Frau Schletterer singt nicht mehr

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Corona in der Pflege
30.03.2020 07:36

Auf der Seite der FAZ gab es dieser Tage einen Artikel über die Besuchsverbote in Pflegeheimen und die besonderen Herausforderungen, vor denen Einrichtungen, die Menschen (aus welchen Gründen auch immer) betreuen und pflegen, insgesamt stehen.
Und als Header sah man eine Fotografie von einem Schild mit folgendem Schriftzug:
„Sehr geehrte Damen und Herren, wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir aufgrund der aktuellen Lage ein Besuchsverbot für Gäste, Angehörige und Besucher verhängen müssen.“
Natürlich ist mir klar, daß dem Verfasser des Schildes nicht nach Scherzen zumute war. Aber es erheitert einen schon, wenn man gesagt bekommt, daß es nicht die Hausbewohner sind, die keinen Besuch empfangen dürfen, sondern „Gäste, Angehörige und Besucher“. Das Haus sorgt sich also – laut diesem Schild – mehr um Außenstehende als um ihre Bewohner.
Das abgebildete Schild ist sicherlich unter großem Streß geschrieben worden. (Und halt für den Artikel ein wenig ungeschickt ausgewählt.) Krankenhäuser und Pflegeheime stehen unter besonders großer Belastung und sicherlich auch unter besonderer Beobachtung von außen. Da kann einem der stilistische Feinsinn schon auch mal abhanden kommen. Insofern will ich da gar nicht weiter drauf rumreiten, sondern natürlich die Sorgfalt anerkennen, die die meisten Häuser ganz offensichtlich walten lassen.
Auch das Haus, in dem mein Vater wohnt, hat ein solches Besuchsverbot erlassen (müssen). Nun telefoniert er ein wenig öfter mit mir als sonst. Nicht, weil ich sonst normalerweise öfter zu Besuch gekommen wäre – nein. Denn ich lebe relativ weit weg von ihm. Aber es ist ihm bewußt, daß seine Töchter momentan gar nicht zu ihm kommen könnten, selbst wenn sie wollten. Und daher ist ihm auch klar, daß heute ganz sicher nicht die Tür aufgehen und ein Überraschungsbesuch hereinkommen wird.
Er hat erst gestern zu mir gesagt, wie froh er sei, daß er ein Telefon auf seinem Zimmer hat, und wie beruhigend es sei, wenigstens darüber die Verbindung zur Außenwelt ein wenig halten zu können.
Ich bete zu Gott, daß Corona es nicht schaffen wird, in dieses Pflegeheim einzudringen. Und ebenso hoffe ich für das Haus in Würzburg, in dem Corona leider schon einige Leben gekostet hat, daß die Lage bald in den Griff zu kriegen ist. Wenn in solchen Situationen Schmierblätter wie die BILD mit Titeln hausieren wie: „Gefangen im Todes-Heim“, dann gehört den zuständigen Redakteuren doch der Arsch versohlt und ins Gesicht gehustet.

 

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