Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ma
Zupfinstrumente im Besonderen
14.05.2024 09:28

Ich hatte als kleines Kind schon eine Blockflöte. Im Kindergarten lernten wir, Noten zu lesen und auch die ersten Töne auf der Flöte zu spielen. In der Grundschule gehörte das Blockflötenspielen ganz selbstverständlich zum Musikunterricht dazu, und jenseits der Schule leitete eine Frau aus unserer Kirchengemeinde uns an, so daß wir im Advent und an Weihnachten in einem kleinen Ensemble mehrstimmig spielen konnten. Ich erinnere mich, daß mir das auch immer Spaß gemacht hat.
Damals war es ja übliches Denken, daß Kinder – sollen sie Instrumentalunterricht erhalten – von der Blockflöte auf „ein richtiges Instrument“ wechseln sollten. Mir hatte die Blockflöte immer Spaß gemacht, weswegen ich geradlinig weitergedacht und als Konsequenz die Klarinette als mein Wunschinstrument auserkoren hatte. Meine Eltern waren einverstanden (die Blockflöte weiterzuführen, kam niemandem von uns in den Sinn, zumal ich ziemlich sicher bin, daß das an der örtlichen Musikschule damals gar nicht weiter als in der musikalischen Früherziehung unterrichtet wurde), und so zog meine Mutter mit mir los, um mich an der Musikschule dafür anzumelden.
Was machte da der Schulleiter? Der redete auf mich ein, Klarinette passe ja aber überhaupt nicht zu Gitarre, und meine Schwester spielten ja schließlich Gitarre, und wir wollten doch ganz bestimmt mal gemeinsam musizieren usw. Da wäre Mandoline doch viel besser geeignet.
Was denken Sie, wieviel Spaß ein Kind an einer Mandoline hat, wenn es davon träumt, Klarinette zu spielen? Zupf- und Blasinstrumente sind von ihrer Klangnatur ja derart weit auseinander, daß man da – wie ich finde – kein Fachmann sein muß, um zu erkennen, daß das schiefgehen muß.
Mit einer Flöte, einer Klarinette, einer Oboe, Trompete oder einem Fagott kann man „singen“, Töne klingen und schwingen lassen. Bei einer Mandoline hingegen klingt und schwingt… nichts!
Pick… pick… pack… packpackpack… pick – wie das Geklimper auf einem Eierschneider klingt das, wenn man da die Saiten anzupft. Der Welt ist der fehlende Nachklang einer Mandolinensaite bewußt, ja derart selbstverständlich gar, daß klar ist: will man Klang auf der Mandoline haben, dann muß man tremolieren. Tremolieren heißt: die Saite durch schnelle Auf- und Abbewegung der Hand wieder und wieder anschlagen, also ganz viele Töne hintereinander pick-en und pack-en lassen. Gräßlich!
Man mag jetzt einwenden, daß ich als 11jährige vielleicht einfach nicht gut genug war, der Mandoline die schönen Töne, zu denen sie zweifellos in der Lage ist, angemessen zu entlocken. Dem, der das denkt, empfehle ich, sich mal eine Aufnahme eines professionellen Mandolinisten anzuhören, der ein Vivaldi-Mandolinenkonzert spielt. Auch da hört man nix als „pick“ und „pack“. Oder picke packe picke packe.
Für mich ist die Mandoline an sich als Soloinstrument eine musikalische Fehlkonstruktion. Wie man ein Instrument entwickeln kann, das derart wenig echten Wohlklang erzeugt, in dem sich baden läßt, ist mir schleierhaft. Einzig im Orchester klingen Mandolinen voll und gut. Aber… mit der Klarinette hätte ich dieses Problem gar nicht erst gehabt.

 

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