Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ju
Die Sache mit dem Farbtagebuch
31.07.2019 09:42

Claudia Desgranges, eine Malerin, die viel mit Acrylfarben arbeitet, beendet ihre Arbeitstage immer damit, daß sie ihre Pinsel nicht nur auswäscht, sondern die Farbreste, die sich noch darin befinden, vorher auf Papier ausstreicht. Auf diese Weise führt sie eine Art „Farbtagebuch“, das sie daran erinnert, wann sie welche Materialien und Farben verwendet hat, und wie sich ihr Werk damit auch entwickelt hat.
Ich stelle mir gerade vor, wie etwas Vergleichbares in anderen Berufen aussehen könnte.
Am geeignetsten für ein gleichartiges „Tagebuch“ scheint mir das Tätigkeitsfeld der Hausfrau zu sein. Sie hat mit Sicherheit so einiges „auszustreichen“ am Ende eines langen Arbeitstages, vor allem wenn sie zudem auch noch Mutter ist.
Teebeutel, Kaffeefilter, Safttüten, Mehlreste, ein Pfützlein Meister Proper, Reifenspuren vom Einkaufsroller, Kugelschreiberkleckse vom Tagesplan, ausgespiener Brei vom Sprößling – da kommt einiges zusammen, was in dieser Weise tagebuchtauglich wäre und die Entwicklung vor allem als Mutter dokumentieren könnte.
Nur: würde eine Hausfrau und Mutter tatsächlich eine vergleichbare „Nabelschau“ halten wie eine bildende Künstlerin? Oder ein Bankkaufmann? Wie würde der ein solches Tagebuch führen? Welche Spuren würde er auf Papier festhalten? Und würde er es überhaupt tun?
Ich weiß, daß Künstler bei der Ausübung ihres Berufes einen anderen Bezug zu sich selber haben müssen als Menschen in anderen Berufen. Kunst entsteht nicht ohne Leidenschaft. Völlig leidenschaftslos, aber dennoch sehr erfolgreich kann man jedoch Wurst und Fleisch verkaufen.
Nur wenn jemand von der Wursttheke auf die Idee käme, ein Leberwursttagebuch zu führen, würden die Kollegen doch sicherlich den ärztlichen Notdienst alarmieren.
 

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Bauhaus

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