur ca. 30 Leute aufgenommen wurden, war die anzustellende Rechnung sogar für mich eine einfache, und mir war klar, daß das nix wird mit meinem Traum. Da machte es auch nichts, daß ich mich nicht ein weiteres Mal bewarb.
Ich überlegte also, welchen Lehrberuf ich ergreifen könnte, und siehe da: ich hatte in Grundschulzeiten offenbar prophetische Fähigkeiten gehabt, denn in meiner Not ging ich halt zur Sparkasse. 
Aber auch das war nicht so einfach, wie ich mir das damals so vorgestellt hatte, denn die örtliche Sparkasse wollte mich nicht nehmen, weil mein Vater noch dort arbeitete; und die benachbarte Sparkasse wollte mich auch nur ungern nehmen, obwohl mein Vater den dortigen Vorstandsvorsitzenden kannte, der von "Vitamin B" aber nicht sonderlich viel hielt. Dennoch rang er sich schließlich dazu durch, mir eine Chance zu geben. (Sein Kollege ließ mich das übrigens die ganzen acht Jahre, die ich dort arbeitete, spüren. Er ließ keine Gelegenheit ungenutzt, mir zu zeigen, wie unfähig er mich fand (was ich natürlich nicht war), und wie ungerechtfertigt meine Einstellung damals gewesen war.)
Mich belastete die Meinung dieses Herrn eher wenig, da ich vorhatte, nach der Lehre doch noch ins Studium zu gehen. Aber da mir kein Studiengang attraktiv erschien, wenn es nicht der zur Übersetzerin war, blieb ich nach meiner Ausbildung halt, wo ich war, und ging einem Beruf nach, für den ich morgens nur äußerst ungern aufstand. Sehr viel weniger Gefallen als ich kann man an diesem Beruf eigentlich nicht finden.
Rückblickend wundere ich mich sehr, daß ich, nachdem ich an der Aufnahmeprüfung für eine Weiterbildung gescheitert war und dies als Zeichen von oben gedeutet hatte, dass es nun wirklich Zeit ist, der Sparkasse den Rücken zu kehren, im weitesten Sinne doch im Bankgewerbe geblieben bin. Der Schwerpunkt liegt jetzt nur mehr auf dem IT-Bereich des Ganzen, was aber offenbar die ausschlaggebende und eigentlich wichtige Veränderung ist, mit der ich beruflich jetzt sogar einigermaßen glücklich geworden bin.
Aber ich gebe zu: wenn ich sehe, daß ich mein Wunschstudium heutzutage einfach so aufnehmen könnte, weil mittlerweile keine Zugangsbeschränkung mehr besteht, könnte ich kotzen.

 

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Nach Joe Bidens Wahl zum US-Präsidenten hat sich die journalistische Lage um Donald Trump schneller beruhigt, als ich es erwartet hätte. Es ging in den letzten Wochen sogar so weit mit der Ruhe, daß ich zwischenzeitlich glaubte, die Medien dieser Welt hätten sich darauf geeinigt, diesem Herrn keine weitere Zeile mehr zu gönnen.
Doch leider hab ich mich zu früh gefreut. Immer mal wieder – besonders in den letzten Tagen – taucht ein Bild von ihm auf. Kleiner als zur Zeit seines „Wirkens“, aber immer noch deutlich wahrnehmbar. Nichts, was man so einfach übersieht. Wie so ein kleiner, roter Pickel auf dem Kinn kurz vor dem nächsten Date, und man weiß sofort, bis man den/die Angebetete trifft, leuchtet die ganze untere Gesichtshälfte in wunderbarem Entzündungsrot. Genau so drängt sich der Orangegesichtige immer wieder ins Bewußtsein der Leute, es zieht und brennt, und jedes Mal seufzt man in dem Wissen, daß seine Präsenz doch so schnell nicht auszumerzen sein wird.
Mir wäre als nächste Nachricht, die ich über ihn zu lesen kriege, die am liebsten, daß man ihn für irgendeines seiner zweifellos begangenen Vergehen eingebuchtet hat. Und danach wäre es sehr wohltuend, wenn aus dem Knast, in dem er einsitzt, nicht berichtet werden darf.
Ah, wenn wir schon bei (ehemaligen) Politikern sind, die seltsame Frisuren tragen: es wird Zeit, daß meine Friseurin wieder aufmacht, denn mittlerweile sehe ich schon aus wie Boris Johnson!
Bei dem habe ich ja übrigens fast den Verdacht, daß er am sog. „uncombable hair syndrome“ leidet. Auch wenn sich das im Erwachsenenalter meist gelegt hat. Aber wenn seine Haare sich in Kindertagen nie haben kämmen lassen, dann hat er sich vielleicht den Versuch, es zu tun, ja deswegen einfach abgewöhnt.

 

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Letzte Woche, es lag noch richtig dick herrlich knirschender Schnee in unserem Garten, auf den Straßen und im Wald, sagte ich zu meiner Frau: „Es wird Frühling.“ Sie schaute mich an, als ob ich an irgendeiner schlimmen Verwirrung litte, aber ich fuhr fort: „Es riecht nach Frühling, und außerdem singen die Vögel Frühlingslieder.“ Sie schüttelte lachend den Kopf und ließ mich stehen.
Gut, ich kann sie irgendwie verstehen, denn an jenem Tag war es klirrend kalt, der Himmel sah sehr nach neuem Schneefall aus, und nur ab und zu sah man auch mal ein klitzekleines Stückchen blauen Himmel.
Aber nur ein paar Tage später kam die Botschaft der Wettervorhersage: die Temperaturen steigen.
Und bevor sie das taten, kam auch kein weiterer Schnee, sondern es setzte nach und nach Tauwetter bei uns ein – sprich: ich lag richtig mit meiner Prognose.
Innerhalb eines Tages war der ganze Schnee verschwunden, und obwohl jetzt die Sonne noch nicht über alle Hügel strahlt, riecht die Luft ganz anders, und wenn man hinausgeht, fühlt sie sich auch ganz anders an. Weich, lau, umarmend. Wie wenn sie sagen wollte: sieh her, ich bin’s, der Frühling.
Und die Vöglein im Garten zwinkern mir heimlich zu und zeigen mir ein Thumbs-up, weil ich ihnen letzte Woche so gut zugehört habe.

 

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16
Feb
Weites Land

Catherine Meurisse ist eine französische Zeichnerin, die seinerzeit dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ nur deswegen nicht zum Opfer fiel, weil sie an dem Tag spät dran war und es nicht zur üblichen Zeit ins Büro bzw. ins Atelier der Zeitschrift geschafft hatte.
Das Trauma dieses Attentats, bei dem sie so viele gute Freunde verlor, hat sie in ihrem Buch „Die Leichtigkeit“ zu verarbeiten versucht.
„Weites Land“, ein weiteres Buch von ihr, liegt ebenfalls auf meinem Nachttisch. In diesem Buch erzählt sie von ihrer Kindheit, die sie auf dem Land verbrachte.
Dieses Werk gehört mit zum Ergreifendsten, was ich bisher gelesen habe. Das liegt vor allem an den Bildern, die Catherine Meurisse zeichnet. Die Bilder erzählen nicht nur irgendwie von einer Familie, sondern sie fokussieren stark und fast ausschließlich auf die Kinder, um die es geht. Sie erzählen aus ihrer Sicht. Sie geben Einblick in die Gefühle und das Erleben der Kinder, die Erwachsenen sind nur Randfiguren, deren Gefühle und Gedanken nicht näher beleuchtet werden. Wie man das als Kind eben so erlebt hat, und wie die Zeichnerin sich jetzt an das erinnert, was sie erlebt und gefühlt hat.
Und die Erinnerungen sind offensichtlich sehr intensiv. Als Betrachter schaut man sich dieses Buch an in der Gewißheit, daß kein einziger wichtiger Augenblick in Vergessenheit geraten ist. Vielmehr wird diese Kindheit von der Autorin vollständig nochmal durchlebt.
Sich in das Empfinden und Erleben wieder einzufühlen, wie man es als Kind gefühlt und erlebt hat, ist keine leichte Übung. Nicht jeder Erwachsene ist in der Lage, das, was er oder sie als Kind als wichtig wahrgenommen hat, Jahrzehnte später nochmal neu genau so zu empfinden und genau so zu Papier zu bringen.
Das „Zu Papier bringen“ ist dabei ganz klar die schwierigste Aufgabe, und Catherine Meurisse beeindruckt mich auch mit ihrer dafür erforderlichen Kunstfertigkeit sehr. So ist da z. B. dieses Bild, auf dem ihre Mutter gerade einen Setzling pflanzt, und sie mit der Gießkanne daneben steht und wartet, bis sie gebraucht wird. Die Gießkanne ist halb so groß wie sie, und sie muß die Ärmchen nach oben ziehen und den Oberkörper ein wenig nach hinten biegen, um sie überhaupt halten zu können. Solche zauberhaften Details machen diese Graphik Novel aus.
Wer Bildsprache mag, sollte „Weites Land“ unbedingt lesen.

 

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11
Feb
WMDEDGT

Heute habe ich in einem Blog einen Eintrag gesehen, der ein Beitrag zu der Aktion WMDEDGT ist.
Die ist quasi der Aufruf, an jedem 5. eines Monats zu erzählen: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“
Ganz klar wird hierbei erwartet, daß die Teilnehmer einen Tagebuchbeitrag schreiben.
Aufgeschrieben bekommen, mehr oder weniger detailliert, was andere den ganzen Tag gemacht haben, mag auf den ersten Blick befremdlich und langweilig wirken, denn mal ehrlich: wen interessiert es denn, was ich gefrühstückt habe, und wann ich den PC für meinen Arbeitstag in Betrieb genommen habe?
Ich habe deswegen testweise mal in ein paar Beiträge hineingelesen, mir also zu Gemüte geführt, was für mich wildfremde Menschen am 5. Februar den lieben langen Tag gemacht haben.
Und siehe da: obwohl es genau solche Dinge waren (wie Frühstück, Arbeitsbeginn, Mittagspausenbeschäftigung usw.), die ich erwartet hatte, fand ich es tatsächlich ziemlich unterhaltsam. Denn jeder hat ja seinen eigenen Erzählstil, seinen ganz eigenen Alltag – und obwohl ich mir nie hätte vorstellen können, daß mich so ganz alltägliche, kleine Episoden wildfremder Menschen unterhalten könnten, erlebte ich die Lektüre nicht viel anders, als wenn ich in einem Roman gelesen hätte. Da wird ja auch nix anderes gemacht, als aus dem Leben anderer Personen zu erzählen – wenn auch fiktiver.
So lernte ich z. B., daß Verkaufshänger (in diesem Falle für Crêpes) durchaus auch mal ins Rollen kommen können, wenn sie es gerade nicht sollen, und daß für solche Fälle eigentlich eine automatisch greifende Bremse schwerere Schäden auch an Personen und anderen Gegenständen verhindern soll. Soll…!
Oder aber, was mir ebenfalls neu war, obgleich nicht überraschend: Berlin hat mehr als nur ein Stadtzentrum, sondern eher ein Dutzend.
So mag es vielleicht für andere gar nicht so uninteressant sein, womit ich mich den ganzen Tag beschäftige… Vielleicht mach‘ ich nächsten Monat mal mit? Mal schauen…

 

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Können Sie sich selbst leiden?
Und: Können Sie das tatsächlich beurteilen?
Ich habe schon so oft darüber nachgedacht, ob ich, wenn ich mir selbst begegnete, mich mögen würde.
Gemeinhin geht wohl jeder davon aus, selbst die Person zu sein, die den tiefsten Einblick in die eigene Persönlichkeit hat.
Klar, so dachte auch ich lange Zeit. Denn wer, wenn nicht ich, kennt meine Stärken und Schwächen, meine geheimen Gedanken und Wünsche, meine Vorlieben und Abneigungen ohne jede Einschränkung?
Was ich aber nicht kenne, sind meine Wirkung auf andere, das, was andere empfinden, wenn ich in ihrer Nähe bin, wenn ich etwas sage, lache oder wüte. Mögen die meine Stimme? Und sind sie mit mir inhaltlich einig, wenn ich meine Meinung äußere?
Lachen sie über meine Witze nur aus Höflichkeit? Sind sie froh, wenn ich die Zimmertür von außen zumache? Sind das, was ich als meine Stärken empfinde, für andere vielleicht nicht eher meine Schwächen und umgekehrt? Erkennen die anderen, was für ein toller Mensch ich sein kann, und warum ich es trotzdem so oft nicht bin?
Ich weiß wirklich nicht, wie es mir erginge, wenn ich mir selbst begegnete, mir als einem anderen Menschen ins Gesicht schauen und zusehen und -hören würde, wie ich mich bewege, gestikuliere, lache und rede.
Würde ich mich überhaupt wiedererkennen? Daß die eigene Stimme im eigenen Kopf anders klingt, als wenn man sie z. B. von einer Tonaufnahme hört, weiß ja jeder. Und die eigenen Bewegungen, die eigene Mimik, die kriegt man ja nie mit. Also: würde ich mich selbst wiedererkennen?
Könnte ich mich leiden? Würde ich mich mögen? Wäre ich mir wenigstens sympathisch?
Wenn ich mir vor Augen halte, was andere an mir schon kritisiert haben, vermute ich, daß auch ich mich gar nicht so toll fände, wie ich gern wäre.
Meinen Humor fände ich vermutlich lustig, denn es ist ja meiner. Aber sonst…?

 

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Es gibt eine Sache, die mich schon lange beschäftigt, und die ich nie verstehen werde, weil ich niemanden persönlich kenne, der/die es mir erklären könnte.
Und zwar habe ich ja, wenn ich in den Facharzt-Wartezimmern dieser Welt sitze, recht häufig die Möglichkeit, Telefonate mitzuhören, die die Empfangsdamen mit Patienten führen.
Gaaaanz oft geht es dabei um die Vereinbarung eines Termins, weil der/die Anrufer/in Schmerzen oder andere Beschwerden hat. (Ohne Beschwerden macht ja wohl kaum einer einen Termin.)
Und dann höre ich fast ebenso oft: „Aaalso, da hätte ich noch einen am 34. Trillember um 9:45 Uhr. Paßt der für Sie?“ Nicht selten folgt diesem Angebot offenbar ein bestürztes Schweigen, denn es kommt dann oft die Nachfrage : „Hallo? Sind Sie noch da?“
Mit fester Stimme wird danach versichert, daß dies wirklich(!) der allerfrüheste(!) Termin ist, der im Angebot ist. Und meistens wird das zähneknirschend akzeptiert und der Termin eingetragen.
Kurz drauf kommt dann aus dem Sprechzimmer jemand an den Empfang, der gerade beim Herrn Doktor war, und sagt: „Ich soll nächste Woche wiederkommen.“ Und zack!, ist doch da sage und schreibe am kommenden Mittwoch um 9:30 Uhr ein Termin frei. „Geht das bei Ihnen? Wunderbar!“ Und schon verläßt ein zufriedener Patient für heute die Praxis.
Jetzt frage ich Sie? Wieso wurde dieser Termin nicht dem Anrufer angeboten?
Klar ist mir schon, daß ein gewisser Puffer für die Patienten freigehalten werden muß, die sich derzeit schon in Behandlung befinden. Die dürfen natürlich nicht weitere 4 Monate auf ihren nächsten Termin warten müssen.
Aber das Problem hat man doch jeden Tag! Morgen kommt wieder einer mit einem Ersttermin, und der muß dann ggf. auch „nächste Woche wiederkommen“.
Und übermorgen wieder, und in drei Tagen auch.
Wer entscheidet denn da, wo wann wieviel Puffer vorgehalten wird? Denn wir dürfen ja dabei die Privatpatienten nicht vergessen, die selbstredend nicht bis in den Trillember warten müssen.
Und dann ist da ja noch die nicht ganz unwichtige Frage, wer entscheidet, wie dringend ein Anrufer einen Termin braucht…

 

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Gerade lernte ich, daß die Paarungszeit der Gemeinen Schlammfliege im Frühling liegt. Die Männchen laufen dann zu Fuß den Weibchen hinterher, und diese signalisieren ihre Paarungsbereitschaft dadurch, daß sie stehenbleiben und dem Männchen eben nicht davonlaufen oder -fliegen.
Man stelle sich das mal vor, daß es bei uns Menschen ähnlich liefe! Das wäre ein Gerenne, und wir Frauen wüßten zunächst nie, ob ein Mann einfach nur das Gespräch mit uns sucht oder vielleicht doch lieber Kinder zeugen will. Paarungsunwillige Frauen würden die tatsächlichen Absichten nie herausfinden, denn sie liefen ja vorsichtshalber den Männern immer davon.
Eine Zusammenarbeit im Beruf oder grundsätzlich ein Zusammenleben und -wirken wäre dann nur möglich, wenn alle Beteiligten vorab geklärt hätten, welche Absichten die Männer (nicht) verfolgen, sollte zufällig einer von ihnen dieselbe Gehrichtung einschlagen wie eine ihrer Kolleginnen bzw. weiblichen Bekannten.
Ich vermute, daß die Signale da bei den Schlammfliegen eindeutiger sind, denn die könnten ja auch fliegen. Und wenn sie es nicht tun, dann bedeutet es halt, daß die Stunde der Liebe gekommen ist.
Was täten aber wir Menschen, um das oben skizzierte Kommunikationsproblem zu lösen? Wir müßten uns wahrscheinlich unterschiedliche Gangarten zulegen, die jeweils das eine oder das andere signalisieren.
Aber würde wirklich jeder Mann jeden anderen wissen lassen wollen, mit welcher Absicht er gerade durchs Leben geht bzw. hüpft oder springt? Ich denke nicht, denn es wäre - im Gegensatz zum Empfinden des Schlammfliegerich, der Schamgefühle offenbar nicht kennt - ja nicht nur dem Herrn Müller peinlich, wenn ich sehen könnte, daß er gerade Lust auf Sex mit Frau Meier hat. 
Es hat also offensichtlich einen guten Grund, warum wir Menschen das anders angehen müssen. Wir werden uns wohl weiterhin auf die uns eigene, umständliche Weise dem begehrten Gegenüber verständlich machen müssen. 

 

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Am Freitag kamen, kaum war der Bodenleger weg, die neuen Möbel für das Wohnzimmer.
Sie sind aus Holz, und nie und nimmer hätte ich vermutet, daß die Schränke fertig montiert geliefert werden und in voller Größe die Treppe hinauf geschafft werden müssen!
Aufgrund des Materials (massive Eiche!) wiegen die gefühlt je eine Tonne, und die Herren, die die Dinger auslieferten, waren nur zu zweit. (Allerdings wäre für mehr als zwei auch gar kein Platz gewesen.)
Als sie ankamen, kratzten sie sich gewichtig am Kopf und meinten nur: „Das wird knapp!“ Und tatsächlich, die Treppenöffnung war so eng, daß der Transport äußerst schwierig war und von Stufe zu Stufe in mühsamem, millimetergenauem Hieven vonstatten ging. Es rumpelte erschreckend, und ich saß im Erdgeschoß in meinem Büro, hielt die Luft an und zog den Kopf zwischen die Schultern.
Daß die Schränke wegen ihres Gewichts durch die Küche nicht getragen werden konnten, sondern geschoben werden mußten, hat jetzt zur Folge, daß – trotz Absicherung mit einer Decke, die unter die Schränke gelegt war – auf dem nagelneuen Bodenbelag ein tiefer Kratzer zurückgeblieben ist, der behoben werden muß. Nun ja, sowas kann passieren, und der Bodenleger ist bereits informiert.
Als ich allerdings abends von meiner Frau erfuhr, daß der Couch- und der kleine Ecktisch von den Herren montiert werden mußten, biß ich fast in die Couch! Vergleichsweise lächerlich kleine und leichte Tische werden in Einzelteilen geliefert und müssen zusammengebaut werden, aber Schränke, die über 2 m hoch und fast ebenso breit sind, kommen im Ganzen! Wie widersinnig ist das denn??!!
Wenn es nicht Männer wären, die damit jetzt zu kämpfen hatten, würde ich steif und fest behaupten: auf so eine Idee können nur Männer kommen!

 

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So, der Bodenleger ist seit gestern wieder fort.
Drei Tage haben die Herren gebraucht, und das waren im Grunde nicht wirklich drei Tage, denn sie haben jeweils nur bis kurz nach Mittag gearbeitet. Das heißt, sie haben gut eineinhalb Tage benötigt, um in drei Räumen einen neuen Boden zu verlegen.
Wenn man sich damit nicht auskennt, dann ist es einem zunächst fast nicht vorstellbar, daß so eine Arbeit so zügig erledigt werden kann. Wenn man aber dabei zusieht und dann weiß, welche Schritte zu tun sind, dann wird es einem wieder plausibel. (Das in drei Tagen zu erledigen statt in den veranschlagten vier, war ja, das darf man nicht vergessen, aber auch nur deswegen möglich, weil es den beiden Handwerkern gelungen war, auch unser Sofa auf den Flur zu schieben. Es stand dann da zwei Tage lang senkrecht, d. h. auf die rechte Armlehne gestellt, vor der Garderobe, und ich zitterte die ganze Zeit und bangte, daß es ja nicht umfällt.)
Daß der Konkurrent sage und schreibe 10 Tage für die Arbeiten veranschlagt hatte, will mir nach wie vor nicht einleuchten. Ich frage mich, was der die ganze Zeit getrieben hätte.
Ich bin auf jeden Fall froh mit unserer Wahl – besser hätte es nicht laufen können, und so sauber, wie die beiden gearbeitet haben, hätte man hinterher fast aufs Putzen verzichten können.
Morgen kommen dann auch die neuen Wohnzimmerschränke, und ich hoffe, daß die Spedition, die sie liefert, genauso gewissenhaft arbeitet wie die Bodenleger.
Das Wochenende werden wir dann wohl hoffentlich darauf verwenden können, die Zimmer wieder komplett einzurichten und auch den ganzen schmückenden Tand wieder hinzustellen. Den lassen wir jetzt noch draußen – nicht daß die Möbellieferanten mit ihren Kartonagen noch Glas zerdeppern!
Und wenn dann die Vorhänge auch wieder hängen, dann wird sicher auch unser lieber Hund wieder zur Ruhe kommen und selig in seinem Bettchen schlafen.
Ich freu mich auf die neue Normalität. Gottlob gibt es die auch außerhalb des Corona-Kontextes.

 

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Wir haben für diese Woche den Bodenleger bestellt. Er soll uns im Wohn- und Eßzimmer und auch in der Küche neuen Boden verlegen.
Ausgemacht war, daß er heute morgen gegen 8:15 Uhr bei uns ankommt. Um 8:16 Uhr fuhr der Laster vor. Das hat mich schonmal beeindruckt; solch eine Pünktlichkeit sprach in meinen Augen nämlich für eine Firma, die in der Lage ist, präzise zu planen.
Unser Wohn- und Eßzimmer und die Küche gehen ohne Türen ineinander über, weswegen in die drei Räume auch derselbe Bodenbelag gelegt werden soll. Da unser Sofa so groß und sperrig, unser Treppenhaus aber eng und unwegsam ist, war abgesprochen, daß wir zwar eigentlich alles rausräumen, aber das Sofa nur bis in die Küche schieben. Die Bodenleger wollten dann zuerst den alten Boden im Wohn- und Eßbereich rausreißen, dort den Untergrund spachteln und am nächsten Tag den neuen Boden verlegen.
Danach sollte das Sofa aus der Küche zurück ins Wohnzimmer verfrachtet werden, um dann diese zweitägige Prozedur in der Küche zu wiederholen bzw. fortzuführen.
Als die Herren aber sahen, daß wir von all den Möbeln wirklich nur das eine Sofa in die Küche hatten schieben müssen, alles andere aber komplett ausgeräumt hatten, staunten sie nicht schlecht (obwohl wir ihnen das ja so zugesagt hatten) und machten kurzen Prozeß, d. h. sie stellten das Sofa hochkant und schoben es – wie auch immer die das gemacht haben – in den Flur.
Danach haben sie gleich in allen drei Räumen den alten Boden rausgerissen und den Untergrund für den neuen Belag gespachtelt. Um halb eins waren sie damit fertig.
Nun kommen sie morgen wieder und verlegen das Vinyl.
So, wie die beiden Herren heute die Finger haben rumgehen lassen, vermute ich fast, daß sie morgen abend schon komplett fertig sein werden. Das heißt, daß sie dann nur die Hälfte der veranschlagten vier Tage benötigt haben werden.
Wenn ich bösartig wäre, würde ich jetzt sagen, daß die Planung halt doch nicht so präzise war, wie ich heute morgen noch angenommen hatte. Aber ich bin natürlich gar nicht böse, sondern sehr happy darüber, daß die Herren unser Sofa hinausschaffen konnten und so diesen schnellen Fortschritt ermöglichten.
Und wenn man dann noch bedenkt, daß die andere Firma, von der wir auch ein Angebot erhielten, für die Arbeiten 10(!) Werktage eingeplant hätte, dann fragt man sich echt, wie die sich überhaupt halten kann bei dieser so rührigen und zügig arbeitenden Konkurrenz.

 

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06
Jan
Entenbrust

Vor ein paar Tagen hatten wir zum Abendessen eine Entenbrust.
Sie wog 457 g. Das war für zwei Personen zwar recht viel, aber am meisten beschäftigte mich die Tatsache, daß diese Brust so ein „krummes“ Gewicht hatte.
Ganz oft stehen wir nämlich vor den Gefriertruhen hiesiger Supermärkte und finden lauter Entenbrüste vor, die ex-akt 400 g wiegen. So besagt es jedenfalls der Aufdruck auf jedem einzelnen dieser Päckchen.
Angesichts des Umstandes, daß diese Brüste wirklich immer an einem Stück verpackt sind, frage ich mich da jedes Mal, wo sie denn alle herumfliegen, diese 400g-brüstigen Enten. Ich überlege dann, ob es sich dabei wohl um eine ganz bestimmte Rasse handelt, der in die Gene gemeißelt ist, daß ihre Brüste bittschön jeweils ganz genau 400 g zu wiegen haben.
Nun, bei 350 g Hühnergeschnetzeltem ist klar, wie es zu genau 350 g kommt. Da wird dann halt noch ein kleiner Fetzen dazugepackt oder durch einen größeren ausgetauscht.
Wie die Entenbrüste zu ihren 400 g kommen, ist allerdings tatsächlich auch keine Zauberei. Es ist ja ein offenes Geheimnis, daß die Fleischstücke Wasserinjektionen erhalten, bis das gewünschte Gewicht erreicht ist. Meine Überlegungen zum Genom der Gefrierenten sind also nur ein kleiner Spaß, den ich mir beim Einkauf immer mache und mir dabei vorstelle, wie ich eine entsprechende Anfrage beim „Hersteller“ formuliere. Würde der darauf eingehen? Wie ehrlich wäre seine Antwort wohl (wenn ich denn tatsächlich eine bekäme)?
Ich glaube, ich muß das wirklich mal ausprobieren.

 

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Ich habe gerade ein Online-Quiz zur neuen Rechtschreibung gemacht. Ich hatte erwartet, hier mächtig zu scheitern, da ich außer der neuen Regel zu ss und ß keine wirklich kenne bzw. begründen kann.
Mir war nur bewußt, daß in Sachen Groß- und Kleinschreibung so einiges eingeführt worden ist, was mir die Haare zu Berge stehen läßt, und daß ich in diesem Bereich auch die alten Regeln schon nicht gut beherrscht habe.
Also habe ich die Fragen zur Großschreibung mit den Antworten versehen, die mir besonders hanebüchen erschienen, und lag damit richtig. Nur die Frage, bei der ich diesen Vorsatz reflexartig nicht befolgte, beantwortete ich falsch. Sagt ja auch schon einiges aus zur Sinnhaftigkeit so mancher Regeländerung…
Insgesamt fiel mein Test aber recht ordentlich aus.
Die einzige Neuerung, die ich gut finde, und die mir auch logisch erscheint, ist die oben erwähnte Regel zur Schreibung mit ss oder ß. Dennoch wende ich sie, wenn ich sie denn überhaupt befolge, nur dann an, wenn ich auf der Tastatur schreibe. Handgeschriebenes weist bei mir immer noch das einmal Gelernte auf, das ich aus meinem Bewegungsablauf auch nicht mehr rauskriege. Meine Hand macht das einfach nicht mit, „dass“ mit ss zu schreiben. Und wenn ich handschriftlich davon erzähle, etwas gewußt zu haben, dann kann ich auch das nicht mit ss schreiben, weil meine Hand diese Bewegung einfach nicht ausführen kann.
Das ist in etwa so, wie wenn jemand wunderbar Blockflöte spielen kann, aber von heute auf morgen das Chalumeau blasen will. Das geht auch nicht, denn dafür muß der kleine Finger der linken Hand zum Einsatz gebracht werden, was einem Blockflötisten niemals in den Sinn käme, weil für diesen Finger einfach kein Loch vorhanden ist, das er bedecken könnte. Und wegen dieses einen Lochs ist es so, daß was auf dem Chalumeau ein A ist, auf der Blockflöte ein G wäre. Wie soll man das so einfach verinnerlichen? Das bringt Knoten ins Gehirn – genau wie wenn ich von Hand schreiben sollte „… [von hier kommt die Erzählung] ich hatte schon immer gewusst, dass er [und hier geht die Erzählung weiter]…“.

 

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Gerade las ich, daß tatsächlich ziemlich wenige Menschen an den Bissen giftiger Spinnen sterben.
Obwohl ich in Deutschland lebe, wo es so gut wie keine giftigen Spinnen in freier Wildbahn geben dürfte, und ich auch nicht vorhabe, irgendwann mal irgendwo Urlaub zu machen, wo Giftspinnen an der Tagesordnung sind, hat mich diese Nachricht beruhigt.
Beim Weiterlesen erfuhr ich dann, daß eine Spinne, so giftig sie auch sein mag, eine gewisse Größe braucht, damit ihre Beißwerkzeuge überhaupt in der Lage sind, die menschliche Haut zu durchdringen.
Ich entspannte mich immer mehr. Und las weiter.
Die meisten Bisse, wenn eine Spinne denn überhaupt zubeißt, rufen ausschließlich Schmerzen hervor, teilweise begleitet von Schweißausbrüchen, Schwellungen und Fieber. All das klingt nach wenigen Tagen wieder ab.
Hach, meine Angst vor giftigen Spinnen verschwand zusehends. Das schien ja nicht viel schlimmer zu sein, als von einer Wespe gestochen zu werden. Und viel seltener vorzukommen.
Als Fazit verlautete der Artikel, dem ich all dies entnahm, daß weltweit wirklich nur gaaaanz wenige Todesfälle im Zusammenhang mit Spinnenbissen je bekannt geworden seien, und daß es i. d. R. nicht mehr als 200 pro Jahr sind.
Zweihundert! Das sind mal locker 6 Schulklassen, die da jedes Jahr ausgelöscht werden! Sechs! Schulklassen!
Wie kann man da denn behaupten, es käme so gut wie nie zu tödlichen Spinnenbissen?
Der Tenor, in dem der Bericht geschrieben war, war der einer Plauderei über möglicherweise tödliche Attacken von Goldhamstern – also eigentlich etwas, was man sich nur schwerlich vorstellen kann.
Aber dann? Bännng! Zweihundert Tote pro Jahr!
Was sagen Sie jetzt?

 

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Hier, innerhalb meines Webauftritts, gibt es ja auch diese Unterseite, auf der ich meine Cartoons (genauer: Birtoons) zeige. Diese Zeichnungen veröffentliche ich aber auch z. B. auf Facebook. Und zwar in meinem persönlichen Profil - und auch in einer Gruppe, die sich aus CartoonzeichnerInnen und Lieberhabern von Cartoons zusammensetzt.
Manchmal sitze ich beim Zeichnen an meinem Tisch und kichere vor mich hin, weil ich finde, daß ich da gerade wieder eine total dufte Idee umsetze! Und ich freue mich dann immer wie ein kleines Kind auf den Moment, in dem ich die Zeichnung hochlade und die ersten Reaktionen der Betrachter hereinkommen. 
Manchmal fertige ich einen Cartoon aber auch eher halbherzig an; immer dann, wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob der Witz gelingt oder überhaupt einer ist.
Dann staune ich hinterher allerdings ganz oft, wie sehr sich die Reaktionen der anderen von dem unterscheiden, was ich erwartet hatte.
Cartoons, die ich überaus gelungen finde, ernten nämlich nicht selten so gut wie keine Likes oder Kommentare. Andere dagegen, solche, an denen ich selbst überhaupt nicht hänge, kommen bei den Betrachtern so gut an, daß ich mich zwar über die Reaktionen freue, sie aber oft gar nicht nachvollziehen kann.
Ich tröste mich dann bei ausbleibenden Reaktionen damit, daß ich selbst mit meiner Zeichnung zufrieden bin, weitere Fortschritte erkennen und hoffnungsfroh sein kann, daß die nächste Idee wieder zünden wird.
Heute habe ich glücklicherweise wieder die Erfahrung gemacht, daß andere diese Fortschritte, die ich selbst zu erkennen meine, auch tatsächlich bestätigen. Meine Schwester hat nämlich das in der heutigen Zeichnung enthaltene Kamel sehr gelobt. Und das hat mich außerordentlich gefreut!
Schade nur, daß meine Mutter die Zeichnung nicht mehr erleben darf, denn Kamele waren ihre Lieblingstiere.

 

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Daß ich jetzt wieder im heimischen Büro sitze, sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Natürlich, durch mein Arbeiten zu Hause ist vieles bequemer für mich: ich muß morgens nicht erst eine Stunde mit dem Auto fahren, sondern gehe einfach nur eine Treppe tiefer. Das bedeutet auch, daß ich morgens eine Stunde länger liegen bleiben kann. Ich erwähnte es bereits.
Auch das Geld, das ich für Sprit in dieser Zeit nicht ausgeben muß, ist mir natürlich auf meinem Konto sehr willkommen.
Frühstück und Mittagessen nehme ich in gemütlicherer Umgebung ein, als wenn ich das im Bürogebäude tun müßte.
Und – ich gebe es zu – ein Einzelbüro zu haben, genieße ich sehr! Ich habe meine Kolleginnen wirklich gern, aber die Geräuschkulisse reißt bei so vielen Damen im gleichen Zimmer einfach nie ab. Und ich bin ein Mensch, der Stille sehr genießen kann. Ich könnte es z. B. nie ertragen, wenn den ganzen Tag lang das Radio liefe.
Wenn ich aber über den Grund nachdenke, warum ich hier sitze, dann kann ich mich eigentlich gar nicht mehr freuen. Ich gehe zwar davon aus, daß der Lockdown auch diesmal keine objektiven Nachteile für mich haben wird (außer den Verzicht auf Dinge und Aktivitäten, die ich, wenn sie mir erlaubt sind, auch nur selten mache), aber ich erwarte schon, daß die Stimmung auch in meinem direkteren Umfeld bald kippen wird – hin zu Frustration, zu beständig schlechter Laune und Pessimismus und zu Sorge um die, die unter dem neuen Lockdown ganz direkt zu leiden haben werden.
Jemand aus meinem Umfeld z. B. hätte eigentlich jetzt im Dezember operiert werden sollen. Und das wäre kein Kinkerlitzchen gewesen, sondern der Eingriff hätte das Leben dieser Person wieder deutlich besser machen können. Nun muß sie aber bis mindestens in den Januar darauf warten, und das tut mir so schrecklich leid für sie, daß ich auch kein Verständnis mehr für die habe, die bisher zwar nichts Unerlaubtes getan, aber auf bestimmte unnötige Kontakte, Feiern oder Reisen auch nicht verzichtet haben. Damit haben sie dem Virus doch noch ein paar Gelegenheiten zur Verbreitung gegeben, die nicht hätten sein müssen.
Wenn dann noch Leute bei Demonstrationen in dichtem Gedränge und ohne Masken auf ihre Rechte pochen, auf ihre Freiheit, und dabei aber übersehen, daß sie mit ein bißchen Selbsteinschränkung für so manchen etwas möglich machen könnten, was dessen Leben deutlich mehr verbessert, als es die einschränkt, die verzichten, dann frage ich mich, wie wir miteinander umgehen würden, wenn jetzt z. B. ein Krieg ausbräche.
Ich fürchte, daß der Zusammenhalt unter den Menschen nicht gegeben wäre, und daß Egoismus und Verrat alles nur noch schlimmer machen würde, als es eh schon ist.
So wie jetzt halt auch.

 

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Heute kam jetzt doch die Weisung meines Arbeitgebers, bis auf weiteres wieder ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten. Das heißt, ab morgen sitze ich wieder zu Hause. Darüber freue ich mich, denn mir ist es recht, wenn ich so wenig andere Leute treffe wie möglich.
Daß ich heute im Büro bin, hat aber auch einen Vorteil. Das große Bild, das ich vor Wochen hier aufgehängt hatte, war nämlich, weil ich mich für eine äußerst labile Aufhängung entschieden hatte, von der Wand gefallen. Und weil ich heute da bin, konnte ich es mit ein paar gezielten Hammerhieben wieder an der Wand befestigen.
Es ist ein Foto, eines, das ich in meinem Urlaub in der Bretagne gemacht habe. Aufgedruckt ist es auf eine Hartschaumplatte. Dadurch ist das Bild relativ leicht und trotz kostengünstiger Herstellung von der Druckqualität sehr gut.
Mein erster Aufhängversuch war übrigens gescheitert, weil ich kleine Aufhängösen mit einem viel zu kleinen Stück Klebeband am Bild befestigt hatte, das sich wegen des zu hohen Bildgewichts ziemlich schnell wieder gelöst hat.
Also kam mir die Idee, Löcher in das Bild zu stanzen, um dann einen Faden o. ä. dort hindurchzufädeln und dies als Aufhänger zu verwenden. Meine Frau konstatierte aber sofort völlig zurecht, daß ich dann ja auch gleich die Nägel durch ebendiese Löcher treiben könnte. Und wenn ich schon Nägel verwende, könnte ich - noch besser! - die doch auch direkt durch das Bild hämmern, ohne vorher noch Löcher gebohrt zu haben. Das leuchtete mir sofort ein.
Nun – gesagt, getan! Vier Nägel halten das Bild jetzt an seinem Platz, und ich bin guter Dinge, daß es nun nicht wieder von der Wand fallen wird.
Ich bin sehr gespannt, wie lange es vor dem Hintergrund, daß alle jetzt ja wieder nach Hause entschwinden, dauern wird, bis überhaupt jemand das Bild sieht.

 

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14
Dec
Locked down

Jetzt ist der da, der große Lock-down - den wir zwar meiner Meinung nach vor etlichen Wochen schon gebraucht hätten, aber man mag gar nicht drüber nachdenken, wie viele Päckchen jetzt unter deutschen Christbäumen fehlen werden, wo doch allgemein bekannt ist, daß so viele Leute ihre Geschenke immer erst auf den letzten Drücker kaufen. Und jetzt schließen die Läden.
Wir waren gottlob wie jedes Jahr wieder recht früh dran, so daß dieses Problem für uns keines ist. Auch hatten wir letzte Woche unseren Friseurtermin und brauchen daher so schnell keinen weiteren.
Aber wieder trifft es natürlich dieselben Menschen, die auch schon vom Lock-down im Frühling betroffen waren. Und es werden wieder viel zu viele hinzukommen, die Depressionen entwickeln und gegen materielle Nöte zu kämpfen haben werden.
Das alles ändert allerdings nichts daran, daß ich die Maßnahme für richtig halte.
Wenn man sieht, wie sprunghaft die Zahlen in die Höhe schnellen – auch die Todesrate steigt an, prozentual sterben mittlerweile viel mehr an COVID-19 als noch in den ersten Monaten der Pandemie. Da kriege ich Angst; und es will mir nicht einleuchten, wieso mein Chef uns nicht wieder dauerhaft ins Homeoffice beordert, wo er doch im März so schnell damit bei der Hand war.
Jetzt ist alles viel schlimmer, und dennoch erwartet er, daß wir uns vor Ort zeigen. Ich verstehe das nicht.
Wenn ich ab morgen wieder für drei Tage im Bürogebäude meines Arbeitgebers sitzen werde, wird mich in meinem Büro wahrscheinlich so gut wie niemand aufsuchen. Und die Hilfe, die ich selbst Kollegen geben kann, ist von der Art, die ich ebenso gut von meinem heimischen Büro aus leisten kann. Dafür werde ich aber etlichen KollegInnen auf dem Flur begegnen, wenn ich zur Toilette gehe oder mir einen Kaffee hole. Völlig unnötig, diese Aufeinandertreffen! Sie bringen keinerlei Mehrwert, sondern erhöhen nur die Gefahr für jede/n Einzelne/n, sich mit Corona anzustecken.
Wir agieren also völlig entgegen dem, was die Regierung eigentlich erreichen will: Reduzierung von persönlichen Kontakten auf ein Minimum.
Ich zweifle daran, daß das Ziel, das mein Chef damit anstrebt, nämlich Solidarität mit denen zu zeigen, die ihre Arbeit nicht von zu Hause aus erledigen können, tatsächlich erreicht wird. Wahrscheinlich ist es denen wurscht, wo sie mich erreichen, wenn sie mich brauchen. Aber ob es ihnen egal ist, wenn sie mir unter der Kaffeeküchentür begegnen, das weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist es doch eher jedem von uns lieb, wenn wir kaum jemanden treffen auf dem Flur, der keine eineinhalb Meter breit ist.
Muß erst jemand von uns KollegInnen auf der Intensivstation landen?

 

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08
Dec
Düsternis

Am vergangenen Wochenende hatte ich zum ersten Mal das, was die Leute meinen, wenn sie von Corona-Depressionen reden.
Mein Stimmungsloch besserte sich zwar im Lauf des Tages gottlob wieder, aber meine Frau führte mir bei dieser Gelegenheit mal vor Augen, wie mein Leben gerade verläuft: den ganzen Tag am Rechner sitzen und abends noch nicht mal mit dem Hund raus (weil sie das mittlerweile übernimmt, seit sie im Ruhestand ist).
Deswegen verordnete sie mir einen Aufenthalt im Wald. Eigentlich sollte das am Wochenende selbstverständlich sein, daß ich beim nachmittäglichen Gassi-Gang mitkomme, aber die letzten Wochenenden ging es mir so schlecht, daß ich auch da nicht mitgekonnt hatte.
An diesem Wochenende war das aber gottlob kein Thema, so daß ich wirklich bei herrlich herbstfeuchtem Wetter mit meinen beiden Lieben durch den Wald gestapft bin.  (Herrlich herbstfeuchtes Wetter = kein akuter Niederschlag, aber feuchter Boden, bedeckter Himmel und kühle Luft. Ein Wetter eben, bei dem man nicht naß wird, aber auch kaum jemandem im Wald begegnet, weil die meisten Leute ohne Hund da nicht vor die Tür gehen)
Dieser Spaziergang durch die Natur half mir dann auch aus meinem Stimmungstief wieder heraus, aber nachgeklungen hat es noch bis in die späten Abendstunden.
Und so kommt es, daß ich, obwohl ich von mir immer sage, mit den Corona-Einschränkungen recht gut zurechtzukommen (weil es mir materiell deswegen halt glücklicherweise an nichts fehlt), jetzt eine klitzekleine Vorstellung habe von der Not derjenigen Menschen, die diese Zeit in Einsamkeit und ohne Abwechslung verbringen und am Ende wirklich in eine Depression rutschen.
So beweist COVID-19 einmal mehr, daß es wirklich nicht nur eine Lungenkrankheit ist.

 

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29
Nov
Farinelli

Ich habe gerade im Internet nach CDs Ausschau gehalten und bin dabei über ein Album von und mit Cecilia Bartoli gestolpert.
Das Album trägt den Titel „Farinelli“ und bezieht sich auf den bekanntesten Kastratensänger des 18. Jahrhunderts.
Ich gehe davon aus, daß Bartoli auf dieser CD vor allem Arien singt, mit denen Farinelli einst zu seinem Ruhm kam.
Das Cover-Foto ist aber an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Man sieht Cecilia Bartoli mit nacktem Oberkörper, die Arme vor den Brüsten verschränkt, die Fingernägel dunkel lackiert. Die Haare trägt sie offen, und man hat ihr einen Vollbart ins Gesicht geklebt.
Da frage ich Sie: wußten die Macher dieses Fotos, was ein Kastrat ist? Und daß es zum Aussehen eines Kastraten aus der „Natur“ der Sache dazugehört, eben keinen Bartwuchs zu haben? Und daß Kastraten auch keine Brüste hatten? Und und und…???
Neben all dem ist es ohnehin eine Lachnummer, ein Plattencover mit einem Oben-ohne-Foto der Sängerin zu gestalten, „nur“ weil die CD an einen Menschen erinnert, der nicht Mann sein durfte. Da merkt man doch sofort, worauf es den Vermarktern da ankam. Sex sells, das gilt halt offenbar immer noch. Auch wenn in diesem Fall der Sex eher gar keine Rolle spielt (und für Farinelli sicher auch nie sehr befriedigend war).
Ich bin eh kein großer Fan von der Bartoli, aber dieses Cover ist auf jeden Fall ein Grund, die CD nicht zu kaufen.

 

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Gerade stolperte ich über eine Website, die mich sprachlos zurückließ. Noch nie habe ich einen Webauftritt gesehen, der so schrecklich schlecht war wie dieser.
Die Seite wirbt für einen Gewerbebetrieb, der ein Ladengeschäft, aber auch einen Hundesalon umfaßt, wenn ich das richtig erkannt habe.
Es ist wirklich erschütternd, wenn jemand seinen Betrieb in derart (ja, ich muß es wirklich so deutlich sagen) verstörend schlechter Weise präsentiert, und man fragt sich, ob die Ladeninhaberin tatsächlich Kundschaft hat.
Und doch erwärmt die Seite auf ihre Art auch mein Herz. Denn der Name des Geschäfts folgt dem Trend, daß er den Namen der Besitzerin kombiniert mit der Art der angebotenen Ware/Dienstleistung – nach dem beliebten Prinzip „Uwe’s Getränkemarkt“ oder „Tina’s Frisierstübchen“ oder gar „Andrea’s Kaffeekranz“.
ABER: jetzt kommt das große ABER!
Der Name der Inhaberin ist eben nicht mit dem oben zu sehenden Deppenapostroph versehen, sondern stellt grammatikalisch völlig korrekt „Brunhildes Hundeshop“ (Name sinngemäß v. d. Redaktion geändert, Abb. ähnlich) vor!
Das hat mich milde gestimmt und alle kleinen Schaltflächen anklicken lassen, die die Website zu bieten hatte. Für jede Kleinstinformation ein Button, wo ein Fließtext mit mehr als 10 Sätzen die Inhalte ebenso ausreichend hätte vermitteln können.
Auch habe ich über die bestimmt 20 verschiedenen Schriftarten und –größen hinweggesehen und mir die Abbildung des Flachdachgebäudes von „Brunhildes Hundeshop“ interessiert angesehen, nur weil ich nach einer Bestätigung gesucht habe, daß Brundhilde die Zeichensetzung beherrscht und sich halt nur mit der Gestaltung eines Webauftritts ein wenig schwer tut.
Und ja: Brunhilde hat fast keine Kommafehler auf ihrer Seite, und Rechtschreibfehler habe ich bisher gar keine gefunden.
Da möchte ich die Dame doch ganz fest in meine Arme schließen und ihr für ihren Betrieb trotz lausiger Vermarktung richtig guten Erfolg wünschen!

 

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Heute bietet die Wikipedia einen Fachartikel über das Mineral Carlosbarbosait an.
Lustig und interessant finde ich, daß das Mineral seinen wohlklingenden Namen von einem Chemieingenieur namens Carlos do Prado Barbosa hat, nach dem es benannt ist. Da ist es doch ein Glück für das Mineral, daß dieser Ingenieur nicht Ludwig Gscheitlhuber geheißen hatte. Sonst hieße es womöglich heute Gscheitlhuberit.
So, damit bin ich aber auch schon am Ende dessen angelangt, was mich an diesem Artikel interessierte. Denn – wie ich schon mal in einem Text erwähnte – die Mineralogie gehört zu den drögen Themen, die mich keinen Deut interessieren – vermutlich auch, weil ich ihnen z. T.  nicht gewachsen bin.
Es erleichterte mich sehr, als ich las, daß Carlosbarbosait ein sehr selten vorkommendes Mineral ist und daher erst sehr spät überhaupt entdeckt wurde. Das legitimierte es in meinen Augen, die weitere Lektüre zu unterlassen.
Eines habe ich aber doch noch aufgeschnappt:
die chemische Formel ist nicht etwa so schlicht wie H2O oder CO2. Auch nicht wie C12H22O11.
Die Formel nimmt auf meinem Bildschirm eine Länge von sage und schreibe 21 cm ein – ich hab es nachgemessen.
(Zum Vergleich: C12H22O11 ist bei meiner Bildschirmeinstellung gerade mal 3 cm lang.)
Da fallen mir umgehend die Augen zu, und es überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, die man als Symptom einer Überforderung deuten könnte, die aber auch Zeichen der Erleichterung ist, daß nicht ich es bin, die sich mit diesem Gscheitlhuberit herumschlagen muß.

 

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27
Oct
Erinnerungen

Gestern abend dachte ich auf einmal – ich weiß nicht, aus welchem Grund – an mein Schlummerle, also an die Babypuppe, die ich als Kind besaß.
Weil ich nicht sicher war, ob „Schlummerle“ der offizielle Begriff für diese Art Puppen ist, fragte ich meine Frau, ob sie denn auch ein Schlummerle besessen habe. Aber die wußte gar nicht, was das ist. Erklärte mir aber sofort, daß das wohl daran liegt, daß sie nie gern mit Puppen gespielt hat.
Also googelte ich. Und siehe da: „Schlummerle“ ist eine allgemein bekannte Bezeichnung.
Heutzutage sehen Schlummerle natürlich ganz anders aus als zu meinen Kindertagen. Aber Google wäre nicht Google, wenn es nicht auch Bilder von 70er-Jahre-Schlummerlen verfügbar hätte. Und so stieß ich auf ein Foto genau des Puppenmodells, das einst auch in meinen Armen ruhte.
Tatsächlich fand ich Puppen damals wenig einladend, ich nahm keine wirklich gern in den Arm. Denn sie waren alle so hart, besonders die Köpfe, in denen die Augendeckel laut klapperten, wenn man die Puppe bewegte. Und die Haare! Ach, mein Schlummerle hatte dieselbe Frisur wie Frau A. aus dem Chor, in dem ich vor Jahren mal sang. Einen „flotten“, fülligen Älteredamenhaarschnitt, auftoupiert und schön gefestigt, damit auch ja nach dem Spiel jedes Härchen noch so saß, wie es sollte. Kein einziges Baby dieser Welt hat jemals so einen Haarschopf besessen!
Mittlerweile machen die Spielzeugfabrikanten das ja besser. Da sehen Babypuppen wirklich wie Babys aus, und sie tragen auch fast keine Haare.
Ich erinnere mich, daß ich zusätzlich zu dem blonden Schlummerle, das ich schon besaß, ein kleineres, braunhaariges Schlummerle von meinen Eltern geschenkt bekam, als ich mit damals 5 Jahren wegen einer Mandeloperation im Krankenhaus lag. Dieses Schlummerle mochte ich nie, auch nach dem Krankenhausaufenthalt nicht, da es mich immer an diese schlimme Woche erinnerte, in der ich mit dem Weinen eigentlich nie aufgehört hatte, so groß war mein Heimweh. Es gibt ein Foto von mir, auf dem ich in unserer Wohnung auf dem Flur stehe und eben jene Puppe im Arm halte. Und man sieht es mir an, daß ich gar nicht fröhlich war! Und das, obwohl ich gerade aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen war. Irgendwie meine ich mich zu erinnern, daß ich die Puppe am liebsten weit weg geworfen hätte und mit ihr all die Erinnerungen an die Tage im Krankenhaus.
Schon seltsam, an was man sich plötzlich so lebhaft erinnert…

 

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Also, so langsam fangen sie zu spinnen an!
Lese ich doch heute in den Medien, daß die Weihnachtskrippe des Ulmer Münsters dieses Jahr erstmals ohne die Heiligen Drei Könige aufgestellt wird.
Grund dafür ist die Figur des Melchior, denn (wie Dekan Gohl heute wörtlich in der „Zeit“ zitiert wird) „…die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen“.
Bevor ich mich echauffiert habe, habe ich natürlich erst mal gegoogelt, wie der Ulmer Melchior denn tatsächlich aussieht.
Und was sah ich? Die drei Figuren der Weisen aus dem Morgenlande sehen so aus, als seien sie sehr alte Anfertigungen; alle drei stehen da in eher seltsamer Körperhaltung, und ich kann bei Melchior nicht mehr „unförmige Statur“ erkennen als bei den beiden anderen.
Die Figur zeigt eindeutig, daß Melchior einer afrikanischen Ethnie angehört. Tja, nun unterscheidet sich das typische Erscheinungsbild eines Afrikaners ja aber auch durchaus von dem eines Israeli. Wieso soll man das nicht auch so in Figuren darstellen?
Ich verstehe diesen Aufriß gerade nicht, denn einer der beiden anderen Weisen trägt einen Seppelhut, was offenbar niemanden stört. Das sieht tatsächlich etwas witzig aus, und hier kommt niemand auf die Idee, daß dies als rassistisch oder despektierlich angesehen werden könnte.
Wenn man die Weisen nun wegläßt und dann auch noch vorhat, beim Vortrag der Weihnachtsgeschichte die Heiligen Drei Könige einfach zu streichen, indem man sie aus einem Evangelium liest, in dem die Weisen gar nicht vorkommen (man stelle sich das mal vor – was für ein Blödsinn!), dann heißt das, daß die Weihnachtsgeschichte so dargestellt wird, als sei es seinerzeit nur Einheimischen erlaubt gewesen, dem Christkinde zu huldigen. „Aus dem Morgenland“ war dann niemand dabei – ist dieser kategorische Ausschluß von Menschen anderer Länder aus der Heilsgeschichte etwa nicht viel rassistischer, als einen Afrikaner wie einen Afrikaner aussehen zu lassen? Wir können doch nicht der Darstellung eines Afrikaners aus dem Weg gehen, bloß in der Angst, dabei etwas falsch zu machen, und damit ja sehr direkt Menschen aus Afrika komplett aus unserer Wahrnehmung verdrängen! Es hat doch sicher einen guten Grund, wieso immer und überall die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium gelesen wird, in dem die Heiligen Drei Könige eine wichtige Rolle spielen. 
Die Streichung dreier wichtiger Figuren einzig aus dem Grund, weil man einen Afrikaner, der deutlich als solcher erkennbar ist, nicht beibehalten will, ist m. E. schlimmste Diskriminierung und ist un-er-hört!!
Aber wetten: trotz all diesem Schwachsinn wird in Ulm der Dreikönigstag ein Feiertag bleiben. 


 

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Ich bin leidenschaftliche Veeh-Harfen-Spielerin, also Spielerin eines Instrumentes, das besonders bekannt dafür ist, daß man es auch ohne die Kenntnis herkömmlicher Noten spielen kann.
Es wird sehr oft (und wurde auch vorrangig dafür konzipiert) in der musikalischen Arbeit mit Menschen mit Handicap und in der Geragogik eingesetzt. Hier ist der Umstand, daß nicht mit herkömmlichen Noten gearbeitet wird, sehr hilfreich.
Denn statt nach herkömmlichen Noten spielen zu müssen, wird bei der Veeh-Harfe, die im Grunde ein Zither-Instrument ist, unter die Saiten eine Schablone geschoben (also auf den Resonanzkörper gelegt), auf der mit Punkten und Ovalen direkt unter den Saiten angezeigt wird, in welcher Reihenfolge welche Saiten anzuzupfen sind. In der Regel werden hierfür die beiden Zeigefinger benutzt.
Das klingt in der Tat kinderleicht. Ist es auch.
Allerdings nur so lange, wie man Stücke spielt, die man kennt. Denn dann weiß man ja, wie das Stück zu klingen hat, und die Information z. B. zu den Notenwerten, die durch die Punkte und Ovale ebenfalls ausgedrückt werden, kann in den Hintergrund treten.
Wenn nun aber ein Stück gespielt werden soll, das dem Spieler unbekannt ist, dann ist es wichtig, sich bewußt zu machen, daß lediglich herkömmliche(!) Notenkenntnisse nicht erforderlich sind. Tatsächlich muß man nämlich schon in der Lage sein bzw. es lernen, diese speziellen Noten zu lesen, die mehr angeben als nur die Tonhöhe. Angaben zum Notenwert (also zur Dauer des Tones), zu Pausen, dem Rhythmus usw. müssen schon auch gelesen werden. Insofern gibt es hier eine große Gemeinsamkeit mit den herkömmlichen Noten, nämlich daß es ohne Lesen und Denken nicht geht.
Mit der Veeh-Harfe kann man durchaus komplexere Stücke spielen, die ein recht kompliziertes Notenbild erfordern, das u. U. gar nicht so einfach optisch zu erfassen ist. Denn es muß ja, genau wie bei herkömmlichen Noten, dargestellt werden, wie die Töne der linken und der rechten Hand zeitlich zueinander liegen. Zusammenklang, zeitversetztes Anzupfen, paralleles Spiel von z. B. Achteln und Triolen oder auch nur punktierten Vierteln, das alles will eindeutig abgebildet, mit dem Auge erfaßt und richtig interpretiert sein.
Und wenn man dann auf einer Solo-Harfe spielt, die noch eine Oktave (also 12 Saiten) mehr umfaßt als die Standard-Harfe, dann kann es schon sein, daß man fast schielen muß, um sehr hohe und sehr tiefe Töne gleichzeitig auch richtig mit den Fingern zu erwischen.
Die Veeh-Harfe ist also ein durchaus spannendes und forderndes Instrument, wenn man größere Fortschritte und höhere Komplexität der Musikstücke anstrebt. Daß es aber auch mit ganz einfachen und schlichten Stücken ohne tiefere harmonische Strukturen so wunderbar klingt und Freude macht, ist der wahre Schatz, den dieses Instrument für uns bereithält.

 

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Trump ist CORONA-positiv.
Als ich das erstmals las, wußte ich nicht, was ich denken soll.
Mir gingen dabei so viele Gedanken im Kopf herum. Und nichts davon war wirklich freundlich.
Erst dachte ich: dem wünsche ich einen schweren Verlauf, damit er am eigenen Leib erfährt, wie schlimm diese Krankheit, die er so chronisch unterschätzt, wirklich werden kann.
Dann hörte ich von anderen die Vermutung, daß diese Nachricht auch nur eine Fake-Nachricht sein könnte, er also gar nicht infiziert ist. Daß das Ganze also nur der Befeuerung seines Wahlkampfes dienen soll, weil er auf diese Weise ja „beweisen“ könnte, wie harmlos Corona ist, und wie schnell man davon wieder genest.
Eine angebliche Infektion würde ihn aber, genau wie eine tatsächliche, auch davor bewahren, noch weitere TV-Duelle gegen Biden durchfechten zu müssen. Er selbst fand sich im ersten Duell zwar wie immer ganz großartig, aber ein bißchen mulmig ist seinen Beratern damit sicher geworden. Daß die auf eine Fortführung großen Wert legen, zweifle ich an.
Jetzt fährt er ja schon wieder in seiner Limousine durch die Stadt und tut genau das, was ich schon erwähnt habe: er demonstriert, wie gut alles verlaufen kann, weil die USA („…unter der Trump-Regierung…“) ja beste Behandlungsmöglichkeiten etablieren konnten.
Was ich aber ganz sicher denke: ich wünsche der Welt, daß seine Präsidentschaft ab Januar 2021 ein Ende haben wird! Egal, auf welchem Wege das passiert. Am liebsten wäre mir ja ein eindeutiges Wahlergebnis, damit die Unruhen im Lande möglichst gering gehalten werden können.
Aber ich fürchte, da sind die Amerikaner im Gesamten zu zerrissen; das wird wohl nix werden mit der vernichtenden Wahlniederlage. Mit dem Herrn wird die Welt noch viel zu lange ihren „Spaß“ haben.

 

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Gerade stieß ich auf einen Text über das Haushaltswerkzeug „Champagner- bzw. Sektflaschenöffner“. 
Da ich sowas noch nie gesehen hatte, las ich ein wenig in den Text hinein und betrachtete mir auch die Abbildungen. Das erste Bild zeigte ein solches Gerät, und ich dachte mir: „Hm, sieht aus wie ein Nußknacker.“
Darunter stand: „Sekt- bzw. Champagneröffner (zugleich als Nußknacker verwendbar)“.
Ha! Mein Reden!
Etwas weiter unten dann die Abbildung eines weiteren Gegenstandes, der unterschrieben war mit den Worten: „Nußknacker, zugleich als Champagnerzange verwendbar.“
Was fragt man sich da? Oder besser: was sagt uns das?
Glasklar: die Existenz eines Champagneröffners ist offenbar an Entbehrlichkeit nicht zu überbieten!
Ich selbst öffne Sektflaschen stets mit der Hand, und ich kenne auch niemanden, der dafür je ein Werkzeug benötigt hätte.
Ich vermute ja stark, daß die Ursprünge des Sektöffners in einer Situation begründet liegen, in der irgendwann mal jemand am allzu festsitzenden Korken gescheitert war, sich rasch im Haushalt umgesehen und dabei seinen Nußknacker entdeckt hatte, mit dem er den Korken dann etwas kräftiger zu fassen bekam und lösen konnte. Ein Notbehelf also.
Daraus dann ein eigenes Werkzeug zu kreieren, das „der gehobenen Tischkultur“ zugerechnet wird, ist in meinen Augen reichlich belustigend.
Offenbar muß man sich nur ein wenig kreativ zeigen – weniger, was die Wahl eines Behelfswerkzeuges angeht, sondern vielmehr bezüglich der Weiterentwicklung einer daraus entstehenden Schnapsidee zum Verkaufserfolg. Denn in besagtem Artikel wird außerdem erwähnt, daß der Chamapgneröffner, besonders wenn er ein wenig höherpreisiger ist, ein beliebter Geschenkartikel sei.
Einer der Sorte wahrscheinlich, die originalverpackt in der hintersten Ecke des Wohnzimmerschrankes ihr Dasein fristen und schnell in Vergessenheit geraten, weil nie jemand sie braucht.

 

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Daß die Fähigkeit, sich auszudrücken und fehlerfrei zu schreiben, bei Deutschen immer mehr nachläßt, ist ja allgemein anerkannt. Grund dafür ist allerdings, das stelle ich immer wieder fest, nicht nur der Umstand, daß Rechtschreibung und Zeichensetzung in der Schule nicht mehr den Stellenwert genießen wie noch vor 30-40 Jahren. Es kommen heute verschärfend auch noch diese unsäglichen Texte hinzu, die man zu Hauf im Internet findet; Texte, die z. B. die Verwandlung einer reizlosen, unscheinbaren Frau zu einer atemberaubenden Dame beschreiben, die nichts weiter getan hat, als sich eine neue Frisur zu gönnen und ein wenig Makeup aufzutragen. Sie kennen diese „Berichte“, meist tauchen sie bei Facebook oder Instagram auf und werden über eine Verlinkung zur eigentlichen Seite, auf der sie veröffentlicht wurden, aufgerufen.
Und dann landet man in einer Ansammlung von Sätzen, die ganz offensichtlich ursprünglich in einer anderen Sprache geschrieben und anschließend grottenmäßig schlecht ins Deutsche übersetzt worden sind. Die Übersetzung hat jeweils offenbar eine Software übernommen oder jemand, der entweder die Ausgangssprache oder Deutsch nicht sonderlich gut beherrscht – oder keine von beiden.
Wenn solche Texte dann immer wieder zu lesen sind, muß sich ja irgendwann die Überzeugung durchsetzen, daß die einfach davon zeugen, daß Sprache sich stetig wandelt, und daß man heutzutage halt eben so spricht. Die Idee, daß es sich bei diesem Geschreibsel schlicht um grottenschlechtes Deutsch handelt, kommt dann vielen gar nicht mehr in den Sinn. Schließlich wurden diese Texte ja veröffentlicht, nicht wahr?!
In den meisten Fällen scheint es mir offensichtlich, daß die Ursprungsversion des Textes auf Englisch geschrieben wurde, denn ganz oft erkennt man die typische englische Satzstellung, die allzu wörtliche Übersetzung der (englischen) Vokabeln ins Deutsche und diese Wendungen, die man oft auch hört in synchronisierten amerikanischen Sitcoms.
Aber gerade Englisch sollte doch eine Sprache sein, für die man eine qualifizierte Übersetzungskraft finden können sollte. Da muss es doch nicht der Lehrling machen, oder?

 

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Wußten Sie, daß der Rotachsel-Kuhstärling oft verwechselt wird mit dem Seidenkuhstärling?
Ich zweifle das an, denn ich kenne niemanden, der einen der beiden oder gar beide Vögel überhaupt kennt.
Die Verwechslungen müssen sich also dort zutragen, wo der Rotachsel-Kuhstärling lebt, nämlich in Ländern Lateinamerikas. Und, diese Bemerkung erlaube man mir bitte, dort wird er sicherlich anders genannt.
Für mich sieht der Vogel mit dem melodiösen Namen ja aus wie eine Mischung aus Rabe und Amsel. Mir würde also gar nicht auffallen, wenn hier plötzlich einer rumflöge. Vielleicht würde ich stutzig, wenn ich den namensgebenden braunroten Fleck in seiner Achsel sehen würde, während er über meinen Kopf hinwegfliegt. Aber möglicherweise dächte ich einfach nur, daß die Amsel da sich heute nicht richtig gewaschen hat.
Der Rotachsel-Kuhstärling ist ein nicht ganz einfacher Geselle. Denn er legt seine Eier in fremden Nestern ab und überläßt die Aufzucht den eigentlichen Nestbewohnern, i. d. R. einem Paar Braunkuhstärlingen, die ja „nebenbei“ auch noch die eigenen Küken großziehen müssen.
Nun, nicht immer gelingt der Coup, denn wenn die Eier zu früh in den Nestern deponiert werden, wird das nichts mit der Irreführung des „Gastelternpaares“. Denn dann merkt der Nestinhaber, daß da was nicht stimmen kann. (Oh, ein Ei in meinem Nest? Wo ich selbst doch gar keines gelegt habe? Das muß ein Betrügerei sein, das schmeiß ich raus!)
Und wenn der Brutparasit zu spät dran ist, die Eier des Wirts also schon länger gelegt sind, dann reicht die verbleibende Brütezeit für eine Reifung nicht mehr aus.
Da fragt man sich schon, wieso der Rotachsel-Kuhstärling das Brüten nicht selbst übernimmt. Es wird doch sicher einen Fachmann in der Vogelwelt geben, der ihm ein Nest baut. Das ist – wie mit guten Handwerkern ja so üblich – sicher alles nur eine Frage des Preises.
Und alternativ könnte er sich ja auch auf dem Gebrauchtnestermarkt umsehen.

 

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Bis heute morgen saß ich mit drei Kolleginnen in einem winzigen 4-Personen-Büro. Schon lange hatten wir mit dem kleinen Raum gehadert, und als jetzt mein Umzug anstand und ich erfuhr, in welches neue Büro ich ziehen sollte, freute ich mich. Denn dieses neue Büro ist deutlich größer, und wir werden auch nur zu dritt darin sitzen. Nur ab und zu wird eine vierte Person hier sein, ein externer Mitarbeiter, der eher selten da ist.
Heute morgen war es nun so weit. Die Hausmeister kamen und schafften meinen ganzen Krempel in das andere Zimmer.
Als alles stand, ich mein Frühstück ausgepackt hatte und erste Emails beantwortete, fühlte ich mich spontan sehr wohl, denn ich sitze am Fenster, der Abstand zum nächsten Schreibtisch ist reichlich, und die Sonne scheint heute auch.
Ja, die Sonne scheint heute auch. Und wenn ich aus dem Fenster sehe, schaue ich auf eine hellgelb gestrichene Hauswand, die etwa 2 Meter von mir entfernt ist. Und auf diese Wand scheint die Sonne eben auch.
Haben Sie schon mal 2 Meter vor einer hellgelben Mauer gesessen oder gestanden, auf die die Sonne scheint? Ich kann Ihnen sagen: das blendet ganz schön.
Und was macht man da? Genau: man läßt die Rolläden runter und schaltet damit die Blendung ab. Aber so sitzt man dann halt in einem recht düsteren Raum, in dem man vom schönen Wetter nicht viel hat.
Und während ich mir die Augen das erste Mal rieb, fing im Gebäude nebenan, das gerade komplett umgebaut wird, ein Ghetto-Blaster an, mir dumpfe Basslaute in den Rücken zu umpfen. Umpf, umpf, umpf…
Die haben die Mucke so laut, damit sie auch ja in jedem Raum, in dem sie arbeiten, was davon hören.
Und damit sie auch was davon hören, wenn sie mit dem Schlagbohrer die Wände maltraitieren.
Nun, et is, wie et is, und meine Begeisterung über das neue Zuhause ist merklich gesunken. Am allerersten Tag. Ich kann nur hoffen, daß die Bauarbeiter freitagmittags früh Feierabend haben.
Für die anderen Wochentage muß ich mir was einfallen lassen.

 

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09
Sep
Braver Hund!

Gerade erfuhr ich, daß in Bremerhaven ein Rottweiler durch die Diensthundeprüfung der Polizei gefallen ist.
Nun, was denkt man, wenn man sowas liest? Ich dachte, daß er halt irgendeine Übung nicht korrekt ausgeführt oder nicht schnell genug gehorcht hat.
Der Grund für sein Durchfallen ist aber… tadaaa…: er ist zu lieb für den Polizeidienst.
Ausnahmsweise hatte die Polizei ihn schon als Welpe gekauft, um ihn zum Polizeihund auszubilden, wo man normalerweise wartet, bis ein Hund ausgewachsen ist und man genau weiß, wie sich sein Charakter so darstellt. Und nun stellt sich raus, daß dieser Hund zu harmlos geblieben ist, um ein anständiger Polizeihund zu werden.
Ich gehe davon aus, daß Polizeihunde während ihrer Ausbildung beigebracht bekommen, in bestimmten Situationen Herr der Lage zu sein und eine gewisse… ich will es nicht Aggressivität nennen… eher Durchsetzungskraft und Selbstbewußtsein zu zeigen und auch mal zuzupacken, wenn eine Person sich als gefährlich und bedrohlich herausstellt.
Wenn sich ein Hund dann aber z. B. auf den Rücken wirft, um eine Runde Bauchkraulen einzuläuten, dann ist klar, daß er sich einen anderen Job suchen muß.
In diesem Fall wurde für das brave Tier ein neues Zuhause gefunden, in dem es einfach nur Familienhund sein darf. Welch ein Glück für diese Familie: einen besser erzogenen Hund kann man wohl kaum kriegen!

 

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02
Sep
Sommerbabys

Hach! – was liebe ich den Online-Journalismus!
„Forscher stehen vor einem Rätsel: Warum gibt es derzeit so viele Sommerbabys?“
Na? Wissen Sie’s? Na?
Ich schon: weil derzeit halt nun mal Sommer ist. Da kann es keine Winterbabys geben. Und auch keine Herbst- und Frühlingsbabys.
Klar, der Artikel hat mal wieder eine schlecht formulierte Überschrift und spricht gar nicht von den letzten Wochen. Sondern von einer Entwicklung, die in den letzten 40 Jahren zu beobachten ist, nämlich daß immer mehr Kinder in den Sommermonaten geboren werden, wo sie doch früher eher im Frühling zur Welt kamen.
Da die Forscher ja laut diesem Artikel vor einem Rätsel stehen, wieso diese Entwicklung zu verzeichnen ist, halte ich auch von der geäußerten Vermutung nicht viel, daß die Leute sich früher je nach Ertrag bei der Ernte für oder gegen ein weiteres Kind entschieden. Als nämlich die Ernte dafür noch ein Kriterium hätte sein können, gab es noch nicht viele Möglichkeiten der Geburtenregulierung.
Oder können Sie sich, sofern Sie jünger als Mitte 50 sind, vorstellen, daß Ihre Eltern einst sprachen: „Ja, der Apfelbaum hängt dieses Jahr voller Früchte – laß uns die Pille absetzen und ein Kind machen!“? Sehen Se!
Nun, die zweite Vermutung, was ebenfalls eine mögliche Ursache sein könnte, geht davon aus, daß im Sommer weniger erfolgreiche Schwangerschaften entstehen als im Winter. Daß also das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, in den heißen Sommermonaten höher ist – wegen der schlechteren Spermienqualität bei hohen Temperaturen. Klingt erst mal gar nicht so dumm.
Dann frage ich mich allerdings, wieso die Forscher nach wie vor „vor einem Rätsel stehen“…

 

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Lese ich doch gerade auf katholisch.de, daß in Amerika ein Priester nach drei Jahren, die er schon als Priester gearbeitet hatte, neu geweiht werden mußte, weil… jetz küttet!... seine Taufe ungültig gewesen sei, er somit auch nicht gefirmt war und daher gar nicht zum Priester hätte geweiht werden dürfen.
Das Ganze habe der Herr selber festgestellt, denn als er ein Video seiner Taufe anschaute, habe er bemerkt, daß der Taufende die Worte „Wir taufen dich…“ gewählt hatte. Eine Taufe sei aber nur dann gültig, wenn er sagt „Ich taufe dich…“.
Mein erster Blick galt dem Kalender, um zu prüfen, ob wir heute wohl den 1. April schreiben.
Mal ganz davon abgesehen, daß ich mich frage, ob die katholische Kirche noch immer nicht bemerkt hat, daß sie eigentlich ganz andere Probleme zu bewältigen hätte als die Festlegung, welche Worte zu wählen sind, um eine Taufe zu einer gültigen Taufe zu machen, wundere ich mich, wieso der fragliche Priester nicht einfach den Mund gehalten und das Video von seiner Taufe vernichtet hat.
Wenn ich solchen Mumpitz lese, raufe ich mir das Haar und bin überzeugt, daß Gott jetzt da oben sitzt und sich scheckig lacht über diese Menschen, die er eigentlich nach seinem Ebenbild hatte formen wollen, und die die Sache jetzt mehr und mehr vergeigen.
Oder können Sie sich vorstellen, daß Gott dereinst am Himmelstor zu Ihnen sagt: “Tut mir leid, mein Kind, aber du mußt zuerst eine Weile ins Fegefeuer, weil dein Pfarrer damals „wir“ gesagt hat statt „ich“?“
Manchmal habe ich das Gefühl, die katholische Kirche will gar keine Mitglieder mehr haben.

 

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Heute lese ich, daß Chrissy Teigen, ein US-amerikanisches Model, bei Instagram „einen Trick mit Spiegeleiern“ gezeigt hat.
Natürlich habe ich auf die zum Text gehörende Überschrift wieder nur deswegen geklickt, weil ich sofort gewittert hatte, daß da wieder Stoff für einen neuen Blog-Beitrag auf mich wartet.
Wer Chrissy Teigen ist, und was sie mit Spiegeleiern anstellt, interessiert mich selbstredend nicht die Bohne. Aber ich wollte halt unbedingt wissen, wieso sie mit ihren Spiegeleiern im Stern erwähnt wird.
Es wird darauf abgehoben, daß sie für ihren „Trick“ von ihren Fans angefeindet worden ist.
Angefeindet? Wer kommt auf die Idee, jemanden wegen Spiegeleiern anzufeinden? Und was war das überhaupt für ein Trick, von dem da die Rede war?
Ich habe in das dazugehörige Video hineingeschaut, und ich erfuhr daraus, daß sie sich Feinde gemacht hat einzig aus dem Grund, weil sie Eier in Olivenöl statt in Butter gebraten hat.
Man stelle sich vor! Wie kann die es wagen, die Welt zu erzürnen mit falsch zubereiteten Eiern?
Nebenbei bemerkt: die Spiegeleier waren wunderschön gelungen! Makellos entfalteten sie sich in der Pfanne, und es besteht m. E. gar kein Grund, davon auszugehen, daß sie nicht schmeckten.
Aber es gibt Menschen, die der Dame in überaus rüdem Ton sagen, das könne ja wohl nicht ihr Ernst sein.
Die Welt hat offenbar nicht genügend Probleme; da ist es natürlich nachvollziehbar, daß sowas für Unmut sorgt und einem Millionenpublikum als Information präsentiert wird. *hust*
Wenn ich mir vorstelle, daß es heute fast unmöglich ist, von einer kulturellen Veranstaltung, die ein örtlicher Verein durchführt, auch nur einen klitzekleinen Vorbericht in eine Zeitung zu kriegen, schwillt mir der Kamm, wenn ich immer wieder sehe, welche „brisanten“ Themen stattdessen verfolgt werden!
Menschheit, was ist aus dir geworden?!

 

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In meiner Heimatstadt steht ein Schloß. Ein Barockschloß, um genau zu sein.
Ich finde, es ist recht beeindruckend und in einem wirklich guten Zustand – das muß es auch sein, denn es befinden sich einige Museen und auch Ämter und das Amtsgericht darin.
Für mich war es als Kind natürlich nichts besonderes, in einer Stadt zu leben, in der mitten in der Innenstadt ein großes Schloß steht. Eher mußte ich lernen zu verstehen, wieso so ein Schloß nicht zwangsläufig in jeder Stadt zu finden ist – wie ein Rathaus oder so.
Auf dem Dach dieses Schlosses steht eine Jupiterstatue, die gerade Blitze wirft. Im Volksmund wird dieser Jupiter auch „goldener Mann“ genannt. Jeder in der Stadt weiß, wer damit gemeint ist.
In meiner Kindheit war dieser goldene Mann so sehr Wahrzeichen der Stadt, daß immer, wenn jemand im Winter das Fenster geöffnet, aber die Heizung nicht heruntergedreht hatte, der Ausruf folgte: “Na, heizen wir wieder für den goldenen Mann?“
Das war mir so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, daß ich Jahre, nachdem ich aus der Stadt weggegangen war, den Spruch immer noch brachte, wenn jemand Heizungsenergie verschwendete. Und immer mußte ich dann erklären, was ich denn damit meinte.
Irgendeine Lehrerin von mir hat mal behauptet, das Schloß sei dem Schloß Versailles nachempfunden, kopiere quasi einen Seitenflügel davon. Aber ich kann lediglich eine gewisse Ähnlichkeit im Baustil erkennen, was ich aber dem Umstand zuschreibe, daß beide im Barock erbaut wurden.
Genau so gut wie die Sache mit Versailles könnte man m. E. behaupten, Mozart habe quasi genau so komponiert wie Bach, nur ein wenig moderner und verspielter. Und irgendwie ganz anders halt. Aber ansonsten doch genau gleich…

 

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Zur Zeit probiere ich eine alternative Software für meine Zeichnungen aus. Ich habe dafür eine 30-Tage-Testversion heruntergeladen.
Bisher habe ich mit einem freien Programm gearbeitet; für das, was ich gerade teste, werde ich eine Lizenz käuflich erwerben müssen, sobald die 30 Testtage vorbei sind.
Aber ich bin ehrlich: das kostenfreie Programm bietet schon so viel, daß ich eigentlich auch bisher schon bereit gewesen wäre, dafür einen gewissen Preis zu zahlen. Und diese Alternative, in die ich mich gerade ein wenig einarbeite, ist um so vieles umfangreicher, daß es für mich völlig selbstverständlich ist, dafür Geld bezahlen zu müssen. Gut, die Version des Programmes, die ich im Auge habe, ist eine etwas abgespeckte Variante; aber die „große“ Version ist immerhin die Software überhaupt für professionelle Zeichner. Da werde ich für die kleine Version, die auch schon so vieles bietet, diesen wirklich sehr moderaten Preis gern bezahlen!
Während meiner Tests und Versuche stolpere ich in diesem neuen Programm über Möglichkeiten, die mich staunen lassen, aber auch über welche, bei denen ich mich frage, wer die wohl nutzen will. Denn teilweise kann diese Software einem das Zeichnen komplett abnehmen, d. h. sie bietet ganze Fertigkomponenten, die man in die eigene Zeichnung integrieren kann.
Nur frage ich mich, wofür ich einen „Pinsel“ brauchen sollte, mit dem ich mit einem(!) Strich(!), den ich kurz von links nach rechts ziehe, eine komplette Rose erzeuge. Ich ging bisher immer davon aus, daß ich mit einem Strich eben einen Strich erzeuge – mal einen, der aussieht wie ein Bleistiftstrich, mal einen anderen, der aussieht wie ein Wasserfarbenstrich. Je nach gewählter Pinselart eben. Aber auf jeden Fall halt… einen Strich.
Fakt ist: wenn ich das Programm weiter nutzen werde, werden sich in meinen Zeichnungen auch in Zukunft keine vorgefertigten Rosen oder Wasserlilien, keine Hochspannungsmasten(!) und vermutlich auch keine programmierten Bäume finden, die aussehen wie die Bäumchen einer Modelleisenbahnlandschaft. Das Ganze macht nämlich gar keinen Spaß, wenn man das Gefühl zurückbehält, an einer Zeichnung eigentlich nichts selbst gemacht zu haben. Und außerdem bedienen diese Komponenten nur einen ganz speziellen Zeichenstil und passen daher ohnehin nicht in meine Bilder.
Insgesamt aber befinde ich mich zur Zeit auf einem hochspannenden Weg zu ganz neuen Gestaltungsideen.

 

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Vor einiger Zeit stolperte ich durch einen Hinweis einer alten Schulfreundin darüber, daß eine ehemalige Klassenkameradin von uns mittlerweile in der Münchener Schickeria angekommen ist und Kriminalromane schreibt.
Wenn man nach ihr googelt, findet man tatsächlich so einiges im Netz, darunter selbstredend jede Menge Fotos von ihr. Als ich die das erste Mal gesehen habe, habe ich ganz spontan gesagt: “Nein, das kann sie nicht sein.“ Aber bei näherem Hinsehen erkannte ich sie dann doch wieder.
Sie ist eine große, schlanke Frau vom Typ Business-Woman mit langem, hellblondem, gewelltem Haar, blauen Augen, stets leuchtend rot geschminktem Mund und einer Vorliebe für Etuikleider in kräftigen Farben.
So weit nichts ungewöhnliches also.
Aber! Als sie meine Mitschülerin war, und das war sie sechs Jahre lang, da war sie völlig anders gestylt, und zwar so konsequent über all die Jahre hinweg, daß es mir äußerst schwerfällt mir vorzustellen, was passiert sein muß, daß sie einen derart extremen Typwandel durchgemacht hat.
Als Teenager hatte sie stark kleingelocktes Haar in einer völlig anderen Farbe. Gut, daß sie heute eine andere Haarfarbe trägt als damals, ist ja nicht weiter ungewöhnlich, aber ihre Locken sind nicht das einzige, von dem sie sich völlig verabschiedet hat.
Damals war sie eine dieser Hippie-Mädchen im Baumwollrock und selbstgestricktem Norweger-Pullover, ungeschminkt und ganz sicher nicht beeindruckt von den sog. Damen von Welt.
Ganz still war sie, war eher ein schüchterner, zurückhaltender Mensch, der sich nie in den Vordergrund drängte und, so habe ich es in Erinnerung, eigentlich nur sprach, wenn man sie etwas fragte.
Und wenn ich mir nun z. B. ein Interview mit ihr anschaue, dann höre ich eine völlig andere Stimme als damals, kräftiger und lebhafter, als sei sie ein ganz anderer Mensch – ein Klon ihrer selbst gewissermaßen.
Das einzige, das sie nicht abgelegt oder verändert hat, ist diese Art, wie sie mit dem Kopf schnickt, wenn sie redet. Das war auch vor 40 Jahren schon typisch für sie. Wo andere die Hände bewegen, um etwas zu unterstreichen, tut sie dies mit einem kräftigen Kopfnicken, einem Drehen des Kopfes, so daß sie ihren Gesprächpartner aus den Augenwinkeln ansieht, oder einem Zurückwerfen ihrer Haare.
Sie und ich waren nie Freundinnen, sie war halt einfach zufällig in meiner Klasse – aber wenn ich ehrlich bin, ist das, was ich da im Netz von ihr heutzutage sehe, mir nicht sonderlich sympathisch. Ein Typ Mensch, der mir nicht liegt. Was dadurch verstärkt wird, daß sie in ihrer Vita ihren Herkunftsort „geschönt“ hat. Es klingt halt offenbar besser, wenn man behauptet, aus Karlsruhe zu sein, als zuzugeben, daß man aus einem Dorf nebenan kommt, das keiner kennt.

 

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„Fit im Alter in 7 Minuten“ – so liest sich die Überschrift zu einem Artikel heute in der FAZ.
Dem Bild nach zu urteilen geht es wohl um irgendwelche gymnastischen Übungen, die jede/n quasi in Minutenschnelle wieder beweglich und agil (ist das dasselbe? Vermutlich…) machen, sofern er/sie dieselben täglich praktiziert.
Ach nein! Gerade hab‘ ich mal auf die Überschrift geklickt, und das führt mich tatsächlich gar nicht zu einem Bericht, sondern zu einer Werbung – für ein Buch, das Übungen enthält, die mich sogar in 3(!) Minuten zu vollkommenen Fitness bringen sollen! Und da steht: „Ohne Schwitzen, ohne Anstrengung, ohne Übertreibung“ – und vermutlich auch völlig ohne Wirkung, denn ohne Schwitzen geht bei mir gar nix.
Aber egal, ob ich „fit im Alter in 7 Minuten“ bin oder in dreien – da geht doch direkt mein Kopfkino los, und ich stelle mir vor, wie ich meiner Partnerin zurufe „Momang – nur noch 7 Minuten, dann ich bin ich gleich wieder fit!“, nachdem ich die letzten 25 Jahre damit zugebracht habe, von Tag zu Tag mehr abzubauen und dem Verfall meiner Wirbelsäule zuzuschauen.
Doch leider ist verlorengegangene Fitness kein Fertiggericht im Kochbeutel, das nach 7 Minuten Garzeit als schmackhafter Snack auf meinem Tellerchen landet. Für den kleinen Hunger zwischendurch quasi. Nein, fit im Alter mal so zwischendurch, sozusagen als kleiner Appetithappen, bevor es wieder ermattet aufs Sofa geht, das bietet mir leider niemand an. Und wenn, dann wäre es sicher eine Werbelüge, genau wie die, die mir volles, kräftiges Haar verspricht, wenn ich nur oft genug das Shampoo von dem Herrn mit dem dunklen Haupt benutze.

 

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Eine Bekannte von mir (eine sehr weitläufige Bekannte, aber immerhin) erzählt relativ häufig von ihren Kollegen und den Fehlern, die die so machen, bis der Tag vorüber ist. Durchaus auch Fehler, die sie dann dank ihrer Fachkompetenz wieder geraderückt.
Das erinnert mich sehr an eine Kollegin, die ich mal hatte, die aber jetzt (gottlob, möchte ich sagen) im Ruhestand ist. Wenn die von anderen gesprochen hat, dann ausschließlich, um deren Fehler, Unzulänglichkeiten und negative Charaktereigenschaften aufzudröseln. Sie selbst kam dabei natürlich immer sehr gut zur Geltung, denn sie versäumte nie, ihre (im Vergleich zu der dieser für die Gesellschaft und Arbeitswelt nicht ganz so wertvollen Personen) herausragende Bedeutung zu betonen, die sie kraft ihrer Gene und ihres eigenverantwortlich erworbenen Weiterbildungsniveaus erlangt hatte.
Ich kann mich nicht erinnern, daß sie über jemanden, der/die sie nicht mit seiner/ihrer Position oder unzweifelhaft nachgewiesenen Fachkompetenz beeindruckt hatte, oder der/die einfach nur ein/e Kollege/-in aus dem eigenen Haus war, je unaufgefordert positiv gesprochen hätte.
Da mußten schon andere kommen, um das zu schaffen. Leute, die in anderen Firmen z. B. Geschäftsführerpositionen innehatten, und denen sie imponieren wollte! Denen ging sie um den Bart und schleimte sich ein. Und uns erzählte sie von ihnen immer mit der Grundaussage, wie gut sie sich mit ihnen auf Augenhöhe hatte austauschen können, und wie eng sie nun in weiterem Kontakt geblieben waren.
Die Gute nannte also nach ihren eigenen Worten nur Freunde und Bekannte ihr Eigen, die beeindruckend, gebildet, erfolgreich, energiegeladen und damit ihr selbst ebenbürtig waren oder zumindest ihren Ansprüchen genügten.
Wobei der Wahrheitsgehalt dessen, was sie über ihre eigenen Vorzüge zu berichten wußte, oftmals in Zweifel gezogen werden mußte, vor allem wenn es um ihre körperliche Fitness ging. Sie betonte immer wieder, daß sie Ausdauersport betrieb, konnte aber die konkrete Sportart, wenn man sie danach fragte, nie benennen. Und eines Tages war sie mit mir mit der Bahn nach Hannover unterwegs, und wir mußten in Mannheim umsteigen. Dafür mußten wir den Bahnsteig wechseln, und zwar durch die Unterführung hindurch, erst die Treppe runter, dann wieder hinauf und hinein in den Zug. Ich war noch nie sonderlich fit, aber bei diesem Treppengelaufe hängte ich sie um mehrere Meter ab, und fast wäre der Zug ohne uns abgefahren, da sie es beinahe nicht geschafft hätte. Da wunderte ich mich sehr; und Jahre später erfuhr ich von Kolleginnen, daß sie denen die Geschichte am nächsten Tag gerade andersherum erzählt hatte. Daß nämlich ich es gewesen sei, wegen der wir beinahe den Anschlußzug verpaßt hätten.
Ich frage Sie: wieviel Selbstbetrug kann einer sich antun und aushalten? Hat ihr das damals wirklich was gegeben, sich ihr eigenes „Versagen“ nicht einzugestehen? Daß sie damals derart gelogen hat, und das auch noch ohne Not, sagt m. E. ja viel darüber aus, wie wenig sie ihren eigenen Ansprüchen genügt, und wie sehr sie das belastet.
Irgendwie tut sie mir leid.

 

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„Wie kann man trockene und rissige Füße schnell loswerden?“ Diese Frage prangte über einer Werbung für Hornhautentfernungscreme, die ich heute gesehen habe.
Ganz ehrlich? Ich würde meine trockenen und rissigen Füße überhaupt nicht loswerden wollen, denn die brauche ich noch. Die tragen mich seit einem halben Jahrhundert sehr gut durch mein Leben, und nur weil sie rissig oder trocken sind, würde ich die doch niemals hergeben wollen!
Die Einstellung „Nicht schön? Weg damit!“ würde in diesem Fall eine körperliche Behinderung bedeuten, ein Leben im Rollstuhl mit Einschränkungen, deren Ausmaß ich mir gottlob nicht vorstellen kann.
Diese „schmissige“ Werbungsüberschrift zeigt mal wieder ganz deutlich, wie wichtig vielen die Schönheit oder gar Makellosigkeit ihres Körpers ist – so wichtig gar, daß manchen gar nicht klar ist, was sie wirklich aussagen, wenn sie den Wunsch äußern, nicht so schöne Körperteile „loszuwerden“. Da wird überhaupt nicht drüber nachgedacht, ob die Kernanforderung an z. B. Füße wirklich die ist, schön zu sein. Die Aufgabe von Beinen und Füßen ist ja wohl eine andere – so wie ja im Grunde der ganze Mensch per se nicht auf der Welt ist, um schön zu sein. Es ist erfreulich, wenn er das Glück hat, hübsch auszusehen – für sein Überleben ist das allerdings gar nicht notwendig.
Wir sind allgemein viel zu undankbar, wenn wir bejammern, daß unsere Beine zu dick, unsere Augen zu klein oder unsere Ohren abstehend sind. So lange sie funktionieren, also in der Lage sind, das zu tun, was ihre Aufgabe ist, sollten wir dankbar sein, daß wir sie haben, gesund sind und ein Leben ohne Einschränkungen führen können. Die meisten, die sich selbst gar nicht schön finden, sind doch eher von durchschnittlichem Äußeren und hätten eigentlich gar keinen Grund zu klagen.

 

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Ach herrje! Wieder einmal konnte ich im Internet einer Auflistung von Prominenten nicht widerstehen, die angekündigt wurden als „Schauspieler, die total unbeliebt sind“.
Als ich las, was die Damen und Herren sich jeweils „zuschulden“ haben kommen lassen, um in diese Riege aufgenommen zu werden, kann ich nur wieder den Kopf schütteln.
Es fängt ja schon damit an, daß ja wohl niemand ernsthaft jemanden nett finden kann, den/die er gar nicht persönlich kennt. Also was soll dann diese Überraschung, wenn sich bei näherem Hinsehen herausstellt, daß jemand tatsächlich unsympathisch ist? Nur weil er oder sie etwas gut kann (nämlich schauspielen) oder gut aussieht, heißt das ja nicht, daß das auch ein dufte Mensch ist. Wem muß man das eigentlich noch erklären? Das weiß doch selbst jeder Teenie.
Was dann aber aufgeführt wird als Eigenschaft, die angeblich so inakzeptabel ist, läßt mich doch tiiiiief einatmen. Gut, Gewalt und Mißbrauch sind keine Delikte, die man einfach so hinnehmen kann. Aber wenn eine/r nichts weiter Schlechtes tut, als die Frau mit ihrer besten Freundin zu betrügen oder einem Fan nicht mit Engelslächeln ein Autogramm zu geben, dann frage ich mich schon, welche Maßstäbe denn da angesetzt werden. Haben die Prominenten denn nicht das Recht auf dieselben charakterlichen Schwächen wie wir „Normalen“? Zeigen wir denn nicht auch z. B. unterschiedliches Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen – je nachdem, ob wir sie mögen oder nicht? Also dann muß das doch bittschön möglich sein, daß ein/e Prominente/r auch nicht immer so tun muß, als liebe er/sie die ganze Welt bedingungslos. Das Recht auf Genervtheit oder Lustlosigkeit muß ja wohl jedem Menschen zustehen. Und das mit der ehelichen Treue nehmen viele Nicht-Prominente ja auch nicht immer so ernst…
Der Gipfel ist allerdings die Feststellung, daß einer aus der Liste nur deswegen nicht beliebt sei, weil er aus seinem Privatleben so gut wie nichts nach außen läßt. (Ja, geht’s noch? Wie kommt mir der denn vor? Wie kann der sich unterstehen, mir nicht erzählen zu wollen, wen er liebt, ob er Spaghetti mag, joggen geht oder als Kind ein Meerschweinchen hatte?) Da wäre ich an seiner Stelle mal ganz entspannt und würde mich über die Abneigung derer, die mir das ankreiden, doch total freuen. Denn wer will denn schon solch übergriffigen Menschen gefallen?

 

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Heute bin ich das erste Mal seit viereinhalb Monaten wieder im Bürogebäude meines Arbeitgebers statt im Homeoffice. Die Firma will schrittweise zu „Normal“ zurück, und so kommt es, daß ich nun wechselweise eine Woche hier und eine Woche im HO arbeiten werde.
Ich war sehr erstaunt, als ich alles funktionstüchtig vorfand: Rechner, Telefon (besonders verwunderlich, da mittlerweile ein neues installiert wurde wegen eines Updates auf der Telefonanlage), Licht. Nur die Bildschirme mußte ich mir wieder richten; und der neue Stuhl, den ich bekam, obwohl ich gerade mal ein paar Wochen vor dem „Lockdown“ einen neuen hingestellt bekommen hatte, der völlig identisch mit dem jetzt noch neueren war, wehrte sich zunächst ein wenig, als ich ihn auf die richtige Höhe einstellen wollte.
Ich sitze jetzt hier genau so allein wie im Homeoffice, da die Kollegin, mit der ich zu zweit im wöchentlichen Wechsel mit den anderen 2 Kolleginnen unser Viererbüro teilen soll, gerade in Urlaub ist. Für eine völlig identische Arbeitssituation wie im Homeoffice fahre ich jetzt also täglich 150 km, anstatt lediglich eine Treppe tiefer zu gehen. Aber dies hier ist nun mal meine „Dienststelle“, mein offizieller und vertraglich vereinbarter Arbeitsort, da kann und will ich jetzt natürlich nicht dagegen sein, hier wieder meine Arbeit zu verrichten. Ich bin ja dankbar für die Zeit, in der ich im Homeoffice den Gefahren von Corona gut aus dem Weg gehen konnte.
An das frühe Aufstehen werde ich mich aber erst wieder gewöhnen müssen. Immerhin konnte ich im Homeoffice morgens eine ganze Stunde länger liegen bleiben. (Nun ja, natürlich nicht im Homeoffice selbst, sondern im Schlafzimmer…)
Daß mein Hund mich hier nicht alle Viertelstunde aufsuchen und „anfragen“ kann, ob wir nicht lieber ein bißchen Gassi gehen wollen, ist allerdings durchaus ein Vorteil. Ich hab ihn ja wirklich lieb, aber wieso ein Mensch den ganzen Tag an einem Tisch sitzen muß und nicht draußen lieber das schöne Wetter genießt, versteht er eben nicht. Aber immerhin ist durch sein Bedürfnis, immer in unserer Nähe zu sein, das Büro in unserem Haus im Lauf der vielen Wochen zu einer neuen Lieblingsstube für ihn geworden, in das er sich auch durchaus am Wochenende mal zurückzieht.
Jetzt müssen wir ihm nun noch beibringen, bei der Gelegenheit ein bißchen von unserer Arbeit zu erledigen. 

 

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22
Jul
Umleitung!

Diesen Sommerurlaub haben wir wegen unseres kranken Hundes ja in der Heimat verbracht. Da es ihm mittlerweile wieder besser geht, konnten wir aber durchaus etwas unternehmen.
So waren wir in dieser Woche bereits im Saarland und im Hunsrück unterwegs.
Das Saarland und Rheinland-Pfalz scheinen in diesem Sommer irgendwie zu viel Geld zu haben. Denn es wird gebaut, daß einem die Augen übergehen. Überall werden die Tausender in den Boden geschüttet, als sei bereits November, und das Jahresbudget müsse noch dringend weg, damit es für das nächste Jahr nicht gekürzt wird.
Ungelogen: als wir vorgestern im Saarland unterwegs waren, war es uns schier unmöglich, aus dem Ort, in den wir gefahren waren, auch wieder herauszukommen. Überall, wo wir hinkamen, waren Straßen gesperrt, und es war eine Umleitung eingerichtet, die wiederum zu einer Baustelle führte, wegen der eine Umleitung eingerichtet war, die zurück an die Stelle führte, von der wir anfangs umgeleitet worden waren. Und als wir endlich auf einer Autobahn angekommen waren, die uns – wie wir hofften – wieder in Richtung Heimat bringen sollte, war auch diese gesperrt, und wir mußten – Sie ahnen es bereits – wieder zu dem Ort zurück, aus dem uns gerade die Flucht gelungen war. Wie wir es am Ende schafften, tatsächlich eine nach Osten führende Autobahn zu finden, die nicht gesperrt war, weiß ich nicht mehr. Es war allerdings wie das Erwachen aus einem Alptraum, in dem man beim nächsten Wiedereinschlafen wieder weiterträumt.
Ähnliches widerfuhr uns gestern im Hunsrück. Nicht genug damit, daß unser Navi uns eine Strecke fahren ließ, die angeblich die schnellste sein sollte! Ha! Sie war zwar mit 40 km Abstand die kürzeste, aber sie führte durch jeden einzelnen Kleinstort im Hunsrück, in dem rechts vor links galt, Tempo 30 vorgeschrieben war und ins Trottoir eingebaute Ausbuchtungen die Fahrbahn verengten; und die 3 Minuten, die wir hätten angeblich trotzdem sparen sollen, waren schnell aufgebraucht, als kurz vor dem Ziel die Straße gesperrt war! Unangekündigt! Es stand da einfach ein Absperrzaun ohne weiteren Hinweis, wohin wir uns nun wenden sollten. Das Herumirren kostete uns dann fast eine weitere halbe Stunde, was unsere Sympathie für diese „schnellste“ Strecke nicht unbedingt erhöhte.
Die Heimfahrt planten wir daher selbst, aber auch die beinhaltete 2 weitere Umleitungen wegen Streckensperrungen, die uns jedoch gottlob in einer Gegend „trafen“, in der wir uns ohnehin recht gut auskannten.
So gelingt auch heimatnah mühelos der Abenteuerurlaub!

 

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Gestern waren wir mit unserem Hund wieder in der Tierklinik. Im Wartezimmer saß eine Dame, die ein fellgefüttertes Säckchen auf dem Schoß hielt, in dem offenbar ein klitzekleines Tierchen lag. Das Tierchen hing am Tropf, und die Dame redete liebevoll auf es ein und schaukelte es sanft.
Nach einer Weile hat mich die Neugier fast umgebracht, und ich fragte die Dame, was sie denn da auf dem Schoß wiege. Ich dachte, es handele sich vielleicht um ein Eichhörnchen, einen Marder, Hamster oder dergleichen.
Aber nichts da! Es war ein Hund! Winzig, aber ein Hund! Es war ein halbwüchsiger Mini-Chihuahua.
Nun sind Chihuahua ja ohnehin schon so klein, daß man aufpassen muß, sie beim Gang durch die Wohnung nicht unter der Schuhsohle zu begraben. Aber daß man von dieser Rasse nun noch eine Mini-Ausgabe züchtet, finde ich fast schon pervers.
Das Tierchen wog genau 1 kg und war, wie ich später sehen konnte, als die Besitzerin es mal aus seinem Säckchen holte, nicht größer als ein Meerschweinchen. Erst dachte ich, naja, es ist ja noch ein Welpe, aber die Frau erzählte dann, „ihre Große“ wöge 1,2 kg. Das ist ja auch nicht viel mehr.
So, wie Frauchen mit dem Hündchen umging, glaube ich ehrlichgesagt nicht, daß sie diesen Hund wirklich Hund sein läßt. Er trug zwar weder Kleidchen noch Schlüpfchen, aber die Vorstellung, daß Frauchen mit diesem Winzling „Sitz“ und „Platz“ übt, die Leinenführigkeit trainiert oder ihn im Wald frei herumlaufen läßt, ist mir nachgerade unmöglich.
Das ist sehr schade, wenn es denn so ist, denn mittlerweile weiß ich, daß auch ein Chihuahua ein sehr selbstbewußter Hund sein kann, der den Umgang mit größeren Tieren nicht scheut.
Hoffen wir das Beste für alle Mini-, Zwerg-, Toy- und Teacup-Rassen, daß nämlich auch sie Hund sein dürfen.

 

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Eine Bekannte von mir führt ihren Blog bei einem anderen Anbieter als ich. Bei einem, der sich mittlerweile in Deutschland umfänglich etabliert hat.
Eine Zeitlang hatte ich darüber nachgedacht, dorthin zu wechseln, weil die Plattform noch besser auf Blogs ausgerichtet ist als Beepworld. Aber als vor einiger Zeit auf allen Seiten, von denen ich weiß, daß sie bei jenem Anbieter geführt werden, wieder Werbung auftauchte, und zwar so durchgängig, daß ich davon ausgehe, daß man die individuell nicht abschalten kann (zumindest nicht, ohne eine gewisse Menge Geld in die Hand zu nehmen), war ich froh, den Wechsel nicht vollzogen zu haben. Denn hier bei Beepworld bin und bleibe ich werbefrei.
Als ich eben den Blog besagter Bekannter aufrief, blickte mir so eine Werbung wieder entgegen. Aber was sehe ich?
„Ein Trick, der das Glied verlängert. Diese häusliche Methode erlaubt es ein großes Gemächt zu erlangen und sogar die fordernste Frau im Bett zu befriedigen.“ (sic!)
Ich habe jetzt buchstabengetreu zitiert. Mit allen Schreib- und Zeichenfehlern. Der Inhalt spricht für sich, da braucht es keine Korrekturen. Die „fordernste Frau“, die darüber abgebildet ist, sieht allerdings eher so aus, als entspringe sie dem Wäschekapitel des Quelle-Katalogs.
Wollten Sie so eine Werbung auf Ihrer Seite sehen? Auf einer Seite wie der meiner Bekannten, die nichts weiter dort führt als ein Online-Tagebuch, das von so unspektakulären und teils durchaus entspannten Tagen berichtet, daß wohl mit Fug und Recht davon ausgegangen werden kann, daß das in der Werbung angesprochene „Problem“ in ihrem Leben keines ist?
Ich nicht!
Ich weiß nicht, ob der Webseitenanbieter sich damit auf Dauer einen Gefallen tut. Meine Tendenzen, dorthin zu wechseln, sind nun auf jeden Fall völlig eingetrocknet und werden sicher nicht wieder aufleben. Da bleib ich doch sehr gerne hier.

 

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24
Jun
Blödelei

Vor ca. 10 Jahren gehörte ich einer Internet-Community an, die sich dem gemeinsamen Blödeln verschrieben hatte. Dieses Blödeln bewegte sich allerdings, so weit ich mich all die Jahre erinnerte, auf einem recht ansprechenden Niveau. 
Daß das wirklich so war, sah ich nun bestätigt, als ich gestern über ein uraltes Dokument stolperte, in dem ich eine solche Blödelei abgespeichert hatte, die ich für besonders gelungen hielt.

Damals zitierte ein Mitstreiter von mir aus irgendeinem Anlaß folgendes Gedicht:

Das Z gehört zum Alphabet,
auch wenn es ganz am Ende steht.
Am Ende steht es auch bei Herz,
bei Holz, bei Pilz, bei Netz, bei Schmerz.
Doch manchmal, wie bei Zwerg und Zorn,
da steht das Z im Wort ganz vorn.
Im Zahnweh und im Zwiebelkuchen
muss man das Z nicht lange suchen.
Dagegen wird es kaum entdeckt,
wenn es sich gut im Wort versteckt.
So bei den fünfzehn schwarzen Katzen
und ihren dreißig schwarzen Tatzen.
Ganz stolz erzählt das Zirkuszelt,
dass es sogar 2 Z enthält.
Erstaunt fragt da der Grizzly-Bär,
ob dies denn was Besond’res wär.

Quelle: Paul Maar: Jaguar und Neinguar, Verlag Oetinger

Ich nahm dieses Zitat seinerzeit als Herausforderung gern an und konterte mit folgenden Worten:

Das A gehört zum Alphabet,
auch wenn es ganz am Anfang steht.
Am Anfang steht es auch bei alt,
bei Amsel, Angel, nur bei kalt
steht’s in der Mitte, und am End‘, da
befindet es sich bei der Brenda.
Zwei A nennt Anna gar ihr Eigen.
Auch Aal und Saal, die beiden zeigen,
dass dieser Laut sehr häufig tönt,
so manches Wort durch Wohlklang schönt.
Doch nur Herr Maar find’s angebracht,
dass man um sowas Verse macht.

 

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23
Jun
Dies und das

Letzte Nacht habe ich wieder lange wach gelegen, ich konnte einfach nicht einschlafen. In solchen Nächten geht mir dann immer so einiges durch den Kopf. Meistens fange ich mit dem Denken beim Grund meines Wachbleibens an. Den Mond, den ich früher immer verdächtigt hatte, mußte ich kürzlich frei sprechen, denn beim letzten Mal hatte er eindeutig ein Alibi. Da war nämlich Neumond. Das ist ja auch so ein merkwürdiger Begriff. Warum heißt das „Neumond“? Wird in dieser Zeit der Mond ausgewechselt? Oder doch nur mit Perwoll gewaschen?
Nun gut, ich bin also noch nicht dahintergekommen, wieso ich manches Mal einfach nicht einschlafen kann. Oft habe ich aber auch keine Lust, die ganze Nacht zu verschwenden, um dieser Frage nachzugehen. Also schweifen meine Gedanken mit der Zeit ab.
Ich frage mich dann beispielsweise gerne, warum die Straßenlaterne, die direkt vor meinem Schlafzimmerfenster steht, genau durch das siebte Loch von links im fünften Rolladenspalt von oben in meine Augen leuchtet. Dabei fühle ich mich immer wie bei der Augenärztin, die mich jedes Mal mit diesem fiesen kleinen Lämpchen plagte, mit dem sie meine Netzhaut erhellte. Bei der ersten Retinabetrachtung vor vielen Jahren brach sie in Entzücken aus und trieb meinen Adrenalinspiegel mit den Worten „Sie haben ja einen wunderschönen Grauen Star!“ in die Höhe. Mein Star ist, wie ich dann erfuhr, nicht nur grau, sondern auch angeboren. Und wie gesagt: wunderschön. Erst dachte ich, daß das die Sache auch nicht besser macht. Als die Ärztin mich dann aber tröstete, die Trübungen seien nur am Rand der Linse vorhanden und würden mich sicher nie behindern, beruhigte ich mich etwas. Schön, so sagte sie, schön sei der Graue Star deswegen, weil bei Beleuchtung desselben in meinen Augen viele kleine, kobaltblaue Sternchen aufblitzten. Super!, dachte ich. Das kann ich ja dann mal einsetzen, wenn ich jemandem näher kommen will: „Leucht‘ mir in die Augen, Kleines!“
Wenn mich dann die Straßenlaterne langsam nervt, drehe ich mich auf den Rücken und betrachte die Holztäfelung an der Stubendecke. Die Maserung der Holzplatten beeindruckt mich immer wieder. Der kauzige Alte mit der Hakennase, der an einem Abend auf der Paneele direkt über mir saß, ist am anderen plötzlich nur eine vage Kontur. Dafür sehe ich weiter zur Tür hin manchmal einen Elefanten traben und denke dabei an die Vorabendgottesdienste, die ich als Kind jeden Samstag mit meinen Eltern besuchte. Während der Predigt – wir saßen stets in der ersten Reihe – betrachtete ich immer die marmorierten Bodenfliesen. Ich kann mich erinnern, daß mir auf einer von ihnen jedes Mal ein Höhleneingang erschien. Und bis zum „Amen“ träumte ich davon, wie ich in dieser Höhle die tollsten Abenteuer erlebte.
Daß Religiosität gern mit dem Traum vom Abenteuer einhergeht, liegt bei uns in der Familie. Das Filzstiftgemälde meiner Schwester, das das „Letzte Abendmahl“ darstellte, war wirklich sehr gut gelungen. Meinem Vater schien der Heiligenschein über dem Haupte Jesu allerdings nicht aufgefallen zu sein, denn er fragte seinerzeit beeindruckt, ob das wohl Alibaba und die vierzig Räuber seien. Kein Wunder also, daß ich bis heute mit allzu frommem Gehabe so meine liebe Not habe.
Aber nun zurück zu meinen schlaflosen Nächten. Wie machen Sie das denn mit dem Einschlafen? Zählen Sie Schäfchen, oder memorieren Sie das örtliche Telefonbuch von Ab bis Ku? Irgendwo in diesem Bereich suchte ich übrigens neulich das Restaurant „Zur blauen Tulpe“. Wo würden Sie das suchen? Unter R wie Restaurant? Unter T wie Tulpe? Oder doch unter B wie blau? Ich fand es nach langem Blättern unter G wie Gastronomie. Und fragte mich dabei, ob ich schon jemals eine blaue Tulpe gesehen hatte.
Gasthäusern Namen zu geben, wäre auch ein schöner Beruf für mich. Ich würde sie als echte, ehrliche Aushängeschilder des jeweiligen Etablissements kreieren, denn der Gast soll ja wissen, was ihn erwartet. „Zur pappigen Nudel“ oder „Au maître impoli“ wären doch mal eine schöne Abwechslung zum ewigen „Goldenen Kreuz“, „Weißen Hirschen“ und der „Krone“.
Ach, da fällt mir ein: morgen gibt es bei uns Spaghetti mit Tomatensoße.

 

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Heute waren wir mit unserem Hund beim Tierarzt. Vor dem hat er immer eine Heidenangst. Also der Hund vor dem Arzt, nicht umgekehrt.
Die Angst rührt ziemlich sicher von sehr unangenehmen Besuchen her, die er erleben mußte, schon bevor er bei uns gewohnt hat. Aber auch mit uns gab es schon eine heikle Situation beim Arzt, die sehr schmerzhaft war für unseren Buben. Daß da die Angst vor dem Tierarzt sich verfestigt, verwundert uns nicht.
Nun, heute stand nichts weiter an als eine Impfung, was im Grunde ja schnell gemacht ist. Aber wir haben vor kurzem den Tierarzt gewechselt, und dieser hier untersucht den Hund immer erst gründlich, bevor er irgendetwas anderes tut – z. B. eine Impfung setzen. Also mußte der Hund auf den Blechtisch, auf den der Arzt und ich ihn gemeinsam hievten. Ich packte vorn an, der Arzt hinten, und ab mit dem Tier auf den Tisch!
Kaum war er oben, zitternd und mit eingeklemmtem Schwanz, furzte unser Bube dem Onkel Doktor mitten ins Gesicht. Und der kann furzen, meine Güte!
Ich hatte allergrößte Hochachtung vor dem Arzt, der das mit einem milden Lächeln quittierte und den Wind, der ihm da entgegenwehte, einzig der Angst des Tieres zuschrieb – wobei ich aus eigener Erfahrung weiß, daß unser Bübchen auch völlig ohne Angst in der Lage ist, einen Menschen allein mit seinen Darmwinden zu narkotisieren.
Wie war der Hund froh, als er endlich wieder ins Freie durfte, von seinem Maulkorb befreit war und gewiß sein konnte, für heute alles überstanden zu haben! Eine Zeitlang war er noch völlig verkrampft, aber nach wenigen Minuten war er wieder ganz der Alte, furzte fröhlich auch ganz ohne Angst vor sich hin und zeigte sich wieder so mutig, daß er aus dem Auto heraus Lastwagen und Busse mit wütendem Bellen vor sich und seiner Wehrhaftigkeit warnte.
Er ist halt doch ein Guter, unser Hund, immer bereit, uns zu verteidigen – vorausgesetzt, wir befinden uns gerade in keinerlei Gefahr.

 

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10
Jun
Abschied

Gestern haben wir meinen Vater zur letzten Ruhe gebettet.
Er war mit 86 Jahren gestorben. Er hatte nicht mehr gewollt, und krank, wie er war, durfte er nun gehen.
Es ist tröstlich, daß er so alt hat werden dürfen, aber doch war es natürlich traurig, sich gestern von ihm verabschieden zu müssen.
Im Glauben darauf, daß er jetzt wieder bei meiner Mutter ist, standen wir an seinem Grab. Nachdem die Trauergäste, die nicht zur Familie gehören, sich vom Friedhof verabschiedet hatten, sah ich auf einmal die Enkel, also meine Neffen und Nichten, mit Schnapsgläschen in der Hand da stehen und einander zuprosten. Ich dachte, ich sehe nicht richtig, bis ich erkannte, was sie da in ihren Gläschen hatten. Sie tranken Baileys, einen Likör, den mein Vater sehr gern gemocht hatte, und sprachen einen Toast auf ihn aus. Das hätte ihm gefallen, und er hätte gewiß ein Gläschen mit getrunken, wenn er noch unter uns geweilt hätte.
Wie wir da standen und bei einem Likör Erinnerungen an meinen Vater austauschten (ich trank nicht mit, weil ich das Zeug nicht runterkriege), löste sich auch die Traurigkeit auf, und wir lachten sogar miteinander über Episoden, die wir mit ihm erlebt hatten.
Und als wir anschließend das Grab begutachteten und gemeinsam Pläne machten, wie wir es ein wenig schöner gestalten könnten, als die Gärtnerei, die mit der Grabpflege betraut ist, es derzeit tut, fanden wir schnell Ideen, wie das aussehen könnte, so daß es auch meiner Mutter gefallen würde, die neben meinem Vater ruht.
Das war, man mag es kaum glauben, ein so wohltuendes Beisammensein, das dem Abschied viel von seinem Traurigen genommen hat.
Wir haben dann auch recht gelöst den Friedhof verlassen, und in dem Wissen, daß meine Eltern nun frei von allem Leid wieder beisammen sind, fiel die Heimfahrt relativ leicht.

 

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Gestern abend hat meine Frau ein Essen zubereitet, in das als eine der Zutaten Artischockenherzen aus dem Glas hinzugegeben waren.
Die Artischockenstücke hatten einen leicht säuerlichen Geschmack, was wohl dem geschuldet war, dass sie im Glas in eine entsprechende Flüssigkeit eingelegt waren. Auf jeden Fall haben sie dem Fleisch und der Soße eine ganz eigene, sehr schmackhafte Note verliehen, die mich sehr begeistert hat.
Als ich beschreiben wollte, welchen Geschmackseindruck das bei mir auslöste, fiel mir als erstes das Wort „pfiffig“ ein. Aber noch bevor ich es aussprechen konnte, erlahmten mir die Lippen, denn das Wort „pfiffig“ lasse ich generell nur sehr schwergängig über sie kommen.
Es wurde mit verleidet, als es Usus wurde, Ü60-Damen einen Kurzhaarschnitt zu empfehlen. Und zwar einen pfiffigen! Ein pfiffiger Haarschnitt bei Damen eines gewissen Alters ist etwas ganz Schlimmes! Er geht immer einher mit fransigen Konturen, langen, spitz zulaufenden Koteletten (uaarrgh!), nach oben geknetetem Deckhaar, viel Haarspray und mindestens einer roten Strähne im ansonsten silbernen Haar. Wenn es ganz schlimm kommt, gibt es irgendwo noch eine schwarze Strähne, oder der Schopf ist gänzlich rot gefärbt. Ein deutscher Comedian (ich weiß nicht mehr, wer es war) nannte die fragliche Farbe einst sehr treffend „klimakteriumsrot“. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Pfiffig will ich daher gar nicht mehr sein. Weder auf dem Kopf, noch was meine Kleidung betrifft. Und deswegen habe ich lange überlegt, wie ich mein Kompliment, das ich ganz ehrlich gemeint hatte, so in Worte fasse, daß meine Frau sich auch darüber freut und mir nicht unterstellt, ich wolle ihr Essen subtil in eine Reihe mit gefüllten Eiern und Mettigel stellen.
Nachdem wir eine Weile vor uns hin gekichert hatten, weil ohnehin von vornherein klar gewesen war, was ich dachte und sagen wollte, aßen wir einfach wortlos auf. Die Soße, das Fleisch und die pfiffigen Artischocken.

 

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Gestern war ich bei meiner Schwester zu Besuch, und sie machte aus diesem Anlaß ein Blech voll Pizza für uns.
Schon als ich die Wohnung betrat, hatte es herrlich nach Knoblauch geduftet, und was sie beim Belegen der Pizza alles drauftat, machte mir gleich klar: das wird ʾne feine Sache.
Und so war es auch. Die Pizza schmeckte köstlich. Aber als ich meine Schwester fragte, was denn die weiße Soße, die sie draufgestrichen hatte, alles beinhalte, antwortete sie kryptisch mit: „Verrat‘ ich nicht.“
Das verstand ich nun gar nicht, denn daß da was drin sein könnte, wogegen ich was einzuwenden hätte, konnte ich mir nicht vorstellen. Und nach einem zweiten Nachfragen sagte sie dann etwas zögerlich: „Das ist eine vegane Pizza.“
Ich nahm dies zur Kenntnis, verstand aber immer noch nicht, wieso sie mir die Bestandteile der weißen Soße nicht nennen wollte. Als sie das bemerkte (also daß mich die Eigenschaft „vegan“ kein bißchen erschütterte), erklärte sie, die Soße enthalte Sojasahne und Cashew-Mus.
Außerdem waren auf der Pizza: gebratene Zwiebeln, Tomatenstücke, Pilze und Rukola. Und auch der Bodenteig war selbstgemacht.
Es war ein Hochgenuß; und wenn man bedenkt, daß das Vegan-Kochbuch, dem sie das Rezept für die Pizza entnommen hatte, mal ein Geschenk von mir gewesen war, muß ich mich einmal mehr fragen, wieso meine Schwester geglaubt hatte, es bestehe ein Grund zu fürchten, ich könne etwas gegen vegane Gerichte einzuwenden haben. Hätte ich denn je ein Kochbuch für Veganes gekauft, wenn ich unterstellen würde, daß das ja eh alles nicht schmecken kann? Sehen Se?!
Das Rezept habe ich mir natürlich gleich abfotografiert.

 

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Leute, macht bei zeit.de unbedingt heute den Wissenstest – er wird nie wieder so gut ausfallen!
Heute gibt es nämlich 8 von 8 Punkten geschenkt!
Wie die das machen? Ganz einfach: von den Antwortmöglichkeiten, die bei jeder Frage angezeigt werden, sind heute nur die richtigen überhaupt anklickbar.
Das nenn‘ ich mal einen klassischen Fall von „It’s not a bug, it’s a feature!“ Da steigt der Spaß am Spielen enorm, und dem Ego tut’s obendrein gut.
Mir ist es bisher nur ein einziges Mal gelungen, diesen Test mit voller Punktzahl zu absolvieren. Und nun heute das! Aber vielleicht haben die auch Mitleid mit meiner IP-Adresse, von der üblicherweise nicht gerade die glänzendsten Resultate kommen, und steuern das über diesen Weg. Ein persönliches Geschenk also an mich, die treue Leserin? Wer weiß…
Auf jeden Fall gibt es wohl keinen Test, in dessen Grundthema jemand so firm ist, daß nicht doch irgendwo eine überraschende Frage auf ihn wartet, die ihn dann doch überfordert. Oder wüßten die Linkshänder unter Ihnen, in welchen Berufszweigen es im Verhältnis die meisten Linkshänder gibt? Sehen Sie!
 

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Heute lese ich auf stern.de eine Überschrift, der ich entnehme, daß Mentholzigaretten verboten werden sollen. Und natürlich nimmt der Artikel, noch bevor der erste Satz geschrieben ist, sogleich Bezug auf Helmut Schmidt, unseren ehemaligen Bundeskanzler, der diese Sorte Zigaretten besonders liebte.
Nichts gegen Schmidt als Politiker, aber was mir tierisch auf den Keks geht, ist dieser Kult, der um ihn gemacht wurde – und nach wie vor gemacht wird.
Als er starb, dachte ich: „Na, jetzt hört endlich dieses ewige In-die-Knie-gehen vor diesem Herrn auf, denn jetzt kann er in keiner Talkshow mehr auftreten.“ Ich habe mich natürlich nicht über seinen Tod gefreut, sondern über den Umstand, daß jetzt keinem mehr Sonderbefugnisse eingeräumt werden, nur damit er in einer Talkrunde seine Weisheiten absondert. Wer sonst außer Helmut Schmidt durfte denn wohl im Deutschen Fernsehen offen eine nach der anderen rauchen? Keiner! Und warum durfte er das? Gab es in ganz Deutschland niemand anderen, dessen/deren Fachkenntnisse und Erfahrung ausgereicht hätten, einem Thema das nötige Diskussionsniveau zu bescheren? Ich denke, doch.
Manchmal kam es mir so vor, als träte er immer dann auf, wenn den Machern einer Gesprächsrunde kein wirklicher Experte zum Thema einfiel. Ach, nehmen wir wieder den Schmidt, der kennt sich mit allem aus. Und wenn nicht, dann wird er trotzdem was Kluges sagen und damit alle anderen, die auch als Experten eingeladen wurden, aber keine sind, davon abhalten, Blödsinn zu reden.
Solch ein Bohei machte auch die Fernsehzeitschrift, die wir abonniert haben, mit Peter Scholl-Latour. Er war für die Berichte zuständig, die in dieser Zeitschrift zu weltpolitischen Themen erschienen. Ich habe die nie gelesen, aber sie standen immer unter diesem Schimmern, daß, was Scholl-Latour schreibt und prophezeit, natürlich auch zu- und eintrifft.
Und als der Herr starb, hab ich mich dabei ertappt, daß ich – allein wegen der Ergebenheit dieser Zeitschrift – aufatmete und froh war, daß das nun ein Ende hat.
Aber nein: sogleich war ein Ersatzmann gefunden, und wenn der mal Urlaub hatte, dann strapazierte man alte Berichte von Scholl-Latour und druckte sie nochmal unter dem Motto (ich weiß den genauen Wortlaut jetzt nicht mehr) „Erinnern Sie sich noch?“ an bewährter Stelle ab.
Mittlerweile hat sich das alles ein wenig eingependelt – die beiden Herren dürfen so langsam nun doch ihre ewige Ruhe antreten. Bin gespannt, wer nachrückt.

 

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Als meine Mutter damals ins Wechseljahrealter kam, fing sie irgendwann an, darüber zu klagen, daß die Haut an ihrem Kinn und an ihrem Hals schlaffer wurde und sie „wie ein Truthahn“ aussehe. Das hat sie wirklich so gesagt.
Auch fand sie es überhaupt nicht toll, daß ihre Furchen (sic!) im Gesicht sich vertieften und die Poren sich vergrößerten.
Meine Reaktion damals: ich fand, daß das Altern schlicht eine Phase des Lebens sei, genau so wie die Verwandlung vom Kind zum Jugendlichen und das Erwachsenwerden. Und daß alle diese Wechsel halt nun mal mit Veränderungen im Aussehen einher gingen. Da solle doch jede/r drüber stehen und daran denken, daß jeder Mensch all das „mitmacht“ und es doch völlig normal sei. Ich war außerdem der Überzeugung, daß die Veränderungen beim Altern nicht zwangsläufig den Verlust von Attraktivität bedeuten.
Meine Mutter hat damals nur milde gelächelt und nichts weiter dazu gesagt.
Nun bin ich selbst in dem Alter; ich stehe vor dem Spiegel und sehe Falten, wo vor ein paar Jahren noch keine waren. Außerdem merke ich, daß die grauen Haare, die nun wieder zum Vorschein kommen, seit ich nicht mehr färbe, mich nicht annähernd so geheimnisvoll aussehen lassen, wie ich gehofft hatte. Sie sind mehr geworden in den letzten Jahren, aber betörendes Silbergrau ist nicht auszumachen.
Und da ich mit dem Altern auch an Gewicht zugelegt habe, gehöre ich nicht zu den Frauen, die mit zunehmender Anzahl an Lebensjahren nur grau werden und ein paar interessante Falten mehr bekommen, ansonsten aber schlank und unverändert von jedermann wiedererkannt werden, der sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat.
Ich erlebe jetzt am eigenen Leib das, was ich meiner Mutter damals nicht zugestand: daß ich mich mit steigendem Alter immer weniger wiedererkenne, wenn ich in den Spiegel schaue. Das Gesicht, das ich da sehe, ist nicht mehr meines.
Irgendwie macht mir das Angst.

 

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Auf dem Tetrapack unserer Kaffeemilch ist seit einigen Wochen ein Aufdruck aufgebracht: „Neu: Ohne Schraubverschluss, jährliche Kunststoffeinsparung: 70 Tonnen“.
Zu öffnen ist diese Milch also so, wie wir das alle im Grunde schon immer kennen: eine Ecke hochziehen und die Spitze abschneiden, so dass ein Ausguß entsteht.
Das ist prima, aber neu ist das nicht.
Mal ganz davon abgesehen, daß ich anzweifle, daß von der Kaffeemilch der Firma [hier einen Ausruf der Zustimmung einfügen] jährlich so viele Tüten verkauft werden, daß allein deren Schraubverschlüsse 70 Tonnen wiegen, finde ich es eben echt lustig, wenn die jetzt damit werben, daß sie „back to the roots“ gehen, und das als neue Errungenschaft verkaufen.
Diese Plastikschraubverschlüsse wurden uns vor nicht allzu langer Zeit als die Errungenschaft ever angepriesen, weil sie endlich die Wiederverschließbarkeit von Milchtüten aller Art sicherstellen konnten. Und was man durch diese Wiederverschließbarkeit an schlecht gewordener und weggeschütteter Milch einsparen konnte, war ja kaum in Worte zu fassen. Also ein Hoch auf die Schraubverschlüsse!
So, und nun stellt sich heraus, daß das ganz schön ins Geld geht, und daß Plastikmüll das Böseste überhaupt ist, das man unserem Planeten antun kann. Und schwupps! – weg damit!
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich selbst kann sehr gut damit leben, wenn man die Schraubdeckel nun wieder abschafft. Wenn die Industrie sich mal lernfähig zeigt und von einer Neuerung auch mal wieder abrückt, weil sie feststellt, daß das für die Umwelt vielleicht nicht die beste Idee gewesen ist, dann ist das zu loben. Aber uns für dumm zu verkaufen und das als Neuerung anzupreisen, kann ja wohl nicht deren Ernst sein!
Demnächst wird sicher auch wieder der gute alte Kochtopf eine Renaissance erleben und diesen völlig überflüssigen Thermomix zum Teufel jagen. Oder alle werden wieder angehalten, Dosen auch ohne elektrische Unterstützung zu öffnen. Aber hoppla: das mache ich ja ohnehin!

 

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Mein Verhältnis zur Pfefferminze darf mit Fug und Recht als schwierig bezeichnet werden.
Ich mag den Geruch nicht.
Das einzige „Pfefferminzprodukt“, das ich mehr als nur ertrage, ist Pfefferminztee. Den kann ich trinken, und wenn er aus frischer Minze gemacht ist, mag ich sogar seinen Duft.
Und als Kind liebte ich die Rotundulae aus der Apotheke. Das sind diese winzigen, harten Pfefferminz“tröpfchen“ im kleinen Papiertütchen, die man früher noch sehr häufig dort geschenkt bekam. Ich vermute, heutzutage gibt es die in Apotheken gar nicht mehr.
Aber alles andere auf Basis der Pfefferminze finde ich schrecklich! Am widerlichsten ist für mich Kaugummi! Ein Erzeugnis, das die Welt m. E. nicht braucht! Vor allem, wenn so ein Kaugummi mal ein paar Minuten durchgekaut ist, stinkt das dermaßen abgestanden und abstoßend, daß ich mich frage, wieso sich jemand freiwillig sowas in den Mund schiebt.
Aber auch Blockpfefferminze, diese Brocken, unten weiß und oben rosa, finde ich… naja… furchtbar halt. (Ich will nicht ausschließlich das Wort „widerlich“ benutzen, aber eigentlich trifft es das Ganze am besten.)
Von nach Pfefferminze „duftenden“ Kerzen will ich hier gar nicht anfangen, sonst küble ich über die Tastatur.
Aber auch in anderen Produkten ist Pfefferminzduft eingearbeitet. Ich vermute, das meiste davon ist künstlich hergestellter Geruch.
Am vergangenen Wochenende brauchte ich dringend ein neues Duschgel, und mangels Auswahl griff ich zu einer Tube veganen Duschbads in der Duftrichtung „Orange – Minze“. Man mag jetzt zurecht einwenden: Wieso kauft sich eine, die erklärtermaßen Pfefferminze schrecklich findet, ein Duschgel mit diesem Geruch? Nun, ich ging davon aus, daß es sich da um nicht mehr als einen Hauch von Minzaroma handeln könne, und… habe mich getäuscht.
Orange und Minze fechten in diesem Duftgemisch einen ausgeglichenen Kampf, und die ätherischen Öle der Minze halten nach Gefechtsende natürlich länger vor. Daher sitze ich jetzt hier und dünste einen Geruch aus, der vermuten ließe, daß ich gerade einen Pott Pfefferminztee aufgebrüht habe.
Gestern schon umwehte mich dieser Dunst, und jetzt weiß ich endlich, wonach eine unserer Freundinnen immer riecht: es ist sicher auch bei ihr die Pfefferminzkomponente im Duschgel, die sie den ganzen Tag umhüllt.
Was die Sache aber nicht wirklich besser macht…

 

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Gestern erwähnte ich ja schon, daß ich mich gern auf den Webseiten anderer bewege, um mich für meine eigenen Seiten inspirieren zu lassen. Dafür nutze ich die Liste der Webauftritte, die bei Beepworld jüngst aktualisiert wurden.
Ich habe auch erwähnt, daß ich diese Seiten dann „aus guten wie aus schlechten Gründen“ aufrufe. Was ich damit sagen will: manchmal ist mir aus der Kurzbeschreibung, die man dieser Liste ebenfalls entnehmen kann, bereits im Vorfeld klar, daß die Seite, die ich jetzt anklicke, vom Inhalt her eigentlich nichts für mich ist.
Daß eine Seite nichts für mich ist, kann an mehreren Dinge liegen. Zum einen beschäftigen sich andere Leute ja durchaus auch mit Themen, denen ich nichts abgewinnen kann. Das ist dann weder deren noch mein Fehler.
Zum anderen gibt es da die Seiten, in denen ich mich, obwohl sie „eigentlich nichts für mich sind“, gern so richtig virtuell wälze. Das sind die, auf denen Menschen für ihre ratgebenden Dienstleistungen (ha!), für ihre Kunst (haha!) oder ihre Literatur (hahaha!) werben.
Es ist wirklich erstaunlich, wie die Leute zu der Einstellung gelangen können, sie seien ohne eine fundierte Ausbildung Experte für irgendwas. (Wobei, was eine fundierte Ausbildung ist, sehen Menschen durchaus auch unterschiedlich…) Da wird Beratung in allen Lebensdingen angeboten von Leuten, die in ihrer Vita von sich selbst z. B. erzählen, einen schwierigen Start ins Leben gehabt zu haben, in der Schule gescheitert zu sein, dann die Erleuchtung durch Guru Wasweißichwer erlangt zu haben und deswegen nun befähigt zu sein, von ihrem allumfassenden Lebenswissen anderen etwas abzugeben. Da wird einem doch warm ums Herz, man möchte sich umgehend in deren Arme legen und sein ganzes Geld vorab an sie überweisen, um der eigenen Rettung aus seelischer und materieller Not gewiß sein zu können.
Erwähnenswert ist auch, wieviele Künstler unter uns weilen! Gut, daß man, um sich Künstler nennen zu dürfen, kein Zeugnis vorlegen muß, das einem den Abschluß in der Ausbildung zum Beruf des Künstlers bescheinigt. Da schwingt einer den Wachsmalstift, skizziert grob sein Katerchen und präsentiert diese Skizze als sein „bekanntestes Kunstwerk“. Welchem Personenkreis seine „Werke“ überhaupt bekannt sind, bleibt jedoch unerwähnt.
Am schlimmsten sind aber diese selbsternannten Literaten! Da betreiben Leute sog. Literaturseiten, und wenn man drauf schaut, dann ist da nichts zu finden außer den eigenen Geschichtchen, Gedichtchen und Weisheitssprüchen, die vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzen, und bei denen man sich fragt, ob die Personen in ihrem Leben je ein Komma richtig gesetzt haben. Von Patzern in der Erzähl“kunst“, Verwendung der falschen Tempi und logischen Fehlern in der Handlung ganz zu schweigen. Es hat ja keiner drübergelesen, was will man also erwarten?! (Verstehen Sie mich bitte nicht falsch - ich finde es durchaus in Ordnung, daß diese Leute ihre Texte im Internet veröffentlichen, da es ihnen damit ja genau so geht wie mir mit meiner Seite: es macht ihnen Spaß, und sie verwirklichen sich ein Stück weit damit selbst. Aber bitte, bitte, Leute: nennt es nicht Literatur(!), was Ihr da zeigt!)
Gottlob gibt es aber auch immer wieder diese Webauftritte, wie ich gestern einen erwähnte. Das gibt einem den Glauben daran wieder zurück, daß gebildete Menschen unter uns weilen, die sich im Netz darzustellen wissen, weil sie etwas anzubieten haben, das wirklich Hand und Fuß und fundierte, nachgewiesene Kenntnisse als Grundlage hat.

 

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Ich betreibe diese Seite ja mit Beepworld.
Und wenn man sich, nachdem man an der Seite irgendetwas editiert hat, wieder aus dem Editiermodus abmeldet, gelangt man auf eine Seite, die einen Link auf die Webseiten enthält, die ebenfalls bei Beepworld geführt werden und gerade erst vor ein paar Minuten das letzte Mal aktualisiert worden sind.
Und ich schau mir jedes Mal die Liste dieser Seiten an. Und wenn mich eine interessiert (aus guten wie aus schlechten Gründen…), schau ich da manchmal drauf. Denn ich lasse mich gern immer wieder inspirieren, vor allem was die Gestaltung einer Webseite angeht (wobei da eher Ödnis herrscht, um das mal freundlich zu formulieren. Die meisten haben noch ein uraltes 90er Design…).
Gestern gelangte ich auf diese Weise auf den Webauftritt einer Dame, die als Korrepetitorin u. a. an der Zürcher Oper arbeitet. Gestalterisch ist die Seite keine Offenbarung, aber inhaltlich höchst interessant! Was die Dame alles macht und kann und auch alles schon gemacht hat! Sie lebt ganz offensichtlich das typische Leben einer Berufsmusikerin auf höchstem Niveau. Und sie schreibt das so kurzweilig und für den Laien auch gut verständlich, daß ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen.
Gut, was eine Korrepetitorin macht, wußte ich auch vorher schon. Der Beruf als solcher mußte mir nicht erklärt werden mit meinen mehr als 40 Jahren Chorerfahrung. Was das aber alles im Detail und für den Alltag bedeuten kann, war absolut lesenswert.
Und sie macht durchaus mehr, als „nur“ als Begleitung am Klavier zu arbeiten. So schreibt sie u. a. auch Noten für Sänger/-innen und Instrumentalist/-innen. Also nicht einfach so nieder, sondern z. B. als Transposition, als Arrangement usw.
Und in diesem Zusammenhang weist sie auf eine Internetseite hin, von der man Noten für gemeinfreie Stücke herunterladen kann. Eine großartige Sache! Die Seite bietet eine umfangreiche, gut funktionierende Suche und ein super geordnetes, nach sehr nützlichen Kriterien sortiertes Suchergebnis an. So suchte ich z. B. gestern einfach mal nach „Telemann“. Und heraus kam eine Liste all seiner dort schon vorhandenen Werke, geordnet nach Art der Musik (Oper, Arien, Orchester, Chorwerke usw.), nach instrumentaler bzw. stimmlicher Besetzung usw..
Ich war schockverliebt auf den ersten Blick.
Schnell fand ich ein Stück für Soloinstrument (ich glaube, es ist ursprünglich für Flöte geschrieben) und Basso continuo, das ich stante pede für meine Veeh-Harfe transkribierte. Und es klingt einfach wunderbar! Gestern abend saß ich an meinem Instrument und konnte gar nicht mehr aufhören, dieses Stück zu spielen. (Ich muß allerdings zugeben, daß ich es erst noch richtig üben muß, denn es ist einigermaßen anspruchsvoll. Aber das ist ja genau das, was ich mir wünsche.)
Ich bin sicher, daß ich mich da ab sofort sehr häufig tummeln werde. 

 

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Die „Ode an die Freude“ von Beethoven ist ja unfaßbar beliebt – gerade jetzt, in diesen ungewöhnlichen Zeiten, machen die Leute sich damit Mut zum Durchhalten.
Ich verstehe die Liebe zu diesem Stück nicht.
Ich finde sie langweilig, diese Ode. Wenn Sie genau hinhören, dann fällt Ihnen sicher auf, daß das zumindest am Anfang nur die Tonleiter rauf und runter macht. Und ab da dann auch nicht wirklich spektakulär weitergeht.
Das Schlimmste für mich ist allerdings, daß die Chorpassagen so schrecklich hoch gesetzt sind. Wenn ich den Sopranen zuhöre, wie sie da oben rumquietschen, da krieg ich Halsweh. Wieso tut ein Komponist Sängerinnen sowas an?
Auch im „Halleluja“ im „Messias“ sind solche Stellen enthalten. Gut, der ist nicht von Beethoven, aber rücksichtsloses Verhalten gegenüber Sänger/-innen und/oder Instrumentalist/-innen ist ja kein Alleinstellungsmerkmal eines einzelnen Herrn, nicht wahr?!
Die Faszination, die von besonders hoch gesungenen Tönen ausgeht, hat sich mir eh noch nie erschlossen. Natürlich beeindruckt es auch mich, wenn eine Frau in der Lage ist, ein dreigestrichenes e zu singen. Mich beeindruckt aber auch, wenn eine Frau ein eingestrichenes a besonders warm und schön vorträgt. Denn in der Lage zu sein, ein dreigestrichenes Wasauchimmer zu produzieren, hat auch was mit der Länge der Stimmbänder zu tun, und ein Sopran zu sein, ist weniger ein Verdienst als vielmehr ein körperlicher Zustand. Was eine Frau daraus macht, ist das Entscheidende. Das gilt aber auch für Altistinnen. Auch die können entweder schöne oder weniger schöne Töne erzeugen. Und die schönen mittelhohen oder -tiefen sollten den Zuhörer genau so begeistern wie die ganz, ganz hohen.
Aber leider leben wir ja in einer Zeit, in der männliche Altisten wieder in Mode gekommen sind und den Altistinnen auch das kleine Bißchen, was ihnen an schönen Solopartien mal gewidmet war, wieder wegnehmen. Und dann sind sie wieder alle begeistert, wie toll dieser Mann da die besonders hohen Töne hinkriegt…

 

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Wenn man sich in Facebook Beiträge ansieht, die bereits sehr viele Kommentare aufweisen, dann werden einem diese Kommentare, wenn man sie aktiv aufruft, nicht einfach so angezeigt.
Nein, da erscheint über dem obersten dann so ein kleiner Hinweis „Relevanteste zuerst…“, und man kann nachträglich auswählen, ob man alle Kommentare oder alternativ die neuesten zuerst usw. angezeigt bekommen will.
Mich befremdet dabei, daß Facebook es nicht als Standard sieht, dem Leser zunächst alle Kommentare anzuzeigen, sondern die relevantesten(sic!) zuerst!
Da frage ich mich doch: wer, bitte schön, legt denn fest, welche Kommentare für mich die relevantesten sind?
Ich vermute ja, daß „Relevanz“ in diesem Kontext daran festgemacht wird, wieviele Reaktionen die einzelnen Kommentare bereits erhalten haben. Likes, Herzchen, Lacher, Wutköpfchen, all das wird wohl eine Rolle spielen.
Aber nur allzu oft sind genau das die Kommentare, in denen nicht gerade viel erhellender Inhalt steckt. Entweder sind es die dümmsten oder die aggressivsten. Oder, was ich am allerschlimmsten finde, die, die vor Betroffenheit nur so triefen und sofort das Bild eines von rosa Herzchen und weinenden Teddybären umrahmten Profilfotos vor meinem geistigen Auge heraufbeschwören.
Für die Sache relevant sind ja meist die Kommentare, die sich sachlich mit dem Thema befassen, mitunter sogar Fachkenntnis erahnen lassen, unspektakulär Argument an Argument reihen oder dem Beitrag entweder schlicht zustimmen oder widersprechen. Nur kriegt man die halt nur dann angezeigt, wenn man „alle Kommentare“ sehen und sich durch 1.198 Kommentare (und einer schreibt gerade noch einen weiteren) lesen will, weil kaum jemand solche Wortmeldungen beklatscht.
Ich habe es aufgegeben, zu einem Beitrag, den schon mehr als 100 Leute kommentiert haben, auch noch meine Sicht auf die Dinge beisteuern zu wollen. Erstens findet man, weil immer gerade noch was neues dazukommt, beim Durchsuchen der Kommentare nie wirklich das, wo man die eigene Diskussion würde anknüpfen wollen. Und zweitens werde ich, wenn ich selbst kommentiert habe, mit je einer Eingangsbenachrichtigung zu allen anderen noch folgenden Kommentaren weiter gequält – ob ich sie lesen will oder nicht.
Da lobe ich mir doch das gute, alte Gespräch.

 

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Daß ich gern einfach so auf der Wikipedia-Seite herumstöbere, dürften die, die mehr oder weniger regelmäßig hier lesen, mittlerweile mitbekommen haben.
Dort gibt es ja eine Rubrik „Kürzlich Verstorbene“, und ich habe mich schon einmal gewundert, wer da alles aufgeführt wird.
Lauter Leute nämlich, denen zumindest mal seit einiger Zeit ein Artikel in der Wikipedia gewidmet ist, denn extra aus Anlaß des Todes einer Person wird wohl kaum einer einen Artikel erst schreiben.
Nur nimmt mich ehrlichgesagt wunder, über wen in der deutschsprachigen Wikipedia Berichte existieren.
Heute erfahre ich z. B., daß ein japanischer Jazzgitarrist von uns gegangen ist.
Neulich war das Ableben eines grönländischen Ex-Politikers vermeldet.
Und nicht selten lese ich vom Tod eines ugandischen Models oder einer mongolischen Frauenbewegten, eines kirgisischen Massenmörders oder eines neuseeländischen Kieferorthopäden.
Natürlich liegt das Verwunderliche nicht darin, daß es Models in Uganda gibt und Politiker in Grönland, sondern daß jemand, der die deutsche Wikipedia mit Wissen befüllt, die kennt!
Manchmal beschleicht mich ja der Verdacht, daß der ein oder andere Artikel  glatt erfunden ist und es die beschriebene Person nie gegeben hat. Fotos und Belege für die meist beachtliche Vita des oder der Verstorbenen lassen sich mit etwas Geschick wahrscheinlich recht einfach beschaffen bzw. erzeugen.
Wenn man bedenkt, daß es "Ärzt/-innen" gibt, die nie ein Medizinstudium absolviert und es trotzdem geschafft haben, bei ihrer Bewerbung als Assistenzart in irgendeinem Klinikum die geforderten Unterlagen vorzulegen, ist die Erfindung eines ganzen Lebens, dessen wirklicher Existenz wahrscheinlich niemand so genau nachgeht, sicherlich ein Klacks.
Und dann lesen wir morgen eben wieder vom plötzlichen Herztod einer australisch-molukkischen Vibraphonistin.

 

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Gerade stolperte ich über ein Interview auf „zeit.de“, in dem eine junge Dame zu Wort kommt, die in diesem Jahr ihr Abitur ablegen soll.
Ganz ehrlich: ich bin ein wenig erstaunt, wenn ich das lese, was ich da lese!
Das Mädel klagt an, daß die Abiturprüfungen wie geplant stattfinden sollen. Und daß diese Entscheidung einfach so, ohne die Schüler dazu zu befragen, getroffen wurde. Und sie beschwert sich darüber, daß es sog. Boomer waren, die das entschieden haben.
Ja Mädel, wer, bittschön, soll es denn sonst entscheiden? Die sog. Boomer sind halt nun mal jetzt in dem Alter und in den Positionen, die für solche Entscheidungen zuständig sind.
Als ich in den 80ern mein Abitur abgelegt habe, hat mich auch niemand gefragt, ob ich ausgerechnet an meinem Geburtstag ran müssen will. Überhaupt wurden auch da die Termine nicht mit den Schülern besprochen. Die wurden festgelegt, und niemand hat sie in Frage gestellt.
Natürlich finden die Prüfungen in diesem Jahr insofern unter besonders schwierigen Bedingungen statt, als alle nur an Corona denken, und wohin das Ganze führen wird.
Aber ich bin mir sicher, daß während der Prüfungen die empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen überall beachtet werden. Und außerdem sind es doch gerade die Jugendlichen, die vermehrt meinen, sicher vor dem Virus zu sein und Party machen zu können. Nur wenn es dann nicht mehr um Party geht, dann – ojeoje – dann ist auf einmal aller Leben gefährdet, und man besinnt sich aufs Abstandhalten.
Wie, glaubt die Dame denn, haben sich die Abiturienten damals gefühlt, die Knall auf Fall von 13 auf 12 Schuljahre beschnitten wurden und sich den Stoff der beiden letzten Jahre in nur einem Jahr draufschaffen mußten? Das war ein echtes Problem, und die meisten haben das damals geschafft – ohne Murren.
Eine überaus angenehme Lösung hat die junge Dame natürlich auch schon parat: man läßt die Prüfungen einfach ausfallen und errechnet die Abiturnote aus den in den letzten beiden Jahren erbrachten Leistungen in Klausuren und mündlichen Vorträgen. Da tippe ich mir aber dermaßen an die Stirn, daß ich ein Hämatom davon kriege!
Gar keine Prüfungen, das wäre natürlich attraktiv! So hätte Corona mal was richtig Gutes!
Auf die Idee, daß man das Niveau der Prüfungsklausuren an die besondere Streßsituation, in der wir uns alle befinden, auch einfach anpassen könnte, kommt die Gute natürlich nicht.
Oh, und sie fühlt sich ja so allein gelassen! Keine Lerngruppen, buuuhuuu! Alles alleine repetieren! Wie gemein! Ja, was glaubt die denn, wie wir das damals gemacht haben? Da gab es kein Internet, nichts! Kein Whatsapp, keine anderen Messenger. Und wir saßen natürlich alle allein daheim und haben uns selbst vorbereitet.
Naja, ich bin halt ein Boomer, ich verstehe natürlich nicht die besondere Problematik, ein Millennial zu sein.
Hat die vielleicht was damit zu tun, daß der gern den bequemen Weg wählt?

 

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In den letzten Wochen haben wir die Wohnung meiner Eltern geräumt, die jetzt verkauft worden ist. Das heißt, alles, was wir behalten wollten, hat jemand von den drei Töchtern oder den Enkeln mitgenommen, um es weiter zu benutzen. Aber nicht nur Nützliches, sondern auch Erinnerungsstücke haben wir natürlich behalten.
So habe ich die große, rote Bibel jetzt hier im Regal stehen, die nur ganz selten mal hervorgeholt wurde – in der Regel, wenn an Weihnachten mein Vater daraus die Weihnachtsgeschichte vorlesen wollte, bevor die Bescherung endlich losging.
Als Kind habe ich manchmal hineingeschaut, auch wenn gerade nicht Weihnachten war. Denn diese Bibel ist groß und schwer, und man hört es förmlich knarzen, wenn man sie aufschlägt. Und sie enthält jede Menge alter Gemälde von biblischen Szenen. Einige davon sind echt gruselig.
So gibt es da u. a. das Bild von der „Blendung des Samson“ – ich muß gar nicht nachsehen, ich weiß ganz genau, daß es so heißt. Und dieses Bild hat mich als Kind immer besonders geängstigt.
Es stellt nämlich ziemlich realistisch dar, wie jemand dem Samson mit einem spitzen Gegenstand die Augen aussticht.
Und wie das so ist: gerade die Bilder, vor denen man sich am meisten fürchtet, schaut man immer wieder an. Es ist wie ein Sog, der davon ausgeht. Immer wieder, wenn sie auf meinem Schoß lag, öffnete sich die Bibel an genau dieser Stelle – so kam es mir jedenfalls vor. Natürlich weiß ich heute, daß ich die Stelle immer bewußt aufgeschlagen habe, denn als Kind konnte ich mich der Faszination dieses Gräßlichen irgendwie nicht entziehen. Und hinterher konnte ich immer nächtelang nicht schlafen.
Mir fehlt auch heute noch die Vorstellungskraft, daß Menschen einander solche Grausamkeiten wirklich antun. Aber leider weiß ich, daß es tatsächlich passiert.
Es ist mir ein Rätsel, wie die Menschen je auf die Idee kommen konnten, sich die „Krone der Schöpfung“ nennen zu dürfen. Es gibt tatsächlich ja nur eine Spezies, die zu Grausamkeit fähig ist - den Menschen. Und ob dieses Alleinstellungsmerkmal wirklich auf der Welt fortbestehen sollte, ist so eine Frage, auf die ich für mich die Antwort schon lange kenne…

 

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17
Mar
Homeoffice

Den allgemein bekannten weltweiten Umständen folgend bin auch ich mittlerweile von meinem Arbeitgeber ins Homeoffice „abgeordnet“ worden und sitze nun den ganzen Tag in dem Raum in meinem Zuhause, der mit glücklicherweise diese Art zu arbeiten ermöglicht.
Normalerweise verbringe ich im heimischen Büro meine Zeit am Computer fast ausschließlich zur Freizeitgestaltung: ich zeichne meine Birtoons (Cartoons mit der Protagonistin Birte) stets digital, arrangiere und schreibe Noten für meine Veeh-Harfe mit einer online frei zugänglichen Software, dümple dann und wann im Internet umher und verrichte am Computer eigentlich nur ab und zu für den Verein tatsächliche Arbeit.
Insofern fühlt es sich irgendwie gut an, zur Zeit meiner beruflichen Arbeit in einem Raum nachgehen zu können, den ich noch nie als Arbeitszimmer empfunden habe. Auch jetzt, wo ich ja natürlich tatsächlich hier ARBEITE, hat das viel Behagliches, zumal ich normalerweise mit drei Kolleginnen in einem nicht sehr großen Büro zusammensitze, wo ein gewisser Lärmpegel immer unvermeidlich ist.
Ich kenne etliche, die die Vorstellung, in einem Einzelbüro zu sitzen, nicht sehr angenehm finden; und ich bin neugierig, wie lange es dauert, bis auch ich die Betriebsamkeit eines Bürogebäudes vermissen werde.
Tatsächlich vermute ich, daß ich es recht lange gut aushalten werde, denn überall ist die Rede davon, daß die Leute sich so schwer damit tun, abends nicht auszugehen, sondern mal allein daheim zu bleiben. Für mich bedeutet das allerdings überhaupt keine Umstellung, weil wir ohnehin sehr häuslich und abends nur ganz selten außer Haus sind.
Auf jeden Fall finde ich es hochinteressant zu sehen, was alles möglich ist, wenn die Umstände es erfordern. Wie viele Dienstreisen auf einmal gestrichen werden können, ohne daß der Arbeitserfolg darunter zu leiden hätte, sollte so mancher Firma doch endlich mal die Augen öffnen.
Sicher, die sog. Corona-Krise ist für viele Selbständige und so manche Branche existenzbedrohend. Und auch das Ende sozialer Kontakte, Feiern und Events möchte ganz bestimmt niemand auf Dauer erleben. Corona taugt aber durchaus auch als Beweis, wie effektiv Geldbeutel und Umwelt geschont werden können, wenn man radikal auf bestimmte Dinge (Reisen etc.) von heute auf morgen verzichtet oder sie zumindest drastisch reduziert.

 

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Gerade las ich so im Vorüberfliegen „…brummt zur Balz mit den Beinen…“ und dachte: „Och, wie niedlich!“
Nach einem tieferen Blick darauf, wer genau da mit den Beinen brummt, fand ich es schon gar nicht mehr so niedlich, denn es ging um die „Warmhaus-Riesenkrabbenspinne“.
Ich fürchtete bereits Schlimmstes, als ich den ganzen Artikel dazu öffnete, denn das Attribut „Riesen…XY“ verheißt selten was Gutes, und schon gar nicht, wenn es um Spinnen geht.
Nun, die Warmhaus-Riesenkrabbenspinne erreicht je Individuum höchst unterschiedliche Größen, aber selbst die kleinsten unter ihnen möchte ich höchstens hinter Glas zu sehen bekommen (und dabei wäre es mir sogar egal, wer von uns beiden derjenige hinter Glas ist).
Von brummenden Beinchen ist im Volltext dann auch gar nicht mehr in dieser Wortwahl die Rede, sondern es wird darauf verwiesen, daß diese Warmhaus-Riesenkrabbenspinne die Fähigkeit zur Stridulation besitzt. Das klingt doch schon weit weniger romantisch, finden Sie nicht auch?! 
Bange zitternd scrollte ich dann nach unten zum Abschnitt „Toxizität und Bissunfälle“. Hier wird erwähnt, daß das Gift dieser Spinne als Kaliumkanalblocker funktioniert. Und daß ihre Bisse zwar schmerzhaft seien, diese Schmerzen aber nach wenigen Minuten bereits wieder verschwänden. Offen bleibt allerdings die Info, ob das Verschwinden der Schmerzen in irgendeinem zeitlichen oder kausalen Zusammenhang mit dem Ableben des Gebissenen steht…
Vermutlich ist sie aber nicht wirklich eine tödliche Gefahr, diese Spinne, denn ich entnehme dem Artikel auch die Information, daß dieses possierliche Tierchen in seiner Heimat ein gern gesehener Gast in Häusern sei, da es dort Ungeziefer beseitige. Es fällt mir schwer, das zu glauben; gehöre ich doch zu der Fraktion, die das schon als Argument in unseren Breiten nicht leiden kann, da m. E. Spinnen zu eben jenem Geziefer gehören, das ich beseitigt sehen möchte – oder zumindest außerhalb der von mir bewohnten 4 Wände. Und hier sind Spinnen nicht annähernd so groß!
Nun, mir ist es auf jeden Fall recht, daß die Warmhaus-Riesenkrabbenspinne nur in Ausnahmefällen in Europa vorkommt, und ich hoffe innig, daß ich nie einer solchen auf ihrer Auslandsexkursion über den Weg laufe.
 

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Gerade las ich einen Bericht im „stern“, der sich damit befaßt, ob der Umstand, daß in manchen Familien mehr Mädchen bzw. Jungen geboren werden, evtl. in den Genen verankert liegt.
Es gebe, so der Text, ja von früher her Annahmen wie diese, daß großgewachsene, wohlhabende Menschen eher Jungen bekommen und optisch attraktive Menschen eher Mädchen.
Das träfe aber nicht zu, das ergab wohl eine Studie, die irgendwo gemacht wurde.
Wohlhabend zu sein, liegt sicherlich nicht in den Genen. Wieso dieses Kriterium bei der besagten Überlegung zu genetischen Veranlagungen hin zu Jungs oder Mädchen als Nachkommen überhaupt zitiert wird, ist mir ein Rätsel. Aber auch optische Attraktivität ist ja derart subjektiv, daß man sich fragt, wie jemand je auf die Idee hat kommen können, daß da irgendein Zusammenhang zum Geschlecht der Nachkommen besteht.
Nun gut, der Bericht behauptet als Quintessenz, die Forscher dieser Studie seien zu dem Schluß gekommen, das Geschlecht eines Kindes sei immer zufällig. Es gäbe da keinen Zusammenhang zu den Genen – dafür spräche auch, daß die Anzahl Frauen und Männer auf dieser Welt nahezu ausgeglichen sei.
Ganz so ist es aber nun doch nicht. Schon ich habe in der Schule gelernt, daß der Zeitpunkt des Verkehrs, also in Relation zum Zeitpunkt des Eisprungs, durchaus relevant für das Geschlecht des Kindes ist. Und daß es durchaus Männer gibt, deren männliche Spermien nicht schnell genug sind, oder deren weibliche Spermien nicht lange genug leben, um bei der Befruchtung zum Zuge kommen zu können. Daß dieser Umstand keinerlei Erwähnung findet, entsetzt mich. Denn ich kann mir nicht vorstellen, daß die Forschung vor 40 Jahren derart falsch lag mit ihren Erkenntnissen, und dieses Wissen nur ein vermeintliches war.
Also mittlerweile komme ich zu dem Schluß, daß der Wahlspruch „Lesen bildet!“ an Gültigkeit verliert. Vielmehr sollte es heutzutage lauten „Lesen gefährdet Ihren Verstand!“
 

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Hach, gerade bin ich im Forum meines Lieblings-Online-Wörterbuchs über einen Faden gestolpert, der Wörter sammelt, die langsam in Vergessenheit geraten bzw. kaum noch genutzt werden, obwohl sie doch eigentlich so schön sind.
Ich las da eine Weile mit und dachte: „Seltsam, das sind fast alles Wörter, die ich nach wie vor häufig gebrauche.“ Es kann aber natürlich sein, daß genau deswegen meine Kolleginnen bisweilen über das lachen, was ich so sage…
So kommt es recht häufig vor, daß ich mich empöre, weil sich jemand nicht entblödet, Dinge zu behaupten, die lange schon widerlegt wurden. Oder mir deucht dann und wann, eine bestimmte Geschichte schonmal gehört zu haben. Ich finde es dann nachgerade verwunderlich, daß ich die einzige sein soll, die den Hintergrund dazu kennt. Und ich komme dann nicht umhin, meinen Gesprächspartnern klar zu machen, daß sie offenbar die Nachrichten nicht richtig gelesen haben, obgleich die Schlagzeilen nicht zu übersehen gewesen sind. Stehenden Fußes eile ich dann zum nächsten Zeitungsständer und suche die fragliche Überschrift heraus.
Die Neigung, schöne alte Wörter aktiv zu benutzen, ist in meiner Familie weit verbreitet. Ihr ist es auch zu verdanken, daß meine Familie gemeinhin als humorvoll gilt. Was immer dann besonders irritiert, wenn wir Dinge sagen, die wir gar nicht humoristisch, sondern genau so meinen, wie wir sie formulieren. Der geneigte Zuhörer geht dann aber sehr häufig davon aus, daß irgendein feiner Witz, ein spitzer Sarkasmus oder Spott in unseren Worten liegt, und unterstellt uns eine ebenso spitze Zunge. Potztausend! – so schnell wird man verkannt!
 

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Wir haben ja alle sicher schon oft von dieser angeblich typisch deutschen Angewohnheit gehört, im Urlaub am Hotelpool eine Liege mittels Auflegen eines Badetuches in der Weise zu markieren, daß die Liege als belegt bzw. in Nutzung erkennbar ist.
Daß die Handtücher meist schon in sehr frühen Morgenstunden dorthin gelegt werden, also zu einer Zeit, zu der der gemeine Handtuchbesitzer wieder zurück in sein Bettchen schleicht, um noch ein paar Stunden Schlaf anzuhängen, ist auch allgemein bekannt. 
Dieses Reservieren von Liegestühlen wird in der Soziologie als „Gefangenendilemma mit mehr als zwei Personen“ bezeichnet.
Sich im Urlaub in einem Dilemma zu befinden, noch dazu in einem Gefangenendilemma, ist sicherlich kein sehr angenehmes Gefühl. Allerdings wissen die meisten Handtuchaufleger von dem Phänomen eines Gefangenendilemmas wohl nichts und packen ihre Badetücher in der Folge völlig entspannt auf „ihre“ Liegen.
Das Gefangenendilemma betrachtet das Phänomen, daß – unterstellt, daß 2 Gefangene zurecht mehrerer kleiner, jedoch zusätzlich desselben schwerwiegenderen Verbrechens beschuldigt werden und vor der Wahl stehen, entweder zu gestehen oder abzustreiten – die involvierten Personen beim Strafmaß dann besonders günstig davonkommen, wenn sie sich entweder auf Gestehen oder Abstreiten einigen oder als alleiniger Geständiger die volle Schwere des Strafmaßes dem Abstreitenden aufbürden. Sie stehen also vor der Entscheidung: gehe ich volles Risiko und streite das Verbrechen ab in der Hoffnung, auch der andere streitet ab, so daß ich des Verbrechens nicht überführt werden kann und nur für die kleineren Vergehen verknackt werde? Oder gebe ich es zu in der Hoffnung, der andere streitet ab, und ich kann als Kronzeuge fungieren, straffrei davonkommen und den anderen voll in die Sch…, ääh... Höchststrafe reiten? Zugeben ist allerdings verbunden mit dem Risiko, auch der andere gibt es zu, was mir aber zumindest die Höchststrafe erspart.
Abstreiten bringt also das zweitbeste Ergebnis, aber nur dann, wenn der andere es auch tut. Tut der es nämlich nicht, ist Abstreiten die schlechteste Wahl überhaupt. Gestehen bringt das beste Ergebnis, aber nur, wenn der andere es nicht tut. Ansonsten, tja, wie gesagt, ab in den Knast, aber wenigstens keine Höchststrafe.
Da bei dieser theoretischen Situation sich aber die beiden Gefangenen nicht miteinander abstimmen können, befinden sich beide in einem Dilemma.
Nun zurück zu den Liegen am Pool: würde niemand sein Handtuch auf eine Liege legen, bestünden für alle dieselben Chancen, beim Badeantritt eine freie Liege vorzufinden. Das klappt aber eben halt nur dann, wenn alle sich daran halten, auf dieses Reservieren zu verzichten. Ein Dilemma, Sie sehen es!
Und wenn man sich dafür entscheidet, den Liegenbelegenmumpitz nicht mitzumachen, schaut man am Ende dumm aus der Wäsche, weil die menschliche Natur halt eben doch zu Egoismus neigt und lieber sicher geht, als daß sie nach einem Prinzip aus der Soziologie handelt, dessen Fachterminus „Gefangenendilemma“ eher ängstigt und jemandem ohne Fachkenntnis wenig Anlaß zu Optimismus gibt.
 

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„Was wir in den letzten 100 Jahren gegessen haben“ – so lautet die Überschrift einer Bilderfolge in der Online-Ausgabe des „stern“.
Es folgen je Jahrzehnt, beginnend mit 1910, ein Foto einer angeblich für das Jahrzehnt typischen Speise mit einem dazu passenden, kurzen, erklärenden Text.
Grundsätzlich finde ich die Auswahl der Bilder schon treffend; ich teile für die meisten der abgebildeten Gerichte die Ansicht, daß sie typisch für ihre Zeit waren.
Allerdings habe ich mir die Bilderfolge wieder einmal nur angesehen, weil die Überschrift so kacke ist. Wir(!) haben nämlich mehrheitlich nicht "in den letzten 100 Jahren" was gegessen, sondern – ich unterstelle jetzt mal einen Durchschnitt – maximal in den letzten 65 Jahren.
Nun, es mag sein, daß der eine oder die andere in sogar wesentlich weniger als diesen geschätzten 65 Jahren eine Nahrungsmenge zu sich genommen hat, die für 100 Jahre ausgereicht hätte. Aber ich gehe nicht davon aus, daß die Überschrift diesem Umstand Rechnung tragen will.
Ich komme nicht dahinter, ob hinter diesen immer wieder so schlampig gewählten Formulierungen eine Absicht steckt (nämlich die, solche Leute wie mich, die sich dadurch irritiert fühlen, in die Artikel hineinzulocken), oder ob der/die jeweilige Autor/in es einfach nicht besser konnte.
Daß die sprachliche Präzision und Qualität in unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten abgenommen haben, ist ja allgemein anerkannt. Aber mittlerweile empfinde ich persönlich das nicht mehr nur als Anlaß zum Zähneknirschen, sondern ab einem gewissen Maß der Schlampigkeit als Respektlosigkeit gegenüber der Leserschaft. Ich bin der Meinung, jede/r Autor/in sollte sich die Mühe machen, eine möglichst gute Sprache zu verwenden; schließlich macht die Leserschaft sich ja auch die Mühe, die Texte zu lesen.
 

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07
Feb
Totvolumen

Spritzenvorsatzfilter haben ein sehr kleines Totvolumen.
Diese Behauptung las ich heute auf der Startseite der Wikipedia.
Da mir der etwas eigenwillige Humor dieser Seite mittlerweile geläufig ist, las ich in den dazugehörigen Artikel mal hinein, nur um – wie erwartet – festzustellen, daß ich dessen Inhalt nur sehr begrenzt verstand.
Was ich verstand: ein Spritzenvorsatzfilter ist eine kleinporige Membran, durch die die in der Spritze enthaltene Flüssigkeit beim Entleeren der Spritze geklärt wird. Vergleichbar wahrscheinlich mit einem Teesieb, wenn ich mir das so überlege, in dem ja auch die Teeblätter hängen bleiben, wenn ich mir das fertige Gebräu über das Teesieb in einen Becher gieße.
Relevant wird der Spritzenvorsatzfilter beim Durchführen von chromatografischen Verfahren, für die eben nur auf solche Weise geklärte Flüssigkeiten zum Einsatz kommen. (Dieser Satz klingt jetzt so, als habe ich doch mehr von dem Artikel verstanden, als ich eingangs behauptete. Aber damit hört mein Begreifen tatsächlich schon auf.)
Das Totvolumen ist nun das, was in dem Spritzenvorsatzfilter zurückbleibt, wenn ich die Flüssigket hindurchgepreßt habe. Und wenn ich nun zu meinem Vergleich zurückkehre, dann wäre das Totvolumen im Falle meines Tees die im Sieb hängenbleibenden Teeblätter. Totvolumen.
Der Begriff des Totvolumens befremdet mich ein wenig, weil ich in dem beschriebenen Zusammenhang auf eine solche Vokabel nie gekommen wäre.
Fakt ist auf jeden Fall: wenn ich jetzt vom Schlag getroffen vom Sessel kippen würde, läge da ein ganz schön mächtiges Totvolumen auf meinem Teppich.
 

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Gerde läuft ja das Gerichtsverfahren gegen Harvey Weinstein, dem zahlreiche Sexualdelikte vorgeworfen werden.
Die erste Zeugin hat jetzt ausgesagt und ihre Geschichte erzählt. Bei all ihren Begegnungen soll es da wohl zu entsprechenden Zwischenfällen gekommen sein, und ich frage mich, wieso sie nach dem ersten Vorfall dem Mann nicht konsequent aus dem Weg gegangen ist, sondern ihm nochmals die Gelegenheit für einen Übergriff gegeben hat, indem sie sich allein mit ihm in seiner Wohnung und auf einem Hotelzimmer aufgehalten hat. 
Einander vorgestellt wurden die beiden lt. einem Artikel in der "Zeit" auf einer Afterparty nach der Premiere eines Films.
Im Ernst? Auf einer Afterparty? Was soll das denn sein? Das internationale Jahrestreffen der Proktologen? Mit lustigem Darmspiegeln und Klistieren? Oder was man sonst noch so mit einem After anfangen kann?
Und darf man sich wirklich wundern, wenn man nach so einer Veranstaltung nur noch seltsamen Kontakt zu denen hat, die man da kennengelernt hat?
Sie sehen, welche Gedanken mir da kommen, wenn ich Texte mit so gedankenlos gewählten Worten lese. Wer in diesem Kontext auf die Idee kommt, die Vokabel „Afterparty“ zu benutzen, der hatte doch irgendeine ungewöhnliche Substanz in seinem Morgenmüesli!
Wieviel Wahrheit in den Details der Vorwürfe gegen den Filmproduzenten steckt, müssen andere ermitteln. Daß ein Teil Wahrheit dabei ist, halte ich allerdings für sehr wahrscheinlich.
Aber bitte: verschont mich ab jetzt mit der Vorstellung, daß irgendwo auf der Welt wirklich Afterpartys gefeiert werden.
 

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Wußten Sie, daß Kokosnüsse gefährlicher sind als Haie? Ja, daß sie jährlich sogar 15 mal mehr Menschen das Leben kosten als die für ihre Beißkraft berühmten Fische?
Na, da staunt der Laie, und was tut der Fachmann?
Der staunt nicht so sehr, denn wenn man die Erklärung hört, dann wird einem schnell einiges klar. Kokosnüsse entfalten ihre Letalität beim Herabfallen von Palmen. Wenn so eine Palme 25 m hoch ist und von ganz oben eine Nuß nach unten fällt, kriegt die ordentlich Fahrt. Und wenn sie dann auf einen Schädel kracht, bleibt immer abzuwarten, wer von beiden härter ist. Werden beide zu Muß, ist das halt schlecht für den, dem der Schädel gehörte…
Man kann wohl annehmen, daß da, wo Kokosnüsse töten, mehr Kokosnüsse leben als Haie. Und daß Menschen sich eher in der Nähe von Palmen aufhalten als beim Kaffeekränzchen mit Haien. Insofern ist es wenig verwunderlich, daß relativ wenige Menschen von Haien erlegt, wohl aber recht viele von herabfallenden Kokosnüssen getroffen werden.
Es ist sicher davon auszugehen, daß die Gefahr, die von Kokosnüssen ausgeht, in Deutschland vergleichbar gering ist wie die, die hierzulande von Haien droht. Oder Giftspinnen. Oder tollwütigen Wombats. Insgesamt kann man Giftspinnen oder tollwutkranken Tieren eine gewisse Gefährlichkeit jedoch sicherlich unterstellen. Und wo sie auf Menschen treffen, werden sie selbige wahrscheinlich auch relativ oft töten.
Vermutlich fallen jährlich auch wesentlich mehr Menschen umfallenden Bäumen zum Opfer als zubeißenden Haien. Muß ich daher jetzt auf meinen Sonntagsspaziergang im Grünen verzichten?
 

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Gerade las ich einen Artikel zur Entwicklung der Blockflöte – aus instrumentenbaulicher, aber auch musikalischer Sicht. Das heißt, der Artikel erzählte von den Ursprüngen, den verschiedenen Musikstilrichtungen, für die Blockflöten in den unterschiedlichen Epochen zum Einsatz kamen, und am Ende aber auch von der Entwicklung der Blockflöte hin zum etablierten Instrument für die frühkindliche musikalische Grunderziehung.
Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen: ich erhielt seinerzeit schon im Kindergarten Flötenunterricht (ich berichtete bereits), und in Grundschule und Gymnasium gehörte das Spielen der Blockflöte zum Lehrplan.
Glücklicherweise entdeckte man im 20. Jahrhundert das gesamte musikalische (und nicht nur das musikpädagogische) Potential der Blockflöte neu, nachdem sie in der Barockzeit zwar eine Blüte erlebt, danach aber mehr und mehr an Bedeutung verloren hatte, so daß sie jetzt wieder als vollwertiges und komplexes Instrument estimiert wird.
In besagtem Artikel wird in dem Absatz, der sich mit der Blockflöte als Schulinstrument befaßt, ein Flötist namens Gerhard Braun zitiert, der die Blockflöte einst „Klangschnuller“ genannt haben soll, was zum guten Ruf dieser Flöte nicht gerade beigetragen habe.
Vermutlich unterstellte man ihm, mit dem Namen Klangschnuller die Blockflöte lächerlich gemacht und zu einem Instrument auf Spielzeugniveau deklassiert zu haben, das lediglich für kleine Kinder tauge, um sie erste Töne produzieren zu lassen, die nicht aus ihren Kehlen dringen.
Wenn man aber bedenkt, daß Gerhard Braun nicht nur Quer-, sondern auch Blockflötist war, kann ich mir nicht vorstellen, daß er das so gemeint haben kann.
Welche Assoziationen kommen einem denn als erstes in den Sinn, wenn man an einen Schnuller denkt? Ist ein Schnuller nicht das erste Ding, an das ein Kind so richtig sein Herz verliert? Das es beruhigt, entspannt und ihm ein Gefühl der Geborgenheit gibt? Wieso sollte man den „Klangschnuller“ denn also nicht genau so positiv konnotieren und Herrn Braun zugestehen, daß er damit zum Ausdruck bringen wollte, wie geeignet die Blockflöte doch ist, einem Kind die Liebe zur Musik einzugeben? Trost, Geborgenheit, Wohlbefinden in der Musik zu finden, zu der das Kind über die Blockflöte die ersten Schritte geht?
Natürlich assoziiert man mit einem Schnuller auch viel Gesabber, und man will als Erwachsener sich nicht unbedingt den Schnuller eines Kleinkindes in den Mund stecken. Genau so verhält es sich mit der ersten Flöte eines Kindergartenkindes. Aber es sagt ja auch niemand, daß man die Schulflöte aus der Kindheit nicht irgendwann zur Seite legen und sich ein neues Instrument zulegen darf.
 

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Gestern übten wir mit dem Flötenkreis eine „Fanfare für ein Festival“ – ein Stück für 2 Sopranflöten, Alt-, Tenor- und Baßflöte.
Unsere Chefin stellte mir die Noten für die 1. Sopranflöte auf den Notenständer, und gleich nach einem ersten Blick auf das Notenblatt wurde mir bang. Das Stück sieht für den 1. Sopran enorm viele enorm hohe Töne vor. So hoch, daß ich skeptisch war, ob ich die überhaupt hinkriege (zumal ich zunächst gar nicht wußte, wie man sie greift – so selten mußte ich sie also in meinem bisherigen Leben spielen).
Nun gut, meine Flöte war ausreichend angewärmt, bei einem ersten Durchlauf sprachen daher tatsächlich alle Töne zuverlässig an, auch die ganz hohen. Ich war zufrieden.
Das Stück ist nicht ganz banal, daher spielten wir es in einem extrem langsamen Übetempo. Und wir spielten es mehrfach hintereinander, um ein Gespür für die Rhythmik zu kriegen. Mit der Zeit gelangen mir die hohen Töne dann ein wenig schlechter, zum Teil sprachen sie nicht mehr ganz so zuverlässig an wie am Anfang. Aber nach wie vor war ich zufrieden.
Bis eine der Damen mit den Altflöten vermeldete: „Also, die Sopranflöte… die ist… wie soll ich sagen… eine Herausforderung für die Ohren.“
Meine Zufriedenheit mit den Tönen, die meine Flöte für mich da von sich gegeben hatte, war erschüttert! Oder besser gesagt: im Namen meiner Flöte, die da so schöne Töne für mich hatte erklingen lassen, war ich empört! Zugegeben, in dem langsamen Tempo, in dem wir das Stück spielten, klangen die ganz hohen, sehr kurzen Töne wie eine Maus, der man auf den Schwanz getreten hatte. Aber sie waren klar, kernig und eindeutig. Sie so pseudocharmant und wenig verbrämt als Zumutung für die Ohren zu bezeichnen, erfüllte mich mit einer zarten Zuneigung für meine arme Sopranflöte und dem Bedürfnis, ihr leise tröstend ins Labium zu flüstern, daß sie ihre Sache sehr, sehr gut gemacht hatte – egal, was die böse Altflötistin da sagte.
Ich bin sicher, mein Flötlein hat gestern nacht leise in sein Etui geschluchzt…
 

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Jedes Jahr werden an Weihnachten bestimmte Filme immer wieder gezeigt, und meist jeweils nicht nur ein Mal, sondern so häufig, daß, wenn Weihnachten vorüber ist, auch der Langsamste nicht behaupten kann, er habe keine Gelegenheit gehabt, sie sich alle anzuschauen.
„Der kleine Lord“, „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ (in dieser Weihnachtssaison 11 Mal auf diversen Sendern gezeigt!), „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens, „Santa Clause“ mit seinen vielen Fortsetzungen und und und…
Bei der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens kommt noch hinzu, daß es mehrere Versionen gibt: Trickfilme, Animationsfilme, Realfilme. Da sie sich inhaltlich alle ähneln, gehe ich davon aus, daß sie sich alle mehr oder weniger eng am Original orientieren.
Erst dieses Jahr wieder sah ich zwei Versionen von dieser Geschichte: die Animationsversion von Disney und eine für das britische Fernsehen produzierte Realverflmung aus dem Jahr 1984.
Beide Filme gefielen mir sehr gut, und sie setzen das Thema sehr ähnlich um.
Daß am Ende der Geschichte die Hauptperson Ebenezer Scrooge das Gehalt seines Angestellten Cratchit verdoppelt und ihm und dessen Familie nicht nur damit aus einer Notlage heraushilft, dürfte allgemein bekannt sein. Heute lernte ich allerdings aus der Wikipedia, daß Charles Dickens in seinem Buch Scrooge diese erfreuliche Neuigkeit seinem Mitarbeiter bei einer Schale „Smoking Bishop“ verkünden läßt – ein Detail, das in keiner der verfilmten Versionen, die ich kenne, auftaucht.
Ein „Smoking Bishop“ ist, wie ich herausfand, ein dem deutschen Glühwein ähnliches Getränk auf der Basis von Portwein. Und je nachdem, welche Art von Wein als Zutat für das Getränk gewählt wird, ändert sich der geistliche Stand im Namen des Gebräus: neben rauchenden Bischöfen gibt es nämlich auch Kirchendiener, Erzbischöfe, Kardinäle und sogar Päpste.
Von unten nach oben in der kirchlichen Hierarchie sinkt das Kopfwehpotential dieses Gewürzweins, d. h. der Genuß eines oder mehrerer „Smoking Beadle“ (Kirchendiener) dürfte den Trinkenden am nächsten Tag am meisten plagen, denn dieser wird mit Ingwerwein, einem süßen Likörwein hergestellt. Wohingegen ein „Rauchender Kardinal“ Champagner und ein „Smoking Pope“ edlen Burgunder enthält.
Na denn, Prost!
 

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Gerade las ich einen Vorbericht zu einem Konzert, der – wie das die Aufgabe eines solchen Vorberichts ist – ganz offenbar Appetit auf ebenjenes Konzert machen will.
Optisch perfekt präsentiert ist der Text, und auch der Betreiber der Seite, auf der der Artikel zu lesen ist,  ließe eine gewisse Professionalität des Berichterstatters erwarten – wären da nicht, ja wären da in dem Schriftstück nicht Wendungen zu finden wie „…erwarten den Zuhörer schmissige Arrangements für Blasorchester…“ und „…die Sängerinnen des Vocalensembles präsentieren zwei packende Songs…“!
Schmissige Arrangements und packende Songs verbinde ich nicht mit hochwertig vorgetragener Musik, die bei einem dafür spezialisierten Veranstalter zu hören ist. Viel eher sehe und höre ich da vor meinen geistigen Augen und Ohren die Ü70-Sänger des örtlichen Kaninchenzuchtvereins, die bei der Jahreshauptversammlung das bunte Rahmenprogramm absolvieren. Einen bunten Strauß an beliebten Melodien in schmissigen Arrangements und packenden Songs eben.
Der Verfasser der entsprechenden Zeilen hat entweder von Musik keine Ahnung (wovon wohl auszugehen ist), oder er hat sein Handwerk nicht so gelernt, daß er es beruflich einsetzen sollte (wovon möglicherweise sogar zusätzlich auszugehen ist).
Mich schüttelt es mittlerweile allzu oft, wenn ich als Leserin, der man das Laiendasein durchaus unterstellen darf, mit derart dilettantischen Formulierungen gequält werde, wo ich doch erwarten dürfen müßte, auf einer professionellen Plattform auch heutzutage noch professionelle Texte zu lesen zu kriegen.
 

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Gestern schob mir jemand ein Video aus dem Jahr 2012 zu, in dem ein Kabarettist sich über die Art und Weise echauffierte, in der Politiker reden und vor allem Fragen in Interviews beantworten.
In der Regel beantworten sie nämlich, so der Kabarettist, Fragen gar nicht, sondern salbadern wortgewaltig daher, ohne etwas auszusagen. Und er plädierte dafür, daß Journalisten künftig mehr Mumm zeigen und dem Interviewpartner das Mikrofon zu machen sollten, wenn auf die dritte Frage in Folge keine wirkliche Antwort gegeben worden sei.
Und damit hat er recht, der Herr Kabarettist! Mir ist das auch schon sehr oft aufgefallen. Da wartet man minutenlang und hört zu und zu, ob Herr oder Frau Politiker vielleicht doch noch auf den Punkt kommt, und am Ende stellt man fest: eine Antwort auf die gestellte Frage hat man nicht erhalten. Aber da die Zeit so fortgeschritten ist, wird dann nicht weiter insistiert.
Meist überlege ich dann, welche (nicht gestellte) Frage der/die Interviewte da tatsächlich beantwortet hat, und gar nicht selten will mir einfach keine Frage einfallen, auf die das Gesagte eine Antwort hätte sein können. Und wenn etwas in einem Interview Geäußertes auf keine Frage dieser Welt eine Antwort ist, wen interessiert es denn dann? Wahrscheinlich niemanden.
Dann mutet das Ganze wie eine Sprechübung des Bundesplapperministers an, die Landesbeauftragte für Inhaltsleere glänzt mit ihrer Fachkompetenz, und der interessierte Bürger guckt in die Röhre.
 

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09
Aug
Kakapo!

Als ich das Wort „Kakapo“ zum ersten Mal las, hatte ich sofort Assoziationen, die eigentlich eines Erwachsenen nicht würdig sind, sondern eher auf dem Niveau eines Kleinkindes anzusiedeln wären.
Seit ich allerdings weiß, was ein Kakapo wirklich ist, nehme ich das Wort um einiges gereifter zur Kenntnis.
Der Kakapo ist der größte lebende Papagei; er ist flugunfähig und vom Aussterben bedroht. (Wobei es zwischen Flugunfähigkeit und Bedrohung keinen kausalen Zusammenhang gibt.)
Wie ich gerade gelernt habe, ist seine Flugunfähigkeit dadurch begründet, daß das üblicherweise bei Vögeln vorhandene verstärkte Brustbein und die kräftige Flugmuskulatur fehlen.
Der Kakapo ist sehr groß, hat ein weiches Gefieder und scheuert sich in schöner Regelmäßigkeit die Schwanzfedern auf, weil er eben ständig zu Fuß unterwegs ist und seinen Schwanz so zwangsläufig stets über den Boden schleift.
Die bisher genannten mögen keine besonders bemerkenswerten Eigenschaften sein. Wenn ich aber lese, daß der Vogel einen intensiven Geruch verströmt, der an Blumen und Honig erinnert, dann öffnet sich sofort mein Herz für dieses liebe Tier.
Und nicht nur der Duft nach Blumen und Honig ist ungewöhnlich; auch das Paarungsverhalten ist nicht gerade durchschnittlich. Während man noch nie ein Kakapo-Paar bei der Paarung hat beobachten können, weiß man jedoch, daß die Männchen während der Balz sehr erregt sind und es mit dem Paarungspartner nicht so genau nehmen. Da muß dann schon auch mal ein Ast oder ein Pullover herhalten, wenn gerade keine Kakapo-Dame greifbar ist.
Leider wird in dem Artikel, aus dem ich all das gelernt habe, nichts über Sinn und Zweck des betörenden Körpergeruchs gesagt (wo mich das doch viel mehr interessiert hätte als die Geschichte all der bisher ergriffenen Maßnahmen, um das Aussterben des Vogels zu verhindern)!
Aber ich bin überzeugt, daß sich die Natur dabei was gedacht hat. Nur was?
 

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Ich bin ja bisher durchs Leben gegangen mit der Gewißheit, für die deutsche Sprache ein einigermaßen gutes Gefühl zu haben. (Die Noten, die ich einst in der Schule in Deutsch erhielt, sagen zwar etwas anderes, aber man hat mich nach meiner Schulzeit in diesem meinem Gefühl durchaus auch schon bestätigt.)
Wenn ich jetzt aber von Johanna Narten lese, nach der der Narten-Ablaut benannt ist, schrumpft diese Gewißheit auf eine klitzekleine Hoffnung bzw. ein Wunschträumchen zusammen.
Die Dame war Professorin für Indogermanistik und Indoiranistik, da mag nicht verwundern, daß sie mir sprachlich überlegen war. Aber die Erklärung des Narten-Ablauts liest sich wie folgt:
„…Es handelt sich um eine Variante des bekannteren regulären Wurzelpräsens. Letzteres zeichnet sich dadurch aus, dass im Singular der Stamm Akzent und Vollstufe (d. h. e-Vokal) hat und die Personalendung Schwundstufe (d. h. keinen e-Vokal), dagegen im Plural der Stamm Schwundstufe und die Personalendung Akzent und Vollstufe. Diese Situation überlebt bis ins moderne Deutsch noch in dem Verb für sein, welches in der 3. Person im Singular is-t (aus *h₁és-ti), im Plural s-ind (aus *h₁s-énti) lautet. Diese Bildung ist in Sprachen wie dem Sanskrit noch viel häufiger und insgesamt für das Indogermanische gut erschließbar…“
So, jetzt sind Sie dran! Verstehen Sie das? Ich nicht. Und der Artikel geht immer so weiter! Schwund- und Vollstufe, Dehnstufe und Akzent mal auf Stamm, mal auf Endung – da schwirrt dem Leser der Kopf, und es schwinden ihm die Sinne. Und zwar auf voller Schwundstufe!
 

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01
Aug
Bauhaus

Heute morgen stolperte ich über einen Artikel über die „Ziegenbockstation“, ein im Bauhausstil errichtetes Gebäude in Niedersachsen, das anfangs im Dienste der Landwirtschaft als Ziegendeckstation genutzt wurde. Daher auch der Name.
Heute ist es zum Wohnhaus umgebaut. Eine Abbildung des Gebäudes ist dem Artikel beigefügt.
Und wenn ich mir das Haus so betrachte, befällt mich wieder diese Beklommenheit, die mich immer ergreift, wenn ich Häuser im Bauhausstil sehe. 
Wie man je auf die Idee hat kommen können, diesen Baustil zu entwickeln und zu pflegen, ist und bleibt mir ein Rätsel.
Gebäude dieses Stils machen mich traurig, tilgen sofort alle Fröhlichkeit in mir und lassen die Welt zu einem schlechteren Ort werden. Sie haben tatsächlich die Macht, in mir das Gefühl zu erzeugen, daß alles Glück dieser Welt eitler Tand ist und der Mensch sich, bittschön, darauf besinnen sollte, wie häßlich das Leben sein kann.
In der Stadt, in der ich lebe, ist das städtische Schwimmbad im Bauhausstil gebaut. Und immer, wenn ich daran vorbeifahre, lausche ich, ob ich die Schreie der Kühe und Schweine wohl höre, die darin zur Schlachtbank geführt werden. Wie ein Schlachthof mutet das Gemäuer nämlich an. Von diesem Eindruck lenkt einzig der Umstand ein wenig ab, daß sich immer irgendwelche fröhlichen Leute mit Schwimmring um den Bauch und nörgelnden Kindern an der Hand vor dem Eingangsbereich tummeln.
Das einzige Argument für diese Art des Bauens, das ich gelten lassen würde, sind die Baukosten, die sicherlich geringer sind, wenn ein Haus sparsam mit Erkern und Nischen umgeht und auch sonst jedweden Zierrat vermeidet.
Wobei die Sparsamkeit bei ebendiesen Dingen eben auch wieder den tückischen Nachteil mit sich bringt, daß es sich (bei all der Traurigkeit, die das erzeugt) von den Flachdächern dieser Gebäude vortrefflich in den Tod springen läßt. Und das kann ja wohl nicht verfolgte Zweck sein!
 

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Claudia Desgranges, eine Malerin, die viel mit Acrylfarben arbeitet, beendet ihre Arbeitstage immer damit, daß sie ihre Pinsel nicht nur auswäscht, sondern die Farbreste, die sich noch darin befinden, vorher auf Papier ausstreicht. Auf diese Weise führt sie eine Art „Farbtagebuch“, das sie daran erinnert, wann sie welche Materialien und Farben verwendet hat, und wie sich ihr Werk damit auch entwickelt hat.
Ich stelle mir gerade vor, wie etwas Vergleichbares in anderen Berufen aussehen könnte.
Am geeignetsten für ein gleichartiges „Tagebuch“ scheint mir das Tätigkeitsfeld der Hausfrau zu sein. Sie hat mit Sicherheit so einiges „auszustreichen“ am Ende eines langen Arbeitstages, vor allem wenn sie zudem auch noch Mutter ist.
Teebeutel, Kaffeefilter, Safttüten, Mehlreste, ein Pfützlein Meister Proper, Reifenspuren vom Einkaufsroller, Kugelschreiberkleckse vom Tagesplan, ausgespiener Brei vom Sprößling – da kommt einiges zusammen, was in dieser Weise tagebuchtauglich wäre und die Entwicklung vor allem als Mutter dokumentieren könnte.
Nur: würde eine Hausfrau und Mutter tatsächlich eine vergleichbare „Nabelschau“ halten wie eine bildende Künstlerin? Oder ein Bankkaufmann? Wie würde der ein solches Tagebuch führen? Welche Spuren würde er auf Papier festhalten? Und würde er es überhaupt tun?
Ich weiß, daß Künstler bei der Ausübung ihres Berufes einen anderen Bezug zu sich selber haben müssen als Menschen in anderen Berufen. Kunst entsteht nicht ohne Leidenschaft. Völlig leidenschaftslos, aber dennoch sehr erfolgreich kann man jedoch Wurst und Fleisch verkaufen.
Nur wenn jemand von der Wursttheke auf die Idee käme, ein Leberwursttagebuch zu führen, würden die Kollegen doch sicherlich den ärztlichen Notdienst alarmieren.
 

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Heute bekommt man im SPIEGEL einen Artikel zum „Lebenstraum Eigenheim“ zur Lektüre angeboten.
Ich habe ihn noch nicht gelesen, aber der Teaser, also die ersten paar Sätze, die vorab immer eingeblendet werden, lautet wie folgt: „Ein Haus zu kaufen statt zu mieten, mehrt das Vermögen. Das klingt logisch. In Wahrheit aber vernichtet die eigene Immobilie Geld, Zeit und sogar Ehen.“
Echt? Sogar Ehen? Ja, wer hätte denn das gedacht?!
Wer kennte denn nicht mindestens ein Paar, das sich nach verrichteter Errichtung oder Renovierung eines frisch erworbenen Eigenheims schnustracks getrennt hat?! In meinem Umfeld ist diese Gefahr so bekannt wie jene, sich beim Balancieren auf einem Apfelbaumast einen Knochenbruch zuzuziehen. Wir scherzen schon immer, wenn mal wieder zwei sich (noch) liebende Menschen gemeinsam ein altes Haus/eine Bruchbude/einen alten Bauernhof erwerben: „Wenn die Beziehung diese Renovierung überlebt, hält sie für das ganze Leben.“
Aber oft genug ist ein, zwei Jahre später ein günstig zu erwerbendes, frisch renoviertes Anwesen in den Immobilienanzeigen der Tageszeitung zu finden.
Nicht besser sieht es bei der Durchführung eines Neubaus aus. Da geraten Partner in Streit, weil der Estrichleger nicht planmäßig auf der Baustelle erschienen ist und das ja nie im Leben passiert wäre, wenn man nicht Estrichleger A, sondern Estrichleger B genommen hätte; das Wochenende ist ruiniert, weil der eine mehr Geld in feine Fliesen, die andere aber lieber in eine Fußbodenheizung stecken will; und am Ende wird ein halbfertiges Haus ohne Fliesen und ohne Heizung als „Bastelpackung“ an ein anderes Paar verhökert, das noch nicht ahnt, was auf es zukommen wird.
Fast möchte man annehmen, daß das Baugewerbe von Scheidungsanwälten bald Provisionen einfordern kann, weil es den Juristen immer wieder Grund zur Klage zuspielt.
 

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Die 50 Sprachen, die in der Welt im allgemeinen als die erotisch attraktivsten gelten, konnte man heute im ‚stern‘ nachlesen.
Weil gleich in der Überschrift betont wurde, daß auf Platz 1 nicht Französisch gelandet war, las ich tatsächlich in den Artikel mal rein.
Und was erfuhr ich dabei? Ich lernte, daß in Österreich Österreichisch und in der Schweiz Schweizerisch gesprochen wird.  Außerdem erfuhr ich von der Existenz der Sprachen Schottisch, New Yorkisch, Bostonisch und Mexikanisch. Südstaaten-Englisch mag man da ja im Vergleich fast schon erleichtert hinnehmen, da man da zumindest erahnen kann, daß irgendjemandem klar gewesen sein mußte, daß es sich hierbei um eine der vielen Spielarten bzw. Dialekte des Englischen handelt.
Daß Platz 1 ausgerechnet von „Kiwi“ belegt ist, einer Sprache, die sicherlich nicht zu den meistbeherrschten Weltsprachen gehört, setzt dem Ganzen die Krone auf! Wen hat die Umfrage denn da befragt? Und aufgrund des Sounds welcher Aussage in dieser Sprache wurde „Kiwi“ denn gewählt? „Ich hätte gern ein Viertel Leberwurst“??
Bei so viel geballtem Stuß greift sich doch der klar denkende Mensch ans Hirn! Wohin der Verfasser des Rankings sich greift, ist unklar, denn an Hirn zum Drangreifen mangelt es ja offensichtlich.
 

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„Ich sag‘ Ihnen: der Mann hat in seinem Leben mehr erlebt als andere Menschen in 10 Jahren!“
Mit diesen Worten hat heute morgen im Radio der Moderator das neueste Werk eines bestimmten Schriftstellers angepriesen, das angeblich von einem spannenden Leben erzählt.
Nur: wir hoffen doch alle wirklich schwer, daß der Herr im Laufe seines Lebens tatsächlich mehr erlebt hat als andere in 10 Jahren! Denn es ist ja wohl davon auszugehen, daß sein Leben schon um einiges länger währt als eben diese 10 Jahre! Da wäre es doch eigentlich viel bemerkenswerter, wenn er weniger erlebt hätte.
Das wäre doch mal ein Buch wert! „Der Mann, der nichts erlebte“ – das wäre doch ein Buchtitel, der sich sicherlich gut verkaufen würde. Wenn man das Nichterlebte in wohlklingende Worte kleidete, einen überspannten Charakter dazu erfände, eine surreale Szenerie entwürfe und eine allgemein düstere Stimmung aufbaute, wäre einem der Literatur-Nobelpreis doch quasi sicher.
Ich glaube, ich mache mal eine Vorstudie zu diesem Projekt. Projekt „Die Frau, die nichts erlebte“…
 

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Bad Gottleuba-Berggießhübel. Haben Sie diesen Städtenamen schonmal gehört?
Ich las ihn heute morgen zum ersten Mal in meinem Leben. Und ich verortete die Stadt sofort im Thüringischen, weil mir diese Gegend für Städte und Ortschaften, deren Namen auf –ba enden, wohlbekannt ist. Ich irrte da jedoch. Die Stadt liegt in Sachsen, also noch weiter weg von meiner Heimat, weswegen ich mich auch nicht schäme, sie nicht zu kennen.
Beim Lesen fiel mir aber ein, daß Städtenamen im Osten unserer Republik nicht nur oft auf den Buchstaben a enden, sondern im allgemeinen häufig sehr melodiös und zum Teil einigermaßen witzig klingen.
Beispiele gefällig? Hier sind sie: Bad Gottleuba-Berggießhübel (das hatten wir ja schon), Langenleuba-Niederhain, Langenleuba-Oberhain (wie kann es auch anders sein?), Sornzig-Ablaß, Kühren-Burkartshain, Zschaitz-Ottewig, Dürrröhrsdorf-Dittersbach (man beachte hier vor allem die drei r im ersten Teil!), Mohlsdorf-Teichwolframsdorf, Zedlitz, Teichwitz, Harth-Pöllnitz, uvm. (Die drei letzten sind vom Namen her ja die Klischeeortschaften des südlichen Ostens Deutschlands; da muß es einen nicht wundern, wenn ein bekannter deutscher Cartoonist eines seiner Werke in Arschritz verortet hat….)
Kommt einem bei all diesen Ortsnamen nicht unwillkürlich das Kichern? Wie sehr heben sich dagegen solche schlichten Namen wie die folgenden aus dem deutschen Westen ab: Preußisch Oldendorf, Radevormwald, Sibbesse Westfeld, Neustadt am Rübenberge, Amt Avenwedde, Großenkneten, Westoverledingen, Ostrhauderfehn, Neukamperfehn, Dittishausen, Seppenhofen.
Nun, Sie sehen: lustig (oder besonders) kommt einem immer nur das vor, was man nicht kennt.
Ich käme nämlich z. B. nie auf die Idee, über den Namen Muggensturm zu lachen. Der Name ist mir dermaßen geläufig, daß ich seine Besonderheit nicht wahrnehme. Und auch Weiherfeld-Dammerstock, Knielingen, Igelsloch und Siehdichfür sind für mich in keiner Weise bemerkenswert. Oder Stupferich? Nichts normaler als das!
Und am Wochenende gehe ich auf alle Fälle wieder in Einöd einkaufen…
 

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Meine Kollegin ist immer wieder für einen Lacher gut!
Gerade unterhielten wir uns nämlich über den sog. Männerschnupfen, der ja sehr gern in den Medien durch den Kakao gezogen wird.
Ich meldete mich dann zu Wort und stellte klar, daß neuere Studien ergeben hätten, das männliche Immunsystem sei einer Erkältung eben nicht so gut gewachsen wir das weibliche. Männer seien also nicht, wie allgemein verlautbart, die größeren Jammerlappen, sondern tatsächlich die schlimmer getroffenen Opfer und objektiv schwächeren Gegner.
Und an dieser Stelle kommt nun meine Kollegin ins Spiel. Denn die zog sofort einen logischen Schluß, der an Absurdität nicht zu übertreffen ist. Das alles sei, so sagte sie nämlich, für sie total nachvollziehbar, wenn sie so näher drüber nachdenke. Schließlich seien wir Frauen ja darauf ausgelegt, einen Fremdkörper in uns zu tragen. Womit sie die Erkältungsviren dieser Welt quasi einer Schwangerschaft gleichstellte. Ein Embryo sei ja schließlich auch ein Fremdkörper, den es zu dulden gelte.
Daß eine Schwangerschaft in der Regel aber im Gegensatz zu einer Erkältung nicht dadurch endet, daß ein intaktes Immunsystem den Eindringling abtötet, ließ sie als Argument nicht gelten. Ihrer Ansicht nach wolle ich das alles nur nicht hören, aber je länger sie darüber nachdenke, umso schlüssiger seien ihre Ausführungen für sie.
Es überrascht Sie vielleicht nur wenig, daß besagte Kollegin generell von dem Gedanken an die eigene Fortpflanzung nicht gerade angetan ist. Vermutlich habe ich ihr heute ein weiteres, emotionales Argument gegen ein Kind an die Hand gegeben, und wenn es noch so absurd ist.
 

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Neulich machte ich mal wieder einen dieser obskuren Online-Tests, über den ich erfahren sollte, wie alt mein Gehirn ist.
Natürlich halte ich meinen Geist für überaus wach und am Puls der Zeit orientiert, weswegen ich überzeugt war, da ganz gut abzuschneiden und irgendwo bei Mitte dreißig, höchstens vierzig zu landen.
Ich beantwortete also Fragen zu aktuellen Themen, führte optische Übungen durch, vervollständigte Zahlenreihen in ihrer Logik, rechnete Gleichungen im Kopf aus und gab Auskunft zu denjenigen meiner Charaktereigenschaften, die aufzeigen, wie lernbegierig und anpassungsfähig man (noch) ist.
Am Ende teilte mir der Test mit, ich solle von meinem tatsächlichen Alter 7 Jahre abziehen und hätte damit das Alter meines Gehirns ermittelt.
Na also! Wenn das kein erfreuliches Ergebnis war! Dachte ich.
Bis ich bemerkte, daß ich nirgends mein tatsächliches Alter angegeben hatte, und somit das Testergebnis in diesem Wortlaut völliger Mumpitz war. Denn wenn der Test mein wahres Alter nicht kannte, mir aber zu verstehen gab, mein Gehirn sei auf jeden Fall 7 Jahre jünger als der Rest von mir, dann hätte es ja durchaus passieren können, daß mein Gehirn z. B. auf dem Niveau eines Sextaners eingestuft worden wäre, obwohl ich Aufgaben gelöst hatte, die frühestens in der gymnasialen Mittelstufe behandelt werden.
Wer die möglichen Testergebnisse vorformuliert hat, hat entweder Marketingpsychologie studiert und weiß, wie der gemeine Mensch in seiner Eitelkeit so tickt. Oder aber er macht sich lustig über die Deppen, die einen solchen Test tatsächlich absolvieren.
Letzteres wäre völlig angebracht, denn ich fühlte mich gedemütigt, als mir aufging, daß ich mich in den ersten paar Sekunden tatsächlich von meinem Testergebnis geschmeichelt gefühlt hatte. Hätte ich mich sofort verarscht gefühlt, dann, aber nur dann träfe das Ergebnis tatsächlich zu!
 

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Stellen Sie sich vor: Der Gefurchte Steppenrüssler ist in Deutschland vom Aussterben bedroht!
In Bayern gibt es nur noch ganz wenige Exemplare davon, und in Sachsen-Anhalt hat man ihm den Garaus schon gemacht!
Diese erschütternde Nachricht entnahm ich heute wieder meinem Lieblingsnachschlagewerk, der Wikipedia.
Neugierig gemacht befaßte ich mich sogleich mit dem ganzen Artikel. Und wenn ich mir die Bilder so betrachte, wage ich zu behaupten, daß der besagte Käfer auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nicht gerade mehr zu Hauf vorkommt, denn ich habe solch ein Tier noch nie gesehen!
Gefurcht ist er und schwarz. Was aber aus seiner in Beigetönen changierenden Behaarung nicht so eindeutig zu erkennen ist.
Nun gut: ich versuchte irgendwie herauszubekommen, was einen Artikel über dieses Insekt (bei dem im übrigen „der Halsschildhinterrand gegen das Schildchen nach hinten gezogen ist“) rechtfertigt außer eben der Tatsache, daß es bald das Schicksal des ewigen Verschwindens von deutschem Boden wird erleiden müssen. Und ich versuchte ebenso zu eruieren, wieso ich solch einen Käfer noch nie zu Gesicht bekommen habe. Vergebens! Zum Leben und Wirken wird herzlich wenig gesagt, und bzgl. des Lebensraums des Tieres wird außer dem Umstand, daß es an trockenen und warmen Standorten haust, lediglich eine Liste an Ländern aufgeführt, die so lang ist, daß ich mich frage, wo der Kerl eigentlich nicht lebt, und ob die nicht ausreichen sollte, um ihm sein komplettes Aussterben zu ersparen.
Ich bin ehrlich: mich betrübt der bevorstehende Verlust des Gefurchten Steppenrüsslers wenig, da ich bisher auch ganz gut ohne ihn gelebt habe. Aber die Welt als Gesamtes wird auch um mich dereinst nicht wirklich weinen.
 

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Ich glaube, ich habe es schon einmal erwähnt, daß wir eine nicht geringe Anzahl an CDs unser Eigen nennen, die wir von wohltätigen Organisationen als kleines Dankeschön für unsere Spenden zu Weihnachten geschenkt bekamen.
Wir haben uns über jede einzelne auch wirklich sehr gefreut. Und wir spielen sie in jedem Advent auch immer wieder ab. Doch wenn ich mir dann die Lieder anhöre, die hochberühmte Tenöre – wie z. B. Luciano Pavarotti, Placido Domingo und José Carreras – sicherlich fachlich kompetent und künstlerisch hochwertig singen, dann mögen die mir einfach nicht gefallen.
Die genannten Operntenöre singen die zartesten Weihnachtslieder nämlich, wie wenn sie gerade in den Krieg zögen. Es kommt mir bisweilen vor, als ob die Herren sich gegenseitig hatten beweisen wollen, wer dem lieben Jesulein am stimmgewaltigsten den Schlaf rauben konnte. Da können die nämlich noch so inbrünstig „Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will!“ zetern – man nimmt es ihnen nicht ab, daß es ihnen dabei wirklich um die gute Nachtruhe des Gotteskindes geht.
Wie viel wohltuender ist es da doch, wenn Kinderchöre mit nicht ganz perfekten Stimmlein zweistimmige Adventslieder flöten und sich nur mit Mühe gegen die zart sie begleitende Orgel durchsetzen.
 

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Vor einiger Zeit stolperte ich im Internet über eine Sammlung von Kommentaren, in denen sich die Autoren über das Sortiment des Händlers „Die moderne Hausfrau“ lustig machen. So manches scheint den geneigten Lesern des Produktkatalogs durchaus entbehrlich, zumal bisweilen der Zweck bzw. Nutzen des angebotenen Produkts auf den ersten Blick wohl nicht überzeugt.
Neugierig gemacht rief ich mir sogleich die Webseite der „modernen Hausfrau“ auf. Nach einigem Blättern wundere ich mich eigentlich nur über ein einziges Produkt; eines, das mir nämlich sagt, auch die Reißverschlüsse meiner Jacken und Hosen bedürften der Pflege! Hierfür bietet „Die moderne Hausfrau“ einen Pflegeroller an, mit dem man den Reißverschluß offenbar mit Pflegewachs einrollern und so „ersten Alterserscheinungen“ des Verschlusses und seiner Zähne entgegenwirken kann. (Ich muß mal genauer nachlesen, ob der Stift wirklich auf Alterserscheinungen und Zähne von Reißverschlüssen beschränkt ist…) Erschüttert nahm ich damit ein Problem zur Kenntnis, das in meinen vielen Lebensjahren noch nie eines war. Aber wie gesagt: das ist bisher das einzige Produkt, das mir völlig entbehrlich erscheint, und bei dem ich mich frage, wie jemand auf die Idee kommt, so etwas zu produzieren. Eine echte Nachfrage kann da unmöglich bestehen.
Was mir allerdings auffällt, ist, daß „Die moderne Hausfrau“ alles mögliche ist, nur nicht modern. Betrachtet man sich nämlich z. B. die Tischdecken, die „Die moderne Hausfrau“ anbietet, dann fällt auf, daß die so altbacken sind, daß selbst meine Oma, die schon mehr als 10 Jahre nicht mehr unter uns weilt, die niemals auf ihren Tisch gelegt hätte. Und auch andere Produkte scheinen mir Relikte aus den 70ern zu sein; oder wann haben Sie das letzte Mal ein aus einem Gästehandtuch geknotetes Kuscheltier im Geschenkgebinde gesehen? Oder ein Stopfei? Wer, um Himmels Willen, stopft heutzutage denn noch seine Socken?? Gerade eben habe ich auch noch den Fugen-Weiß-Stift gesehen, mit dem man die Fugen der Badezimmerfliesen wieder schön weiß anmalen kann! Spätestens jetzt ist es um mich und meine 70er-Jahre-Nostalgie vollends geschehen! Ich bin überzeugt, daß ich, wenn ich noch weiterblättere, noch ein Telefontischchen für auf den Flur finde.
 

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Ach Gottchen! Schon wieder treibt mir Wikipedia Tränen der Rührung in die Augen!
Lese ich doch da heute „Lange galten die Hüpfmäuse als Springmäuse.“
Mal abgesehen davon, daß ich gar nicht wußte, daß es sowas wie Hüpfmäuse gibt, sehe ich vor meinem geistigen Auge jetzt lauter kleine Mäuslein, die sich bei Bundesjugendspielen im Weitsprung messen, und wegen einer Verschärfung der Regeln dürfen ab sofort nur noch die mit einer Ehrenurkunde sich hinterher eine ‚Springmaus‘ nennen. Alle, die nicht weit genug gesprungen sind und nur eine Siegerurkunde erringen konnten, müssen sich damit begnügen, nur eine ‚Hüpfmaus‘ zu sein.
Wie traurig!
Über dieses Mitleid, das ich da empfinde, tröstet mich auch nicht hinweg, daß Hüpfmäuse offenbar hübsche Geschöpfe sind – wenn man der Beschreibung der Hüpfmausoptik in dem Artikel Glauben schenken kann. Nur eine Hüpfmaus zu sein, gibt den kleinen Nagern doch sicher ein Gefühl der Minderwertigkeit, des Nicht-Genügens!
Dafür muß es doch eine Lösung geben!
 

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