Frau Schletterer singt nicht mehr

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M
Maulbronn
26.03.2023 10:48

Gestern durfte ich einen Samstag erleben, von dem ich bestimmt noch eine Weile zehren werde.
Ich nahm nämlich am „Maulbronner Blockflötentag“ teil, den Frau Christa Schmetzer immer leitet, und der gestern schon zum 18. Mal stattfand. Ich selbst war gestern allerdings zum ersten Mal dabei.
Bei der Anmeldung gibt man an, welche Flöten man mitbringen und spielen kann, und wenn man dann ankommt, findet man an der Wand eine Namensliste, auf der man nachlesen kann, für welches Register man eingeteilt ist.
Bei mir war „Alt“ markiert, also suchte ich mir im bereits aufgestellten Orchestergestühl einen für „Alt“ markierten Sitzplatz aus, richtete mich ein, schaute schon mal in die für jeden bereitgestellten Noten und badete in meiner Vorfreude auf das, was mich erwartete.
Schon bevor es losging, schweifte mein Blick durch den Raum zu den großen Flöten, die bereits am Rand des Raumes standen und auf Einsatz warteten. Da waren alle Sorten von Baßflöten vorhanden: Baß, Großbaß und Subbaß in jeweils beeindruckender Anzahl. Und es war mir sofort klar: an Substanz in den unteren Registern wird es heute nicht fehlen.
Ein Subbaß mißt ja locker mal 2,30 m in der Höhe, und um so eine Flöte spielen zu können, muß man entweder stehen oder eine Stehhilfe zur Hand haben. Wer in diesem Register eingesetzt wird, reist also auf jeden Fall auch für nur einen Tag mit großem Gepäck!
Aber auch alle anderen Register waren üppig besetzt – schließlich waren ja mehr als 40 Leute angereist, um in diesem „Projektorchester“ mitspielen zu können.
Wir begannen mit einem Kanon, was ja eine einfache Art ist, um Mehrstimmigkeit zu erzeugen. Auch haben alle Flöten gleich viel zu tun, und niemand langweilt sich, weil er oder sie vielleicht nur „brumm – brumm – brumm (zwei drei) – brummbrumm“ zu spielen hat.
Anschließend erfreuten wir uns an 6-stimmiger Renaissance-Musik mit Cantus firmus, lernten Wertvolles über die richtige Gestaltung von Musik aus dieser Zeit dazu, spielten Swing, Spirituals und Volkslieder („Ännchen von Tharau“ nur mit den tiefen Registern gespielt ist ein Traum!) und ließen den Tag mit Barockmusik von Albinoni ausklingen.
Wer keine Ahnung von Blockflöten hat und immer nur darüber lästert, weil er/sie dieses Instrument nur mit ABC-Schützen in Verbindung bringt, der sollte sich solch ein großes Orchester mit seinem Klangvolumen und warmen Ton einfach mal anhören! Wir zeigten gestern auf jeden Fall unter der kundigen Leitung von Frau Schmetzer eine Spielfreude, Gelehrigkeit und Präzision, die selbst die Leiterin dazu veranlaßte, mitten im Stück abzubrechen, um uns zu sagen, wie toll wir das gerade gemacht hatten.
Wenn das nicht guttut…?! 
 

  

Erste Sätze
Andächtige Passionszeit

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