Frau Schletterer singt nicht mehr

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Ju
Gut zuhören, bitte!
09.06.2022 09:05

Kürzlich habe ich bei einem Hörgeräte-Akustiker einen Hörtest gemacht, weil ich das Gefühl hatte, nicht mehr gut zu hören, und weil mein Ohrenarzt schon einmal einen Test mit mir gemacht hatte, der aber nicht auf das Sprechverstehen ausgelegt war.
Als ich beim Hörgerätefachmann ankam, begann der den ganzen Termin mit einer Aufklärung, welche Rezepte und Bescheinigungen ich benötige, damit meine Krankenkasse Kosten für das Gerät übernimmt, daß es unterschiedliche Fabrikate und Qualitätsstufen gebe usw. usf.
Irgendwann mußte ich ihn bremsen, denn ich war ja gekommen, um zunächst mal herauszufinden, ob ich überhaupt ein Hörgerät benötige. Nun gut, ein kurzes Staunen seinerseits, und los ging’s.
Wir begannen mit dem mir bekannten Standard, nämlich dem Einspielen unterschiedlich hoher und immer lauter werdender Töne, bei dem ich einen Knopf drücken mußte, sobald ich irgendwas hörte.
Weiter ging es dann mit einem Test, bei dem festgestellt werden sollte, wie gut ich gesprochene, ein- bis zweisilbe Wörter verstehe. Was soll ich sagen? Dieser Test war ein Witz!
„Turrm“, „Trrreppe“, „Garrrten“, „Rrrraum“, so klang das, wenn der Mann auf dem Band seine Wörter aufsagte. Ich frage Sie: wer spricht denn so? Außer Bühnenschauspielern, die das in ihrer Ausbildung gelernt haben, kann das ja kaum einer.
Ich fühlte mich auf jeden Fall veräppelt, denn die meisten Leute reden ja eher wie Hans Moser. Ganz sicher übertreiben sie aber nicht mit solch einer überaus ak-zen-tu-ierten Aussprache.
Als der Herr Hörgeräteakustiker mit mir dann das Ergebnis meiner Tests besprach, klärte er mich darüber auf, daß ich die hohen Frequenzen für mein Alter ungewöhnlich gut höre, jedoch Hörschwächen in den mittleren und tiefen Frequenzen aufweise. Meinen besorgten Blick quittierte er allerdings schnell mit der Feststellung, diese Defizite seien für mein Alter aber völlig normal und im alltäglichen Hören eigentlich gar nicht zu spüren. Und das Wortverstehen hätte ich mit 99% korrekt erkannten Wörtern meisterhaft bestanden. Ob meine Krankenkasse mir ein Hörgerät bezahlen würde, zweifelte er daher stark an. Die Kosten würde ich also wohl selbst übernehmen müssen.
Hallo? Hatte der Mann mir eigentlich zugehört? Kam er denn wirklich nicht auf die Idee, daß er mir eigentlich sagen sollte, daß ich gar kein Hörgerät brauchte? Er kann doch unmöglich angenommen haben, daß ich gekommen war, um mir ein Hinterdemohrmodell in dezenter Farbe auszusuchen, direkt einpacken zu lassen und als schickes Accessoire zu tragen! Einfach so?!
Nun gut, ich vermute, der gute Mann war nicht sonderlich intelligent. Ich verabschiedete mich auf jeden Fall ohne den Vorsatz, mir irgendwelche Bescheinigungen besorgen zu wollen.

 

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